Wie sich Wechselwirkungen proaktiv vermeiden lassen

Wechselwirkungen proaktiv vermeiden
© iStock / Svetlana Larshina

In den letzten Jahren hat sich in der Behandlung von Brustkrebs enorm viel getan. Dank moderner Diagnoseverfahren und innovativer Forschung stehen den Betroffenen immer mehr Therapieoptionen zur Verfügung. Dabei setzt sich eine medikamentöse Therapie oft aus mehreren Komponenten zusammen. Hier gilt es, genau zu prüfen, ob und inwiefern diese miteinander kombinierbar sind und welchen Einfluss zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittel haben. Eine Klärung dieser Faktoren im Vorfeld kann den Therapieerfolg positiv beeinflussen. 

Wie entstehen Wechselwirkungen eigentlich?

Wechselwirkungen können durch verschiedene Mechanismen entstehen – ein Beispiel: Viele Medikamente werden im Körper mithilfe des sogenannten Leberenzyms CYP3A4 abgebaut. Dieser Vorgang kann durch verschiedene Substanzen beeinflusst werden. Grapefruit beziehungsweise Grapefruitsaft zum Beispiel enthält Stoffe, die genau dieses Enzym hemmen. Dadurch können die Medikamente nicht mehr so schnell abgebaut werden, wie es normalerweise der Fall wäre, und die Medikamentenkonzentration im Blut steigt an. Das wiederum erhöht das Risiko für Nebenwirkungen. Schon geringe Mengen Grapefruit können den Medikamentenspiegel deutlich in die Höhe treiben, weshalb Betroffene während der Therapie auf Grapefruit, Grapefruitsaft und verwandte Produkte (zum Beispiel Pampelmusen oder Pomelos) verzichten sollten.  

Übrigens: Bestimmte pflanzliche Mittel wie das Johanniskraut führen zu einer vermehrten Produktion des Leberenzyms CYP3A4 und somit zu einem schnelleren Abbau des Medikaments. Das wiederum kann eine verminderte Wirkung der Therapie nach sich ziehen. 

Wechselwirkungen (Interaktionen) entstehen, wenn zwei oder mehr Medikamente, Nahrungsmittel oder Substanzen sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen. Dadurch kann sich die Wirkung eines Medikaments verstärken, abschwächen oder es können unerwartete Nebenwirkungen auftreten.

Welche wichtigen Arten von Wechselwirkungen gibt es?

  • Medikament – Medikament: Zwei oder mehr Arzneimittel beeinflussen sich gegenseitig (zum Beispiel Blutverdünner und Schmerzmittel). 
  • Medikament – Nahrungsmittel: Bestimmte Lebensmittel können die Aufnahme oder den Abbau von Medikamenten beeinflussen, wodurch sich die Wirkstoffkonzentration im Blut verändern kann (durch Grapefruit kann sich beispielsweise der Wirkstoffspiegel mancher Krebsmedikamente erhöhen). 
  • Medikament – Nahrungsergänzungsmittel: Auch pflanzliche Präparate, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel können in die Therapie eingreifen (Johanniskraut kann zum Beispiel die Wirksamkeit mancher Krebstherapien erheblich reduzieren).

Warum ist das Thema Wechselwirkungen für Krebspatienten besonders relevant?

Brustkrebspatienten werden in der Regel mit mehreren Medikamenten gleichzeitig behandelt. So erhalten bestimmte Betroffene mit frühem Hormonrezeptor-positivem (HR+), HER2-negativem Brustkrebs beispielsweise einen CDK4/6-Inhibitor in Kombination mit einer Antihormontherapie, um das Risiko für mögliche Rückfälle zu reduzieren. Bei diesen Therapien können neben der gewünschten Wirkung auch Nebenwirkungen auftreten, die eventuell einer weiteren Behandlung bedürfen. Müssen die Patienten dann gegebenenfalls noch Arzneimittel gegen andere Erkrankungen wie bakterielle Infektionen oder Schlafstörungen einnehmen, sollte genau geprüft werden, welche Medikamente parallel eingenommen werden dürfen und welche nicht, um das Risiko für potenzielle Wechselwirkungen zu minimieren und den Behandlungserfolg nicht zu gefährden. Ein weiterer wichtiger Faktor beim Thema Wechselwirkungen sind Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel, welche die Wirkung der Medikamente beeinflussen können. 

Wechselwirkung gesucht, gefunden und vermieden Wechselwirkungen können ernste gesundheitliche Folgen haben, lassen sich jedoch vielfach von Vornherein vermeiden.  

Dazu sind die Patienten ebenso gefordert wie das Behandlungsteam. Eine offene Kommunikation ist der Schlüssel zu einer sicheren Therapie. Denn nur wer alle eingenommenen Substanzen angibt, kann bestmöglich geschützt werden. Dazu  

zählen neben allen Medikamenten auch Nahrungsmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Vitaminkuren und pflanzliche Stoffe. Ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt sollten keine neuen Substanzen eingenommen werden. Es empfiehlt sich, bei Unklarheiten und Fragen aktiv bei Ärzten und Pflegepersonal sowie in der Apotheke nachzuhaken. 

Sicherheit durch aktive Kommunikation und Information – so geht’s: 

  • Medikamentenliste führen: Eine vollständige Liste aller eingenommenen Medikamente, Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine und pflanzlichen Präparate erstellen und bei jedem Arzttermin vorlegen. Diese Liste sollte immer aktuell gehalten werden, indem sämtliche neu eingenommenen Substanzen direkt ergänzt werden.  
  • Tägliche Essgewohnheiten ansprechen: Es kann hilfreich sein, die täglichen Essgewohnheiten durchzugehen und aktiv nachzufragen, ob auf bestimmte Lebensmittel verzichtet werden sollte.  
  • Beipackzettel lesen: Den Abschnitt „Wechselwirkungen“ im Beipackzettel jedes Medikaments aktiv lesen und bei Fragen nachhaken. 
  • Apotheke als zusätzliche Anlaufstelle: Apotheker können kostenfrei eine Wechselwirkungsprüfung (Medikationscheck) für alle eingenommenen Präparate durchführen. 
  • Online-Ressourcen nutzen: Eine Recherche im Internet auf seriösen Seiten kann ebenfalls dabei helfen, mögliche Wechselwirkungen ausfindig zu machen. Einige Apotheken bieten auf ihren Webseiten einen Neben- und Wechselwirkungsfinder an. Informationen aus dem Netz sollten jedoch immer von einem Arzt oder Apotheker gegengeprüft werden.  
  • Apps nutzen: Verschiedene Apps können die Dokumentation des Behandlungs- und Medikationsplans erleichtern und dabei helfen, wichtige Informationen wie Neben- und Wechselwirkungen festzuhalten.
MyTherapy-App

Die MyTherapy-App ermöglicht es, alle eingenommenen Medikamente sowie auftretende Nebenwirkungen und Symptome strukturiert zu dokumentieren.  

Zusätzlich bietet MyTherapy Artikel rund um die Erkrankung an. So können Nutzerinnen und Nutzer optimal vorbereitet in das nächste Arztgespräch gehen.  

→ activate.mytherapyapp.com/g1xin 

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