Mamma Mia › Brustkrebs › Brustkrebs Ursachen & Risikofaktoren › Alkohol als Risikofaktor für Brustkrebs
Alkohol gehört für viele Menschen zum Alltag, zum Beispiel zu einem guten Essen oder als Getränk für einen entspannten Feierabend. Doch Alkohol kann der Gesundheit schaden, und zwar nicht nur der Leber. Er gilt als Risikofaktor für mehrere Krebsarten, darunter auch Brustkrebs (Mammakarzinom).
Die Internationale Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC) schätzt, dass Alkohol im Jahr 2020 für fast 40.000 neue Brustkrebsfälle in der europäischen Region verantwortlich war. Weltweit sei Brustkrebs inzwischen die häufigste Krebsart. Für das Jahr 2020 gehen Schätzungen von mehr als zwei Millionen neuen Fällen aus – rund 100. 000 Fälle gehen auf das Konto des Alkoholkonsums.
Brustkrebs ist auch in Deutschland die häufigste Krebsart bei Frauen. Mehr als 75.000 Frauen erkrankten im Jahr 2023 neu daran, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Wichtige Risikofaktoren sind das Alter, hormonelle Einflüsse und in manchen Fällen genetische Risikofaktoren, aber auch der Lebensstil spielt mit. Dazu gehören zum Beispiel Übergewicht, Bewegungsmangel und Alkohol, so das RKI. Ihren Lebensstil können Sie beeinflussen und so Ihr Brustkrebsrisiko bis zu einem gewissen Maß senken. Einen hundertprozentigen Schutz bietet aber auch eine gesunde Lebensweise nicht.
Krebs: Wie riskant ist Alkohol?
Beim Trinkalkohol handelt es sich um Ethanol. Das ist eine giftige, die Psyche beeinträchtigende und Sucht auslösende Substanz. Schon vor langer Zeit hat das IARC Alkohol als Karzinogen – also als krebsauslösende Substanz – der Gruppe 1 eingestuft. In diese höchste Risikogruppe fallen nicht nur Alkohol, sondern zum Beispiel auch Tabak, Asbest und Strahlung. Der Alkoholkonsum stehe mit mindestens sieben Krebsarten ursächlich in Verbindung, darunter auch Brustkrebs bei Frauen, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Jedes alkoholische Getränk berge ein Krebsrisiko, unabhängig vom Preis und von der Qualität des Alkohols.
In der Gesellschaft besitzt Alkohol nach wie vor eine breite Akzeptanz. Viele unterschätzen jedoch die Gefahren von Alkohol und sind der Meinung, ein Gläschen zwischendurch könne ja kaum schaden. Doch die WHO schreibt in einer Publikation aus dem Jahr 2023: „Beim Alkoholkonsum gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Menge“.
Zwar erhöht sich mit steigendem Alkoholkonsum das Krebsrisiko deutlich, aber die Gefahr beginne schon beim ersten Tropfen jedes alkoholischen Getränks. Ob Wein, Bier oder Spirituosen – die Art des getrunkenen Alkohols ist nicht entscheidend, sondern die Menge des Alkohols in einem Getränk. „Das Einzige, was wir mit Sicherheit sagen können, ist: je mehr man trinkt, desto schädlicher die Wirkung. Oder anders ausgedrückt: Je weniger man trinkt, desto sicherer ist man“, erklärt Dr. Carina Ferreira-Borges, Regionalbeauftragte für Alkohol und illegale Drogen beim WHO-Regionalbüro für Europa in einer Pressemitteilung.
Neue Studiendaten lassen vermuten, dass sogar schon ein „geringer“ bis „moderater“ Alkoholkonsum riskant sein kann. Diese Menge bedeutet weniger als 1,5 Liter Wein oder 3,5 Liter Bier oder 450 Milliliter Spirituosen pro Woche. Die WHO schätzt, dass ungefähr die Hälfte der Krebsfälle in der Europäischen Region, die sich dem Alkohol zurechnen lassen, schon durch geringe oder moderate Alkoholmengen verursacht wird.
Bei Frauen sei dieses Trinkverhalten für einen Großteil aller alkoholbedingten Fälle von Brustkrebs verantwortlich. Schon geringe Mengen Alkohol wie ein Glas Wein oder Bier pro Tag können das Brustkrebsrisiko steigern. Es ist also nicht nur ein sehr hoher Alkoholkonsum gefährlich.
Die Leitlinien zum Mammakarzinom raten Folgendes:
Patientinnen sollten dahingehend beraten werden, dass der Alkoholkonsum vor oder nach einer Brustkrebsdiagnose ein erhebliches Risiko birgt.
Alkohol steigert die Gefahr, an Brustkrebs zu erkranken.
Nach einer Brustkrebserkrankung erhöht der Konsum von Alkohol das Risiko für einen Rückfall (Rezidiv).
Patientinnen sollten einen täglichen Alkoholkonsum von mehr als sechs Gramm pro Tag vermeiden. Diese Menge entspricht zum Beispiel einem sehr kleinen Glas Wein (60 bis 70 Milliliter).
- Die Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) empfiehlt die Reduktion des Alkoholkonsums auf unter zehn Gramm pro Tag. Dies gelte besonders bei hormonempfindlichem Brustkrebs und invasiven lobulären Mammakarzinomen.
Warum und wie kann Alkohol Brustkrebs verursachen?
Viele fragen sich, wie genau der Alkohol das Risiko für Brustkrebs und andere Krebsarten erhöht. Vollständig aufgeklärt sind die dahinterliegenden Mechanismen noch nicht. Entscheidend für den risikosteigernden Effekt sind aber vermutlich verschiedene biologische Prozesse, die im Körper bei der Verarbeitung und beim Abbau von Alkohol ablaufen.
Nach dem Konsum gelangt der Alkohol zunächst über den Verdauungstrakt (Magen, Darm) ins Blut. Über die Blutbahn und Gefäße verteilt er sich im gesamten Körper. Schließlich wird Alkohol in der Leber unter der Mithilfe von bestimmten Enzymen abgebaut. Dabei entstehen verschiedene Substanzen, zum Beispiel giftiger Acetaldehyd.
Das Enzym namens Alkoholdehydrogenase (ADH) wandelt Ethanol in Acetaldehyd um. Danach kommt das Enzym Aldehyddehydrogenase (ALDH) ins Spiel und sorgt dafür, dass Acetaldehyd in ungiftige Essigsäure umgebaut wird. Acetaldehyd kann das Erbgut (DNA) von Zellen schädigen, da die Substanz leicht Bindungen mit Bausteinen der DNA eingehen kann. So können genetische Fehler entstehen. Solche Erbgutschäden erhöhen das Risiko, dass Zellen entarten und zu Krebszellen werden, welche in der Lage sind, sich ungebremst zu teilen, zu vermehren und im Körper auszubreiten.
Alkohol greift zudem auch in den Hormonhaushalt ein. Ein wichtiger Mitspieler ist das Östrogen, ein weibliches Geschlechtshormon. Alkohol sorgt dafür, dass der Östrogenspiegel im Körper ansteigt. Und ein erhöhter Östrogenspiegel kann in Verbindung mit Brustkrebs stehen. Denn: Östrogen regt die Brustzellen dazu an, sich verstärkt zu teilen und zu vermehren. Sind mehr Zellen vorhanden, steigt auch die Gefahr für Zellveränderungen.
Beim Abbau von Alkohol im Körper entstehen außerdem aggressive Moleküle, sogenannte „freie Radikale“. Sie können die Strukturen von Zellen schädigen und Entzündungen begünstigen. Chronische Entzündungen gelten ebenfalls als Risikofaktor für die Krebsentstehung.
Und zu guter Letzt schwächt regelmäßiger Alkoholkonsum das Immunsystem, wodurch es sich nicht mehr so gut gegen Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze zur Wehr setzen kann. Und es gibt noch einen zweiten Effekt: Normalerweise kann das Immunsystem Krebszellen erkennen und beseitigen. Ist es geschwächt, funktioniert dies nicht mehr in ausreichendem Maß. Krebszellen können von der Immunpatrouille unentdeckt bleiben, sich teilen und vermehren.
Was die Forschung zu Alkohol und Krebs sagt
Laut der neuen WHO-Erklärung deutet der jetzige Kenntnisstand nicht auf eine konkrete Schwelle hin, ab der die krebserregenden Wirkungen des Alkohols einsetzen und sich im menschlichen Körper niederschlagen. Umgekehrt gibt es auch keine Schwelle, bis zu der der Alkoholkonsum unbedenklich wäre.
Seit vielen Jahren wird jedoch diskutiert, ob Alkohol womöglich auch einige Schutzeffekte auf die Gesundheit entfalten könnte. Nach Angaben der WHO belegen Studien jedoch bisher nicht, dass beispielsweise die potenziell positiven Wirkungen eines leichten bis mäßigen Alkoholkonsums auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes die Krebsrisiken überwiegen, die mit derselben Menge an Alkohol verbunden sind.
Eine neue Studie der Columbia University, die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) 2025 vorgestellt wurde, kam zu folgenden zentralen Ergebnissen:
- Beim Brustkrebsrisiko gibt es wahrscheinlich kein sicheres Maß für den Konsum von Alkohol. Auch wer weniger als drei alkoholische Getränke pro Woche zu sich nimmt, scheint sein Brustkrebsrisiko zu erhöhen.
- Der Alkoholkonsum lässt das Brustkrebsrisiko für Frauen vor und nach der Menopause steigen – allerdings ist dieses Risiko nach der Menopause noch stärker ausgeprägt.
Auch das Trinkmuster spielt mit: Das sogenannte Binge-Drinking könnte besonders gefährlich sein. Dabei nimmt man mindestens einmal pro Monat vier oder mehr alkoholische Getränke in kurzer Zeit zu sich. Dieses Binge-Drinking ist der Studie zufolge ein eigenständiger Risikofaktor für Brustkrebs – jenseits des regelmäßigen Alkoholkonsums.
Alkohol gilt als stark krebserregend und erhöht das Risiko für mehrere Krebsarten, zum Beispiel für Speiseröhren-, Kehlkopf-, Darm-, Leber- oder Brustkrebs bei Frauen. Die IARC hat Alkohol daher schon im Jahr 1988 als krebserregend oder karzinogen eingestuft (Gruppe 1).
Alkohol verursacht verschiedene Effekte im Körper, auch in der Brust. So kann Alkohol zum Beispiel den Östrogenspiegel erhöhen und das Wachstum von Zellen in der Brust fördern. Je mehr Alkohol eine Frau konsumiert, desto höher steigt das Brustkrebsrisiko – dies gilt unabhängig von der Art des getrunkenen Alkohols.
Bei Brustkrebs sollte man besser Getränke ohne Alkohol trinken. Beispiele: Wasser mit oder ohne Kohlensäure, Fruchtsaftschorlen oder ungesüßte Früchte- oder Kräutertees. Solche Getränke sind kalorienfrei beziehungsweise kalorienarm und helfen zudem dabei mit, ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und zu halten. Jeder Mensch sollte mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit pro Tag aufnehmen, an heißen Tagen auch mehr.
Ja, Alkohol erhöht tatsächlich das Brustkrebsrisiko. Der Alkoholkonsum gilt als wichtiger Risikofaktor für diese häufigste Krebsart bei Frauen, der sich beeinflussen lässt. Daneben spielen andere Risikofaktoren wie das Alter, die Hormone, genetische Faktoren, Übergewicht und Bewegungsmangel eine Rolle.
Ja, schon ein Glas Wein am Tag kann für die Gesundheit schädlich sein. Schon ein geringer bis mäßiger Alkoholkonsum kann riskant sein. Es gibt laut der Weltgesundheitsorganisation keine sichere Menge, bis zu der Alkohol unbedenklich wäre. Umgekehrt gibt es auch keine genaue Schwelle, ab der Alkohol gesundheitsschädlich ist. Allerdings bietet auch eine komplette Alkoholabstinenz keinen hundertprozentigen Schutz vor Brustkrebs, weil meist mehrere Risikofaktoren zusammenspielen, wenn Krebs entsteht. Am besten ist es, auf Alkohol zu verzichten oder so wenig wie möglich zu trinken.
Es gibt keine Alkoholart, die besonders schädlich ist. Für das Risiko für Brustkrebs spielt es keine Rolle, ob Sie Wein, Sekt, Bier oder Spirituosen konsumieren. Nicht die Art des konsumierten Alkohols zählt also, sondern die Menge des enthaltenen reinen Alkohols.
Wenn Frauen in jungen Jahren viel und häufig Alkohol konsumieren, steigt ihr Risiko, später an Brustkrebs zu erkranken. Das Brustgewebe reagiert in jungen Jahren besonders auf schädliche Einflüsse wie Alkohol.
Ja, der Verzicht auf Alkohol vermindert das Risiko für Brustkrebs und für einige andere Krebsarten wie Speiseröhren-, Darm- oder Leberkrebs. Zu 100 Prozent vor einer Krebserkrankung schützen können Sie sich durch einen kompletten Alkoholverzicht jedoch nicht. Denn bei der Krebsentstehung spielen immer mehrere Faktoren eine Rolle.
Nach einer Brustkrebserkrankung empfiehlt es sich, auf Alkohol – wenn möglich – zu verzichten oder den Konsum zumindest stark einzuschränken. Alkoholkonsum kann das Rückfallrisiko erhöhen. Wichtig ist, dass Sie darüber Bescheid wissen, denn Ärztinnen und Ärzte können einem Menschen den Alkoholkonsum ja nicht verbieten.
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- S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Stand: Dezember 2025, abgerufen am 15.5.2026
- Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO), Optionen der primären Prävention: Lifestyle, Ernährung, Medikamente, abgerufen am 15.5.2026
- Weltgesundheitsorganisation (WHO): “Alkohol is one of the biggest risk factors for breast cancer” und “no level if alcohol consumption is safe for our health“, abgerufen am 15.5.2026
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), Brustkrebsrisiko Alkohol, abgerufen am 15.5.2026
- Deutsche Krebshilfe, über Krebs, Krebs vorbeugen, Alkohol und Krebs, abgerufen am 15.5.2026
- San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS), News, SABCS 2025 Highlights, abgerufen am 15.5.2026
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