Brustkrebs: Umfassende Betreuung bis zum letzten Tag

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Palliativmedizin in Deutschland

Rund 57.000 Frauen und 500 Männer erkranken in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs. Dank medizinischer Fortschritte ist die Diagnose heute nicht mehr mit einem Todesurteil gleichzusetzen. Im Gegenteil: Mehr als zwei Drittel der Betroffenen überleben die Krankheit. Ist der Tumor sehr aggressiv, sehr groß oder bereits metastasiert, sinken jedoch die Chancen auf Heilung. So sterben immer noch jedes Jahr alleine in Deutschland rund 17.000 Frauen an Brustkrebs. Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang vielerorts die schlechte Versorgung schwerkranker Patienten.

Würde man Betroffene fragen, so würden rund 90 Prozent der Schwerkranken sagen, dass sie zuhause sterben möchten. Tatsächlich sterben 70 bis 80 Prozent in Krankenhäusern. „Dort, wo man Menschen eine gute Versorgung zuhause zusagt, bleiben Betroffene häufig im Kreis ihrer Familien“, weiß Dr. Matthias Thöns vom Palliativnetz Bochum. „Um die vielfältigen Probleme am Lebensende zu lösen, braucht es aber mehr als den „Doktor“. Hier müssen Medizin, Pflege und Hospizarbeit als Team zusammenarbeiten“, so Thöns in der aktuellen Ausgabe des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!. Er betont, dass seit Anfang 2007 jeder Patient Anspruch auf eine adäquate Versorgung zuhause hat, die Kosten werden von den Krankenkassen getragen. Allerdings ist in vielen Regionen Deutschlands die Nachfrage nach Palliativversorgung im eigenen Heim wesentlich größer als das Angebot.

Neben der „Spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV)“, die Betroffene zuhause versorgt, gibt es eine Reihe anderer Einrichtungen zur Versorgung Schwerstkranker: Palliativstationen, Hospize, onkologische und palliativmedizinische Tageskliniken und Schwerpunktpraxen. Unter Berücksichtigung aller Einrichtungen betrachtet Prof. Dr. U.R. Kleeberg, Facharzt für Innere und Palliativmedizin aus Hamburg, die Palliativversorgung in Deutschland eher positiv: „Im europäischen Umfeld liegt unsere Versorgung trotz einer geringeren Zahl stationärer Einrichtungen und der bekannten Mängel weit oben. In anderen Ländern gibt es erhebliche Versorgungsengpässe, was dort auch zu einem großzügigen Umgang mit dem Thema Euthanasie führt“, sagt Kleeberg.

„Eine sehr große Versorgungslücke gibt es jedoch insbesondere in der psychologischen Betreuung Schwerstkranker“ weiß Eva Schumacher-Wulf, Chefredakteurin des Brustkrebsmagazins Mamma Mia!. „Uns erreichen zahlreiche Anfragen von Hilfe suchenden Patienten, die auf der Suche nach psychologischem Beistand sind. Die Wartezeiten sind jedoch häufig so lang, dass die Hilfe für die Betroffenen zu spät kommt. An dieser Stelle gibt es großen Handlungsbedarf“, so Schumacher-Wulf.

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