„Mein Krebs und ich“ – Erfahrungsbericht zum inflammatorischen Brustkrebs

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Meine beste Freundin hat mich liebevoll genötigt, meine Beschwerden vom Gynäkologen untersuchen zu lassen. Meine Beschwerden waren: über ein Jahr lang übermäßig starke und unregelmäßige Menstruationsblutungen (zwei Monate lang stärkste Blutungen, ein Monat Pause, wieder zwei Monate lang Blutungen usw.), eine leicht vergrößerte und gelegentlich leicht gerötete rechte Brust, zuletzt mit Orangenhaut und häufig eingezogener Brustwarze, selten auch mal ein stechender Schmerz. Trotz meiner Aussage am Telefon, dass ich mir Sorgen mache, bekam ich von zwei Gynäkologen erst Termine in einem halben Jahr angeboten. Ein dritter, hier im Ort unbeliebter, Gynäkologe nahm mich ernst und ich durfte ein paar Tage später hin. Er hat sofort den Tumor ertastet. Bei der Mammografie bekam ich auch erst in drei Monaten einen Termin angeboten. Mein Gynäkologe hatte mich gebeten, ihn in diesem Fall darüber zu unterrichten. Er hat dann interveniert und mir einen Termin für den nächsten Tag besorgt. Dann reihten sich diverse Untersuchungen aneinander. Letzten Endes lagen zwischen der Erstdiagnose beim Gynäkologen und dem Beginn der neoadjuvanten Chemotherapie nur 1,5 Monate.

Ich muss dazu aber noch erwähnen, dass ich mich seit vier Jahren extrem erschöpft fühlte, mir das nicht erklären konnte, deswegen sehr verzweifelt war, bei meiner Hausärztin Rat suchte, zum Psychiater überwiesen wurde und jahrelang mit einem neuartigen Antidepressivum therapiert wurde, das bei mir eigentlich keine Wirkung zeigte, weshalb ich es unterdosierte, da ich bei mir ohnehin nicht die typischen Merkmale einer Depression feststellen konnte. Ich war aber sehr erleichtert darüber, dass ich in Erwerbsminderungsrente geschickt wurde, da ich zum Arbeiten und für viele andere Dinge einfach zu erschöpft war. Ich weiß bis heute nicht, ob dies bereits Anzeichen für den Krebs gewesen sein können.

Die Therapie

12 x neoadjuvante Chemo mit Nab-Paclitaxel und Doppelblockade Antikörper. Nach der ersten Chemogabe war die Entzündung bereits weg und die Brust sah wieder normal groß, glatt und gesund aus. Nach drei Monaten Chemo war bei den bildgebenden Verfahren nichts mehr sichtbar. Ablatio rechts „weil das bei entzündlichem Krebs immer gemacht werden sollte, auch wenn bei Ihnen nichts mehr nachweisbar ist.“ Die Achselhöhle wurde in Ruhe gelassen, weil bei mir nichts mehr zu finden war, was operiert hätte werden müssen. Fortführung der Antikörpertherapie mit Trastuzumab und Pertuzumab sowie Antihormon Letrozol und Bisphosphonaten Zoledronsäure „lebenslang bzw. so lange, wie Sie es gut vertragen“ laut meinem Onkologen. Nach der OP onkologische AHB auf Sylt. Alle drei Wochen Antikörper und alle drei Monate Zoledronsäure, beides über den Port.

Meine Erfahrung mit den Ärzten

Die Beratung durch meinen Onkologen ist zufriedenstellend, die durch meinen Gynäkologen auch. Meine Hausärztin hat nicht viel Fachwissen darüber, ich binde sie aber trotzdem zu 100 Prozent in alles mit ein. Sie ist sehr empathisch und hat für alles ein offenes Ohr, was auch sehr wichtig ist. Durch meine Vorerkrankung, die Depressionen, bin ich seit fünf Jahren in regelmäßiger psychologischer Behandlung, die sehr gut ist, mich stark gemacht hat und weshalb ich auch besser als viele andere mit dieser Diagnose umgehen kann. Mein persönliches Fachwissen habe ich allerdings keinem der Ärzte zu verdanken, sondern ich habe es selbst erworben. Den Wunsch meines Onkologen, dass ich an einer Studie teilnehmen sollte, hatte ich damals abgelehnt, weil ich nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden wollte. Jetzt, wo ich Ihren Artikel gelesen habe, bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob das die richtige Entscheidung war, aber jetzt ist es für eine Studie wahrscheinlich zu spät, es ist ja schon ein Jahr vergangen.

Marion Ortmann