Print Friendly, PDF & Email

HER2-/HR+ Brustkrebs – was ist das?

Redaktion Mamma Mia! im Auftrag von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme

HER2-/HR+
© iStock / wildpixel
Print Friendly, PDF & Email

Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs – denn oft besitzen die Tumorzellen typische Merkmale. Diese Tumorbiologie spielt auch bei der Wahl der richtigen Krebsbehandlung eine wichtige Rolle. Lesen Sie, was ein HER2-/HR+ Brustkrebs ist und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut (RKI) rund 70.000 Frauen an Brustkrebs beziehungsweise einem Mammakarzinom – so heißt die Erkrankung in der Fachsprache. Doch Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs und die Tumorbiologie kann von Person zu Person sehr verschieden sein. Krebszellen können unterschiedliche Eigenschaften besitzen, die sich wiederum für die Krebsbehandlung nutzen lassen. Dazu zählen beispielsweise die Andockstellen für die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron und die Bindungsstellen für den Wachstumsfaktor HER2.

HER2-/HR+ Brustkrebs – charakteristische Merkmale

Krebszellen werden im Labor heute routinemäßig auf bestimmte Merkmale untersucht. So erstellen Ärztinnen und Ärzte für jede Person einen individuellen „Fingerabdruck“ ihres Tumors.

Bei den meisten Frauen mit Brustkrebs lassen sich an den Tumorzellen Andockstellen für Hormone, sogenannte Hormonrezeptoren (HR), nachweisen – für Östrogen und/oder Progesteron. Diese sind wichtige Ansatzpunkte für die Krebsbehandlung. Zugleich ist der Brustkrebs bei der Mehrzahl der Frauen HER2-negativ. Das bedeutet, dass die Krebszellen keine vermehrte Anzahl von HER2-Rezeptoren an ihrer Oberfläche besitzen. Der Tumor ist dann HER2-/HR+. Lesen Sie, was genau hinter diesen Kürzeln steckt.

Hormonrezeptorstatus

Ein wichtiges Merkmal von Brustkrebszellen ist ihr Hormonrezeptorstatus. Der weitaus größere Anteil aller Mammakarzinome ist hormonempfindlich und wächst aufgrund des Vorhandenseins von speziellen Bindungsstellen (Rezeptoren) unter dem Einfluss der Hormone Östrogen und/oder Progesteron. Ärztinnen und Ärzte sprechen in diesem Fall von „Hormonrezeptor-positivemBrustkrebs, abgekürzt HR+. Der Hormonrezeptorstatus wird routinemäßig im Labor anhand einer Gewebeprobe (Biopsie) bestimmt.

Dieser Hormonrezeptorstatus lässt sich aber noch weiter differenzieren. Sind Rezeptoren für Östrogen an den Krebszellen nachweisbar, kürzen medizinische Fachleute dies als ER+ (Östrogenrezeptor-positiv) ab. Das Vorhandsein von Rezeptoren für Progesteron wird mit dem Kürzel PgR+ (Progesteronrezeptor-positiv) beschrieben. Bei etwa 75 Prozent der Patient:innen fällt der Test auf den Östrogenrezeptor positiv aus.

Bei einem Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs ist die Antihormontherapie (endokrine Therapie) eine sehr wichtige Behandlungsstrategie. Bei Betroffenen mit einem Hormonrezeptor-negativen Tumor (HR-) würde die Antihormontherapie dagegen nichts bewirken können.

HER2-Status

Neben dem Hormonrezeptorstatus spielt auch der HER2-Status bei Brustkrebs eine wichtige Rolle. Die Abkürzung „HER2“ steht für „humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2“. Darunter sind Bindungsstellen (Rezeptoren) für Wachstumsfaktoren an der Oberfläche von Krebszellen zu verstehen. Sie leiten Signale ans Zellinnere weiter und regen die Tumorzellen so zur Teilung und Vermehrung an. Ungefähr 15 Prozent der Betroffenen haben einen HER2-positiven Brustkrebs (HER2+). Bei ihnen sind diese Rezeptoren in höherer Anzahl an den Krebszellen vorhanden. Im Umkehrschluss heißt dies auch, dass die Mehrzahl der Patient:innen mit Brustkrebs einen HER2-negativen Status (HER2-) hat.

Der HER2-Status, also in welchem Ausmaß der HER2-Rezeptor vorhanden ist, wird anhand einer Gewebeprobe im Labor bestimmt. Zum Einsatz kommen zwei Verfahren:

  • Immunhistochemie (IHC): Dabei ermitteln Pathologen und Pathologinnen die Menge des in den Krebszellen vorhandenen Proteins HER2. Das Testergebnis wird mit einem Punktwert von 0 bis 3+ angegeben.
  • In-situ-Hybridisierung (ISH): Dabei wird die Anzahl der HER2-Gene in den Krebszellen nachgewiesen. Meist wird ein Verfahren angewandt, dessen Nachweis auf Fluoreszenzfarbstoffen beruht, die sogenannte Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH).

 

Sind viele HER2-Andockstellen an den Tumorzellen vorhanden, bedeutet dies oft einen aggressiveren Krankheitsverlauf. Es werden dann sehr viele Wachstumssignale weitergeleitet und die Zellen teilen sich häufiger. Es gibt aber heute Behandlungen, die sich gezielt gegen HER2 richten, die sogenannte Anti-HER2-Therapie. Medikamente besetzen diese HER2-Bindungsstellen und hemmen somit das Zellwachstum. Dadurch lässt sich die früher äußerst schlechte Prognose dieses Brustkrebstyps inzwischen bedeutend verbessern.

Triple-negativer Brustkrebs – was ist ein TNBC?
Zum Artikel

HER2-/HR+ Brustkrebs – welche Behandlungen gibt es?

Je nach Stadium, Ausbreitung und Aggressivität der Krebszellen, aber auch der Tumorbiologie setzen Ärztinnen und Ärzte verschiedene Therapien bei Brustkrebs ein. Die wichtigsten Behandlungen bei einem HER2-negativen und Hormonrezeptor-positiven Brustkrebs im Überblick.

Antihormontherapie

Die Antihormontherapie heißt auch endokrine Therapie. Sie wirkt im gesamten Körper – man sagt „systemisch“. Ziel der Antihormontherapie ist es, das Wachstum der Krebszellen zu unterbinden und so das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv) oder ein Fortschreiten der Brustkrebserkrankung zu senken.

Zum Einsatz kommen verschiedene Medikamente, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren:

  • Antiöstrogene oder sogenannte Östrogenrezeptor-Antagonisten blockieren die Wirkung des Östrogens an den Krebszellen, indem sie die Bindungsstellen (Rezeptoren) für Östrogen besetzen. Dann kann körpereigenes Östrogen nichts mehr ausrichten. Damit wird verhindert, dass die Tumorzellen zum Wachstum angeregt werden.
  • Aromatase-Hemmer (Aromatase-Inhibitoren) sind Medikamente, die die körpereigene Produktion von Östrogen blockieren, indem sie das Enzym Aromatase hemmen. Man spricht daher auch von Östrogenentzug.
  • GnRH-Analoga können die Funktion der Eierstöcke und damit deren Produktion von Östrogen vorübergehend ausschalten. Diese Therapie wird hauptsächlich in Kombination mit einer der oben genannten Antihormontherapien eingesetzt. Sie kann die Eierstöcke bei Frauen vor den Wechseljahren während der Therapie schützen, sodass die Fruchtbarkeit für die Zeit nach der Therapie erhalten bleibt. Der Name leitet sich daraus ab, dass diese Medikamente analog, also so ähnlich aufgebaut sind wie das körpereigene Hormon Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) und somit dessen Funktion nachahmen können.

 

Welche antihormonelle Therapie zum Einsatz kommt, hängt vor allem auch vom Alter einer Frau ab – nämlich ob sie sich vor oder nach den Wechseljahren (prä- oder postmenopausal) befindet. Die endokrine Therapie lässt sich bei frühem Brustkrebs als begleitende und unterstützende Behandlung nach der Operation (adjuvant) einsetzen, um das Rückfallrisiko zu senken. Auch bei einem fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs ist die antihormonelle Therapie eine Behandlungsmöglichkeit. Sie soll das Krebswachstum verzögern, Beschwerden aufgrund der Krebserkrankung verringern und die Lebensqualität verbessern.

Die Antihormontherapie ist eine Langzeitbehandlung und wird über mehrere Jahre angewendet. In der Regel sollten Ärztinnen und Ärzte individuell prüfen, ob die antihormonelle Behandlung nach fünf Jahren weiter fortgesetzt werden soll. Eine Rolle spielen dabei unter anderem das persönliche Rückfallrisiko oder die Verträglichkeit des Medikaments.

BRCA-assoziierter Brustkrebs – was ist das?
Zum Artikel

Weitere zielgerichtete Therapien bei Brustkrebs bei HER2-/HR+ Brustkrebs

Für Patient:innen mit einem fortgeschrittenen Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen Brustkrebs gibt es auch einige neue Medikamente, die durch ein gezieltes Eingreifen in bestimmte Signalwege das Tumorwachstum hemmen. Sie werden meist in Kombination mit einer Antihormontherapie angewendet. Die wichtigsten im Überblick:

  • CDK4/6-Hemmer: Diese Medikamente verhindern durch eine Hemmung der Enzyme CDK4 und 6 das Wachstum von Tumorzellen. Sie gehören in Kombination mit einer Antihormontherapie, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung, mittlerweile zur Standardtherapie.
  • PARP-Hemmer: Sie können bei Patient:innen mit einer Veränderung (Mutation) in den Genen BRCA1 oder BRCA2 zum Einsatz kommen. Die Genveränderung muss dabei in der Keimbahn vorliegen und wird daher anhand einer Blutprobe nachgewiesen. Durch den Einsatz dieser Medikamente werden bei gleichzeitigem Vorliegen einer BRCA-Mutation die Tumorzellen gezielt so stark geschädigt, dass diese absterben.
  • mTOR-Hemmer: Medikamente aus dieser Gruppe hemmen ein bestimmtes Enzym namens mTOR, welches bei vielen Tumorerkrankungen überaktiv ist, indem sie den sogenannten mTOR-Signalweg stören. Zellen, die ursprünglich hormonempfindlich waren, können aufgrund einer Überaktivierung des mTOR-Signalweges resistent (unempfindlich) gegenüber einer Antihormontherapie werden. Dann wachsen die Krebszellen trotz endokriner Therapie weiter. Wird dieser mTOR-Signalweg blockiert, reagieren die Tumorzellen wieder auf die antihormonellen Wirkstoffe.
  • PI3K-Hemmer: Diese Medikamente hemmen die sogenannte PI3-Kinase, ein Enzym, welches das Wachstum der Tumorzellen fördert. Diese Arzneimittel kommen hauptsächlich bei Patient:innen zum Einsatz, deren Tumor eine erhöhte Aktivität dieses Signalweges aufweist. Dies ist der Fall bei Vorliegen einer sogenannten PIK3CA-Mutation – und bei denen sich die Erkrankung bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befindet.
  • Angiogenese- oder VEGF-Hemmer: Die Medikamente verhindern die Ausbildung neuer Blutgefäße (fachsprachlich Angiogenese) zur Versorgung des Tumors, indem sie die Wirkung des Gefäßwachstumsfaktors VEGF hemmen. Damit erhalten die Krebszellen nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe und sterben ab.

DE-61903/2023

Das könnte Sie ebenfalls interessieren

Im Auftrag von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.