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Erblicher Brustkrebs

Mutter ubd Tochter unterhalten aich am Tisch bei einer Tasse Tee
© iStock / jeffbergen
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Wenn Brustkrebs gehäuft in einer Familie auftritt, spricht man von familiärem oder erblichem Brustkrebs. Verantwortlich dafür sind bestimmte Genmutation, die sich durch Gentests Nachweisen lassen. In dem Wissen um eine genetische Veränderung liegen Chancen und Sorgen nah beieinander.

Eine Ursache für Brustkrebs können Veränderungen in den Genen sein. Bei rund 30 von 100 Brustkrebspatientinnen findet sich als Hinweis auf eine solche genetische Ursache eine Häufung von Krebsfällen in der Familie. Auch ein junges Lebensalter zum Zeitpunkt der Diagnose und bestimmte Arten von Brustkrebs (triple-negativer Brustkrebs) können auf einen erblichen Brustkrebs hinweisen. Liegen Hinweise für einen erblichen Brustkrebs vor, kann die genetische Ursache im Rahmen eines Gentests, einer sogenannten Mutationsanalyse in der Keimbahn, geklärt werden. Die Identifikation des veränderten Gens, das in einer Familie für die Häufung von Krebserkrankungen verantwortlich ist, spielt einerseits eine wichtige Rolle für das Risiko (noch einmal) an Krebs zu erkranken oder für das Risiko, dass Familienangehörige an Krebs erkranken, andererseits hängt die Therapie von Brustkrebs zunehmend auch von den zugrundeliegenden genetischen Veränderungen ab.

Verantwortliche Gene für erblichen Brustkrebs

Bei rund einem Viertel der Brustkrebspatientinnen aus einer belasteten Familie findet sich eine Genveränderung, also eine Mutation, in einem der beiden sogenannten Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2. Das erhöhte Erkrankungsrisiko resultiert dabei aber nicht aus dem Vorhandensein dieser Gene. Sie sind vielmehr zwei der etwa 20.000 Gene eines jeden Menschen und leisten als Reparatur-Gene des Erbguts in den Zellen wichtige Arbeit. Mutationen können aber zum Ausfall dieser Gene führen. Das begünstigt die Entstehung von Krebs. Durch den Fortschritt auf dem Gebiet der Gendiagnostik, etwa dem sogenannten next generation sequencing, konnten bisher weitere Risikogene für Brustkrebs entdeckt werden. Zu ihnen gehören unter anderem PALB2, CHEK2, ATM und TP53. In wissenschaftlichen Projekten werden derzeit aber auch noch weitere Risikogene für Brustkrebs erforscht. Genetische Veränderungen, die zu einem erhöhten Burstkrebsrisiko führen können gleichermaßen von Männern und Frauen vererbt werden. Bei Männern ist das Risiko an Brustkrebs zu erkranken aber niedriger.

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Verschieden Gene können Mutationen tragen

Jedes Gen geht mit unterschiedlichen Erkrankungsrisiken für bestimmte Tumoren einher. So liegt das lebenslange Brustkrebsrisiko für Menschen mit einer BRCA1-/2-Mutation bei rund 70 Prozent, für CHEK2-Mutationsträgerinnen bei etwa 25 Prozent. Im Vergleich dazu erkranken von 100 Frauen der weiblichen Allgemeinbevölkerung etwa 12 an Brustkrebs. Angepasst an die unterschiedlich hohen Risiken erhalten Mutationsträgerinnen Angebote zu unterschiedlichen präventiven Maßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel eine intensivierte Früherkennung oder risiko-reduzierende Operationen. Erkrankt eine BRCA-Mutationsträgerin an Brustkrebs, sind mittlerweile spezielle Medikamente für die Behandlung von erblichem Brustkrebs zugelassen, die sogenannten PARP-Inhibitoren.

Außerdem können erbliche Tumoren spezifische Auffälligkeiten aufweisen. Bestes Beispiel dafür ist Brustkrebs, der mit einer BRCA1-Mutation zusammenhängt. Diese Tumoren sind häufig triple-negativ, haben also weder Hormon- noch HER2-Rezeptoren, und wachsen oft schnell. Darüber hinaus können in Abhängigkeit des veränderten Gens auch erhöhte Risiken für Tumoren in anderen Organen bestehen, bei BRCA1/2 etwa für Eierstockkrebs.

Kriterien für eine genetische Testung

In der Regel finden sich in Familien, in denen eine Genmutation vorliegt und vererbt werden kann, mehrere Fälle von Brust- und/oder Eierstockkrebs und/oder vergleichsweise junge Erstdiagnosealter. Das Deutsche Konsortium Familiärer Brust- und Eierstockkrebs hat Mitte der 1990er Jahre Kriterien festgelegt, bei denen eine Beratung und genetische Testung angeboten werden sollte.

Diese Kriterien umfassen

Liegt eine dieser Konstellationen in der Familie vor, werden die Kosten für einen Gentest in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Sinnvoll ist aber in jedem Fall, hier vorher nachzufragen.

Ausführliche Beratung zu erblichem Brustkrebs

Am Anfang steht ein ausführliches Beratungsgespräch rund um den Gentest und dessen Tragweite. Für den Test wird eine Blutprobe benötigt. Wenn möglich, wird dazu die sogenannte Indexpatientin, also die im jüngsten Lebensalter erkrankte und zur Verfügung stehende Person der Familie, ausgewählt. Auch sie wird über die Bedeutung des Tests aufgeklärt. Wird bei ihr eine Mutation nachgewiesen, werden die vorbeugenden und therapeutischen Möglichkeiten ausführlich besprochen. Darüber hinaus können sich dann weitere Mitglieder der Familie über einen Test auf diese Mutation informieren und sich für oder auch gegen einen Gentest entscheiden.

In einem solchen Test können mehrere Chancen stecken. Wird zum Beispiel eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation als ursächlich in einer Familie festgestellt, können die Nachkommen eines Mutationsträgers mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit entlastet werden. Das bedeutet, dass sie die Mutation nicht tragen und damit lediglich das durchschnittliche Risiko für eine Krebserkrankung vorliegt.

Wichtig zu wissen: Wird die Mutation nachgewiesen, wird diese Person nicht automatisch irgendwann an Krebs erkranken. Sie hat aber ein vom Lebensalter abhängiges erhöhtes Krebsrisiko. In einem Beratungsgespräch erhält sie dann alle Informationen zu den speziellen Maßnahmen bei erblichem Brustkrebs. Hier sind sowohl die Teilnahme an einem intensivierten Brustkrebs-Früherkennungsprogramm als auch risiko-reduzierende Operationen von gesundem Brustdrüsengewebe und/oder Eierstöcken und Eileitern möglich – ebenso wie ein vorübergehendes Abwarten und Nichtstun und sich Bedenkzeit bis zu einer Entscheidung in Anspruch zu nehmen.

Wird eine Mutation in einem der moderaten Risikogene, also ATM oder CHEK2, nachgewiesen, ist eine Entlastung von Angehörigen, die die Mutation nicht geerbt haben, derzeit nicht möglich. Es wird davon ausgegangen, dass weitere Gene bei der Krebsentstehung mitwirken, die bisher noch nicht identifiziert worden sind. In einem solchen Fall wird eine computerbasierte Risikokalkulation unter Berücksichtigung des Stammbaums durchgeführt. Bei einem erhöhten statistischen Risiko wird dann die Teilnahme an der intensivierten Brustkrebs-Früherkennung angeboten. Dies ist im Übrigen auch die Vorgehensweise, wenn keine ursächliche Mutation für die familiäre Erkrankungshäufigkeit gefunden wird.

Therapiemöglichkeiten bei erblichem Brustkrebs

Bei BRCA-1 Mutationen liegt häufig ein triple-negativer Brustkrebs vor. Dieser spricht besonders gut auf eine Chemotherapie an. Sogenannte PARP-Inhibitoren sind Medikamente, die bei Patientinnen mit BRCA1- oder BRCA2-Gendefekt eingesetzt werden. Ihr Funktionsmechanismus beruht insbesondere darauf, dass viele Erbgutdefekte in der Zelle hervorgerufen werden, die aufgrund der mutationsbedingten Störung in der Erbgutreparatur dann zum Absterben der Tumorzelle führen. Wenn eine BRCA1- oder BRCA2-Mutation vorliegt, sind PARP-Inhibitoren derzeit beim metastasierten Brustkrebs zugelassen, der keine HER2-Rezeptoren aufweist. Auch bei nicht-metastasiertem Brustkrebs sind PARP-Inhibitoren mittlerweile in höheren Tumorstadien, oder wenn der Brustkerebs schlecht auf eine Chemotherapie anspricht, zugelassen. Deshalb sollte allen Frauen und Männern mit einer fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung, deren Tumor keine HER2-Rezeptoren aufweist, eine BRCA-Testung angeboten werden.

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