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BRCA-assoziierter Brustkrebs – was ist das?

Redaktion Mamma Mia! im Auftrag von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme

© iStock / Ilya Lukichev
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Bei manchen Frauen ist Brustkrebs erblich bedingt. Meist handelt es sich um eine Veränderung im BRCA1– oder BRCA2-Gen. Dann ist zusätzlich das Risiko für Eierstockkrebs erhöht. Allerdings können auch Frauen ohne einen erblichen Hintergrund ein verändertes BRCA-Gen in sich tragen. 

Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Allein im Jahr 2019 erkrankten rund 71.000 Frauen an dieser Krebsart, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Im manchen Familien tritt Brustkrebs – das Mammakarzinom – jedoch gehäuft und in einem früheren Alter auf. Zusätzlich kommt Eierstockkrebs in diesen Familien öfter vor. Sogar Männer können an Brustkrebs erkranken, allerdings wesentlich seltener als Frauen. Laut RKI erhielten 760 Männer im Jahr 2019 eine Brustkrebsdiagnose.

Wenn es viele Fälle von Brust- und Eierstockkrebs in einer Familie gibt, können diese erblich bedingt sein. Eine große Rolle bei vererbtem Brustkrebs spielen veränderte (mutierte) BRCA-Gene. Besonders gut untersucht sind die „Brustkrebsgene“ BRCA1 und BRCA2. Die Abkürzung „BRCA“ steht für englisch „BReast CAncer“, also Brustkrebs. Lässt sich bei Personen ein mutiertes BRCA-Gen nachweisen, sprechen medizinische Fachleute von BRCA-assoziiertem Brustkrebs.

BRCA-Mutation – bei bis zu 10 % der Frauen

Etwa 30 % aller Frauen mit Brustkrebs bringen eine familiäre Belastung mit, berichtet die aktuelle S3-Leitlinie „Brustkrebs“. Bei ihnen gibt es weitere Brust- oder Eierstockkrebsfälle in der Familie. Allerdings lässt sich eine BRCA-Mutation nur bei 5-10 % aller Frauen mit Brustkrebs und bei bis zu 20% der Frauen mit Eierstockkrebs nachweisen, schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Es gibt also viele Krebsfälle, die nicht durch mutierte BRCA-Gene erklärbar sind.

Neben BRCA1 oder BRCA2 sind inzwischen noch andere Gene bekannt, die mutmaßlich mit Brustkrebs und manchmal auch Eierstockkrebs in Verbindung stehen. Forschende haben mehrere solcher Risikogene identifiziert. Der BRCA-assoziierte Brustkrebs ist aber die häufigere Variante. Nicht alle bisher gefundenen veränderten Gene erhöhen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs in gleichem Ausmaß. Die BRCA-Gene gelten jedoch als „Hochrisikogene“.

Weitere Risikogene für Brust- und Eierstockkrebs sind zum Beispiel:
    • PALB2 geht einher mit einem ähnlich hohen Krebsrisiko wie BRCA1 und BRCA2; CDH1, PTEN, TP53, STK11 ebenso, kommen aber seltener vor.
    • ATM, CHEK2, BARD1, RAD51C, RAD51D werden mit einem moderaten Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht.
    • RAD51C ist mit einem erhöhten Risiko für Eierstockkrebs verbunden.

BRCA-Mutation: Meist vererbt, aber manchmal auch erworben

BRCA-Träger:innen bekommen das veränderte Gen in der Regel von einem Elternteil vererbt und besitzen es daher schon von Geburt an. In diesem Fall sprechen Ärztinnen und Ärzte von erblichem oder genetischem (hereditärem) Brustkrebs. Diese Familien gelten als Hochrisikofamilien. Manchmal nehmen medizinische Fachleute noch die Unterscheidung zwischen erblichem und familiärem Brustkrebs vor. Im letzten Fall lässt sich trotz einer familiären Häufung von Krebsfällen nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft keine genetische Veränderung nachweisen oder Betroffene haben (noch) keinen Gentest durchgeführt.

Auch Menschen ohne erbliche Belastung können ein verändertes BRCA1- oder BRCA2-Gen tragen und damit an BRCA-assoziiertem Brustkrebs erkranken. Das veränderte BRCA können Frauen und Männer also auch im Lauf ihres Lebens erwerben, etwa aufgrund verschiedener Umwelteinflüsse.

BRCA-Gene sind wichtig für die Zellreparatur

Eine Krebserkrankung entsteht, wenn sich die Erbinformation (DNA) verändert, also durch eine Mutation. Warum es zu einer solchen Veränderung kommt, bleibt oft unklar. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren für die Krebsentstehung, vor allem das Alter. Aber auch der Lebensstil und verschiedene Umweltfaktoren haben einen Einfluss auf das Erbgut.

Die Gene sind als Bestandteil des Erbguts die Träger der Erbinformation, die an die Nachkommen weitergegeben werden. Die meisten Menschen tragen dabei eine „gesunde Variante“ der Gene BRCA1 und BRCA2. Die BRCA-Gene arbeiten als Reparaturgene, die dabei mithelfen, DNA-Schäden wieder zu beheben. Sie sind also daran beteiligt, die Entwicklung von Krebs zu verhindern.

Nach der „Bauanleitung“ der BRCA-Gene stellt der Körper die entsprechenden Eiweiße – die BRCA-Proteine – her. Ist BRCA krankhaft verändert, ist die Reparatur von DNA-Schäden beeinträchtigt. Dies kann dazu führen, dass sich aus der beschädigten Zelle eine Krebszelle entwickelt.

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Wie hoch ist das Risiko, eine BRCA-Mutation zu erben?

Eine BRCA-Mutation wird meist vererbt und von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Sowohl die Mutter als auch der Vater können Träger:in eines veränderten BRCA-Gens sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nachkommen ein mutiertes BRCA-Gen erben, liegt bei 50 %. In der Fachsprache heißt dieser Erbgang „autosomal-dominant“.

Wer ein verändertes BRCA1– oder BRCA2-Gen in sich trägt, besitzt ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs, aber auch für Eierstockkrebs. Der Krebs entsteht dann oft schon in jungen Jahren, meist vor dem 50. Lebensjahr. In diesen Hochrisikofamilien ist auch das Risiko erhöht, Brustkrebs in beiden Brüsten zu entwickeln. Zudem haben auch Männer, die aus einer „BRCA-Familie“ kommen, ein erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken.

BRCA verändert: Wie hoch ist das Krebsrisiko?

Wenn bei Ihnen ein verändertes BRCA1– oder BRCA2-Gen nachgewiesen wurde, ist Ihr Brustkrebsrisiko im Vergleich zu Menschen ohne diese erbliche Belastung deutlich erhöht.

Die aktuelle S3-Leitlinie „Brustkrebs“ fasst die Daten zu den Risiken bei einer BRCA-Mutation wie folgt zusammen:

  • BRCA-Träger:innen erkranken ungefähr 20 Jahre früher als Frauen ohne erbliches Risiko – im Schnitt mit etwa 45-50 statt mit 64 Jahren.
  • Der Anstieg des Erkrankungsrisikos ist im früheren bis mittleren Erwachsenenalter am stärksten und bleibt danach konstant; bei BRCA1-Träger:innen wird dieser Erkrankungsgipfel früher erreicht als bei BRCA2-Trägerinnen (30-40 gegenüber 40-50 Jahre).
  • Menschen mit einer BRCA-Mutation haben ein lebenslanges Risiko von durchschnittlich 60 %, an Brustkrebs zu erkranken.
  • Das Risiko für ein Mammakarzinom in der zweiten Brust beträgt im Schnitt 40 %.
  • Das Risiko für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom) liegt zwischen 16 und 55 %.
  • Auch Personen, die kein verändertes BRCA-Gen geerbt haben, können Träger:innen dieser Mutation sein. Die Genveränderung ist dann erworben.
  • Bei Männern mit einer BRCA-Mutation ist das Brustkrebsrisiko niedriger als bei Frauen: Etwa 1-2 % der BRCA1-Träger und ungefähr 7 % der BRCA2-Träger erkranken bis zu ihrem 70. Lebensjahr an einem Mammakarzinom, schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Männer mit einer BRCA-Mutation haben jedoch zusätzlich ein erhöhtes Risiko für Prostatakrebs in jüngeren Jahren.

Habe ich ein verändertes BRCA1- oder BRCA2-Gen? Ein Gentest zeigt es

Ob eines dieser veränderten und krankheitsauslösenden BRCA-Gene bei Ihnen vorhanden ist, lässt sich anhand eines Gentests nachweisen. Mit Hilfe einer Checkliste der Deutschen Krebsgesellschaft kann ermittelt werden, ob ein Risiko einer möglichen erblichen Belastung für Brust- und Eierstockkrebs besteht und damit die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen einer Genveränderung erhöht ist.

In Deutschland gibt es spezialisierte Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs, in denen Sie sich über einen Gentest ausführlich beraten lassen können. Es ist verständlich, wenn Sie nach der Diagnose Krebs einen Test auf Genmutationen als belastend empfinden. Dennoch sollten Sie so früh wie möglich über diese Möglichkeit nachdenken, denn anhand eines solchen Tests lässt sich individuell feststellen, welche Therapie für Sie infrage kommen könnte.

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DE-60971/2023

Im Auftrag von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme

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