Mamma Mia! Partnerwochenende

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Metastasierter Brustkrebs:
Große Herausforderung für Paare

Impressionen vom Mamma Mia! Partnerwochenende

Rund 42.000 Frauen mit metastasiertem Brustkrebs leben in Deutschland. Jede dieser Frauen hat neben ihrer Krankheit weitere Herausforderungen zu bewältigen, denn sie wird mit der Diagnose schonungslos aus ihrem bisherigen Leben gerissen. Manche Frauen wissen nicht, wie es beruflich weitergehen soll, andere sorgen sich um ihre Kinder oder müssen einen unerfüllten Kinderwunsch überwinden. Und es gibt die Frauen, die in einer Beziehung leben. Der Partner, das wissen wir, ist mit betroffen. Auch für ihn ist plötzlich nichts wie es vorher war. Für viele Männer ist es schwierig, sich Unterstützung zu suchen. Zum einen gibt es wenig Angebote für Angehörige und zum anderen ist es nicht einfach, sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, wenn doch der Partner krank ist. Mamma Mia! hat einige Paare eingeladen, die mit der Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ konfrontiert wurden und fortan damit leben müssen. Ziel des Wochenendes war es, mehr über die Situation der betroffenen Paare zu erfahren, sie zu informieren und ihnen Raum für Austausch zu bieten. Die Atmosphäre während des Wochenendes lässt sich kaum in Worte fassen. „Die Liebe zwischen Euch war förmlich zu spüren“, sagt Anne-Claire Brühl, Mitherausgeberin des Brustkrebsmagazins Mamma Mia! bei der Abschlussrunde. Ja, es waren ganz besondere Paare, die an diesem Wochenende teilnahmen. Es waren Paare, die zusammenhalten, sich der Herausforderung stellen und die schwere Zeit gemeinsam durchstehen möchten. Das ist nicht immer der Fall. Viele Partnerschaften zerbrechen an der Last. Das Mamma Mia! Wochenende zeigt aber, dass es gehen kann, wenn sich beide Partner bemühen und aufeinander zugehen. Wie, das bringen die Geschichten der Teilnehmer zum Ausdruck.

Die Diagnose

Es gibt verschiedene Wege, wie Partner die Diagnose aufnehmen. „Die Frau Doktor hat uns ganz einfach gesagt: „Ja, es sind Metastasen da“, und Claudia ist fast zusammengebrochen, sie musste sich hinlegen“, erinnert sich Peter an den Tag der Diagnosestellung. „Die Ärztin hat dann ganz einfach weiter erzählt, was das Ganze bedeutet, wie die Therapien weitergehen. Claudia hat nichts mitbekommen. Sie lag dort. Ich habe mir alles aufgeschrieben, versucht, nachher alles wiederzugeben, weil Claudia ganz einfach abgeschaltet hatte, was völlig logisch ist. Ich dachte nur: „Ich muss weiter funktionieren für meine Frau!“. Emotional habe ich in dem Moment nicht wirklich realisiert, was da los ist. Die Verarbeitung hat viel länger gedauert“, erzählt er.
Auch Sven hat nach der Diagnosestellung das Zepter in die Hand genommen: „Ich habe mich nach der Erstdiagnose umfangreich informiert im Internet. Also nicht nur in Foren, sondern Wikipedia, andere Berichte, Mamma Mia, habe mir Arztberichte durchgelesen und Vorträge gehört, um die Situation für mich in den Griff zu bekommen und zu wissen: „Was ist das?“. Vorher haben wir uns nie mit Krebs beschäftigt, haben auch in der Familie keine Krebserkrankten und ja, da habe ich mich erst mal belesen und wusste sicherlich auch erst mal mehr als Diana. Diana hat erst in den Folgemonaten realisiert, was das heißt.“ Diana war dankbar für diese Unterstützung. „Sven sagte dann auch „Ich möchte, dass wir uns eine zweite Meinung reinholen“. Guck doch mal in Uni-Kliniken, wo man hinfahren kann. Und dann hab ich gesagt: „Nee. Mach Du“. Ich setze mich nur ins Auto, fahr mich irgendwo hin. Ich hatte einfach die Kraft nicht dazu. Und so war es auch. Er hat wirklich viel unternommen und ich bin froh, ihn an meiner Seite zu haben“, sagt sie.
Franz schildert den Moment der Diagnosestellung wie folgt: „Man ist hilflos. Man nimmt das auf, kann aber nichts machen.“ Und jetzt, nachdem einige Zeit vergangen ist? „Zweifel schweben immer irgendwo im Hinterkopf, aber man darf denen nicht zu viel Raum geben. Ich gehe manchmal zum Golf spielen, dann bin ich mit dem Kopf woanders. Ablenkung ist wichtig, da werden über andere Themen gesprochen, oft über lapidare Sachen, aber das tut dann gut“, berichtet er.

Männergespräche

Selten haben die Partner der erkrankten Frauen die Möglichkeit, sich mit anderen Männern in ihrer Situation auszutauschen. Diesen Raum sollten sie beim Mamma Mia! Partnerwochenende erhalten. Während die Frauen Tipps zur Hautpflege und Kosmetik von La Roche Posay erhielten und sich schminken lassen konnten, waren die Männer unter sich. Anderthalb Stunden waren für diesen „Männertalk“ im Beisein der Psychologin Sabine Brütting geplant. Erst nach zwei Stunden öffnete sich langsam die Tür, doch die Gespräche wurden nicht weniger intensiv fortgeführt. „Ich bin so glücklich, dass nun auch mal mein Mann unterstützt wird, dass er sich mit Männern austauschen kann, die in derselben Situation sind“, sagt Sybille. Es nehme auch ihr viel Last von den Schultern, wenn sie wisse, dass ihr Mann Ballast loswerden kann.

Veränderungen in der Partnerschaft

Wie sich die Diagnose „metastasierter Krebs“ auf eine Beziehung auswirkt, ist ganz unterschiedlich. Es gibt sicherlich immer Höhen und Tiefen. Aber die Höhen, die sind besonders intensiv, findet Claudia A. „Wenn du mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wirst, lebst du bewusster. Definitiv. Und das tun Peter und ich auch, das haben wir vorher schon getan, aber wir tun’s jetzt vielleicht noch ein bisschen bewusster. Natürlich gönnen wir uns was. Wir gönnen uns diese Auszeiten, viel gemeinsame Zeit, viel Urlaub… Wir leben sehr bewusst im Hier und Jetzt und genießen die Zweisamkeit“, erzählt sie.
Dass es nicht nur Sonnenschein gibt, bringt Sven so zum Ausdruck: „Gut, die Krankheit bringt natürlich auch psychische Veränderungen mit, die ich bemerke. Diana regt sich schneller über Dinge auf, was sie früher nicht gemacht hat. Und das muss man halt nehmen, wie es ist, anstatt einen großen Streit zu entfachen. Das ist halt so.“ Diana weiß, wovon Sven spricht. „Das merke ich dann auch. Wenn sich Sven auf einmal umdreht und mich in Ruhe lässt, dann weiß ich, dass er nun genug hat von meinen Launen. Das tut mir dann leid, aber ich kann manchmal auch nicht aus mir hinaus.“

So kann es funktionieren

Was würden unsere Teilnehmer anderen Paaren in dieser Situation raten? „Reden, reden, reden. Wir haben immer sehr, sehr, sehr viel miteinander geredet. Wir waren immer sehr ehrlich zueinander, sehr offen“, sagt Claudia A. „Ein Motto von mir ist: „Mach dir keine Gedanken über etwas, das du nicht ändern kannst. Viele Leute fangen an zu hinterfragen: Warum trifft das mich? Warum bin ich betroffen? Warum nicht der? Was ist die Ursache? Was habe ich falsch gemacht?“, und das bringt keinen weiter“, ergänzt Peter. Das Heute genießen, ist Dianas Motto: „Ich lebe eigentlich nach dem Spruch „Gestern ist Geschichte. Morgen ist die Zukunft und heute ist das Leben“. Man muss das Heute genießen. Was morgen ist, weiß einfach keiner. Und einfach das Leben genießen und es positiv sehen. Wir achten darauf, dass der Krebs nicht unser Leben bestimmt.“ Sven stimmt zu und ergänzt: „Auf jeden Fall Ruhe bewahren, Schritt für Schritt gehen. Nicht immer das Ganze betrachten. Nicht über Prognosen nachdenken. Es gibt heute viele Verfahren, viele Medikamente, die eingesetzt werden, um die Metastasen konstant zu halten oder auch zu verkleinern. Mein Tipp: Rat suchen, sich nicht verschließen und auch mit Bekannten, Freunden drüber sprechen, um noch mal andere Meinungen zu hören. Wichtig ist aber, nicht ständig über die Krankheit zu sprechen.“

Fazit

„Wir, das Mamma Mia! Team, sind allen Teilnehmerinnen unendlich dankbar für ihr Vertrauen und ihre Offenheit. Es ist unser großes Bestreben, die Öffentlichkeit über die andere, die unbekannte Seite von Brustkrebs zu informieren, uns dafür einzusetzen, dass sich die Versorgung für Frauen und Männer mit metastasiertem Brustkrebs verbessert und allen Betroffenen eine Stimme zu geben, auf all unseren Kanälen“, fasst Eva Schumacher-Wulf, Chefredakteurin des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!, ihre Eindrücke des Wochenendes zusammen.


Das Wochenende wurde finanziell unterstützt von Novartis, Pfizer Pharma GmbH und La Roche-Posay, wofür wir sehr dankbar sind. Es wäre uns sonst nicht möglich gewesen, dieses Wochenende, das für uns alle eine große Bereicherung war, durchzuführen.