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Genomic Profiling

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Den Tumoreigenschaften auf der Spur

Wie entsteht eine Krebserkrankung? Dies ist seit Anbeginn der medizinischen Forschung die beherrschende Frage. Wir müssen den Tumor verstehen. Verstehen, was sich im Inneren der Tumorzelle abspielt. Warum es zu unkontrollierten Zellteilungen kommt. Immer weiter dringen Forscher in die einzelnen Abläufe des Zellwachstums vor. Dabei finden sie immer mehr Mutationen, also Veränderungen der Gene. Durch diese Mutationen werden die Abläufe im Zellzyklus gestört, was zu unkontrolliertem Wachstum führen kann. Haben Wissenschaftler diese Muta­tionen entdeckt und die Störung im Zellzyklus verstanden, können sie Angriffspunkte für Medikamente definieren und entsprechende Wirkstoffe entwickeln.

Es gibt verschiedene Arten von Mutationen. Da sind zunächst die Keimbahnmutationen, die erblich sind. Sie liegen bereits in der befruchteten Eizelle vor. Und dann gibt es somatische Mutationen, die im Laufe des Lebens entstehen können. Diese wiederum unterscheiden sich in spontane und induzierte Mutationen. Spontane Mutationen entstehen im Körper, und zwar ständig. Das Immunsystem hat die Aufgabe, die Zellen mit einer Mutation auszusortieren, was meistens gelingt. Gelingt das nicht, kann ein Tumor entstehen. Induzierte Mutationen entstehen durch äußere Einflüsse wie Umweltgifte, so genannte kanzerogene Stoffe, Strahlen und viele mehr, die noch gar nicht alle im Detail erforscht wurden. Somatische Mutationen lassen sich direkt im Tumorgewebe nachweisen. Um Keimbahnmutationen zu finden, wird das Erbgut untersucht. Hierfür ist eine Blutprobe erforderlich. Es gibt Mutationen, die sowohl im Tumor als auch in der Keimbahn zu finden sind. Dazu zählt beispielsweise die BRCA1/2-Mutation. Wird diese Mutation im Tumor nachgewiesen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch eine genetische Mutation vorliegt.

Mutationen auf der Spur

Durch die Forschungserfolge der letzten Jahre haben Wissenschaftler etwas Licht ins Dunkel gebracht, was die Tumorentstehung angeht. Zwar wissen sie noch lange nicht alles, aber immer mehr. So wurden auch immer mehr Medikamente entwickelt, die bei bestimmten Mutationen eingesetzt werden. Interessant ist hierbei, dass Mutationen bei verschiedenen Krebsarten vorkommen können. Folglich können auch mutationsspezifische Medikamente bei verschiedenen Krebsarten eingesetzt werden. PARP-Inhibitoren beispielsweise sind nicht nur bei BRCA-assoziiertem Brust- und Eierstockkrebs wirksam, sondern auch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen Tumoren.

Daher könnte es doch sinnvoll sein, den Tumor zu untersuchen, um diese Mutationen und damit mögliche Therapieziele und gegebenenfalls passende Medikamente zu finden. Das könnten beispielsweise auch Medikamente sein, die für eine andere Krebsart zugelassen sind, aber eben bei einer bestimmten Mutation wirksam sind. Das dachten sich auch Wissenschaftler und entwickelten so genannte „Genom-Profiling-Tests“. Diese testen das Tumorgewebe auf genomische Veränderungen, von denen bekannt ist, dass sie Krebswachstum fördern können. In einem Test der Firma Foundation Medicine zum Beispiel (FoundationOne CDx) sind das 324 Gene. Diese Tests sollen nun helfen, ein umfassendes Bild des Tumors zu erhalten und möglicherweise neue Therapien zu identifizieren. In der Theorie funktioniert das auch so. Doch wie sieht es in der Praxis aus? Ist dieses Verfahren schon weit genug entwickelt, um in der Praxis eingesetzt zu werden?

Genomic Profiling in der Praxis

Ja, sagen die einen, denn diese Untersuchung kann Türen für weitere Behandlungsmöglichkeiten öffnen. Insbesondere Patienten mit einer seltenen Krebserkrankung oder Patienten, für die es keine passende Therapieoption gibt, könnten von einer solchen Untersuchung profitieren, wenn dadurch vielleicht noch ein anderer, mutationsspezifischer Wirkstoff gefunden wird. Nein, sagen die anderen, diese Profile sollten außerhalb von klinischen Studien noch nicht durchgeführt werden, weil es noch zu früh ist, daraus Therapieempfehlungen abzuleiten. Es laufen zahlreiche so genannte Registerstudien und Basket-Studien, in denen Krebserkrankungen mit unterschiedlichem Entstehungsort aber mit gleichem Mutationsmuster einheitlich aufgrund ihrer übereinstimmenden genetischen Eigenschaften therapiert werden. Die Ergebnisse dieser Studien gilt es der Kritiker zufolge abzuwarten.

Sind die Mutationen erblich bedingt?

Seit der Markteinführung der PARP-Inhibitoren hat die BRCA-Mutationstestung bei der Behandlung von Eierstockkrebs einen neuen Stellenwert bekommen. Nun geht es nicht mehr nur um die Frage, ob eine erbliche Form der Krebserkrankung vorliegt, sondern es geht auch um eine mögliche Therapieentscheidung. Wie bereits erwähnt, kann eine BRCA-Mutation sowohl im Tumorgewebe als auch in der DNA vorkommen. Bei Frauen, bei denen eine BRCA-Mutation im Tumorgewebe festgestellt wird, liegt mit 60- bis 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch eine erbliche Mutation vor. Das Gendiagnostikgesetz, das vor der Keimbahntestung eine ausführliche Beratung vorsieht, bezieht die Tumoranalyse bis dato nicht mit ein. Aufgrund der hohen Überschneidung vorhandener Mutationen dürfte der Informationsbedarf bei den betroffenen Frauen vor einer Tumortestung jedoch ähnlich hoch sein vor einer Keimbahnuntersuchung. Aus diesem Grund hat die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) eine Aufklärungs- und Einwilligungserklärung zur genetischen Untersuchung von BRCA-Mutationen am Tumorgewebe entworfen, in der den betroffenen Frauen geraten wird, im Falle einer somatischen Mutation eine Keimbahnuntersuchung durchführen zu lassen. Diese Beratung sollte bei jeder Art der genetischen Tumortestung stattfinden.

Wie steht es um die Datensicherheit?

Eine genetische Sequenzierung kann heikel sein. Welche Folgen hat es, wenn eine erbliche Mutation vorliegt? Werden Patienten im Voraus der Testung über diese Möglichkeit informiert? Und was passiert mit den Daten? Sind sie sicher? Wer hat Zugang dazu? Diese Fragen werden völlig zurecht immer wieder gestellt. Roche, der lizenzierte Anbieter von Foundation Medicine Produkten und damit einer der privaten Anbieter molekularer Tests, erklärt zur Datensicherheit: „Die von Foundation Medicine und anderen Roche-Partnern gesammelten Daten werden in anonymisierten Datenbanken gespeichert, die die Kernplattform für die Forschung bilden. Roche verwendet Patientendaten, um Medikamente für Patienten zu entwickeln. Roche hat jedoch keinen direkten Zugang zu identifizierbaren Patientendaten.“

Tumoranalyse aus Sicht der Patienten

Fachleute sind sich nicht einig, in welchen Fällen das „Genetic Profiling“ in der Praxis sinnvoll und nötig ist. Was bedeutet das für Patienten? Sie müssen wie so oft selbst entscheiden, wie wichtig ihnen eine Tumoranalyse ist. Dr. Kelly Shanahan, selbst Ärztin und Patientin mit metastasiertem Brustkrebs beispielsweise, hat eine klare Meinung: „Für uns Patienten ist jede Information über unseren Tumor wichtig – heute und in Zukunft. Deshalb sollten wir keine Chance auslassen, diese zu generieren. Auch wenn sie uns heute nichts bringen, können sie in Zukunft wichtig sein. Schließlich gibt es immer neue Medikamente und neue Therapieansätze, die dann plötzlich relevant werden könnten. Außerdem muss die Forschung weitergehen. Auch dafür brauchen wir diese Tumorinformationen“, sagt sie voller Überzeugung. Außerdem, so Shanahan, könnte die Bestimmung der Tumoreigenschaften bei Patientinnen helfen, passende klinische Studien zu finden. Interessierte Patienten sollten sich jedoch immer erst erkundigen, in welchem finanziellen Rahmen die Testung liegt, das variiert von Anbieter zu Anbieter. Sie sollten mit ihrem Arzt offen besprechen, was sie sich von der Untersuchung erhoffen und ob ihre Erwartungen realistisch sind. Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist nicht gewährleistet, könnte aber gegebenenfalls im Einzelfall angefordert werden, wenn beispielsweise keine geeignete Therapie mehr zur Verfügung steht. Doch selbst dann gibt es keine Garantie für die Kostenübernahme.

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