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Angio­genese­hemmung

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Therapieoption bei metastasiertem Brustkrebs

Seit einigen Jahren ist der Angiogenesehemmer Bevacizumab (Avastin®) für fortgeschrittenen Brustkrebs auf dem europäischen Markt zugelassen. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA ist nun zu dem Ergebnis gekommen, dass Bevacizumab, das generell in Verbindung mit einer Chemotherapie verordnet wird, nicht in allen Kombinationen die gleiche Wirksamkeit zeigt. Mamma Mia! sprach mit Prof Dr. Volkmar Müller vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf über die Therapieoption mit dem Angiogenesehemmer.

Mamma Mia!: Herr Dr. Müller, könnten Sie uns den Wirkmechanismus des Angiogenesehemmers kurz erläutern?

Prof. Dr. Volkmar Müller: Bevacizumab ist ein monoklonaler Antikörper, ein Eiweißstoff, der speziell so hergestellt wird, dass er einen Botenstoff im Körper attackiert und ihn inaktiviert. Bei diesem Botenstoff handelt es sich um den „vascular endothelial growth factor“, abgekürzt VEGF. VEGF ist für die Bildung von Blutgefäßen mit verantwortlich. Für die Versorgung von Tumoren und Metastasen sind solche Blutgefäße von Bedeutung. Als Folge eines Mangels an VEGF wird das Tumorwachstum beeinträchtigt. Häufig wird davon gesprochen, dass der Tumor und die Metastasen „ausgehungert“ werden. Allerdings scheint nicht nur die Bildung von Blutgefäßen beeinträchtigt, sondern auch die Funktion der Blutgefäße so verändert zu werden, dass Chemotherapiemedikamente die Tumorzellen besser erreichen können. Insgesamt sind viele Einzelheiten des Wirkungsmechanismus von Bevacizumab noch nicht geklärt. Darüber hinaus fehlen so genannte prädiktive Faktoren, die besser vorhersagen helfen, welche Patientinnen besonders von dem Medikament profitieren.

Mamma Mia!: Wann kommt Bevacizumab zum Einsatz?

Prof. Dr. Volkmar Müller: Bevacizumab wird in Kombination mit Chemotherapiemedikamenten bei einer Reihe von Krebserkrankungen eingesetzt. Bei Brustkrebs ist das Medikament in Kombination mit den Chemotherapiemedikamenten Paclitaxel oder Capecitabine für die Behandlung von Patientinnen zugelassen, die Metastasen haben. In Studien zum adjuvanten Einsatz im Rahmen einer vorbeugenden Therapie nach einer Operation konnte kein zusätzlicher Nutzen gezeigt werden. Wenn Bevacizumab hingegen zusätzlich im Rahmen einer „neoadjuvanten“ Chemotherapie vor einer Operation gegeben wurde, konnte der Therapieerfolg verbessert werden. Diese letztendlich nicht ganz klaren Ergebnisse führen dazu, dass der Einsatz bei Patientinnen ohne Metastasen in der Regel nur im Rahmen von klinischen Studien empfohlen wird.

Mamma Mia!: Die Europäische Arzneimittelagentur EMA hat bestätigt, dass der Nutzen von Bevacizumab in Kombination mit Paclitaxel eine wichtige Kombination für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs ist. Die Kombination mit Docetaxel bewertet sie als ungünstiger. Woran liegt das?

Prof. Dr. Volkmar Müller: Die Kombination von Paclitaxel mit Bevacizumab zeigt eine Verbesserung des Therapieerfolges verglichen mit einer alleinigen Chemotherapie. Eine Kommission der europäischen Arzneimittelbehörde (Committee for Medicinal Products for Human Use, CHMP) hat im Dezember 2010 die Auffassung vertreten, dass dieses weiterhin eine positive Bewertung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses nahelegt. Für die Kombination von Docetaxel und Bevacizumab wurde aufgrund des geringeren absoluten Vorteils im Hinblick auf das Therapieansprechen der Metastasen die Wirkung als nicht so positiv beurteilt. Es wurde empfohlen, die Zulassung zurückzuziehen. Zusätzlich wurde die Kombination von Bevacizumab mit dem Chemotherapiemedikament Capecitabine für Patientinnen zugelassen, die keine Taxane erhalten können. Dieser Einschätzung liegt die Auswertung von Daten klinischer Studien zugrunde, aber natürlich auch eine subjektive Bewertung der Fachleute.


Mueller-VolkmarPD Dr. med. Volkmar Müller
Geschäftsführender Oberarzt, Leiter konservative gynäkologische Onkologie
Klinik und Poliklinik für Gynäkologie
Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf
Martinistraße 52
20246 Hamburg
Tel.: +49 (0)40 7410-57606
Fax: +49 (0)40 7410-40070
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