ESMO 2016 News: Kongress-Highlight Niraparib

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Neuer Wirkstoff vervierfacht progressionsfreies Überleben

Die Vorstellung der Daten aus der multinationalen Phase III Studie AGO-OVAR 2.22/ENGOT-OV16/NOVA zählte zu den Highlights des diesjährigen Kongresses der European Society of Clinical Oncology (ESMO) in Kopenhagen. Die Studie zeigte, dass die Remission erhalten und die Progression durch eine Erhaltungstherapie mit dem PARP-Inhibitor Niraparib bei Patientinnen mit Ovarialkarzinomrezidiv nach erfolgter Platintherapie signifikant hinausgezögert werden kann – und zwar unabhängig von BRCA-Mutationsstaus. Die deutsche AGO-Studiengruppe war an der Studie maßgeblich beteiligt. Zeitgleich mit der Vorstellung beim europäischen Krebskongress wurde die Studie im New England Journal of Medicine publiziert. Mamma Mia! sprach mit Prof. Sven Mahner, Leiter der Studie in Deutschland für die AGO-Studiengruppe und Direktor der Frauenklinik der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, über diese beeindruckenden Daten.

Mamma Mia!: Herr Prof. Mahner, könnten Sie uns zunächst die Wirkungsweise des PARP-Inhibitors Niraparib kurz skizzieren?

Prof. Dr. Sven Mahner: Das Wort PARP steht für Poly ADP Ribose-Polymerase und bezeichnet eine Gruppe von Proteinen, die Schäden der DNA reparieren. Tumorzellen zeichnen sich unter anderem durch eine Vielzahl von DNA-Schäden aus. Ein PARPInhibitor blockiert diese Reparatur.

Mamma Mia!: Stimmt es, dass PARP-Inhibitoren, wie Niraparib oder Olaparib, insbesondere bei Frauen mit einer BRCA-Mutation wirken?

Prof. Dr. Sven Mahner: Ja, Krebszellen mit einer BRCA-Mutation reagieren besonders empfindlich auf PARP-Inhibitoren. Das liegt daran, dass durch die BRCA-Mutation schon ein wichtiger Mechanismus der DNA-Reparatur gestört ist. Diese Zellen weichen dann auf andere Reparaturwege aus, wie zum Beispiel über PARP. Wenn man dann einen PARP-Inhibitor verabreicht, ist die Wirkung besonders hoch. Daher ist zum Beispiel für den in Deutschland bereits zugelassenen PARP-Inhibitor Olaparib eine nachgewiesene BRCA-Mutation Voraussetzung für den Einsatz. In der aktuellen Studie mit Niraparib konnten wir nun interessanterweise zeigen, dass auch bei Patientinnen ohne BRCA-Mutation ein sehr gutes Ansprechen zu beobachten ist.

Mamma Mia!: Wie genau sah die Studie aus?

Prof. Dr. Sven Mahner: In die Phase-III-Studie wurden 553 Patientinnen eingeschlossen. Sie mussten ein rezidiviertes „High Grade“- Ovarialkarzinom haben, mindestens zwei platinhaltige Chemotherapien erhalten und auf die letzte angesprochen haben. Die Patientinnen erhielten täglich entweder den PARP-Inhibitor Niraparib oder Placebo bis zum Progress. Niraparib verbesserte signifikant das progressionsfreie Überleben (PFS) im Vergleich zu Placebo über alle Subgruppen hinweg. Bei Patientinnen mit BRCA-Mutation war der Unterschied besonders ausgeprägt, mit einem PFS von 21,5 Monaten unter Niraparib versus 5,5 Monaten unter Placebo, also fast einer Vervierfachung der Zeit bis zum Progress. Solche beeindruckenden Ergebnisse sieht man in einer Phase-III-Studie nur sehr selten. Wie bereits erwähnt, war die Therapie auch in der Gruppe ohne BRCA-Mutation sehr effektiv und das PFS konnte durch Niraparib von 3,9 auf 9,3 Monate mehr als verdoppelt werden.

Mamma Mia!: Wie geht es nun weiter?

Prof. Dr. Sven Mahner: Als nächstes hoffen wir natürlich, dass wir nicht nur ein positives Studienergebnis haben, sondern auch bald eine Zulassung in Deutschland. Erst dann können wir auch außerhalb der Studie allen Patientinnen, die für dieses Medikament
in Frage kommen, eine Behandlung ermöglichen.

Mamma Mia!: Wie lange dauert der Zulassungsprozess ungefähr?

Prof. Dr. Sven Mahner: Das lässt sich schwer beantworten, ich denke, wir müssen etwa mit einem Jahr rechnen. Sobald die Zulassung eines neuen Medikaments beantragt ist, gibt es in der Regel aber ein so genanntes „early access“ Programm. Hierdurch sollen Patientinnen schon vor offizieller Zulassung den Zugang zu dem Medikament erhalten, wenn der behandelnde Arzt dies beantragt. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass erfreulicherweise ja mit Olaparib schon ein PARP-Inhibitor in Deutschland zugelassen und erhältlich ist. Die Ergebnisse unserer aktuellen Studie bestätigen beeindruckend die Wirksamkeit der PAPR-Hemmung bei Patientinnen mit Ovarialkarzinom.

Kontakt


Prof. Dr. med. Sven Mahner

Prof. Dr. med. Sven Mahner
Direktor der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Klinikum der Universität München
Tel.: +49 (0)89 4400 54101
Fax: +49 (0)89 4400 54143
E-Mail: Sven.Mahner@med.uni-muenchen.de
www.lmu-frauenklinik.de