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Entscheidung zur (prophylaktischen) Mastektomie

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Wie ist die Lebensqualität nach einer Brustrekonstruktion?

Das Mammakarzinom ist trotz Verbesserungen in Diagnostik, Therapie und Prognose eine traumatische Erfahrung für die meisten Frauen. Für einen kleinen Teil von Frauen, die an einer genetischen Veranlagung (zum Beispiel BRCA-1- oder BRCA-2-Mutation) erkrankt sind, kann das Erkrankungsrisiko durch einen chirurgischen Eingriff reduziert werden. Seit Angelina Jolie eine risikoreduzierende Chirurgie im Sinne einer vorbeugenden Brustentfernung mit gleichzeitiger Brustrekonstruktion vorgenommen hat, wurde dieses Thema weltweit in den Medien und der Bevölkerung breit thematisiert. Mit dieser risikoreduzierenden chirurgischen Maßnahme wie der Mastektomie (Entfernung der Brustdrüse) lässt sich eine Risikoreduktion um über 95 Prozent erzielen.

Wie aber sieht das Leben nach einer Brustrekonstruktion aus? Kommen die Frauen mit dieser Entscheidung zurecht? Hat sich das Leben mit dem Partner verändert? Wird die eigene Sexualität wieder den gleichen Stellenwert erlangen, den sie vor der Operation hatte? Und wie sieht das Selbstbild der Patientinnen aus? Dank neuerer Operationstechniken ist es möglich, das Trauma der körperlichen Veränderungen durch eine Mastektomie zu minimieren.

Bei einer Brustrekonstruktion besteht prinzipiell die Möglichkeiten der Sofortrekonstruktion oder der sekundären Rekonstruktion. Von den Patientinnen, die sich für einen Brustaufbau entschieden haben, erleben besonders die Frauen mit einer Sofortrekonstruktion einen größeren Vorteil für ihr Wohlbefinden, das eigene Körperbild und die Partnerschaft. Da die Patientinnen nicht das Fehlen ihrer Brust erleben müssen, wird dieser große operative Eingriff als weniger belastend empfunden. Fernandez-Delgado J. (Ann Oncol 2008) hat bei 526 Frauen gezeigt, dass eine Sofortrekonstruktion wesentliche psychologische Vorteile gegenüber einer späteren, und erst recht gegenüber gar keiner Rekonstruktion mit sich brachte. Frauen, die keine Brustrekonstruktion durchführten, gaben deutlich mehr emotionale Probleme an.

Untersuchungen des eigenen Patientenkollektivs

Im Brustzentrum Düsseldorf Luisenkrankenhaus wurden Patientinnen mit Brustrekonstruktion anhand validierter Fragebögen hinsichtlich ihrer Lebensqualität nach der Brustrekonstruktion sowie Sichtweise des eigenen Körpers untersucht. Hierbei handelt es sich um die erste Zwischenauswertung der Sofortrekonstruktionen nach prophylaktischer oder therapeutischer, hautsparender oder subkutaner Brustentfernung, deren Daten von uns auf dem ASCO Breast Cancer Symposium in San Francisco 2012 berichtet wurden. Die Risiken und möglichen Komplikationsraten wurden in die Analyse einbezogen. 70 Prozent der Patientinnen hatten den Fragebogen beantwortet. Im Folgenden werden einige Aspekte der Befragung aufgegriffen:

1. Volumenzufriedenheit

82 Prozent der befragten Patientinnen gaben an, das Volumen der operierten Brust als sehr gut bis gut zu empfinden.

2. Zufriedenheit mit dem ästhetischen Ergebnis

Etwa 80 Prozent der befragten Patientinnen gaben an, sehr gut oder gut mit dem kosmetischen Ergebnis zufrieden zu sein.

3. Änderung des Körperselbstbildes nach der Brustrekonstruktion

82 Prozent der Patientinnen gaben an, keine Veränderung der Brustgröße nach Rekonstruktion mit Implantat und Netz zu bemerken.

4. Probleme, sich unbekleidet zu sehen

Wir fragten die Patientinnen, ob sie nach der Brustrekonstruktion Schwierigkeiten hatten, sich unbekleidet anzuschauen. Hierbei gab es vier Kategorien:
1=gar nicht
2= kaum
3=mittelmäßig
4= sehr.

88 Prozent der Patientinnen gaben an, keine oder kaum Schwierigkeiten zu haben, sich unbekleidet nach der Brustrekonstruktion zu sehen.

5. Nebenwirkungen nach der Brustrekonstruktion

Welche Nebenwirkungen wurden im Zusammenhang mit einer Brustrekonstruktion von den Patientinnen berichtet? Hier sind in erster Linie – aufgrund der notwendigen Hautschnitte im Rahmen jeder Rekonstruktion – auftretende Sensibilitätsstörungen zu nennen, die von etwa 68 Prozent der Patientinnen angegeben wurden. Die üblichen mit Operationen verbundenen Risiken waren in dieser Gruppe vergleichsweise gering. So traten diese nur im Umfang von fünf bis zehn Prozent auf.

6. Lebensqualität

Wir fragten die Patientinnen mit validierten Fragebögen nach ihrer Lebensqualität nach der Brustrekonstruktion. Gut bis exzellent wurde dabei von etwa 80 Prozent der Patientinnen angegeben, während nur drei Prozent eine schlechte Lebensqualität bemerkten.

7. Sexuelle Aktivität nach der Brustrekonstruktion

Sexualität ist naturgemäß mit Körperlichkeit verbunden, Veränderungen des Körperbildes werden von Patientinnen als störend wahrgenommen. Krebs und Sexualität ist ebenfalls ein wichtiges Thema, mit dem sich viele Autoren beschäftigen. Markoupolos C (2009) hatte 108 Patientinnen ohne Rekonstruktion und 16 mit sekundärer Rekonstruktion untersucht und fand heraus, dass eine Brustamputation ohne Rekonstruktion einen negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl und das Sexualleben gegenüber einer Amputation mit Rekonstruktion hatte. Daher fragten wir unsere Patientinnen gezielt nach dem Erleben beziehungsweise nach der Wiederaufnahme ihrer sexuellen Aktivität nach der Brustrekonstruktion. Wir konnten dies an unserem Kollektiv mit Sofortrekonstruktionen bestätigen. Insgesamt nahmen 87 Prozent ihre sexuelle Aktivität nach der prophylaktischen Brustentfernung mit gleichzeitiger Rekonstruktion wieder auf.

Operationstechnik

Wir hatten bereits beim ASCO 2010 eine neue Technik präsentiert, nämlich eine Mastektomie und Rekonstruktionstechnik mit simultanem Aufbau der Brustwarze und Vollrekonstruktion über eine Schnitttechnik in der Brustumschlagsfalte oder dem Brustwarzenrand. Es handelt sich um einen umgekehrten T-Schnitt mit einer sehr kleinen Narbe. Das Silikonimplantat wird unter die Muskelloge eingelegt, was wahlweise mit einem titanisierten Netz oder eigenem Fett-Haut-Lappen bedeckt wird. Simultan wird in der gleichen Operation die Brustwarze wieder rekonstruiert. Wir haben diese Technik bei 20 BRCA-1- und BRCA-2-Mutationsträgerinnen beschrieben und die Patientenzufriedenheit erhoben. Die Patienten zeigten sich mit dem Eingriff sehr zufrieden und äußerten, sich immer wieder dafür zu entscheiden, falls sie noch einmal wählen sollten. Mittlerweile sind es über 40 Mutationsträgerinnen, die ein ähnliches Resultat berichtet haben.

Fazit

Insgesamt konnte mit validierten Fragebögen eine hohe Patientenzufriedenheit und Lebensqualität nach einer Brustrekonstruktion sowohl nach prophylaktischer als auch therapeutischer Mastektomie festgestellt werden. Die Nebenwirkungsrate ist nicht gleich Null – die Patientin muss auch um die Möglichkeit der Sensibilitätsstörung wissen. Es traten jedoch in dem untersuchten Kollektiv die üblicherweise bei Operationen auftretenden Nachwirkungen nur in sehr geringem Maße auf. Patientinnen mit Brustrekonstruktion erleben ihre körperliche Integrität als wiederhergestellt und können sich offenbar ihrer Sexualität wieder unbeschwert hingeben. Angelina Jolie war sicherlich nicht die erste und auch nicht die letzte Frau, die sich zu einem solchen Eingriff entschlossen hat, aber aufgrund ihrer Prominenz und des positiven Umganges ihres Umfeldes mit ihrer Entscheidung bietet sie sicherlich einen neuen Anlass, über diese Möglichkeit nachzudenken.


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Stephanie Strauß
Peter Kern

Luisenkrankenhaus GmbH & Co. KG
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