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Psycho­onko­logische Ange­bote

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Hilfe bei der Krankheitsbewältigung

Die Diagnose „Eierstockkrebs“ stellt das ganze Leben auf den Kopf. Von einem Tag auf den anderen ist nichts mehr so, wie es war. Meist beginnt schon bald die onkologische Therapie, der Alltag zu Hause muss weiter laufen, und dann müssen erkrankte Frauen es auch noch schaffen, psychisch irgendwie mit der neuen Lebenswirklichkeit zurecht zu kommen.

Der nach dem anfänglichen Schock einsetzende Prozess der Krankheitsbewältigung braucht viel Zeit, wobei die Art und Weise, wie sich Frauen mit ihrer Krebserkrankung auseinandersetzen, sehr unterschiedlich sein kann. Es gibt die Kämpfernaturen, die sich nicht unterkriegen lassen wollen, und es gibt Frauen, die Kraft im Glauben finden. Wieder andere erfüllen sich nach Abschluss der onkologischen Therapie erst einmal einen großen Wunsch und nehmen sich vor, in Zukunft sehr viel bewusster zu leben. Nicht selten sind die Frauen selbst überrascht, welchen Weg sie nehmen und wieviel Kraft in ihnen steckt.

Ängste sind ganz normal

Trotzdem, immer sind auch die Ängste da: Angst, dem Leben und seinen vielfältigen Anforderungen nicht gewachsen zu sein, Angst vor der Sexualität, Angst vor Verlust, Angst vor Schmerzen, Angst vor dem Tod. Angst und depressive Stimmung bis hin zur Verzweiflung sind ganz normale Reaktionen, mit denen jede Frau angesichts der Diagnose „Eierstockkrebs“ zu kämpfen hat. Und ganz normal ist es auch, sich bei der Krankheitsbewältigung professionell unterstützen zu lassen.

Psychoonkologen sind dafür die richtigen Absprechpartner. Sie können an Krebs erkrankten Frauen helfen, Ängste und Stimmungstiefs zu durchleben und sie zu überwinden. Und sie können ihnen helfen, sich neu zu orientieren und neue Perspektiven zu entwickeln. Nicht wenige Frauen erkennen mit der Zeit in der Krebserkrankung die Chance für einen Neubeginn und die Konzentration auf das, was ihnen persönlich wirklich wichtig ist. Und auch bei fortgeschrittener Erkrankung, wenn vielleicht nicht mehr sehr viel Zeit verbleibt, können Psychoonkologen wertvolle Begleiter sein.

Psychologische Unterstützung in Anspruch zu nehmen, ist nicht – wie manche glauben – das Eingeständnis eigener Unfähigkeit. Es ist nicht mehr und nicht weniger als das Eingeständnis, bei dem schwierigen Prozess der Krankheitsbewältigung jemanden mit Erfahrung an der Seite haben zu wollen. Wer zum Psychoonkologen geht, ist nicht psychisch krank. Die Psychoonkologie möchte vielmehr präventiv wirken und verhindern, dass der enorme psychische Druck angesichts einer bedrohlichen körperlichen Erkrankung zu groß wird und dann vielleicht wirklich irgendwann zu einer manifesten Depression oder Angststörung eskaliert. Das sollten sich Frauen bewusst machen, die sich scheuen, psychologische Hilfe zu nutzen.

Ausprobieren, was weiter bringt

Psychoonkologen machen Angebote. Es gibt keine starren Konzepte, sondern es geht darum, für jeden einzelnen Patienten herauszufinden, wovon er auf seinem persönlichen Weg profitieren könnte. Nur der Patient selbst kann entscheiden, welche Angebote ihn wirklich weiterbringen.

Das können regelmäßige Gespräche mit dem Psychoonkologen – einzeln oder in einer Gruppe – sein, das kann aber auch das Erlernen von Entspannungsübungen und/oder meditativen Techniken sein. Ein Beispiel wäre die Achtsamkeitsmeditation, die darauf abzielt, mit sich selbst und anderen bewusst und gleichzeitig gelassen umzugehen. Bei onkologischen und nicht onkologischen Erkrankungen konnte nachgewiesen werden, dass sich durch regelmäßige Achtsamkeitsmeditation die Lebensqualität in verschiedener Hinsicht günstig beeinflussen lässt: Die Stimmungslage bessert sich, die Schmerzwahrnehmung verändert sich positiv, und die Patienten fühlen sich weniger gestresst.

Auch kreative, künstlerische Tätigkeiten können wichtige Impulsgeber für den Prozess der Krankheitsbewältigung sein. Beim Musizieren oder im Umgang mit Farben lösen sich aufgestaute Gefühle oft wie von selbst, und es entsteht ein Zugang zu unbewussten Persönlichkeitsschichten.

Leitlinie zur Psychoonkologie

Es ist eine sehr alte Weisheit, dass Körper und Seele zusammen gehören, und auch in der modernen Krebsmedizin soll diese Ganzheitlichkeit in Zukunft mehr Raum erhalten. Beim Jahreskongress der Deutschen Krebsgesellschaft im Februar 2014 in Berlin war die psychoonkologische Begleitung Schwerpunktthema, und es herrschte Einigkeit darüber, dass jetzt zügig eine flächendeckende Infrastruktur geschaffen werden muss, um allen Krebspatienten in Wohnortnähe psychoonkologische Angebote machen zu können. Es wurde eine Leitlinie zur psychoonkologischen Begleitung vorgestellt, die als Meilenstein für die ganzheitliche Behandlung von Krebspatienten gelten kann. In der Leitlinie werden die Eckdaten einer qualitätsgesicherten Psychoonkologie formuliert.

An Eierstockkrebs erkrankte Frauen, die nicht automatisch über die Möglichkeit einer psychoonkologischen Begleitung informiert wurden, sollten unbedingt ihren Arzt darauf ansprechen. Auch onkologische Beratungsstellen können weiterhelfen, und über das Internet-Portal des Deutschen Krebsforschungszentrums besteht die Möglichkeit, gezielt in Wohnortnähe nach qualifizierten Psychoonkologen zu suchen.

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