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Anti-PD-L1-Antikörper: Hoffnung berechtigt?

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Phase-III-Studie überprüft neues Wirkstoffprinzip

Die Behandlungsmöglichkeiten für Frauen mit Eierstockkrebs sind sehr begrenzt. Neue Wirkstoffe, die das Behandlungsspektrum möglicherweise erweitern könnten, erfahren daher große Aufmerksamkeit, so beispielsweise der Anti-PDL1-Antikörper Avelumab, ein so genannter Immuncheckpoint-Inhibitor. Der Wirkstoff wird seit Sommer in einer Phase-III-Studie in Kombination mit und/oder als Erhaltungstherapie nach einer platinbasierten Chemotherapie bei unbehandelten Patientinnen mit epithelialem Ovarialkarzinom im lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium III oder IV auf seine Wirksamkeit überprüft. Prof. Dr. Jalid Sehouli, Direktor der Klinik für Gynäkologie der Charité am Standort Campus Virchow, erläutert im Gespräch mit Mamma Mia! die Inhalte der Studie.

Mamma Mia!: Herr Prof. Sehouli, könnten Sie uns den Wirkmechanismus von Avelumab kurz skizzieren?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Die Abkürzung PD-1 steht für „Programmed Cell Death 1 Protein“. Das ist also ein Eiweißmolekül, welches für die Blindheit des Immunsystems gegen Krebszellen eine wesentliche Bedeutung spielt. Sein Mitspieler ist das so genannte PD-L1, welches auf den Tumorzellen liegt. PD-1 gehört zu den weißen Abwehrzellen, den aktivierten T-Zellen. Nun hat die Wissenschaft Antikörper entwickelt, die diese Interaktion zwischen PD-1 und PDL1 verhindert, damit die Krebszelle von den anderen Immunzellen erkannt und bekämpft werden kann. Avelumab ist ein Anti-PD-1 Antikörper und verstärkt somit die wichtige T-Zell-Antwort gegen die Krebszellen.

Mamma Mia!: Gibt es bereits erste Erfahrungen mit diesem Wirkstoff in der Behandlung von Eierstockkrebs?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Viel Erfahrung gibt es für den metastasierten Hautkrebs und den fortgeschrittenen Lungenkrebs. Nun liegen erste, aber noch nicht ausreichende Resultate zum Eierstock-, Eileiter und Bauchfellkrebs vor. In den Studien bei Frauen mit Rezidiven wurden bei einem Teil der Patientinnen erstaunliche Ergebnisse erzielt mit langer Tumorkontrolle. Anders als bei den klassischen Krebstherapien, wie Chemotherapien, kann die Wirkung erst nach vielen Wochen eintreten, die Tumorkontrolle kann aber dann sehr lange anhalten. Wissenschaftlich noch unklar ist aber vorab zu erkennen, welche Patientinnen von dieser Immuntherapie profitieren können. Hier laufen verschiedene Studien, die versuchen, das zu klären, indem das Tumorgewebe vor der Behandlung analysiert wird.

Mamma Mia!: Traten bei der Anwendung Nebenwirkungen auf?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Die Nebenwirkungen sind in der Regel nur leichter Ausprägung und dauern meist nur wenige Tage an. Bei der Interpretation der Nebenwirkungen sollte nie vergessen werden, dass die Tumor­erkrankung selbst und die Vortherapien (zum Beispiel Chemotherapie, Operation) ebenfalls auf die Nebenwirkungen Einfluss haben können. In den Studien sind folgende Nebenwirkungen beschrieben: Fatigue (körperliche Schwäche), Appetitmangel, Nausea (Übelkeit), Erbrechen, Diarrhö (Durchfälle), Husten, Obstipation (Verstopfung), Hautausschläge (Exantheme), Fieber und Kopfschmerzen. Sehr selten tritt eine besondere und schwerwiegende Form der Lungenentzündung auf (Pneumonitis). Daher ist es auch bei Immuntherapie sehr wichtig, dass alle Beschwerden dem Arzt mitgeteilt werden.

Mamma Mia!: Wie ist die so genannte „Javelin Ovarian 100“-Studie aufgebaut?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Es handelt sich um eine offene, internationale, multizentrische, randomisierte (1:1:1) Phase-III-Studie bei zuvor unbehandelten Patientinnen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Ovarialkarzinom (Stadium III oder IV). Randomisiert bedeutet, dass die Frauen per Zufallsprinzip in einen von drei Armen aufgenommen werden. Sie erhalten dann Avelumab parallel zur oder im Anschluss an die Chemotherapie beziehungsweise nur die Chemotherapie. Die Studie soll die potenzielle Überlegenheit von Avelumab in Kombination mit einer platinbasierten Chemotherapie gegenüber alleiniger Chemotherapie untersuchen. Bewertungskriterium ist das progressionsfreie Überleben. Die Studie wird etwa 950 Patienten einschließen.

Mamma Mia!: Für welche Patientinnen kommt eine Studienteilnahme infrage und an wen können sie sich wenden?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Ob eine Patientin für diese oder eine andere Studie geeignet ist, muss der Prüfarzt festlegen, er orientiert sich nach den so genannten Ein- und Ausschlusskriterien. Hier nur eine kleine Auswahl: histologisch gesichertes Ovarial-, Tuben- oder Peritoenaölkarzinom der Stadien III und IV. Chemotherapie mit so genannten Platinverbindungen geplant. Guter Allgemeinzustand, normale Leber- und Nieren und Knochenmarksfunktionen. Fragen Sie in den Studienzentren nach der Möglichkeit zur Teilnahme an einer klinischen Studie.

Mamma Mia!: Wann werden erste Ergebnisse der Studie erwartet?

Prof. Dr. Jalid Sehouli: Ohhh, das wird leider dauern, zuerst müssen die Patientinnen alle behandelt und dann nachbeobachtet werden, also erst in einigen Jahren werden die Ergebnisse dieser Studie bekannt sein.


Prof. Dr. med. Jalid Sehouli

Prof. Dr. med. Jalid Sehouli
Europäisches Kompetenzzentrum für Eierstockkrebs (EKZE), Charité Universitäts­medizin Berlin
Campus Virchow-Klinikum
Augustenburger Platz 1, 13353 Berlin
Tel.: +49 (0)30 450564002
Fax: +49 (0)30 450564900
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