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Nach­gefragt
Berücksichtigung der familiären Belastung als Behinderung?

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Eine Krebserkrankung kann zu vorübergehenden oder dauerhaften Behinderungen führen. Auf Antrag kann das Versorgungsamt einen Grad der Behinderung (GdB) feststellen und ab einem GdB von 50 einen Schwerbehindertenausweis ausstellen. Doch inwieweit wird der außerordentlichen seelischen Dauerbelastung der Betroffenen, welche mit einer genetischen Veranlagung für Darmkrebs und weitere Tumorerkrankungen beziehungsweise dem Status eines so genannten Hochrisikopatienten einhergeht, Rechnung getragen? Und wie werden prophylaktische Operationen bei der Beurteilung berücksichtigt?

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) nahm hierzu im September 2011 wie folgt Stellung:

„Für die Begutachtung nach dem Schwerbehindertenrecht und dem sozialen Entschädigungsrecht ist die Versorgungsmedizin-Verordnung (VersMedV) verbindlich. Sie ist seit dem 1. Januar 2009 in Kraft. Die Versorgungsmedizinischen Grundsätze (Anlage zu § 2 VersMedV) enthalten die maßgeblichen und verbindlichen Vorgaben für die feststellende Behörde und die versorgungsärztlich tätigen Gutachter.

Entsprechend der gesetzlichen Definition (§ 2 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch – SGB IX) sind Menschen behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Ausschlaggebend in der versorgungsmedizinischen Begutachtung zur Feststellung einer Behinderung ist also, ob die Folgen gesundheitlicher Störungen die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft dauerhaft wesentlich beeinträchtigen. Nicht Diagnosen oder einzelne medizinische Parameter bilden demnach die Grundlage der versorgungsmedizinischen Beurteilung. Vielmehr widerspräche die pauschale Anerkennung einer Diagnose dem bio-psycho-sozialen Modell des modernen Begriffs von Behinderung.

Die genetische Veranlagung für Darmkrebs und assoziierte Tumorerkrankungen beziehungsweise die Identifizierung eines hohen Risikos für diese Erkrankungen kann demnach nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr werden die Auswirkungen von körperlichen oder seelischen Störungen, die sich im Einzelfall daraus ergeben können, auf die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beurteilt. Bei Funktionsstörungen, die gegebenenfalls nach einer Darmoperation zurück bleiben können (zum Beispiel ein künstlicher Darmausgang) wird – unabhängig von der Indikation zur Operation – der Grad der Behinderung ebenfalls nach dem Ausmaß der Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft bemessen.

So ist gewährleistet, dass die Feststellung eines Grads der Behinderung entsprechend der individuellen Betroffenheit der Einzelnen erfolgt. Entscheidend ist immer die Beurteilung des versorgungsärztlichen Gutachters.“

Hinweis

Im Servicebereich der Homepage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (www.bmas.de) steht eine Broschüre des BMAS zur Versorgungsmedizin-Verordnung mit den Versorgungsmedizinischen Grundsätzen (Artikelnummer: K710) zum kostenlosen Download bereit.

Auskünfte zum Thema Versorgungsmedizin erhalten Sie auch montags bis donnerstags von 08:00 bis 20:00 Uhr über das Bürgertelefon des BMAS unter der Rufnummer 01805 676715 (kostenpflichtig: 0,14 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute). Stand: September 2011

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