Inflammatorischer Brustkrebs: ,,Ich will leben!“

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Die Diagnose „Krebs“ ändert wohl immer das gesamte Leben des Betroffenen. Ich hatte natürlich mal wieder das „Glück“, eine dazu besonders seltene Form zu erwischen: Ich erinnere mich wie heute, dass sich innerhalb von circa zwei Wochen meine rechte Brust stark vergrößerte und Zeichen einer Entzündung zeigte. Damals war ich Klassenlehrerin einer 2. Klasse und liebte meine Schulmäuse über alles: Doch am 10. Mai 2017 änderte sich alles: Ich hatte auf Grund der Veränderungen an meiner rechten Brust einen Termin bei meiner Gynäkologin ausgemacht. Sie sah mich gleich etwas besorgt an und äußerte auf meine Anfrage: „Was kann es im schlimmsten Fall sein?“: „Wir gehen jetzt erstmal von einer Brustentzündung aus und hoffen nicht, dass es das Schlimmste ist!“ Sie verschrieb mir Antibiotika und schrieb mich krank. Ich machte mich inzwischen  im Internet schlau. Und…es kam das Schlimmste: Die Diagnose erhielt ich einige Tage später durch die Biopsie. Ich erinnere mich an die qualvolle Zeit des Wartens auf ein Ergebnis. Dann ging alles ziemlich schnell: Einweisung in die Klinik. Jeden Tag überbrachte mir der OA mehr Horrorbotschaften: Lebermetastasen, Lymphknoten betroffen – eine Heilung unmöglich, Einstufung als Palliativpatientin. Seit dieser Zeit arbeite ich nicht mehr in meinem Beruf als Grundschullehrerin, die Schulkinder fehlen mir täglich. Mir wurde meine rechte Brust abgenommen, ich erhielt den leckeren Cocktail einer Chemo mit Übel- und Brechzutaten. Eine Assistenzärztin gab mir die Prognose: maximal vier Jahre. Dreieinhalb sind vergangen – noch lebe ich. Inzwischen bekam ich Therapien mit Herceptin und Perjeta.

Im Mai 2020 zeigten sich leider erneut Metastasen in der Leber und in den Knochen. Kein Wunder: Durch Corona durfte ich meine Enkelkinder und meine Familie nicht sehen. Ich litt furchtbar unter der Angst und Einsamkeit! Meine Onkologin riet mir mit meinen Kindern zu sprechen und ohne Schmusen und Kuscheln konnte ich wenigstens wieder meine drei kleinen Männer sehen und genoss das Omaleben! Meine Behandlung wurde von da an auf Kadcyla umgestellt. Die erhielt ich bis heute neun Mal. Da bestellte mich meine Onkologin wieder in ihr Zimmer mit einem neu ausgemachten CT-Termin für den 06.11. 2020. Die Tumorwerte flackerten wieder. Wie es jetzt weitergeht, weiß ich noch nicht. Leider konnten im CT die Leberwerte nur diffus festgestellt werden. Ansonsten scheint erst einmal alles unverändert. Ich habe furchtbare Angst, dass mein Leben mit 56, 57, … Jahren zu Ende ist, dass ich meinen Kindern unendliches Leid zufüge, sie traurig mache und vor allem, dass sich meine drei Enkelsöhne nur durch Fotos an ihre Oma erinnern. Ich will leben und noch lange Teil meiner Familie sein!!!

M. S.

In einem Brief bedankt sich die Autorin bei ihren Ärzten, Schwestern und Pflegern