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Komme ich aus einer Darm­krebs­familie?

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In manchen Familien sind mehrere Angehörige von einer Tumorerkrankung betroffen. Nicht selten treten die Tumoren dabei in jüngerem Lebensalter auf. Darmkrebs ist häufig. In Deutschland entwickeln jährlich etwa 70.000 Menschen eine Neuerkrankung. Darmkrebs ist durch eine Operation grundsätzlich gut behandelbar. Die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie ist die frühzeitige Diagnose. Daher sind Früherkennungsuntersuchungen bei dieser Krankheit besonders wichtig. Die in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) Versicherten können ab dem 50. bis zum 54. Lebensjahr eine jährliche Testung auf verstecktes Blut im Stuhl („stuhlbriefchen-Test“) und im 55. und 65. Lebensjahr eine Vorsorgedarmspiegelung (Vorsorgekoloskopie) in Anspruch nehmen.

Für das familiäre Auftreten von Darmkrebs sind nicht nur äußere Einflussfaktoren wie zum Beispiel die Ernährung verantwortlich zu machen, sondern auch genetische Faktoren, die in den Familien vererbt werden können. Für Familien, die mit einer Tumorerkrankung belastet sind, ist die genannte Vorsorge häufig nicht ausreichend – zum einen weil sie möglicherweise zu spät beginnt, zum anderen weil der Abstand zwischen den Koloskopien zu lang ist und zudem eventuelle Risiken für andere Organe nicht berücksichtigt werden.

Für die korrekte Versorgung von Menschen mit einer familiären Belastung ist es wichtig, diese zu identifizieren, das Erkrankungsrisiko in der jeweiligen Familie abzuschätzen und die Vorsorgeempfehlung an das Risiko anzupassen. Nur auf diesem Weg ist es möglich, Tumorerkrankungen entweder völlig zu vermeiden oder zumindest so früh zu erkennen, dass eine hohe Aussicht auf Heilung besteht. Bisher werden in Deutschland familiäre Belastungen mit Tumor­erkrankungen bei Vorsorgemaßnahmen nur unzulänglich berücksichtigt. Dies gilt besonders für Darmkrebs. Bei etwa 20 Prozent der 70.000 Neuerkrankungen an Darmkrebs, das heißt bei 14.000 Personen, sind auch Verwandte der Patienten von Darmkrebs betroffen. Das familiäre Auftreten einer Krankheit kann durch verschiedene Faktoren zustande kommen. Es kann insbesondere ein entscheidender Hinweis auf Erblichkeit sein. Dickdarmkrebs kann auch in jungen Jahren auftreten. Eine frühe Erkrankung legt den Verdacht einer erblichen Ursache nahe.

Die meisten Erkrankungen an Darmkrebs treten in der Regel unverhofft und sporadisch auf, das heißt ohne Familiarität, meist im höheren Lebensalter. Diese Erkrankungen können durch die erwähnten Vorsorgekoloskopien erfasst werden. Es ist wichtig, dass die Versicherten sie auch in Anspruch nehmen.

Erblicher Darmkrebs

monogene Vererbung einer nachweisbaren Genveränderung (Mutation) in einzelnem Gen, z. B. HNPCC oder FAP; hohes Erkrankungsrisiko; erhöhtes Risiko für weitere Krebserkrankungen

Familiärer Darmkrebs

familiäre Häufung ohne nachweisbare Genveränderung (Mutation) in einzelnem Gen; erhöhtes Erkrankungsrisiko

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