Was kommt nach der Brustkrebs-OP?

Adjuvante Hormontherapie nach den Wechseljahren

Mit der Diagnose Brustkrebs beginnt eine ganze Reihe von Maßnahmen: Die Beschaffenheit des Tumors wird beurteilt, ein Therapieplan entworfen, die Behandlung eingeleitet. Im Frühstadium erkannte Tumoren können fast immer vollständig operativ entfernt werden, meist wird zur Sicherheit auch noch bestrahlt – jetzt erstmal aufatmen, ausruhen. Doch wie geht es weiter?

Im Mittelpunkt der Brustkrebstherapie nach der Operation steht die adjuvante Therapie. Dazu zählen vor allem Maßnahmen, die das Wiederauftreten von Brustkrebs und die Ausbildung von Metastasen nach der Operation verhindern sollen. Hat der Tumor besondere Rezeptoren für Sexualhormone wie etwa Östrogene – dies trifft auf etwa zwei Drittel der Mammakarzinome zu – ist eine antihormonelle Behandlung eine der wichtigsten Therapiemaßnahmen. Frauen nach den Wechseljahren erhalten dafür Medikamente, die die Stimulation von Brustkrebszellen durch Östrogen hemmen. Es gibt verschiedene Behandlungsschemata, die für die unterstützende (= adjuvante) antihormonelle Therapie empfohlen werden; sehr häufig gehört ein Präparat aus der Gruppe der Aromatasehemmer dazu. Wie diese adjuvante Brustkrebstherapie verläuft und was dabei wichtig ist, erläutert Prof. Dr. Marc W. Sütterlin, Direktor der Universitätsfrauenklinik Mannheim.

Herr Professor Sütterlin, nach einer erfolgreichen Brustkrebsoperation möchte man eigentlich nicht gleich wieder an Arzttermine denken – warum ist die adjuvante Therapie trotzdem so wichtig?

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin: Im Anschluss an die chirurgische Tumorentfernung ist die adjuvante Therapie für die vollständige Genesung sehr wichtig. Nach der Entfernung eines Karzinoms sollte bei einer brusterhaltenden Therapie immer bestrahlt werden. Dann muss entschieden werden, wie es die nächsten Jahre weitergeht: Frauen nach den Wechseljahren, die einen Hormonrezeptor-positiven Tumor hatten, sind nach aktueller Studienlage, neben einergegebenenfalls erforderlichen Chemotherapie, mit einer fünfjährigen antihormonellen Therapie am besten vor einem Rückfall geschützt. Die dafür nötigen Medikamente gibt es in Form von Tabletten, die Therapie ist also relativ einfach. In der auf die Primärbehandlung folgenden Nachsorge geht es nicht nur um medizinische Belange, sondern auch um die Begleitung der an Krebs erkrankten Frau über einen längeren Zeitraum. Hierbei wird der Arzt die Patientin auch psychologisch unterstützen, wann immer sie Hilfe braucht.

Bei der Antihormontherapie werden immer häufiger Aromatasehemmer angewendet. Warum empfehlen Sie diese Wirkstoffe und worin besteht ihr Vorteil?

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin: Bei postmenopausalen Frauen weisen etwa 80 Prozent der Mammakarzinome Bindungsstellen für Östrogen und/oder Progesteron auf, diese Tumoren wachsen also in Abhängigkeit von der Hormonkonzentration im Körper. Eine Antihormontherapie mit Aromatasehemmern unterdrückt die Östrogenproduktion und entzieht den Krebszellen den Wachstumsreiz. Aromatasehemmer setzen also dicht an der Ursache des Problems an und gelten daher als hochselektive Wirkstoffe. Studien zum Einsatz von Aromatasehemmern haben außerdem die Effektivität dieser Wirkstoffgruppe gezeigt. Daher sind sie mittlerweile ein fester Bestandteil der antihormonellen Therapie und für Frauen nach den Wechseljahren mit einem Hormonrezeptor-positiven Karzinom grundsätzlich empfehlenswert. Die verschiedenen Aromatasehemmer unterscheiden sich im Wirkmechanimus und der Struktur ihrer Moleküle. So gibt es steroidale und nichtsteroidale Aromatasehemmer.

Neben der Wirksamkeit der Therapie kommt es auf die Verträglichkeit an. Schließlich müssen die Tabletten fünf Jahre lang eingenommen werden.

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin: Im Vergleich zu Chemotherapien, wie sie bei negativem Hormonrezeptorstatus oder erhöhtem Rückfallrisiko benötigt werden, ist die Antihormontherapie mit Aromatasehemmern relativ gut verträglich, denn sie wirkt ausschließlich auf ein Schlüsselenzym der Östrogensynthese. Die therapeutisch erwünschte Unterdrückung der Östrogenproduktion kann aber auch ungewünschte Begleiterscheinungen, wie etwa Knochen- und Gelenkbeschwerden, haben.

Was kann man tun, wenn Knochen- und Gelenkbeschwerden auftreten?

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin: Die regelmäßige Einnahme sollte keinesfalls vorschnell unterbrochen werden, denn sonst gehen die Vorteile der Aromatasehemmertherapie verloren. Wenn Gelenkschmerzen auftreten, kann mit Physiotherapie, Schmerzmitteln und – falls nötig – Reduktion des Gewichts eine Besserung erreicht werden. Auch die Wahl des Aromatasehemmers kann bei Gelenk- und Knochenproblemen einen Einfluss haben: Es gibt Hinweise, dass bei einem steroidalen Aromatasehemmer das Risiko, Beschwerden wie Gelenkschmerzen oder Knochenprobleme zu erleiden, im Vergleich zu einem nichtsteroidalen geringer ist. Bei Beschwerden dieser Art unter einem nichtsteroidalen Aromatasehemmer kann ein Wechsel auf einen steroidalen Wirkstoff möglicherweise zu Besserungen führen.

Was können Frauen neben der Medikamenteneinnahme besonders im Hinblick auf ihre Gelenk- und Knochengesundheit noch für sich tun?

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin: Wie alle gesunden Frauen profitieren Brustkrebspatientinnen von Bewegung und Sport. Wissenschaftliche Studien zeigten erste Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität die Verträglichkeit medikamentöser Therapien verbessern und das Risiko eines Rückfalls reduzieren kann. Regelmäßige Bewegung – besonders an der frischen Luft – fördert insgesamt die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen.

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KONTAKT

Prof. Dr. Marc W. Sütterlin
Direktor der Universitätsfrauenklinik Mannheim
Theodor-Kutzer-Ufer 1-3
68167 Mannheim
Tel.: 0621 383-0
Fax: 0621 383-2705

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