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Risiko Gebär­mutter­schleim­haut- und Eier­stock­krebs bei HNPCC-Patien­tinnen

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Krebs der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) stellt nach dem Dickdarmkrebs die zweithäufigste Tumorerkrankung bei HNPCC-Patientinnen dar. Wenn der Krebs früh erkannt wird, sind die Heilungschancen bei dieser Erkrankung sehr gut. Den Patientinnen werden deshalb engmaschige Früherkennungsuntersuchungen hinsichtlich dieser Krebserkrankung empfohlen (derzeit vaginaler Ultraschall und Probeentnahme der Gebärmutterschleimhaut). Zudem besteht nach Abschluss der Familienplanung die Möglichkeit einer vorsorglichen Entfernung der Gebärmutter.

Wie groß ist das Risiko?

Für das Risiko einer HNPCC-Patientin, an Gebärmutterschleimhautkrebs zu erkranken, finden sich in der Literatur Angaben zwischen 25 und 60 Prozent. Ein möglicher Grund für den großen Unterschied ist, dass das Risiko von dem betroffenen Gen abhängt und diese Unterschiede bislang nur schlecht bekannt sind. Hinzu kommt, dass bei vielen HNPCC-Patientinnen die Gebärmutter aus anderen Gründen entfernt wird (zum Beispiel Myome, Geburtskomplikationen oder Senkungsbeschwerden). Ob diese Frauen später einen Gebärmutterkrebs entwickelt hätten, bleibt daher unbekannt. Im Rahmen vieler großer Forschungsprojekte, wie auch des Verbundprojekts „Familiärer Darmkrebs“ (Deutsche Krebshilfe), wird derzeit versucht, das Risiko genauer einzuschätzen.

Welche Früherkennungs­untersuchungen gibt es?

Bislang wurde HNPCC-Patientinnen in Deutschland eine jährliche transvaginale, das heißt durch die Scheide hindurch erfolgende Ultraschalluntersuchung empfohlen. Mehrere internationale Studien konnten jedoch zeigen, dass durch diese Untersuchung alleine nicht alle Krebserkrankungen erkannt werden können. Gerade bei Frauen vor der Menopause ist die Gebärmuterschleimhaut im Ultraschall häufig schlecht zu beurteilen.

Die Standarduntersuchung zur Diagnose des Gebärmutterschleimhautkrebses ist zurzeit die Ausschabung (Abrasio). Da es sich hierbei jedoch um einen operativen Eingriff handelt, der mit entsprechenden Risiken behaftet ist und in Vollnarkose durchgeführt werden muss, ist diese Untersuchung als jährliche Früherkennungsuntersuchung ungeeignet.

Deshalb hat sich international die so genannte Endometriumbiopsie mit der Pipelle®-Methode zur Vorsorge durchgesetzt. Bei dieser Methode wird mit einem dünnen Plastikschlauch eine Probe der Gebärmutterschleimhaut abgesaugt und hinsichtlich Krebszellen untersucht. Da nicht die gesamte Gebärmutterschleimhaut untersucht werden kann, ist die Methode hinsichtlich der Krebserfassung nicht so sicher wie die Ausschabung, jedoch sicherer als die Ultraschalluntersuchung alleine.

Welche Untersuchungen werden derzeit für HNPCC-Patientinnen empfohlen?

Derzeit wird den HNPCC-Patientinnen eine jährliche vaginale Ultraschalluntersuchung ab dem 25. Lebensjahr und ab dem 35. Lebensjahr zusätzlich eine Endometriumbiopsie mit der Pipelle®-Methode empfohlen, da nach bisherigen Daten ab diesem Alter das Krebsrisiko langsam ansteigt. Anders als in anderen Ländern wird die Endometriumbiopsie in Deutschland derzeit leider nur von wenigen Zentren angeboten.

Eine Darstellung des gesamten intensivierten Früherkennungsprogramms entsprechend der Empfehlungen des Verbundprojekts „Familiärer Darmkrebs“ (Deutsche Krebshilfe) findet sich im vorhergehenden Kapitel „Die risikoadaptierte Vorsorge/Früherkennung“ (ab Seite 73).

Vorsorgliche Entfernung der GEBÄRMUTTER und der Eierstöcke?

Aufgrund des hohen Risikos für Gebärmutterschleimhautkrebs empfehlen wir derzeit gesicherten HNPCC-Patientinnen (das heißt, Patientinnen mit nachgewiesener genetischer Veränderung) eine vorsorgliche Entfernung der Gebärmutter, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist. Die Entfernung der Gebärmutter ist jedoch nicht zwingend.

Die Entscheidung ist vor allem von den Wünschen der Patientin abhängig. Daneben müssen auch weitere Faktoren (wie Risiken aufgrund von Verwachsungen nach Voroperationen, Narkoserisiken oder ähnliches) berücksichtigt werden. Die Möglichkeit einer vorsorglichen Entfernung der Gebärmutter sollte jedoch mit der Patientin besprochen werden, insbesondere, wenn eine Bauchoperation aus anderem Grund ansteht.

Erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs

Das allgemeine Risiko der weiblichen Bevölkerung an Eierstockkrebs zu erkranken, also ein Ovarialkarzinom zu entwickeln, beträgt etwa ein Prozent, wohingegen für HNPCC-Patientinnen ein erhöhtes Risiko für Eierstockkrebs besteht. Dieses liegt nach derzeitiger Kenntnis in der Größenordnung von neun bis dreizehn Prozent. Auch wenn es zurzeit keine allgemeine Empfehlung hierfür gibt, sollte die Möglichkeit einer zusätzlichen Entfernung der Eierstöcke dennoch im Rahmen einer anstehenden Operation mit der Patientin besprochen werden.


Dr. med. Verena SteinkeDr. med. Verena Steinke
Leiterin der Arbeitsgruppe „Erblicher Dickdarmkrebs ohne Polyposis (HNPCC/ Lynch-Syndrom)“
Institut für Humangenetik
Biomedizinisches Zentrum (BMZ)
Universitätsklinikum Bonn

 

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