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Chancen der Nach­sorge nutzen

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Nach der Operation beziehungsweise nach Abschluss der Chemo- und Strahlentherapie werden Frauen, die an Eierstockkrebs erkrankt sind, weiter begleitet. Ziel der Nachsorge ist es, ihre Lebensqualität zu optimieren und ihre persönliche Entwicklung ganzheitlich zu fördern. Außerdem werden im Rahmen der Nachsorge regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchgeführt, um den weiteren Verlauf der Erkrankung im Auge zu behalten.

Das gilt für frühe ebenso wie für fortgeschrittene Krankheitsstadien, denn auch wenn der Tumor komplett entfernt werden konnte und gute Chancen auf Heilung bestehen, sind die Nachsorgetermine „ein Muss“. Verständlicherweise sind diese Kontrollen mit einem bangen Gefühl verbunden, aber das sollte niemals ein Grund sein, einen Termin zu verpassen. Denn nur bei regelmäßiger Nachsorge lassen sich die vorhandenen medizinischen Chancen auch wirklich optimal ausschöpfen.

Regelmäßige Kontrollen

Die Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Nachsorge werden durchgeführt, um Rezidive beziehungsweise ein beschleunigtes Tumorwachstum frühzeitig zu entdecken. In welchen Abständen die Kontrollen erfolgen, legt der behandelnde Arzt individuell fest. In der Regel finden sie sowohl bei einer Erst- als auch bei einer Zweit­erkrankung in den ersten drei Jahren alle drei Monate statt, in den folgenden zwei Jahren alle sechs Monate und danach einmal jährlich. Die Kontrollen sollten mindestens über fünf Jahre hinweg erfolgen, besser aber lebenslänglich, da – wenn auch selten – noch nach vielen Jahren Spätrezidive auftreten können.

Bei jedem Kontrolltermin wird die Patientin eingehend befragt und körperlich untersucht. Der gynäkologische Befund wird per Spiegel- und Tastuntersuchung erhoben, ergänzt durch einen vaginalen Ultraschall. Auch eine rektale Untersuchung gehört dazu. Bei unklarem Befund kann zusätzlich eine Computertomographie erforderlich sein.

Viele Frauen stellen ihrem Arzt die Frage, ob nicht auch eine regelmäßige Bestimmung von Tumormarkern im Blut sinnvoll ist, um ein Rezidiv so früh wie möglich zu entdecken. Dieses Vorgehen wird heute nicht routinemäßig empfohlen. Die Bestimmung von CA 125 – dem aussagefähigsten Tumormarker bei Eierstockkrebs – erfolgt im Rahmen der Nachsorge nur dann, wenn zum Beispiel durch erneut Beschwerden der begründete Verdacht auf ein Rezidiv besteht.

Bestätigt sich dieser Verdacht, ist das ein harter Schlag – aber auch für das rezidivierte Ovarialkarzinom gibt es verschiedene Therapieoptionen. Das genaue Vorgehen hängt davon ab, welche Medikamente als Erstlinien-Therapie eingesetzt wurde und wann es zum Rückfall kam. Als Therapieoptionen in der Rezidivsituation kommen eine erneute, eventuell modifizierte Chemotherapie und/oder Angiogenese-Hemmer (zum Beispiel Bevacizumab) beziehungsweise der PARP-Inhibitor Olaparib als zielgerichtete Krebsmedikamente in Frage.

Optimierung der Lebensqualität

Abgesehen vom gynäkologischen Befund macht sich der Arzt bei den Nachsorgeterminen ein Bild vom Allgemeinbefinden der Patientin und kann frühzeitig reagieren, falls sich Beschwerden verschlechtern oder neue Beschwerden auftreten. Zum Beispiel entwickeln manche Krebspatienten im Laufe der Zeit ein stark beeinträchtigendes Erschöpfungssyndrom (Fatigue), das sich mit speziellen Bewegungsprogrammen gut behandeln lässt. Ein regelmäßiger Arztkontakt während der Nachsorge stellt sicher, dass solche Beschwerden von der Patientin nicht als gegeben hingenommen und verschleppt werden.

Schmerzen und andere Beschwerden effektiv behandeln

Auch die Schmerztherapie muss in Abständen kontrolliert werden, weil sich Schmerzen häufig im Laufe der Zeit verändern und dann eventuell eine Anpassung der Medikamente erforderlich wird. Die Kontrolltermine bieten zudem eine gute Gelegenheit, sicherzustellen, dass die verordneten Medikamente auch wirklich regelmäßig, in der richtigen Dosis und zu den angegebenen Zeiten eingenommen werden. Die Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang von Therapietreue oder Compliance. Eine gute Compliance ist die Grundvoraussetzung für den Behandlungserfolg – das gilt für jede Therapie, bei der die Mithilfe des Patienten erforderlich ist.

Auch wenn schwer erträgliche Nebenwirkungen auftreten, sollten Patient(inn)en ihre Medikamente nicht eigenmächtig absetzen. Sie sollten vielmehr zeitnah Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten, denn oft sind Nebenwirkungen durch geeignete Gegenmaßnahmen in den Griff zu bekommen.

Ein zentraler Aspekt der Nachsorge ist schließlich die psychoonkologische Begleitung, deren Bedeutung für die Therapie von Krebserkrankungen zunehmend anerkannt wird. Wohnortnah sollen alle Krebspatient(inn)en die Möglichkeit erhalten, kompetente Hilfe beim schwierigen Prozess der Krankheitsbewältigung einzuholen.

Damit die vielfältigen Angebote der Nachsorge auch wirklich optimal genutzt werden, ist es sinnvoll, frühzeitig einen Koordinator zu bestimmen, der alle Fäden in der Hand hält und Kontakte innerhalb des Nachsorgenetzwerks vermittelt. Das kann der behandelnde Onkologe oder – entsprechende Erfahrung vorausgesetzt – auch der Gynäkologe beziehungsweise der Hausarzt sein.

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