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Sport und Bewegung bei Krebs

Redaktion Mamma Mia!

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Sport und Bewegung
© iStock / blyjak
Bewegung und Sport können Menschen in allen Phasen einer Krebserkrankung unterstützen. Lesen Sie, welche Wirkungen körperliche Aktivität hat, welche Sportarten empfohlen sind und wie viel Bewegung es sein sollte. Außerdem: Die besten Tipps für mehr Bewegung im Alltag.

Sport und Bewegung sind bei Krebserkrankungen wie Gebärmutterkrebs wichtig, und zwar in nahezu allen Phasen der Krebskrankheit. Ein wesentlicher Grundsatz für Menschen mit Krebs lautet heute: Inaktivität vermeiden! Die Annahme, dass körperliche Aktivität bei Krebs riskant ist und Betroffene sich zum Beispiel während einer Strahlentherapie oder Chemotherapie schonen sollten, ist schon länger widerlegt.  

Heute sind Bewegungsprogramme, die an Ihre individuelle Leistungsfähigkeit und Ihren Gesundheitszustand angepasst sind, ein wesentlicher Teil der Rehabilitation. Aber auch während und nach Krebstherapien kann Bewegung hilfreich sein. So leiden körperlich aktive Krebskranke zum Beispiel weniger unter der chronischen Erschöpfung, der Fatigue.

Studien deuten darauf hin, dass körperliches Training bei einer Krebserkrankung mehrere positive Effekte haben kann. Dies berichtet das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg. Ein günstiger Einfluss lässt sich feststellen auf:

 

Wichtig! Besprechen Sie sich immer mit Ihrem Behandlungsteam, bevor Sie mit der körperlichen Aktivität beginnen!

Welche Wirkungen kann Sport haben?

Ganz allgemein besitzen Bewegung und Sport viele positive Wirkungen auf den Körper, aber auch auf die Seele und den Geist. Die Deutsche Krebshilfe nennt einige Effekte.

Körper

Körperliche Aktivität kann:

  • die Durchblutung und Herz-Kreislauf-Aktivität fördern.
  • die Muskeln, Knochen und Gelenke kräftigen.
  • die Beweglichkeit (auch im Alltag), Koordination und das Gleichgewicht verbessern.
  • die Leistungsfähigkeit, Fitness und körperliche Belastbarkeit erhöhen.
  • das Immunsystem stärken – bei Menschen mit einer Krebserkrankung ist es oft geschwächt (zum Beispiel aufgrund der Krebstherapien).
  • die Körperzusammensetzung verändern – weniger Fett, mehr Muskelmasse.
  • übergewichtige Menschen dabei unterstützen, Normalgewicht zu erreichen und dieses anschließend zu halten.

 

Psyche und Geist

Bewegung und Sport können:

  • Freude vermitteln, das Gemüt und die Stimmung aufhellen, Niedergeschlagenheit und trübe Gedanken vertreiben, Sport setzt „Glückshormone“ frei und baut Stresshormone ab.
  • Stress, Ängste und Unsicherheit abbauen.
  • bei Schlafstörungen hilfreich sein.
  • die Lebensqualität positiv beeinflussen – während der Krebstherapien und danach.
  • das Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein und die Autonomie stärken. Viele fühlen sich dann ihrer Krebserkrankung weniger ausgeliefert und haben das Gefühl, selbst etwas zum Wohlbefinden beitragen zu können.
  • die Selbstwahrnehmung und das Körpergefühl verbessern sowie Mut machen.
  • die kognitiven Fähigkeiten positiv beeinflussen, etwa das Gedächtnis, Denken und die Merkfähigkeit.

 

Sozialleben

Sport können Sie auch in der Gemeinschaft treiben, etwa in speziellen Sportgruppen für krebskranke Menschen oder im Sportverein. Die Gemeinschaft ist außerdem ein gutes Mittel, um den „inneren Schweinehund“ erst gar nicht zum Zug kommen zu lassen.

Sport kann:

  • Spaß und Freude vermitteln.
  • die Motivation und die Lust auf Bewegung erhöhen.
  • die Kommunikation und den Austausch zwischen Menschen verbessern.
  • das soziale Miteinander, Zusammengehörigkeitsgefühl und gemeinsame Kontakte stärken.
  • sozialer Isolation entgegenwirken.
  • für Teilhabe sorgen.

Vor dem Trainingsbeginn: Tipps

Bevor Sie mit dem sportlichen Training beginnen, sollten Sie einige Tipps beherzigen:

  • Lassen Sie sich immer von Ihrem ärztlichen, sportmedizinischen oder physiotherapeutischen Team informieren und beraten, wie belastbar und leistungsfähig Sie sind, welche Sportart für Sie geeignet ist und wie viel Sport Sie treiben dürfen oder sollten.
  • Es gibt keine Pauschalrezepte, wie und wie viel Sie sich bewegen sollten. Hier spielen Ihre Krebsart, das Stadium und die absolvierten Krebstherapien eine Rolle. Die Art, Dauer und Intensität der körperlichen Aktivität hängen darüber hinaus von ihrem persönlichen Gesundheitszustand ab.
  • Expertinnen und Experten, etwa aus der Sportmedizin oder Physiotherapie, können Ihnen ein individuelles Bewegungsprogramm erstellen.
  • Sie sollten sich körperlich fordern und anstrengen, aber nicht überfordern. Es geht nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um ein Bewegungsprogramm, das an Ihre körperlichen Fähigkeiten, Wünsche und Bedürfnisse angepasst ist. Versuchen Sie, das richtige Maß zu finden. Sie können die Belastung allmählich und stufenweise steigern.
  • Trainieren Sie zudem immer so, dass Sie keine Schmerzen Und: Bei Schmerzen stoppen Sie die körperliche Aktivität.
  • Die gewählte Sportart sollte Ihnen Spaß machen, damit Sie die Bewegung dauerhaft in Ihren Alltag integrieren können.
  • Empfohlen ist eine Kombination aus Ausdauertraining und Krafttraining. Das Trainingsprogramm sollte individuell maßgeschneidert sein und zu Ihnen passen.
Sport bei Gebärmutterkrebs: Tipps

Meist wird bei einem Endometriumkarzinom die Gebärmutter im Rahmen einer OP entfernt. Manchmal ist auch ein umfangreicherer Eingriff nötig. Nach einer OP sind einige Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, was körperliche Aktivitäten angeht:

  • Verzichten unmittelbar nach der OP auf intensive körperliche Belastungen. Dazu gehört zum Beispiel auch schwere Gartenarbeit.
  • Heben Sie unmittelbar nach einer großen Bauchoperation keine schweren Gewichte und Lasten.
  • Wenn die Wunde vollständig abgeheilt ist, können Sie langsam und vorsichtig ins Training einsteigen.

Wie intensiv ist mein Training?

Die Intensität der körperlichen Belastung können Sie anhand der folgenden Regeln grob selbst einschätzen:

  • Leichte körperliche Aktivität bedeutet, dass Sie nicht ins Schwitzen kommen. Sie können sich während der Aktivität ohne Probleme mit anderen unterhalten. Beispiel: Ein Spaziergang in normalem Tempo.
  • Moderate körperliche Aktivität heißt, dass Sie leicht Schwitzen kommen. Während des Trainings können Sie sich aber noch einigermaßen gut mit anderen unterhalten. Beispiele: Nordic Walking oder ein flotter Spaziergang.
  • Intensive (anstrengende) körperliche Aktivität meint, dass Sie stark schwitzen und kaum oder nicht mehr in der Lage sind, sich mit anderen zu unterhalten. Beispiele: Joggen oder schnelles Radfahren

Ausdauersport bei Krebs

Es gibt verschiedene Ausdauersportarten, die sich für Menschen mit einer Krebserkrankung eignen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Wandern, Nordic Walking (mit Stöcken)
  • Schwimmen
  • Radfahren
  • Skilanglauf
  • Joggen
  • Skaten
  • Rudern
  • Tanzen

 

Bei einer Krebserkrankung verhält sich der Körper nicht jeden Tag gleich. An einem Tag ist die sportliche Aktivität besonders anstrengend, an einem anderen fällt sie Ihnen womöglich leichter. Hören Sie gut in sich hinein und beobachten Sie täglich, wie Sie sich fühlen. Überfordern Sie sich nicht und belasten Sie sich nicht zu stark, sondern passen Sie Ihr Trainingsprogramm an.

Die Deutsche Krebshilfe empfiehlt:

  • Wenn Sie ausschließlich Ausdauersport treiben, sollten Sie mindestens dreimal pro Woche für jeweils 30 bis 60 Minuten trainieren. Sie sollten sich dabei leicht anstrengen müssen.
  • Alternativ können Sie auch kürzere Einheiten (fünf bis sechs) pro Woche über jeweils 30 Minuten trainieren.
  • Wenn Sie sich stärker verausgaben dürfen, können Sie intensiver, aber kürzer trainieren. Ratsam sind mindestens dreimal pro Woche für jeweils 30 Minuten.

Krafttraining bei Krebs

Ein Krafttraining kann dabei mithelfen, Muskelmasse aufzubauen und die Muskulatur insgesamt zu stärken. Sie können zum Beispiel durch Kraftsport Verletzungen vorbeugen, Ihre Knochen stärken sowie Ihre Beweglichkeit, Körperhaltung und Koordination verbessern. Ein Krafttraining können Sie mit Geräten wie Hanteln oder einem Theraband, aber auch ohne Geräte durchführen.

Beginnen Sie besser nicht auf eigene Faust mit dem Krafttraining, sondern lassen Sie Ihre Kraft vorher professionell testen (zum Beispiel sportmedizinische Fachleute) und sich ein individuelles Trainingsprogramm ausarbeiten.

Empfohlen ist laut Deutscher Krebshilfe:

  • Absolvieren Sie Ihren Kraftsport mindestens zweimal pro Woche für mindestens 30 Minuten. Das Krafttraining sollte für Sie leicht anstrengend sein.
  • Wenn Sie sich für ein alleiniges Krafttraining entschieden haben, sollten Sie dieses zwei- bis dreimal pro Woche für 45 bis 60 Minuten durchführen.
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Welcher Sport nicht bei Krebs?

Es gibt keine Sportarten, die für Menschen mit Krebs grundsätzlich verboten sind. Vielmehr geht es um die Freude an der Bewegung und körperlichen Aktivität. Suchen Sie sich also eine Sportart, die Ihnen gefällt und die Sie dauerhaft ausüben können. Vielleicht probieren Sie auch mehrere Sportarten aus und entscheiden sich dann. Manchen fällt Sport in der Gruppe leichter. Suchen Sie sich eventuell Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Allerdings gibt es auch Sportarten mit intensivem Körperkontakt, die als besonders verletzungsträchtig gelten. Dazu gehören zum Beispiel Boxen und Karate. Auch schnelle Ballsportarten wie Handball, Fußball und Basketball oder Alpin-Skifahren können mit Verletzungen verbunden sein. Wählen Sie daher besser „schonende“ Sportarten wie Walking oder Radfahren.

Wann soll ich auf Sport verzichten?

Auch wenn körperliche Aktivität bei einer Krebserkrankung empfohlen ist – in manchen Situationen sollten Sie sich schonen und auf sportliche Aktivitäten verzichten. Holen Sie sich dazu auch immer ärztlichen Rat ein.

Keinen Sport treiben sollten Sie nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) zum Beispiel direkt nach einer Operation. Körperliche Aktivität ist eventuell ebenfalls nicht ratsam (Behandlungsteam fragen!) bei:

  • Infektionen, zum Beispiel Erkältung oder Grippe, oder einer erhöhten Infektionsgefahr
  • Fieber
  • Kreislaufproblemen, Gleichgewichtsstörungen
  • Schwindel, Bewusstseinsstörungen
  • Gefühlsstörungen in den Händen und Füßen (zum Beispiel aufgrund einer Nervenschädigung, Neuropathie)
  • starken Schmerzen
  • Übelkeit, Erbrechen
  • Verminderter Anzahl von roten Blutkörperchen (Anämie) – dann ist der Sauerstofftransport eingeschränkt
  • Störungen der Blutgerinnung
  • Knochenmetastasen, bei denen Bruchgefahr besteht

Allgemeine Bewegungstipps

Versuchen Sie außerdem, in Ihren Alltag möglichst viel Bewegung zu bringen. Jede Art von körperlicher Aktivität ist besser als viel Zeit im Sitzen oder Liegen zu verbringen. Schon wenige Schritte können viel helfen. Das gilt auch, wenn Sie vor Ihrer Krebserkrankung nicht besonders körperlich aktiv waren. Es gibt viele Möglichkeiten für mehr körperliche Aktivität im Alltag.

Einige Tipps:

  • Laufen Sie zum Einkaufen oder nehmen Sie Ihr Fahrrad statt sich ins Auto zu setzen.
  • Steigen Sie Treppen statt den Fahrstuhl oder die Rolltreppe zu nehmen.
  • Gehen Sie nach dem Essen ein paar Schritte an der frischen Luft spazieren.
  • Auch vor dem Schlafengehen ist ein kleiner Spaziergang oft wohltuend.
  • Bewegen Sie sich auch in Ihren eigenen vier Wänden möglichst viel.
  • Hausarbeit (zum Beispiel Putzen, Staubsaugen) und Gartenarbeit (zum Beispiel Rasenmähen, Unkraut jäten) zählen übrigens ebenfalls als Bewegung.

Adressen und Anlaufstellen

Es gibt besondere Sportgruppen für Menschen mit einer Krebserkrankung. Die Trainingsprogramme sind auf diese zugeschnitten. Außerdem arbeiten dort Trainerinnen und Trainer, die Erfahrung mit Krebskranken mitbringen. Fragen Sie bei Sportvereinen vor Ort oder bei Selbsthilfegruppen nach. Sie haben oft Adressen, Kontaktdaten und Ansprechpartner.

Auch der Deutsche Olympische Sportverbund (DOSB) bietet Bewegungsangebote für Menschen mit Krebs. Regionale Sportangebote gibt es auch bei den Landessportbünden.

Fitnessstudios können ebenfalls eine Anlaufstelle für Krebskranke sein. Sagen Sie, dass Sie eine Krebserkrankung haben und lassen Sie sich professionell zu einem Training beraten. Das Personal sollte qualifiziert sein und Erfahrung mit Krebskranken haben.

Ansonsten können Sie sich auch mit Freundinnen und Freunden zusammenschließen und Sport treiben. Aber: Vorher Ihre Belastungsfähigkeit von Profis einschätzen lassen!

Außerdem gibt es für Menschen mit einer Krebserkrankung besondere Sport-Apps. Einige sind kostenlos, andere dagegen nicht. Die digitalen Helfer enthalten Bewegungsprogramme, die sich bei einer Krebserkrankung eignen. Sie können außerdem die Motivation fördern, Menschen untereinander verknüpfen und Tipps und Hilfestellung zur körperlichen Aktivität geben.

Beispiele für Bewegungs- und Sport-Apps:
  1. Deutsche Krebsgesellschaft, Basisinformationen Krebs: Bewusst leben – Bewegung, abgerufen am 1.4.2024
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Leben, Alltag: Sport nach Krebs, abgerufen am 1.4.2024
  3. Deutsche Krebshilfe, Bewegung und Sport bei Krebs, abgerufen am 1.4.2024
  4. Deutsche Krebshilfe, Blaue Ratgeber „Sport und Bewegung bei Krebs“, abgerufen am 2.4.2024
  5. Krebsverband Baden-Württemberg, Broschüre: Sport, Bewegung und Krebs, abgerufen am 2.4.2024
  6. Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg (NCT), Onkologische Sport- und Bewegungstherapie, abgerufen am 2.4.2024
  7. Onkopedia, Bewegung und Sport 2.4.2024
  8. L. Campbell, K. Winters-Stone, J. Wiskemann, A. M. May, A. L. Schwartz, K. S. Courneya, D. Zucker, C. Matthews, J. Ligibel, l. Gerber, G. S. Morris, A. Patel, T. F. Hue, F.M. Perna, K. H. Schmitz (2019) Exercise Guidelines for Cancer Survivors: Consensus Statement from International Multidisciplinary Roundtable. Medicine & Science in Sports & Exercise, DOI 10.1249/MSS.0000000000002116

NP-DE-AOU-WCNT-240007 (05/2024)

Mit freundlicher
Unterstützung von GlaxoSmithKline

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