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Brustkrebs-erkennung – Früherkennung und Diagnose

Redaktion Mamma Mia!

Ärztin betrachtet Röntgenbild einer Brust am Computer
© iStock / pixelfit

Je früher Brustkrebs erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Maßnahmen zur Früherkennung sollen dazu beitragen. Bei Verdacht auf ein Mammakarzinom kommen verschiedene Diagnoseverfahren zum Einsatz.

Für die Behandlung von Brustkrebs stehen heute verschiedene Therapien zur Verfügung. Wird der Krebs in einem frühen Stadium erkannt, gilt er in der Regel als heilbar. Bei weit fortgeschrittenem und metastasiertem Brustkrebs ist eine Heilung dagegen meist nicht mehr möglich. Zu Beginn verursacht Brustkrebs jedoch meist keine Symptome. Daher soll die Brustkrebs-Früherkennung dabei helfen, Krebs in der Brust möglichst früh zu erkennen. Die regelmäßige Selbstuntersuchung durch Abtasten der Brust wird zwar empfohlen, kann die Maßnahmen der Früherkennung aber keinesfalls ersetzen.

Methoden zur Brustkrebs-Früherkennung

Zum Programm der Krebsfrüherkennung der gesetzlichen Krankenkassen gehört, dass sich alle Frauen ab dem 30. Lebensjahr einmal im Jahr auf Brustkrebs untersuchen lassen können. Die jährliche Brustkrebs-Früherkennung umfasst ein ausführliches Gespräch (Anamnese), in dem der Frauenarzt die Krankheitsvorgeschichte sowie mögliche Beschwerden erfragt. Anschließend tastet er die Brüste sowie die Lymphknoten in den Achselhöhlen auf Veränderungen ab. Im Rahmen der Untersuchung erklärt der Arzt auch, wie Frauen sich regelmäßig selbst abtasten können.

Frauen zwischen 50 und 69 Jahren werden darüber hinaus alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Ob sie daran teilnehmen möchten, entscheiden die Frauen natürlich selbst. Mit dem Einladungsschreiben erhalten sie die Broschüre “Entscheidungshilfe Mammographie”, die ausführlich über die Untersuchung sowie die Vor- und Nachteile informiert.

Was kann das Mammographie-Screening leisten?

Die Mammographie ist in der Lage, bereits kleine Veränderungen in der Brust zu erkennen. Da sich Brustkrebs so bereits in einem frühen Stadium entdecken lässt, sinkt das Risiko, daran zu versterben.

Es besteht aber auch das Risiko für sogenannte Überdiagnosen. Das bedeutet, dass die Mammographie kleine, langsam wachsende Tumore entdeckt, die möglicherweise die Lebenserwartungen der Frauen gar nicht beeinflussen würden und zu Lebzeiten keine Beschwerden verursacht hätten.

Regelmäßige Selbstuntersuchung der Brust

Frauen, die ihren Körper gut kennen, können Veränderungen besser und frühzeitig erkennen. Laut der medizinischen Leitlinie sollen Ärzte Frauen dazu anleiten, sich mit dem Aussehen und dem Gefühl der eigenen Brust vertraut zu machen. Frauen wird empfohlen, ihre Brüste einmal im Monat selbst zu untersuchen. Da sich das Brustgewebe im Monatszyklus verändert, sollten sich Frauen einige Tage nach der Blutung abtasten – dann ist das Gewebe weicher. Auch nach der Menopause sollte die Selbstuntersuchung immer etwa zur gleichen Zeit im Monat erfolgen.

Nicht jede tast- oder sichtbare Veränderung der Brust bedeutet gleich Krebs. Dennoch sollten Sie Veränderungen von Ihrem Frauenarzt abklären lassen.

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Intensivierte Früherkennung bei familiärem Brustkrebs

Tritt in der Familie gehäuft oder in frühem Alter Brustkrebs auf, kann das eigene Brustkrebsrisiko erhöht sein. Frauen mit erhöhtem Risiko sollten sich mit ihrem Frauenarzt besprechen. Es besteht die Möglichkeit, eine genetische Testung und eine engmaschige Früherkennung in Anspruch zu nehmen.

Untersuchungen bei Verdacht auf Brustkrebs

Besteht aufgrund von Brustkrebs-Symptomen oder eines auffälligen Befunds bei der Früherkennung der Verdacht auf ein Mammakarzinom, erfolgt eine Reihe von Untersuchungen. Dazu gehören:

Zunächst erfragt der Arzt in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) bestehende Beschwerden, mögliche Vorerkrankungen, auch in der Familie, die regelmäßige Einnahme von Medikamenten sowie die Lebensgewohnheiten. Darauf folgt die gründliche körperliche Untersuchung. Ergibt sich daraus ein Verdacht auf eine Krebserkrankung, schließen sich weitere Untersuchungen an.

Die Mammographie (auch: Mammografie) bezeichnet eine Röntgen-Untersuchung des Brustgewebes. Dafür wird die Brust zwischen zwei Scheiben möglichst flach zusammengedrückt. So können kleine Veränderungen sichtbar gemacht werden. Diese Methode gehört zu den wichtigsten Diagnoseverfahren bei Brustkrebs.

Dieses auch als Sonographie bezeichnete Verfahren kann bei jüngeren Frauen unter 40 Jahren anstelle der Mammaographie zum Einsatz kommen: Sie ergänzt aber auch die Mammographie bei auffälligen Befunden oder Brustkrebs-Symptomen. Anders als bei der Mammographie gibt es hier keine Belastung durch Röntgenstrahlen. Mithilfe von Ultraschall lassen sich auch die Lymphknoten der Achselhöhlen auf Knoten untersuchen oder zum Beispiel Metastasen in der Leber aufspüren.

Endgültige Gewissheit darüber, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt, liefert nur eine Probe aus dem auffälligen Brustgewebe. Die Probenentnahme und anschließende Untersuchung unter dem Mikroskop bezeichnen Mediziner als Biopsie. Damit können sie feststellen, ob sich in dem Gewebe Krebszellen befinden und wichtige Eigenschaften der Krebszellen bestimmen.

Die MRT stellt keine Standarduntersuchung bei der Brustkrebs-Diagnose dar. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn die zuvor genannten Verfahren keine sichere Diagnose zulassen. kann beispielsweise bei sehr dichtem Brustdrüsengewebe der Fall sein. Außerdem wird sie für die intensivierte Vorsorge bei erblichem Brustkrebsrisiko z.B. bei Veränderungen in den BRCA-Genen angewendet.

Diagnose Brustkrebs: Weitere Untersuchungen zur Behandlungsplanung nach der Brustkrebserkennung

Bestätigt sich der Verdacht auf Krebs, ermittelt der behandelnde Arzt das genaue Tumorstadium. Darüber hinaus untersucht ein Pathologe anhand der Biopsie, ob die Krebszellen bestimmte Angriffspunkte für die Therapie aufweisen. Beides ist wichtig, um die anschließende Behandlung des Mammakarzinoms zu planen.

Stadieneinteilung bei Brustkrebs

Das Stadium einer Krebserkrankung beschreibt, wie weit sich der Krebs bereits im Köper ausgebreitet und ob er bereits Tumorabsiedlungen (Metastasen) in anderen Organen gebildet hat.

Die Größe und Lage des Tumors lassen sich meist mit den oben genannten Untersuchungen zur Diagnose bestimmen. Besteht aufgrund von Symptomen der Verdacht auf Metastasen oder hat der Tumor eine bestimmte Größe überschritten, folgt die sogenannte Ausbreitungsdiagnostik. Mithilfe von verschiedenen bildgebenden Verfahren kann der Arzt Metastasen aufspüren. Beim Mammakarzinom können Tumorabsiedlungen in fast jedem Organ vorkommen, am häufigsten treten sie jedoch in den Knochen, der Leber und der Lunge auf. Je nachdem, wo Metastasen im Körper vermutet werden, kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz:

    • Verdacht auf Lebermetastasen: Ultraschall oder Computertomographie (CT)
    • Verdacht auf Lungenmetastasen: CT
    • Verdacht auf Knochenmetastasen: Skelettszintigraphie

 

Skelettszintigrapie

Bei einer Szintigraphie wird zunächst ein schwach radioaktives Mittel gespritzt. Dieses lagert sich verstärkt an Stellen ab, an denen Zellen im Knochen besonders aktiv sind, beispielsweise Krebszellen. Die verstärkten Einlagerungen können anschließend mithilfe einer speziellen Kamera sichtbar gemacht werden. Diese Einlagerungen können jedoch auch durch eine Entzündung oder Gelenkerkrankung erfolgen, müssen also nicht durch Metastasen verursacht sein.

Liegen die Ergebnisse aller durchgeführten Untersuchungen vor, kann der Arzt die Stadieneinteilung vornehmen. Diese erfolgt anhand der sogenannten TNM-Klassifikation:

  • T (1 bis 4) beschreibt die Größe und Ausdehnung des Tumors.
  • N (0 bis 3) gibt an, ob und wie viele Lymphknoten befallen sind.
  • M (0 oder 1) gibt an, ob Metastasen vorhanden sind.

Anhand der TNM-Klassifikation lässt sich ein Mammakarzinom einem sogenannten UICC-Stadium zuordnen:

Brustkrebs-Stadien nach UICC (Union Internationale Contre le Cancer)
Stadium 0Brustkrebsvorstufe (Mammakarzinom in situ, ein sog. DCIS), die (zunächst) nicht in umliegendes Gewebe einwachsen und auch nicht metastasieren kann.
 Stadium IDer Tumor ist maximal 2 cm groß, es liegt kein Lymphknotenbefall vor.
Stadium IIA

Der Tumor ist maximal 2 cm groß und 1 bis 3 benachbarte Lymphknoten sind befallen.
oder
Der Tumor ist zwischen 2 und 5 cm groß, es liegt kein Lymphknotenbefall vor.

Stadium IIBDer Tumor ist zwischen 2 und 5 cm groß und 1 bis 3 benachbarte Lymphknoten sind befallen.
oder 
Der Tumor ist größer als 5 cm, Lymphknoten sind noch nicht befallen.
Stadium IIIA

Der Tumor ist maximal 5 cm groß und 4 bis 9 benachbarte Lymphknoten sind befallen.
oder
Der Tumor ist größer als 5 cm und 1 bis 3 benachbarte Lymphknoten sind befallen.

Stadium IIIB

Der Tumor ist bereits in die Brustwand und/oder die Haut eingewachsen und/oder es sind mehrere in derselben Brust vorhanden, maximal 9 benachbarte Lymphknoten sind befallen.
oder
Inflammatorischer Brustkrebs

Stadium IIICAusgedehnter Befall von Lymphknoten, die Tumorgröße spielt keine Rolle.
 Stadium IVEs liegen Metastasen in anderen Organen vor.

Der Therapieanspruch bei lokal begrenztem Brustkrebs (Stadium I-III) ist kurativ, das heißt, die Behandlung zielt auf Heilung ab. Metastasierter Brustkrebs (Stadium IV) gilt dagegen als nicht mehr heilbar. Die Behandlung soll dann das Leben verlängern, die Symptome lindern, die Lebensqualität erhalten und das Tumorwachstum verlangsamen. Das bezeichnen Mediziner als palliative oder supportive Therapie.

Angriffspunkte für zielgerichtete Therapien

Brustkrebszellen können bestimmte biologische Eigenschaften aufweisen, die sie empfindlich gegenüber bestimmten Therapien machen: Weisen sie Rezeptoren für die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron auf, sprechen Mediziner von Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs, der mit einer Anti-Hormontherapie behandelt werden kann. Tragen die Krebszellen vermehrt den Rezeptor HER2 auf ihrer Oberfläche, ist der Tumor HER2-positiv und es kann eine Anti-HER2-Therapie zum Einsatz kommen. Die Rezeptoren können mithilfe bestimmter Färbemethoden in der Biopsie sichtbar gemacht und die Anzahl der positiven Zellen so ermittelt werden.

Wie aggressiv wächst der Krebs?

Anhand der Biopsie lassen sich weitere Eigenschaften der Krebszellen bestimmen, die Aussagen über das Tumorwachstum erlauben. Dazu gehört das sogenannte Grading und der Nachweis des Proteins Ki-67.

Beim Grading untersucht ein Pathologe die Biopsie unter dem Mikroskop und beurteilt, wie sehr sich das Aussehen der Krebszellen von den Zellen aus dem gesunden Gewebe unterscheidet. Die Grade G1 bis G3 beschreiben die Ähnlichkeit zu gesunden Zellen und geben Aufschluss über die Aggressivität der Krebszellen:

  • G1 bedeutet „gut differenziert“: Die Krebszellen ähneln den gesunden Zellen im Brustgewebe und gelten als weniger aggressiv.
  • G2 bedeutet „mäßig differenziert“: Die Krebszellen weichen stärker vom Aussehen der gesunden Zellen ab.
  • G3 bedeutet „schlecht differenziert“: Die Krebszellen ähneln den gesunden Zellen kaum und gelten als aggressiv.

 

Ki-67 ist ein Protein, dass nur von sich teilenden Zellen gebildet wird. Es lässt sich mithilfe von Färbemethoden in den Krebszellen sichtbar machen und gibt so Aufschluss über die Teilungsrate der Zellen: Je höher die Menge an Ki-67, desto mehr Zellen teilen und vermehren sich – und desto schneller ist das Tumorwachstum. Das Teilen von Zellen heißt in der Fachsprache „Proliferation“. Ki-67 wird daher als Proliferationsmarker bezeichnet.

Multigentest: Genetische Veränderungen aufspüren

Brustkrebszellen können bestimmte genetische Veränderungen aufweisen. Diese können Aufschluss über den Verlauf der Krebserkrankung und das individuelle Risiko für einen Rückfall geben. Multigentests können die genetischen Veränderungen nachweisen. Derzeit kommen sie nur in bestimmten Krankheitssituationen zum Einsatz – beispielsweise um zu entscheiden, ob Frauen nach einer Brustkrebs-Operation  von einer Chemotherapie profitieren oder darauf verzichten können.

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Veröffentlicht: 29.05.2022
Veröffentlicht: 29.05.2022