Dabei spielt insbesondere der HER2-Status eine Rolle. Was früher als klare Einteilung in „HER2-positiv“ oder „HER2-negativ“ galt, wird heute differenzierter betrachtet. Moderne Diagnostik zeigt: Zwischen diesen beiden Polen liegt ein breites HER2-Spektrum mit unterschiedlichen Ausprägungen der HER2-Expression. Eine feinere Unterscheidung kann sich direkt auf die Therapieplanung auswirken. Denn für Brustkrebspatientinnen, die früher nicht klar HER2-positiv waren, können heute zusätzliche Behandlungsoptionen für eine zielgerichtete Therapie in Frage kommen.
HER2-low und HER2-ultralow: genaues Hinsehen zählt
HER2-positiv bedeutet, dass die Krebszellen sehr viele HER2-Rezeptoren – Andockstellen, über die Wachstumssignale in die Zelle gelangen – auf der Zelloberfläche tragen (HER2-Überexpression). Brustkrebs mit HER2-Überexpression lässt sich meist gezielt mit speziellen anti-HER2-Therapien behandeln. Ein großer Teil der Brustkrebserkrankungen weist jedoch keine HER2-Überexpression auf, zeigt aber niedrige oder sehr niedrige Mengen des HER2-Rezeptors. Man spricht dann von HER2-low und von HER2-ultralow. Lange Zeit galt diese Ausprägung als therapeutisch nicht relevant. Das hat sich grundlegend geändert.
Wenn sich neue Türen in der Therapie öffnen
In den vergangenen Jahren haben zielgerichtete Therapien, darunter auch ADCs, das Behandlungsspektrum erweitert. Gleichzeitig ist das Verständnis dafür gewachsen, wie unterschiedlich Tumoren sein können. Dadurch rücken heute auch Tumoren mit niedriger oder sehr niedriger HER2-Expression stärker in den Fokus therapeutischer Überlegungen. Voraussetzung dafür ist eine sorgfältige und präzise Bestimmung des HER2-Status.
Warum Testen – und Wieder-Testen – entscheidend ist
Ein zentraler Punkt wird im klinischen Alltag noch immer unterschätzt: Der HER2-Status ist nicht unveränderlich. Tumorzellen können sich im Verlauf der Erkrankung oder unter Therapie verändern. Studien zeigen, dass sich der HER2-Status zwischen dem Primärtumor und Metastasen oder bei einem Rezidiv durchaus unterscheiden kann – etwa von HER2-negativ zu HER2-low oder auch umgekehrt.
Wird nicht erneut getestet, kann das bedeuten:
- eine mögliche Therapieoption wird übersehen
- es kommt zu einer Unter- oder Übertherapie
- wertvolle Zeit geht verloren – insbesondere bei einer fortgeschrittenen Erkrankung
Wann sollte erneut getestet werden?
Eine erneute HER2-Testung kann insbesondere dann sinnvoll sein:
- bei Auftreten von Metastasen oder einem Rückfall
- bei Fortschreiten der Erkrankung unter laufender Therapie
- wenn die Erstdiagnose viele Jahre zurückliegt
- wenn sich neue Therapieoptionen ergeben
Aktuelle Leitlinien empfehlen, den Rezeptorstatus bei einem Rezidiv oder einem Fortschreiten der Erkrankung erneut zu bestimmen.
Welche Methode kommt zum Einsatz?
Die Bestimmung des HER2-Status erfolgt durch Immunhistochemie: Im Labor wird mithilfe spezieller Antikörper sichtbar gemacht, ob und in welcher Stärke der HER2-Rezeptor auf den Tumorzellen vorhanden ist. Besonders wichtig ist heute die feine Einteilung in HER2-negativ, HER2-low und HER2-ultralow, da diese Differenzierung direkte Auswirkungen auf die Auswahl geeigneter Therapieoptionen hat.
Wissen schafft Optionen
Eine sorgfältige – und bei Bedarf auch wiederholte – HER2-Testung ist kein Detail am Rande, sondern ein entscheidender Schritt hin zu einer individuell passenden Therapie. Kennen Sie Ihren HER2-Status? Fragen Sie aktiv danach – und scheuen Sie sich nicht, eine erneute Testung anzusprechen. Denn nur was erkannt wird, kann auch gezielt behandelt werden.
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