Antioxidantien während der Krebstherapie: Zuviel des Guten?

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Studie: Antioxidantien können die Wirksamkeit der Krebstherapie vermindern

Wäre es nicht toll, wenn man mit relativ einfachen Mitteln etwas für die Gesundheit und das Wohlbefinden tun könnte? Für viele ist die Ernährung ein passender Ansatzpunkt. Und auch die Forschung beschäftigt sich damit, wie eine gesunde Ernährung sich auf das Überleben und vor allem auf die Lebensqualität von Krebspatientinnen auswirkt.

Einen Nahrungsbestandteil, den die Wissenschaftler dabei genauer unter die Lupe genommen haben, sind die sogenannten Antioxidantien. Diese oft auch als lebensmittelchemische Wunderwaffen bezeichneten Stoffe sollen uns vor Krankheiten schützen, das Immunsystem unterstützen und uns jung und fit aussehen lassen. Einer neuen Studie zufolge könnten sie sich aber negativ auf die Effektivität der Krebstherapie auswirken – vor allem, wenn wir sie in Form von hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln zu uns nehmen.

Aber was sind Antioxidantien eigentlich?

Zu den Antioxidantien – auch Radikalfänger genannt – gehören Vitamine wie Vitamin C und E, Mineralien wie Zink und Selen sowie sekundäre Pflanzenstoffe. Sie besitzen eine antioxidative Wirkung und können uns gegen sogenannte freie Radikale schützen.

Das wiederum sind chemisch instabile und deshalb sehr reaktionsfreudige Moleküle. Sie entstehen einerseits bei Stoffwechselprozessen im Körper, andererseits aber auch durch äußere Einflüsse wie Zigarettenrauch, Alkohol, schlechte Ernährung, Umweltgifte oder die UV-Strahlung der Sonne. Einem freien Radikal fehlt ein negativ geladenes Teilchen, das Elektron. Um das zu bekommen, greift es die nächstbeste Zelle an und entreißt ihr das fehlende Elektron. Weil dieser Zelle nun aber auch ein Elektron fehlt, wird sie selbst auch zu einem freien Radikal – und entreißt der nächsten Zelle ein Elektron. Es kommt zu einer Kettenreaktion, dem sogenannten oxidativen Stress.

Oxidativer Stress macht krank

Durch ihn werden intakte Moleküle, Eiweiße und Enzyme, Zellmembranen und Rezeptoren der Zelloberflächen, aber auch die DNA, in ihren Funktionen gestört. Deshalb gilt der oxidative Stress als Mitverursacher für viele Erkrankungen und Beschwerden. Zu ihnen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arthritis und Hautalterung. Darüber hinaus spielen freie Radikale auch bei der Krebsentstehung eine Rolle. Eine gesunde Ernährung, die unter anderem reich an Antioxidantien ist, wirkt daher prinzipiell der Entstehung von Krebs entgegen.

Auch Krebszellen werden in Schutz genommen

Wenn Antioxidantien also vor Krebs schützen können, können sie dann nicht auch dabei helfen, eine Krebserkrankung zu behandeln? Diese Frage wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Dabei geht es aber weniger um die natürlich vorkommenden Antioxidantien in Obst und Gemüse, sondern vielmehr um die Einnahme von Nahrungsergänzungsmittel, die die entsprechenden Vitamine und Mineralstoffe in hoher Konzentration enthalten. Die Studien zu diesem Thema brachten bisher weder eindeutige noch einheitliche Ergebnisse.

„Antioxidantien können offensichtlich Schäden an Krebszellen abwenden, die man mit einer Bestrahlung und/oder Chemotherapie erreichen möchte“

Die offiziellen Empfehlungen lauten deshalb, während der Bestrahlung und/oder Chemotherapie soweit wie möglich auf Antioxidantienzusätze zu verzichten. Die Radikalfänger schützen nämlich nicht nur gesunde Zellen, sondern auch Krebszellen vor Schäden und können so die Wirkung der Krebstherapie abschwächen. „Antioxidantien wirken Oxidationsvorgängen entgegen und können somit offensichtlich auch Schäden an Krebszellen abwenden, die man mit einer Bestrahlung und/oder Chemotherapie gerade erreichen möchte“, erklärt Prof. Dr. Stephanie E. Combs, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie.

Ernährung immer mit dem Arzt abstimmen

Die aktuelle MARIE-Studie (Mamma Carcinoma Risk Factor Investigation) hat nun diese Warnungen bestätigt – zumindest für Patientinnen mit postmenopausalen Brustkrebserkrankungen während der Therapie. Die Forscher analysierten, ob es Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Antioxidantien und anderen Nahrungsergänzungsmitteln und dem Verlauf bzw. der Prognose der Erkrankung gibt. Dabei zeigte sich, dass die Sterblichkeit bei der Einnahme von Antioxidantien zeitgleich zu einer Bestrahlung oder Chemotherapie um das 1,6-Fache erhöht war. Das Risiko, einen Rückfall zu erleiden, war sogar um das 1,8-Fache erhöht. Um solche Risiken zu vermeiden, sollten Patientinnen mit dem behandelnden Onkologen über die Ernährung und besonders über jegliche Nahrungsergänzungsmittel sprechen. „Tatsächlich kann es durch Therapienebenwirkungen wie Erbrechen oder Schleimhautentzündung zur Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen kommen. Ein solcher Mangel kann aber gezielt diagnostiziert und mit geeigneten Präparaten behoben werden“, erklärt Frau Prof. Combs. Und Prof. Dr. Wilfried Budach, Präsident der DEGRO, ergänzt: „Natürlich wird Krebspatienten eine abwechslungsreiche, ausgewogene Ernährung empfohlen, die Obst und Gemüse, Eier, Milchprodukte, Fleisch und Fisch beinhaltet und natürliche Antioxidantien enthält. Von der Einnahme hochkonzentrierter Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln raten wir aber ab.“

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