Medizinische Studien: Patient als Versuchskaninchen?

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Studien sind die Basis wissenschaftlichen Fortschritts. Darüber sind sich alle einig. Für ihre Durchführung werden freiwillige Patienten benötigt, die an Studien teilnehmen. Prinzipiell erachten viele Betroffene die Teilnahme an Studien als Vorteil, weil sie nach neuesten medizinischen Erkenntnissen und mit neuen Wirkstoffen behandelt werden. Es stellt sich jedoch immer wieder die Frage, ob Patienten tatsächlich von der Teilnahme an einer Studie profitieren oder ob sie als „Versuchskaninchen“ missbraucht werden?

Professor Dr. Gunter von Minckwitz von der German Breast Group, einer international tätigen Forschungseinrichtung, die mit der Durchführung medizinischer Studien beauftragt wird, hat eine klare Antwort darauf: „Heutzutage glaubt kaum mehr jemand an den ,Gott in Weiß‘. Gerade in der Brustkrebstherapie gibt es viele Behandlungswege, insbesondere bei einem fortgeschrittenen Stadium. Als Studienteilnehmerin kann sich eine Patientin sicher sein, dass die Therapie gut durchdacht ist, dass es explizite Vorgaben gibt und die Durchführung strukturiert ist. Die Patientin wird mit einbezogen, besser aufgeklärt und betreut. Der behandelnde Arzt hat sich im Vorfeld intensiv mit der Therapie befasst. Er hat ein großes Interesse am Verlauf der Therapie und wird sich daher intensiv um die Patientin kümmern. Die Patientin hat außerdem die Möglichkeit, eine potentiell bessere Therapie zu bekommen“, sagt er in der aktuellen Ausgabe des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!.

Auch Professor Dr. Ingo J. Diel, gynäkologischer Onkologe und Mitglied der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg, sieht keine Gefahr, sondern eher Nutzen für Patienten: „Für pharmazeutische Wirkstoffe gelten weltweit sehr strenge Testkriterien und die Substanzen durchlaufen verschiedene Testphasen, bevor sie bei Erkrankten zum Einsatz kommen. In Deutschland gibt es mehrere Untersuchungen, die belegen, dass beispielsweise Tumorpatienten, die an einer klinischen Studie teilgenommen haben, eine bessere Prognose haben“, so Diel.

Eva Schumacher-Wulf, selbst Brustkrebspatientin und Chefredakteurin des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!, fügt noch ein weiteres Argument an, das für eine Teilnahme an medizinischen Studien spricht: „Wissenschaftliche Erkenntnisse können nur durch die Mitwirkung von Patienten zustande kommen. Zukünftige Generationen profitieren von heutigen Untersuchungen ebenso, wie heute Erkrankte von den Erkenntnissen der letzten Jahre. Wichtig ist jedoch, dass sich Patienten vor der Teilnahme an einer Studie genau informieren, ob eine vertrauenswürdige Institution an der Durchführung der Studie beteiligt ist. Im Zweifelsfall sollte Rat bei Patientenvertretungen eingeholt werden“, so Schumacher-Wulf.

Eine Übersicht über alle derzeit laufenden klinischen Studien gibt es im Internet unter www.clinicaltrials.gov.