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Anti­hormon­therapie

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Hoffnung auf weniger Beschwerden nun berechtigt?

Annette Rexrodt von Fircks, Buch-Autorin und Brustkrebsbetroffene, im Gespräch mit Herrn Professor Josef Beuth, Institut zur Evaluation von Naturheilverfahren an der Universität Köln.

„Vor zwölf Jahren erhielt ich die Diagnose, dass ich Brustkrebs habe. Seitdem engagiere ich mich für Betroffene und gebe meine Erfahrungen weiter, die ich während der Therapie und in der Nachbehandlung gemacht habe. Ich selbst mache seit vielen Jahren eine Antihormontherapie und stets war ich auf der Suche nach Linderung der durch die Antihormontherapie hervorgerufenen Beschwerden. Zeitweise hatte ich wegen Gelenkschmerzen nicht einmal mehr meinen Kindern morgens die Butterbrote streichen können. Die mir dagegen verordneten Schmerzmittel konnte ich auf Dauer nicht vertragen. Bei meinen Bemühungen, eine Lösung zu finden, stieß ich an der Universität Köln auf das Institut zur Evaluation von Naturheilverfahren, unter der Leitung von Prof. Josef Beuth. Er empfahl mir ein Naturstoffprodukt*, das bereits begleitend zu Chemo- und Strahlentherapie positiv geprüft wurde. Meine erste Skepsis, wieder etwas Neues zu schlucken, wurde bald durch spürbare Erfolge gewendet. Die Gelenkschmerzen ließen rasch nach und sogar meine Kontaktlinsen konnte ich wieder tragen, was zuvor wegen Augentrockenheit undenkbar war. Ich gewann wieder Lebensqualität.“

Annette Rexrodt von Fircks: Was hat das Institut veranlasst, eine Untersuchung mit dem Produkt durchzuführen?

Prof. Dr. Josef Beuth: Das Institut für Naturheilverfahren an der Universität zu Köln wurde vor mehr als zehn Jahren gegründet, um komplementärmedizinische Therapiemaßnahmen zu erforschen. Diese Aufgabe umfasst die Bewertung (= Evaluation) von Literaturdaten sowie die studienmäßige Austestung neuer Therapieansätze. Da das Prüfpräparat für Krebspatienten/Innen unbedenklichkeits- und wirksamkeitsgeprüfte Substanzen enthielt (Selen und pflanzliche Enzyme) sowie zusätzlich eine speziellen Schleimhautstabilisierenden Pflanzenextrakt (Lens culinaris), wurden erste klinische Untersuchungen in die Wege geleitet, um den therapeutischen Wert wissenschaftlich abzusichern. Diese viel versprechende und einzigartige Kombination aus erprobten Wirksubstanzen, so vermuteten wir, könnte eine patientenorientierte komplementäre Maßnahme zur Reduktion von Nebenwirkungen der Chemo-, Strahlen- und Hormontherapie sein. Daher diese Untersuchung.

Annette Rexrodt von Fircks: Es ist ja unglaublich, wie viele Frauen unter den Nebenwirkungen der Antihormontherapie leiden – was hat die Untersuchung gezeigt?

Prof. Dr. Josef Beuth: Die klinische Untersuchung hat eindeutige Vorteile der bedarfsangepassten komplementärmedizinischen Behandlung mit dieser einzigartigen Naturstoffkombinationen bei Brustkrebspatientinnen unter Antihormontherapie aufgezeigt. Insbesondere konnten Gelenkbeschwerden und Schleimhauttrockenheit relevant gemildert werden, was mit erhöhter Lebensqualität einherging (siehe Infografik).

Annette Rexrodt von Fircks: Wie ist diese Wirksamkeit zu erklären?

Prof. Dr. Josef Beuth: Die Funktion der Schleimhäute (zum Beispiel Freisetzung von Flüssigkeit) ist unter anderem abhängig vom Hormonstatus. Dementsprechend gehen nachlassende Hormonfreisetzung (beispielsweise in der Menopause) sowie therapeutischer Hormonentzug (Antihormontherapie) mit einer Funktionseinschränkung der Schleimhäute einher. Dies kann zu Symptomen in allen Bereichen des menschlichen Körpers führen, die mit Schleimhäuten ausgekleidet sind, unter anderem Mund-Rachenraum, Nase, Augen, Scheide und insbesondere auch Gelenke. Die rückläufige beziehungsweise fehlende Schleimhautfunktion zeigt sich in den betroffenen Organen hauptsächlich in deren Trockenheit, die zu Schmerzen und Entzündungs- sowie Blutungsanfälligkeit führt und die Lebensqualität deutlich mindert. Das international intensiv beforschte Gebiet der „Schleimhautimmunität“ konnte aufzeigen, dass alle Schleimhäute des menschlichen Körpers „kreuzreagieren“, das heißt, miteinander verbunden sind und gleich reagieren. Das bedeutet, eine Funktionsverbesserung der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes führt nach der oralen Einnahme einer aktivierenden Substanz auch zur Funktionsverbesserung der Schleimhäute in anderen Körperteilen. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass definierte Substanzen, wie Eiweißkomponenten aus Hülsenfrüchten sowie pflanzliche Enzyme, die Funktion von Schleimhautzellen verbessern, beziehungsweise wiederherstellen können.

Annette Rexrodt von Fircks: Die Antihormontherapie
dauert ja fünf Jahre und länger – sollte die Betroffene die ganze Zeit das Produkt nehmen?

Prof. Dr. Josef Beuth: Anzuraten wäre, die Medikation nach Abklingen der Beschwerden zu reduzieren und auszuschleichen. Wenn nämlich eine Patientin beschwerdefrei ist, dann sollte sie der individuellen Situation angemessen körperlich aktiv werden und ein aufbauendes Sportprogramm beginnen beziehungsweise intensivieren. Die Landessportbünde in Deutschland bieten unentgeltlich Sportprogramme für alle Leistungsklassen an. Mit zunehmender körperlicher Aktivität wird auch die Muskulatur aktiviert und aufgebaut, was schließlich zu einer nicht schädlichen Basisfreisetzung von Hormonen führt, die die meisten Nebenwirkungen des Hormonentzuges beseitigen kann. Wenn die Symptome der Schleimhauttrockenheit wieder auftreten, wäre eine erneute Einnahme einer bedarfsangepassten Menge empfehlenswert.

Annette Rexrodt von Fircks: Wird das Produkt gut vertragen?

Prof. Dr. Josef Beuth: Wie bei jeder therapeutischen Maßnahme sind Nebenwirkungen möglich, aber extrem selten. Sie treten meist nach Einnahmefehlern auf (eine Stunde vor und nach der Einnahme des Produktes sollte keine Nahrungsaufnahme erfolgen!) und umfassen hauptsächlich Blähungen, Durchfall oder Bauchschmerzen. Wechselwirkungen mit anderen Präparaten, insbesondere mit Standardtherapien, sind nicht bekannt. Patientinnen mit Ananasallergie oder die gerade blutverdünnende Medikamente einnehmen, sollten das Produkt nicht einnehmen.

Annette Rexrodt von Fircks: Das Produkt enthält auch Selen. Wie stehen Sie zu dem Thema?

Prof. Dr. Josef Beuth: Selen ist ein lebensnotwendiges Spurenelement und von großer Bedeutung für die menschliche Gesundheit. Experimentelle Untersuchungen und klinische Studien haben gezeigt, dass Selen sowohl zur Krebsvorbeugung als auch zur Reduktion von Nebenwirkungen der Krebsstandardtherapien wichtig ist.

Annette Rexrodt von Fircks: Übernehmen die Krankenkassen die Kosten?

Prof. Dr. Josef Beuth: Da die gesetzlichen Krankenkassen nahezu alle naturheilkundlichen Heilmittel aus der Erstattung heraus genommen haben, besteht kein gesetzlicher Anspruch auf Erstattung der Kosten. Etliche Krankenkassen übernehmen aus Kulanzgründen die Kosten, wenn das der Verordnung zugrunde liegende Rezept eine Indikation enthält, zum Beispiel „Zur komplementären Behandlung von Nebenwirkungen der Antihormontherapie oder Chemo-/Strahlentherapie (beziehungsweiseder Standardtherapie) bei Brustkrebs“.

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Studie belegt verbesserte Verträglichkeit der Antihormontherapie durch Komplementärmedizin

Die verbesserte Verträglichkeit der Antihormontherapie bei Brustkrebspatientinnen durch komplementärmedizinische Behandlung mit einer Spezialkombination aus Selen, pflanzlichen Enzymen und Linsenextrakt wurde aktuell in einer Studie nachgewiesen.

Krebserkrankungen erfordern diagnostische und therapeutische Maßnahmen, die auf Qualität, Unbedenklichkeit und Wirksamkeit geprüft sind. Grundlage der Bewertung sind kontrollierte klinische Studien. Diesen Anforderungen entsprechend haben sich Operation, Chemo-,Strahlen- und Antihormontherapie als Goldstandard in der Behandlung von Brustkrebserkrankungen erwiesen. Diese Therapieformen haben sich, abhängig von Tumorart und Tumorstudium, als heilend erwiesen. Komplementärmedizin wird weltweit von Patientinnen und Patienten nachgefragt, insbesondere von Frauen. Die Amerikanische Krebsgesellschaft definiert Komplementärmedizin als „Maßnahmen, die begleitend mit einer medizinischen Standardbehandlung durchgeführt werden“. Wenn komplementäre Behandlungsmaßnahmen bedarfsbezogen angewendet werden, können sie zur Reduktion von Nebenwirkungen der Standardtherapien sowie zur Verbesserung von Lebensqualität beitragen. Dies ermöglicht die Dosis und zeitoptimierte Verabreichung der Standardtherapien und geht mit verbesserten Heilungschancen einher.

Eine klinische Untersuchung wurde durchgeführt, um den Nutzen der Komplementärmedizin bei Brustkrebspatientinnen zu untersuchen, die sich einer adjuvanten Antihormontherapie unterzogen. 129 Patientinnen wurden entsprechend internationaler Empfehlungen antihormonell behandelt und erhielten für 8 Wochen komplementär eine Spezialkombination (Equizym MCA, PZN / Reg. Nr. 6640019) aus Selen, pflanzlichen Enzymen (Bromelain aus Ananas und Papain aus Papaya) und Linsenextrakt. In Prüfbogen wurde die Selbstbeurteilung von definierten, häufig auftretenden Nebenwirkungen der Antihormontherapie (Gelenkbeschwerden und Schleimhauttrockenheit) anhand einer Punkteskala von 1 (keine Nebenwirkungen/optimale Verträglichkeit) bis 6 (übermässige Nebenwirkungen/äußerst schlechte Verträglichkeit) dokumentiert.

Die Erfassung und Auswertung der Daten erfolgte durch das Institut für Biometrie der Medizinischen Hochschule Hannover vor sowie nach 4- und 8-wöchiger komplementärer Begleittherapie zur Antihormontherapie. Die Ausprägung der untersuchungsrelevanten Nebenwirkungen (Mittelwerte der Patientinnenangaben) Gelenkbeschwerden besserte sich von 4,2 (vor Therapie) auf 3,2 (nach 4-wöchiger Therapie) zu 2,7 (nach 8-wöchiger Therapie). Schleimhauttrockenheit besserte sich von 3,7 (vor Therapie) auf 2,9 (nach 4-wöchiger Therapie) zu 2,6 (nach 8-wöchiger Therapie). Die Minderung beider Nebenwirkungen der Antihormontherapie war statistisch signifikant.

Diese klinische Untersuchung deutet auf Vorteile einer bedarfsabhängigen komplementärmedizinischen Behandlung mit einer Kombination aus Selen, pflanzlichen Enzymen und Linsenextrakt bei Brustkrebspatientinnen unter adjuvanter Antihormontherapie hin, zum Beispiel Verringerung von Nebenwirkungen wie Gelenkbeschwerden und Schleimhauttrockenheit.


Beuth-JosefProf. Dr. Josef Beuth
Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität zu Köln
Joseph-Stelzmann-Straße 9, Gebäude 35 a
50931 Köln
Tel.: +49 221 4786414-0

 

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