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Möglich­keiten zur Minimierung des Erkrankungs­risikos

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Die Ursache für die Entstehung von Darmkrebs ist meist unbekannt. Neben nicht beeinflussbaren Risikofaktoren (zum Beispiel Vererbung; Umweltfaktoren) spielen insbesondere vermeidbare Lebensstilfaktoren eine Rolle, unter anderem Fehlernährung, Bewegungsmangel, unausgeglichene seelische Balance beziehungsweise Stress.

Da allerdings Darmkrebserkrankungen auch spontan und ohne offensichtliche Risikofaktoren auftreten, sind Selbstvorwürfe und Schuldgefühle nicht zu begründen, wenig hilfreich und beanspruchen zudem Aufmerksamkeit und Kraft, die für den wichtigen Heilungsprozess notwendig sind. Es gibt wissenschaftlich gesicherte Erkenntnisse, dass die Reduktion vermeidbarer Risikofaktoren das Darmkrebsrisiko deutlich senken kann. Zuweilen reichen kleine Veränderungen des Lebensstils, die im Folgenden kurz skizziert sind, um das Darmkrebsrisiko zu reduzieren.

Ernährungsoptimierung

Alle verfügbaren Untersuchungen deuten darauf hin, dass nicht ausgewogene Ernährung (unter anderem zu wenig Obst, Gemüse, Getreide, Ballaststoffe) beziehungsweise übermäßige Ernährung (unter anderem zu viel tierisches Fett und Fleisch sowie Alkohol) wesentliche Ursachen für die Förderung von Darmkrebserkrankungen sind. Obwohl es keine Ernährungsform gibt, die Darmkrebs mit Sicherheit verhindern kann (insbesondere auch so genannte „Krebsdiäten“ nicht), lassen sich doch Ernährungsempfehlungen aufstellen, die das Erkrankungsrisiko deutlich senken:

  • Übergewicht vermeiden (BMI zwischen 18 und 25)!
  • Täglich circa 400 Gramm verschiedener Obst- und Gemüsesorten, verteilt auf fünf Portionen. Insbesondere rotes Obst und Gemüse ist faserreich und enthält reichlich die Gesundheit schützende Antioxidantien.
  • Achtung: In jüngster Zeit wird die Einnahme so genannter sekundärer Pflanzenstoffe (zum Beispiel Indol-3-Carbinol, Curcumin) vorbeugend empfohlen, da sie in experimentellen Untersuchungen Krebsgene beeinflussen konnten. Da experimentelle Daten nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar sind, sollten zunächst Studien abgewartet werden, die eine verlässliche Aussage bezüglich der Wirksamkeit und Unbedenklichkeit ermöglichen!
  • Täglich circa 600 bis 800 Gramm pflanzliche Lebensmittel (Getreide, Kartoffeln, Hülsenfrüchte). Vorzugsweise gering beziehungsweise nicht verarbeitete Produkte!
  • Täglich fermentierte Lebensmittel beziehungsweise Milchprodukte, unter anderem Joghurt, Quark, Sauerkraut!
  • Alkoholkonsum ist aus krebsvorbeugender Sicht nicht empfehlenswert!
  • Ausreichende Trinkmenge beachten, das heißt, täglich mindestens zwei Liter kalorienarme Getränke, unter anderem Wasser, Tee!
  • Verzehr von rotem Fleisch (unter anderem Rind, Lamm, Schwein) auf höchstens dreimal pro Woche beschränken! Gesündere Alternativen sind Geflügel oder Fisch.
  • Achtung: Bezogen auf lebensnotwendige Nährstoffe (zum Beispiel Eisen, Selen, Zink, Vitamine) decken die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlenen Mengen von circa 300 bis 500 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche den Bedarf. Fleisch und Wurst sind also keine direkte Gefahr für die Gesundheit des menschlichen Organismus, wenn sie mengenmäßig nicht übertrieben verzehrt werden. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht wird weißes Fleisch (Geflügel, Fisch) eher empfohlen als rotes Fleisch (Rind, Lamm, Schwein). Dies liegt unter anderem am unterschiedlichen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Eisen. Während die ungesättigten Fettsäuren wichtige Schutzfunktionen erfüllen, könnte insbesondere der hohe Eisengehalt im roten Fleisch krebserregend sein. Wissenschaftlich ist seit längerem belegt, dass Eisen ein so genanntes Ko-Karzinogen (= krebserregende Substanz) für Schleimhautzellen des Magen-Darm-Traktes sowie bei Überschuss ein Wachstumsfaktor auch für Krebszellen sein kann.
  • Verzehr von fetthaltigen Lebensmitteln (zum Beispiel Kartoffelchips), insbesondere tierischer Herkunft (unter anderem Wurst, Mayonnaise), möglichst einschränken. Pflanzliche Öle bevorzugen!
  • Stark gesalzene und salzkonservierte beziehungsweise gepökelte Lebensmittel (unter anderem eingelegte Fleisch- und Gemüsearten) meiden! Gesündere Alternativen, zum Beispiel Kräuter und Gewürze, verwenden.
  • Verdorbene oder verschimmelte Lebensmittel sollten nicht mehr verzehrt werden!
  • Verbrannte oder verkohlte Lebensmittel eignen sich nicht für den Verzehr!
  • Nahrungsergänzungsmittel (unter anderem Vitamin-/Spurenelementpräparate; Obst- und Gemüsekonzentrate) sind zur Vorbeugung nicht angezeigt! Unkontrollierte Hochdosierungen oder bestimmte Inhaltsstoffe (unter anderem Eisen) können gesundheitsgefährdend sein!
  • Tabak sollte in keiner Form konsumiert werden, da er für circa 30 bis 40 Prozent aller Krebserkrankungen mit verantwortlich ist, inklusive Darmkrebs!

Körperliche Aktivität

Neben Fehlernährung ist Bewegungsmangel ein ernst zu nehmendes Problem der modernen Gesellschaft und mit verantwortlich für Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes mellitus und Krebs, insbesondere Darmkrebs. Dass Sport und Bewegung zur Verbesserung der Gesundheit beitragen, ist wissenschaftlich belegt. Und das nicht nur, weil Menschen, die sich regelmäßig bewegen, laut Statistik auch seltener rauchen, weniger Alkohol trinken und sich gesünder ernähren als „Bewegungsmuffel“. Sport fördert nicht nur die Beweglichkeit, sondern hilft auch gegen „kleine Fettpölsterchen“ und stärkt die Kondition. Ein mäßiges, aber regelmäßiges Ausdauertraining verbessert die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit, senkt Blutdruck und Körpergewicht, reduziert Blutzucker und Blutfette, stabilisiert das Immun- und Hormonsystem und verbessert die Lebensqualität. Als optimales Training im Sinne der Vorbeugung hat sich mäßiges Ausdauertraining (unter anderem Gehen, Walken, Joggen, Radfahren, Schwimmen) im so genannten „aeroben Bereich“ erwiesen.

Tipp: Trainieren Sie zwei bis dreimal pro Woche circa 30 bis 60 Minuten lang. Dies entspricht einem Verbrauch von etwa 2.000 kcal pro Woche oder circa 350 bis 700 kcal pro Tag. Falls Sie figürlich vom Sport profitieren wollen, dann essen und trinken Sie in der ersten Stunde nach dem Training nichts Kalorienhaltiges. Sonst würde der aktivierte Stoffwechsel gebremst und bräuchte die körpereigenen Energiereserven nicht abzubauen.

Aerobes Ausdauertraining belastet den Körper bei minimaler Intensität über einen längeren Zeitraum. Trainiert wird bei normaler Atmung ohne „aus der Puste zu geraten“. Dies entspricht einer Herzfrequenz für die Dauer der Belastung von 180 Schlägen pro Minute minus Lebensalter. Trainingseinheiten unter 20 Minuten sind nicht effektiv, trainiert wird möglichst 35 Minuten oder mehr. Es ist nicht unbedingt wichtig, viele Kalorien zu verbrennen. Wichtiger ist es, regelmäßig zu trainieren, um fit zu bleiben beziehungsweise zu werden.

Seelische Balance aufrechterhalten

Entgegen der weit verbreiteten Annahme konnte in wissenschaftlichen Studien nicht bestätigt werden, dass es einen Zusammenhang zwischen der Entstehung oder dem Wiederauftreten von (Darm)Krebs und psychischer Belastung gibt. Nachgewiesen ist allerdings der umgekehrte Effekt, nämlich ein positiver Einfluss einer ausgeglichenen seelischen Balance auf Krankheitsverlauf und Lebensqualität. Auch wenn seelische Unausgeglichenheit nicht ursächlich für die Entstehung von (Darm)Krebs ist, so kann sie diverse Regelkreise des menschlichen Organismus, unter anderem das Immunsystem (durch Freisetzung von Stresshormonen wie Adrenalin, Cortisol), das Hormon- sowie das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen und Krankheitssymptome verstärken. Daher sollten einige psychoonkologische Tipps zur Erhaltung der Gesundheit beachtet werden. Die Einhaltung der Empfehlungen zur Vorbeugung von Darmkrebs könnte das Erkrankungsrisiko deutlich reduzieren. Bitte stellen Sie sich der Verantwortung Ihrem Körper gegenüber und tragen Sie so wesentlich zu Ihrer Gesundhaltung bei.

Psychoonkologische Tipps zur Erhaltung der Gesundheit

  • Fragen Sie sich stets: „Was tut mir gut?“, „Was will ich?“
  • Machen Sie immer, beziehungsweise immer öfter, was Ihnen gut tut!
  • Übernehmen Sie Verantwortung für sich, Ihr Wohlbefinden und Ihren Körper!
  • Erlernen Sie „gesunden Egoismus“, der niemals gegen Familie, Freunde oder Anvertraute gerichtet ist!
  • Beachten Sie, dass anerzogene Charaktereigenschaften (zum Beispiel „immer für die anderen da zu sein“) zuweilen ausgenutzt werden und wohl dosiert sein sollten.
  • Hinterfragen Sie die vielen, gut gemeinten (manchmal aber ausschließlich geschäftsorientierten) Ratschläge zur Gesunderhaltung.
  • Gönnen Sie sich und Ihrem Körper Regenerations- und Entspannungszeiten, insbesondere bei intensiver beruflicher Tätigkeit. Planen Sie Auszeiten ein!
  • Regenerieren Sie Körper und Seele. Bewegen Sie sich, machen Sie regelmäßig Entspannungsübungen oder wenden Sie sich künstlerischen Tätigkeiten zu.
  • Visualisierungsübungen können das Vertrauen in die körpereigenen Regelkreise wiederherstellen.
  • Eine angstfreie Grundeinstellung hat einen positiven Einfluss auf nahezu alle Organsysteme (zum Beispiel auf das Immunsystem, das Hormon- sowie das Herz-Kreislauf-System). Versuchen Sie, Angst zu bewältigen, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe!
  • Gönnen Sie sich Freude und Spaß. Lachen setzt Endorphine (so genannte Glückshormone) und andere immunologische Botenstoffe frei, die Stimmungslage und Schmerzen positiv beeinflussen.
  • Die zeitweilige Abkehr vom Alltagsleben (Beruf, familiäre Verpflichtungen) durch Urlaub inklusive Ortswechsel regenerieren Körper und Seele.
  • Pflegen Sie Ihren Freundes- und Bekanntenkreis, denn vertraute Menschen vermitteln Sicherheit und Geborgenheit.

Beuth-JosefProf. Dr. med. Josef Beuth
Direktor des Instituts zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln

 

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