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Metastasierter Brustkrebs

Frau mit gebundenm Tuch und Teetasse in der Hand blickt in die Ferne
© istock / FatCamera
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Hat Brustkrebs bereits gestreut – also Metastasen in anderen Organen gebildet – gilt die Krankheit derzeit als nicht heilbar. Dank immer neuer Behandlungsmöglichkeiten leben heute jedoch viele Patientinnen jahrelang mit der Krebserkrankung.

Metastasierter Brustkrebs“ heißt, dass der Krebs nicht mehr nur auf das Brustgewebe und die benachbarten Lymphknoten beschränkt ist. Das bedeutet, der Tumor in der Brust hat gestreut und Absiedlungen in anderen Organen, sogenannte Metastasen, gebildet. Abhängig von der Art des Brustkrebses, streut dieser im Verlauf der Erkrankung bei etwa 25 Prozent der Erkrankten. Etwa sieben Prozent der Patientinnen weisen bereits bei der Diagnose eines Mammakarzinoms Metastasen auf.

Metastasierter Brustkrebs – Lebenserwartung

Bei einem metastasierten Mammakarzinom lässt sich der Krebs meist nicht mehr vollständig aus dem Körper entfernen. Deshalb kann in der Regel keine langfristige Heilung der Krebserkrankung erreicht werden. Die Behandlung zielt dann darauf ab, das Leben zu verlängern, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität trotz Krankheit möglichst zu erhalten. Medikamentöse Therapien können das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten und Frauen mit metastasiertem Brustkrebs können heute häufig viele Jahre damit leben.

Wie lange eine Patientin mit der Erkrankung leben kann, ist sehr individuell und lässt sich nicht vorhersagen. Anhand der Eigenschaften des Tumors – beispielweise wie bösartig der Krebs wächst und welche Angriffspunkte er für Therapien aufweist – kann der behandelnde Arzt eine Prognose aufstellen. Auch der Ort der Tumorabsiedlungen spielt eine Rolle bei der Lebenserwartung.

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Wie und wo entstehen Metastasen bei Brustkrebs?

Krebs entsteht meist lokal in einem Organ oder Gewebe im Körper. Von diesem sogenannten Primärtumor am Ursprungsort können sich einzelne Krebszellen lösen und über das Blut oder die Lymphe in andere Körperregionen verteilen. Dort können sie sich ansiedeln und Tochtergeschwulste bilden. Auf diese Art erfolgt auch die Ausbreitung in den benachbarten Lymphknoten.

Von „metastasiertem Brustkrebs“ sprechen Mediziner aber erst, wenn sich die Krebszellen in einem entfernteren Ort im Körper angesiedelt haben. Diese Tumorabsiedlungen heißen in der Fachsprache auch „Fernmetastasen“.

Fernmetastasen bei Brustkrebs treten am häufigsten in den Knochen, der Lunge oder der Leber auf. Aber auch in der Haut, im Gehirn und anderen Organen können sich Tumorabsiedlungen bilden.

Symptome bei metastasiertem Brustkrebs

Je nachdem, in welchen Organen sich Metastasen befinden, können sie unterschiedliche Beschwerden auslösen. Mögliche Symptome bei:

Betroffene mit Tumorabsiedlungen in den Knochen bemerken als erstes Anzeichen häufig Schmerzen. Je nachdem, in welche Knochen die Krebszellen gestreut haben, können Schmerzen im Rücken, den Armen oder Beinen, in der Schulter oder im Nacken auftreten. Auch ein Knochenbruch ohne erkennbare Ursache kann auf Knochenmetastasen hindeuten.

Selten kann es durch Metastasen in der Wirbelsäule zu einer Quetschung des Rückenmarks kommen. Anzeichen dafür können neurologische Störungen wie Missempfindungen, Muskelschwäche bis hin zu Lähmungserscheinungen sowie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang sein. Diese sogenannte Rückenmarkkompression sollte umgehend behandelt werden.

Breiten sich die Krebszellen auf das Knochenmark aus, können sie die Bildung von Blutzellen stören. Als Folge können bei betroffenen Frauen u. a. Müdigkeit und Schwindel aufgrund einer Blutarmut (Anämie) auftreten.

Tumorabsiedlungen in der Lunge können Schmerzen in der Brust, Atemnot sowie Hustenreiz auslösen. Auch eine Lungenentzündung kann auftreten.

Metastasen in der Leber können verschiedene allgemeine Beschwerden verursachen. Dazu gehören:

  • Ungewollter Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit
  • Appetitlosigkeit oder Verdauungsprobleme wie Übelkeit oder Durchfälle über einen längeren Zeitraum
  • Schmerzen im rechten Oberbauch

Haben die Krebszellen die Leber bereits stark geschädigt, kann es zu einer Gelbfärbung der Augen oder der Haut sowie zu Juckreiz kommen.

Metastasen im Gehirn können verschiedene neurologische Störungen hervorrufen, wie Kopfschmerzen, Sprachstörungen, Veränderungen der Sinneswahrnehmung, Krampfanfälle, Lähmungen und Bewusstseinsstörungen.

Tumorabsiedlungen in der Haut können sich als tastbare Knötchen darstellen. Im Verlauf können sie sich vergrößern und einem Ekzem ähneln. Grundsätzlich können Hautmetastasen überall am Körper auftreten, häufig bilden sie sich jedoch im Bereich der Brust, am Rücken und am Hals.

Metastasierter Brustkrebs – Behandlung

Bei einem Mammakarzinom in einem fortgeschrittenen Stadium kommen in der Regel verschiedene medikamentöse Therapien infrage, die das Fortschreiten der Erkrankung aufhalten können. Da die Medikamente im ganzen Körper wirken (systemisch), behandeln sie nicht nur den Ursprungstumor, sondern auch die Metastasen sowie möglicherweise im Körper verstreute Krebszellen. Die Brust selbst wird häufig nicht mehr operiert, zur Behandlung einzelner Metastasen kann aber eine Operation zum Einsatz kommen.

Wenn möglich, sollte zur Behandlungsplanung auch eine Gewebeprobe der Metastase entnommen und untersucht werden (Biopsie). Denn die biologischen Eigenschaften können sich von denen des Ursprungstumors unterscheiden und dann die Wahl der richtigen Therapie beeinflussen.

Erfahren Sie mehr über die Tumoreigenschaften, ihre Rolle für die Therapieplanung und die verschiedenen Brustkrebsarten.

Folgende Therapien können zum Einsatz kommen:

    • Anti-Hormontherapie (Tamoxifen, Letrozol, Anastrozol, Exemestan, Fulvestrant, GnRH-Analoga)
    • Anti-HER2-Therapie (Trastuzumab/Pertuzumab)
    • Chemotherapie (verschiedene Substanzen)
    • Immuntherapie
    • PIK3CA-Inhibitor (Alpelisib)
    • Knochen-protektive Substanzen (Denosumab, Bisphosphonate)
    • Antikörper-Wirkstoff-Konjugate

 

Die Medikamente können dabei einzeln oder in Kombination zur Anwendung kommen. Die Dauer der Behandlung richtet sich danach, wie lange sie wirken und vertragen werden.

Einige dieser Therapien finden häufig auch bei einem frühen Stadium der Erkrankung Anwendung. Andere zielgerichtete Medikamente kommen dagegen vornehmlich in der bei weiter fortgeschrittenem Brustkrebs und in der metastasierten Situation zum Einsatz – häufig in Kombination mit einer anderen zielgerichteten Therapie oder einer Chemotherapie:

Diese Substanzklasse gehört zu den sogenannten „small molecules“.  Der Wirkstoff kommt zum Einsatz, wenn HER2-positiver Brustkrebs trotz Anti-HER2-Therapie weiter wächst. Die Einnahme erfolgt als Tablette. Als Nebenwirkung können u. a. Müdigkeit, Hautausschlag und Durchfall auftreten.

Angiogenese-Hemmer können bei fortgeschrittener Erkrankung verhindern, dass neue Blutgefäße gebildet werden, die den Tumor mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, die er zum Wachstum benötigt. Der Wirkstoff wird über die Infusion in eine Vene verabreicht. Die Nebenwirkungen können vielfältig und teils schwerwiegend sein. Bluthochdruck ist beispielsweise eine typische Nebenwirkung dieses Medikaments.

Der Wirkstoff hemmt ein Protein (mTOR) innerhalb der Zelle, das wichtig für ihr Wachstum ist. Bei Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs <link> kann er so das Tumorwachstum aufhalten. Die Anwendung erfolgt als Tablette. Als Nebenwirkung können u. a. Fieber, Atemprobleme oder eine Lungenentzündung sowie eine Entzündung der Mundschleimhaut auftreten.

Die Wirkstoffe hemmen die sogenannten Cyclin-abhängige Kinasen (CDK) 4 und 6. Diese Proteine regulieren die Teilung von Zellen. Durch die Hemmung kann das Tumorwachstum gebremst werden. Hormonrezeptor-positiver Brustkrebs kann unempfindlich gegenüber einer antihormonellen Therapie werden. CDK4/6-Hemmer können das Auftreten dieser Resistenz verzögern. Die Anwendung erfolgt als Tablette in Kombination mit einem Aromatasehemmer oder Fulvestrant. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Veränderungen des Blutbilds, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Infektionen sowie Haarausfall.

Diese Wirkstoffklasse kann bei Patientinnen mit HER2-negativem Brustkrebs  und einer genetischen Veränderung in einem der Brustkrebs-Gene BRCA-1 oder BRCA-2 zum Einsatz kommen. Die Anwendung erfolgt als Tablette. Als Nebenwirkungen können u. a. Blutbildveränderungen, Übelkeit, Erbrechen und Husten auftreten.

Eine Immuntherapie kann für Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs infrage kommen, wenn der Tumor eine bestimmte Menge eines Proteins (PD-L1) aufweist. Der Wirkstoff greift die Krebszellen nicht direkt an, sondern macht sie für das Immunsystem sichtbar, sodass es die Krebszelle erkennen und schädigen kann. Die Immuntherapie wird über eine Infusion in die Vene verabreicht. Mögliche Nebenwirkungen entstehen vor allem durch eine übermäßige Reaktion des Immunsystems und beinhalten Fieber, Hautausschläge sowie Entzündungen an verschiedenen Organen. Nebenwirkungen sind zwar selten schwerwiegend, schwerwiegende Nebenwirkungen können aber auftreten, weshalb die Medikamente von einem erfahrenen Behandlerteam verabreicht werden sollten. Die Autoimmunreaktionen können auch noch einige Jahre nach Therapieende auftreten.

Patientinnen mit metastasierter Brustkrebserkrankung kommen häufig auch für klinische Studien infrage. Der behandelnde Arzt kann über die Möglichkeiten aufklären und entsprechende Studien empfehlen.

Gezielte Behandlung von Metastasen

Zusätzlich zu diesen systemischen Therapien können bei Tumorabsiedlungen auch lokale Behandlungen zum Einsatz kommen. So können einzelne Metastasen möglicherwiese operativ entfernt oder bestrahlt werden. Bei Hautmetastasen kann eine lokale Chemotherapie als Salbe angewendet werden. Insbesondere Knochenmetastasen können auch mit speziellen Medikamenten behandelt werden, die die Knochen wieder stabilisieren können.

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