Die Powerfrauen (mit Einschränkung)

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Impressionen des Mamma Mia! Familienwochenendes

Es passiert mir nicht oft, dass mir die Worte fehlen. Aber jetzt fehlen mir die Worte, um wiederzugeben, wie ich unser Familienwochenende erlebt habe. Es fällt mir schwer auszudrücken, was ich während und nach dem Wochenende empfunden habe – eine Mischung aus tiefer Demut, Trauer, Wut, Erfülltheit, Freude, Nähe, Mitgefühl, Dankbarkeit.

Rückblick: Ende November luden wir unter dem Motto „Wir geben Brustkrebspatientinnen eine Stimme“ Familien ein, in denen die Mutter an metastasiertem Brustkrebs erkrankt ist. Ziel des Wochenendes war es, gemeinsam Zeit zu verbringen, zu reden, sich auszutauschen, Hilfestellung zu geben und Botschaften zu sammeln. Botschaften an die Welt.

Der metastasierte Brustkrebs ist die vergessene oder besser gesagt gerne ignorierte, nicht wahrgenommene, verschwiegene Seite der Krankheit. Aus ihr lassen sich nur wenige Erfolgsgeschichten stricken, Geschichten von Frauen, gerne Prominenten, die „den Krebs besiegen“, die gestärkt aus der Krankheit hervorgehen, die trotz Chemotherapie strahlend vor der Kamera stehen. Frauen mit metastasiertem Brustkrebs wissen, dass ihre Krankheit nicht heilbar ist, sie hoffen, dass es mithilfe einer Therapie gelingt, das Tumorwachstum zu stoppen, das Fortschreiten aufzuhalten. Ist das nicht mehr der Fall, wird eine andere Therapie ausprobiert. Es ist ein Leben voller Sorgen, Angst, Ungewissheit – und Hoffnung.

Der Beginn des Familienwochenendes
Ich möchte Ihnen unsere Familien kurz vorstellen: Mit in Freiburg war Jule (33), alleinerziehend, mit ihren Kindern Paula (8) und Fabian (7) aus Bayern. Aus dem Münsterland reiste Kerstin (34) mit ihrem Mann Stefan und ihren beiden Jungs Julius (2) und Johannes (7) an. Vom anderen Ende Deutschlands, nämlich aus dem Großraum Berlin, kam Nicole (41) mit ihrem Lebensgefährten Matthias und ihren Kindern Pia (15) und Pascal (18). Würde es nicht so pathetisch klingen, würde ich sagen, es war Liebe auf den ersten Blick. Sowohl wir Großen als auch die Kleinen brauchten nur einige wenige Minuten, um einen Draht zueinander zu entwickeln und Vertrauen aufzubauen. Die Atmosphäre hatte unsere Erwartungen bei weitem übertroffen.

 

Begleitet wurde unsere Gruppe von der Heilpraktikerin für Psychotherapie und Gestalt-Therapeutin Sabine Brütting, die seit vielen Jahren Kinder krebskranker Eltern sowie ganze Familien betreut und beim Verein „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e. V. aktiv ist. Sabine führte viele Gespräche mit den Frauen, Männern und Kindern und verfasste gemeinsam mit ihnen die Botschaften, die an die Welt adressiert werden sollen. In den Gesprächen ging es aber nicht nur um die Botschaften, vielmehr wurde über alles Mögliche gesprochen – über die Krankheitsbewältigung, die Lebenssituation, den Umgang mit dem sozialen Umfeld, über Angst und Trauer, Mut und Hoffnungslosigkeit. Es wurde viel geweint, aber auch viel gelacht – wie im wahren Leben.

Doris C. Schmitt, Kommunikationstrainerin für Arzt-Patienten-Kommunikation, war ebenfalls nach Freiburg gekommen. In einem lebendigen Workshop erläuterte sie, wie eine gute Kommunikation gelingen kann. Als ehemalige Brustkrebspatientin konnte sie außerdem zuhören, beraten und trösten; all das war an diesem Wochenende gefragt.

Persönlicher Austausch unter Betroffenen
Die Freude war groß, als sich Papas und Kinder auf den Weg zum Indoorspielplatz in der Nähe des Hotels machten. Nicht weniger groß war die Freude bei unseren drei Frauen, die nun Zeit hatten, sich ganz in Ruhe auszutauschen. Schließlich gibt es sonst wenig Gelegenheit, sich mit Müttern zu unterhalten, deren Brustkrebs metastasiert ist. Ein persönliches Treffen und Gespräch ist eben doch viel mehr wert als ein Online-Austausch, darüber waren sich die Frauen einig. So ging es auch Stefan und Matthias, von denen als Männer und Väter erwartet wird, dass sie stark sind und sich um ihre Familie kümmern. Austausch mit mitbetroffenen Männern gibt es kaum. Die Erkenntnis aber, mit der Situation nicht allein zu sein, hilft ebenso wie wertvolle Tipps, die den Alltag betreffen.

Nicht weniger intensiv war der Austausch unter den Kindern. Zunächst war die Aufgabe, Gemeinsamkeiten zu finden. Fußball, sollte man meinen, wäre auf dem Blatt der Jungs gestanden. Doch darauf konnten sie sich nicht einigen, nicht alle sind Fußballfans. Pascal findet Fußball eher langweilig. Autosport passte eher, außerdem Quatsch machen und Schule doof finden. Die Liste der Mädchen war etwas länger. Eine Sache jedoch haben alle Kinder, Jungs und Mädels, gemeinsam: Alle haben eine Mutter, die an Brustkrebs erkrankt ist – und zwar alle im Jahr 2011. Wenn das nicht verbindet…

 

Die Botschaften
Wie geht man mit jemandem um, der schwer, gar unheilbar krank ist? Diese Frage stellen sich viele Menschen. Leider ziehen viele den Schluss, dass es einfacher ist, einen großen Bogen um diese schwierige Situation zu machen, lieber nichts zu machen als etwas falsch zu machen. Selbst innerhalb der „Brustkrebs-Community“ ist dieses Phänomen zu beobachten: Es ist für Brustkrebspatientinnen schwierig, sich mit dem Fortschreiten der Krankheit auseinander zu setzen, schließlich haben alle Angst davor. Es ist einfacher zu meiden, wegzuschauen, wegzuhören. Schauen wir nun auf die andere, die „schwierige“ Seite. Wie fühlen sich wohl unsere drei wundervollen Frauen, wenn sie merken, dass andere Menschen, Freunde, Bekannte ihnen aus dem Weg gehen? Ehemalige Weggefährtinnen nichts mehr von sich hören lassen? Wenn sie merken, dass es ein alltäglicher Kampf ist, um von Krankenkassen und Behörden die Unterstützung zu bekommen, die einem eigentlich zusteht? Was ist das für ein Gefühl, wenn in Medien nur von irgendwelchen Sternchen die Rede ist, die den Krebs nach drei Monaten bekämpft haben? Wenn sie hören, dass „Brustkrebs ja heutzutage gar nicht mehr so schlimm ist“? Wenn selbst Bücher und Ratgeber das Kapitel „metastasierter Brustkrebs“ gerne auslassen, weil es so schwierig ist? Wer hört ihnen überhaupt zu, den Frauen, die von der „vergessenen“ Seite der Krankheit betroffen sind? Wir! Wir hören zu und wünschen uns, dass das in Zukunft sehr viel mehr Menschen machen. Deshalb haben wir sie aufgenommen, die Botschaften von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs an die Welt:

 

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„Wir geben Brustkrebspatientinnen eine Stimme“:
Das Mamma Mia! Frauenwochenende
Unter diesem Motto laden wir Frauen mit metastasiertem Brustkrebs zu einem gemeinsamen Wochenende ein. Wir möchten weitere Botschaften sammeln und Ihnen außerdem zeigen, wie Sie selbst Ihre Botschaften in die Welt tragen und sich engagieren können: Wie organisiere ich eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs? Wie kann ich die Öffentlichkeit über unsere Krankheit informieren? Wie funktionieren soziale Medien, Blogs und Foren? Was macht eine gute Arzt-Patienten-Kommunikation aus? Diese Punkte möchten wir mit Ihnen besprechen und Ihnen außerdem einen Überblick über Therapieoptionen beim metastasierten Brustkrebs geben, damit Sie andere Frauen unterstützen können. Termin: 10. und 11. September 2016 in Frankfurt. Wer Interesse hat, an unserem Frauenwochenende teilzunehmen, kann sich unter redaktion@mammamia-online.de bewerben. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.


 

Das Ende des Familienwochenendes
Es war nur ein Wochenende, zeitlich gesehen wie jedes andere Wochenende. Und doch war es für alle Teilnehmer ein ganz besonderes Wochenende. „Vielleicht kriegt Mama ja nächstes Jahr wieder Krebs – also nicht so schlimm wie jetzt, aber so, dass wir wieder mit zum Familienwochenende fahren können“, sagt Fabian am letzten Tag. „Es war ein sooooooo schöööööönes Wochenende, wir erzählen auch sehr viel darüber. Es hat uns allen gut getan“, schreibt uns Nicole. „Das Wochenende hat all unsere Erwartungen übertroffen“, resümiert Stefan. Tief bewegt tritt auch Sabine Brütting die Heimreise an: „Dieses Wochenende zählt zu den bewegendsten Erlebnissen, die ich in meinem Berufsleben hatte. Und ich? Ich habe noch viele Tage gebraucht, um wieder in meinem normalen Leben anzukommen. Der Kontakt unter uns allen ist geblieben, schon wird überlegt, wann wir uns das nächste Mal treffen können. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Die Schatzkiste
Was wäre der Mensch ohne Erinnerungen? Erinnerungen machen unser Leben aus. Deshalb haben wir gebastelt. Jede Familie hat eine eigene Schatzkiste kreiert, in der die schönsten Erinnerungen gesammelt werden können. Erste Schätze liegen schon drin, wie beispielsweise die Familienporträts, die wir während des Wochenendes gemacht haben. Und die Kisten selbst? Sie werden uns immer an ein tolles Wochen­ende in Freiburg erinnern!  es

Das Video zum Mamma Mia! Familienwochenende finden Sie hier.

 


Das Wochenende wurde finanziell unterstützt von Pfizer Pharma GmbH, wofür wir sehr dankbar sind! Es wäre uns sonst nicht möglich gewesen, dieses Wochenende, das für uns alle eine große Bereicherung war, durchzuführen.