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Pallia­tive Strahlen­thera­pie beim Ova­rial­karzi­nom

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Operation und Chemotherapie stellen beim Ovarialkarzinom die Säulen der primären Behandlung dar. Die Strahlenbehandlung (Radiotherapie) kommt als palliative Maßnahme zum Einsatz. Sie hat das Ziel, das Leben mit der fortgeschrittenen Erkrankung zu erleichtern. Dr. med. Karl Henne und Dr. Natalia Volegova-Neher von der Klinik für Strahlenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg erläutern, was sich mit einer modernen Strahlentherapie erreichen lässt.

Ovarialkarzinome zählen zu den normal strahlenempfindlichen Tumorgeweben und sind grundsätzlich mit einer konventionellen Strahlentherapie behandelbar. Trotzdem hat die Strahlentherapie in der primären Behandlung des Ovarialkarzinoms keine Bedeutung.

Das liegt in erster Linie am oft diffusen Ausbreitungsmuster dieses Karzinoms, das in der gesamten Bauchhöhle Absiedlungen bildet. Würde man den Bauchraum vom Zwerchfell bis zum Beckenboden mit wirksamen Strahlendosen behandeln, müssten die strahlenempfindlichen Bauchorgane – Nieren, Leber, Dünndarm – gut geschützt werden, und dazu wären sehr aufwendige Techniken erforderlich. Deshalb ist der modernen Chemotherapie in der primären Behandlungssituation der Vorzug zu geben.

Manche Metastasen werden in nur einer Sitzung zerstört

Die Strahlentherapie wird beim Ovarialkarzinom nicht als kurative, sondern als palliative Maßnahme angewendet. Das heißt, sie ist nicht auf Heilung ausgerichtet, sondern darauf, das Leben mit fortgeschrittener Erkrankung zu erleichtern und Beschwerden zu lindern. Mit dieser Zielsetzung kommt die Strahlentherapie beim metastasierten Ovarialkarzinom bzw. beim Rezidiv häufig zum Einsatz. Hirnmetastasen, Knochenmetastasen, aber auch Lymphknotenmetastasen können durch eine kleinvolumige Strahlentherapie, die auf das Tumorarreal fokussiert, gut kontrolliert werden.

In der Strahlentherapie wurden große Fortschritte erzielt: Wir können heute Tumorgewebe oft zielgenau bestrahlen und gesundes Gewebe entsprechend schonen. So lassen sich einzelne oder auch mehrere Hirnmetastasen durch eine präzise stereotaktische Strahlentherapie in nur einer Therapiesitzung zerstören – wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von Radiochirurgie.

Präzise Bestrahlung des Tumors

Für die stereotaktische Radiotherapie wird vor der eigentlichen Behandlung die zu bestrahlende Region – bildgesteuert und computerassistiert – sehr exakt vermessen, wozu eine Fixierung des betreffenden Körperteils erforderlich ist. Alle relevanten Daten werden gespeichert, und in der eigentlichen Therapiesitzung wird dann in identischer Position auf der Basis der gespeicherten Tumor-Koordinaten die Bestrahlung vorgenommen.

Manchmal ist es erforderlich, eine Hirnmetastase, von der eine akute Gefährdung ausgeht, chirurgisch zu entfernen. Im Anschluss an die Operation wird eine Bestrahlung durchgeführt, um eventuell verbliebene einzelne Krebszellen im ehemaligen Tumorlager zu zerstören. Auch in dieser Situation führen wir heute keine Ganzhirnbestrahlung mehr durch, sondern wenden eine gezielte kleinvolumige Strahlentherapie an, die nur wenige Sitzungen beansprucht. Diese Art der Behandlung wird als fraktionierte Radiotherapie bezeichnet, weil die Gesamtstrahlendosis in mehreren Portionen verabreicht wird. Bei der Radiochirurgie dagegen wird der Tumor in nur einer Sitzung einer hohen Strahlendosis ausgesetzt.

Gesundes Gewebe wird geschont

Für die Patientinnen ist die Möglichkeit der stereotaktischen Radiotherapie natürlich von großem Vorteil, weil – zum Beispiel im Fall von Hirnmetastasen – weite Areale des gesunden Gehirns keine Strahlung abbekommen. Ein kompletter Haarausfall, wie er nach Bestrahlung der ganzen Schädelkalotte auftritt, ist bei stereotaktischer Bestrahlung ebenfalls nicht zu befürchten – auch das ein großer Zugewinn für die Patientinnen, zumal das Haar nach der Bestrahlung nur spärlich nachwächst.

Die Methoden der Radiochirurgie und die gezielte fraktionierte Nachbestrahlung sind an bestimmte technische Voraussetzungen und Lagerungsmöglichkeiten gebunden und verlangen eine hohe Expertise der behandelnden Ärzte, Physiker und Assistenten an den Geräten. Patientinnen mit Eierstockkrebs, bei denen eine Bestrahlung geplant ist, sollten sich genau informieren, wo eine qualitätsgesicherte Radiotherapie angeboten wird. Bei gut überlegtem Einsatz der komplexen Techniken bietet die moderne Radiotherapie die Chance, Rezidive und Metastasen effektiv und nebenwirkungsarm behandeln, und stellt eine wertvolle palliative Therapieoption für Frauen mit fortgeschrittener Erkrankung dar.


Dr. Natalja Volegova-NeherDr. Natalja Volegova-Neher
Klinik für Strahlen­heilkunde
Department für Radiologische ­Diagnostik und Therapie
Universitätsklinikum Freiburg
Robert-Koch-Straße 3
79106 Freiburg

 

Dr. med. Karl HenneDr. med. Karl Henne
Klinik für Strahlen­heilkunde
Department für Radiologische ­Diagnostik und Therapie
Universitätsklinikum Freiburg
Robert-Koch-Straße 3
79106 Freiburg

 

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