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Brustkrebs: Heilungs-chancen und Prognose

Redaktion Mamma Mia!

Ärtzin hät die Hände einer Patientin
© istock / megaflopp
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Brustkrebs ist – wenn er früh erkannt und leitliniengerecht behandelt wird – in den meisten Fällen ein gut behandelbarer Krebs mit einer guten Prognose. Der Früherkennung kommt daher eine bedeutende Rolle sowohl bei der Diagnose als auch der Auswahl der geeigneten Therapie zu. Dank verbesserter Behandlungsoptionen sinkt die Sterblickkeit seit Jahrzehnten immer weiter. Und: Rund 90 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Diese positive Entwicklung ist vor allem den verschiedenen, teilweise neuen, Therapieoptionen zu verdanken: Neben Operationen, Strahlen- und Chemotherapien stehen heutzutage einige zielgerichtete Therapien zur Verfügung. Die Bestimmung von verschiedenen Prognosefaktoren nach der Erstdiagnose des Krebses ermöglicht es, eine individuelle und optimale Behandlung für jede Betroffene zu wählen. Anders als bei vielen anderen Krebserkrankungen ist die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Rezidiven und Metastasen bei Brustkrebs – vor allem beim Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs – jedoch lange Zeit noch hoch. Eine langfristige Behandlung, etwa mittels einer Anti-Hormontherapie, ist daher in vielen Fällen empfehlenswert.  

Prognosefaktoren für die Therapieplanung

Bei der Erstdiagnose von Brustkrebs bestimmt der behandelnde Arzt in Zusammenarbeit mit einem Pathologen verschiedene Prognosefaktoren, die die Auswahl der geeigneten Therapie, wie beispielweise eine (neo)adjuvante Chemotherapie, und die Einschätzung der Heilungschancen erlauben. Die klassischen Prognosefaktoren für die Therapieplanung sind:

  • Tumorgröße
  • Lymphknotenbefund in der Achselhöhle
  • Tumorabsiedlungen im Körper
  • feingeweblicher Typ des Tumors
  • Differenzierungsgrad des Tumors (Grading)
  • Hormonrezeptor-Status
  • HER2-Status
  • feingeweblicher Tumorzellnachweis in Blut-/Lymphgefäßen der Brust
  • Zellteilungsverhalten = Proliferationsrate (Ki-67)
  • Resektionsstatus (Ziel: vollständige operative Entfernung des Tumorgewebes)
  • Alter der Patientin
  • Menopausenstatus
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Besonders bei der Bestimmung des Hormonrezeptor-Status, des HER2-Status und des Gradings ist eine genaue Qualitätssicherung im Pathologieinstitut notwendig, um die Auswahl der optimalen Behandlung sicherzustellen. Zur Einschätzung der Prognose anhand des Zellteilungsverhaltens wird zusätzlich zu den konventionellen Prognosefaktoren meistens Ki-67 hinzugezogen, was zum einen vor allem bei hormonsensitiven Tumoren eine Abgrenzung zwischen guter und schlechterer Prognose erlaubt und zum anderen unterschiedliche Therapien nach sich zieht. Ein einziges Kriterium zur Therapieentscheidung heranzuziehen, ohne die anderen zu berücksichtigen, wird nicht empfohlen. 

Heilungschancen bei Brustkrebs im frühen Stadium

Die besten Heilungschancen der Erkrankung bestehen, wenn der Krebs in einem frühen Stadium erkannt wird und sich noch keine Metastasen gebildet haben, da die Wahrscheinlichkeit, dass der Tumor mit der richtigen Therapie komplett zerstört werden kann, dann am größten ist. Die Früherkennung ermöglicht die Diagnose der Erkrankung in einem möglichst frühen Stadium.

Leider streut der Tumor bei einigen Betroffenen (20 Prozent) trotz Therapie in andere Regionen des Körpers und bildet Metastasen. Bei sieben Prozent der Frauen mit Brustkrebs werden bereits bei der Diagnose Metastastasen entdeckt. 

Prognose bei metastasiertem Brustkrebs

Wenn Fernmetastasen des Krebses diagnostiziert worden sind, ist eine vollständige Heilung des Brustkrebses heutzutage leider nicht möglich. Dennoch kann das Wachstum des Tumors und das Fortschreiten der Erkrankung mit der richtigen Therapie, wie beispielsweise einer Chemotherapie oder einer zielgerichteten Therapie, gebremst werden. Das Ziel der Behandlung des Krebses in diesem Stadium ist es, die Lebensqualität durch Linderung der Symptome so gut und so lange wie möglich zu erhalten. Hierzu stehen verschiedene Therapieoptionen zur Verfügung. Die weitere Prognose hängt von der Bösartigkeit des Tumors sowie der Lage und Anzahl der Metastasen ab. Bei Knochen- und Hautmetastasen ist die Prognose für die Betroffenen günstiger als bei Lungen-, Hirn- und Lebermetastasen.

Beim metastasierten Brustkrebs hängt die Lebenserwartung vor allem vom Tumortyp ab, liegt aber im Mittel bei circa zwei bis vier Jahren – ab dem Zeitpunkt, an dem erste Metastasen festgestellt worden sind. Rund 25 Prozent der Betroffenen lebt jedoch noch nach fünf Jahren; zehn Prozent noch nach zehn Jahren. Diese Zahlen zum Überleben sind jedoch auf der Basis älterer Therapien erhoben worden. Mit neueren, modernen Behandlungen, beispielsweise der endokrin-basierten Therapie oder der HER2-zielgerichteten Therapie, der sogenannten Anti-HER2-Therapie, sind trotz Krebs Überlebenszeiten von vier bis fünf Jahren und auch deutlich mehr gezeigt worden. Entscheidend ist auch hier, die optimale individuelle Therapie, etwa eine systemische medikamentöse Therapie für jeden Krebs und jede Betroffene zu identifizieren.

Prognose bei HER2-positivem Brustkrebs

Für die Brustkrebsprognose, die Heilungschancen und für die Behandlung ist es neben den oben genannten Faktoren entscheidend, ob es sich um einen HER2-positiven Tumor handelt oder nicht. Beim HER2-positiven Brustkrebs ist die Konzentration des Wachstumsfaktor-Rezeptors HER2 (Humaner Epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2) erhöht, was bei der Bestimmung des HER2-Status erhoben wird. Der HER2-Rezeptor ist ein Protein (Eiweiß) auf der Zelloberfläche der Krebszelle, das der Zelle Wachstumssignale vermittelt und so die Zellteilung und Vermehrung anstößt. Dies ist zwar ein natürlicher Vorgang der Zellteilung, kann aber bei zu hoher Anzahl der Rezeptoren auf der Zelloberfläche zu einer unkontrollierten Zellteilung und übermäßigen Vermehrung führen. 

Tumoren, die viele HER2-Rezeptoren aufweisen, sind sehr aggressiv und bedeuteten lange Zeit trotz Therapie eine kürzere Überlebenszeit für die betroffenen Frauen. Mit neuen zielgerichteten Therapien, die sich direkt gegen HER2 (Anti-HER2-Therapie) richten, sind die Heilungschancen und das Überleben jedoch heutzutage sogar höher als bei Frauen mit HER2-negativem Brustkrebs. Die zielgerichtete Anti-HER2-Therapie, in der Regel in Kombination mit einer Chemotherapie, zeigt große Therapieerfolge. 

  1. ONKO Internetportal. Der Erkrankungsverlauf bei Brustkrebs. Abgerufen am 30.08.2022 von https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/krebsarten/brustkrebs/erkrankungsverlauf.html
  2. Patientenratgeber zu den Empfehlungen der AGO Kommission Mamma, Stand: 2022. Prognosefaktoren und prädiktive Faktoren. Abgerufen am 30.08.2022 von https://www.ago-online.de/fileadmin/ago-online/downloads/AGO_Brustkrebs_2019.pdf
  3. Leitlinienprogramm Onkologie. Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms. Abgerufen am 30.08.2022 von https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_4.4/LL_Mammakarzinom_Langversion_4.4.pdf
  4. gi – Gesundheitsinformationen. Metastasierter Brustkrebs. Abgerufen am 01.09.2022 von https://www.gesundheitsinformation.de/metastasierter-brustkrebs.html
  5. ONKO Internetportal. Brustkrebs: HER2-Status und Hormonempfindlichkeit als Prognosefaktoren. Abgerufen am 09.09.2022 von https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/brustkrebs-her2-status-und-hormonempfindlichkeit-als-prognosefaktoren.html

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