Der Haarverlust zählt zu den schmerzhaftesten Erfahrungen während einer Krebstherapie. Sätze wie „Das sind doch nur Haare“ oder „die wachsen doch wieder“, trösten die meisten nur wenig, wenn der Haarausfall beginnt. Der Umgang mit der Alopezie, wie der Haarverlust medizinisch heißt, ist individuell sehr unterschiedlich. Es gibt keinen richtigen und keinen falschen Weg. Jeder Plan, der den Haarverlust für Sie erträglicher macht, ist für Sie persönlich richtig. Das kann zum Beispiel eine Perücke für die nächsten Monate sein. Für andere Frauen muss dies nicht gelten und sie kommen zum Beispiel mit einer Mütze, einem Tuch oder ganz ohne Kopfbedeckung gut zurecht.
Erkundigen Sie sich vor dem Beginn einer Therapie , ob Sie mit einem Haarverlust rechnen müssen. Manche Krebstherapien verursachen einen vollständigen Haarverlust. Dazu gehören vor allem Chemotherapien mit bestimmten Zytostatika oder die noch relativ neuen Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Bei anderen Krebsbehandlungen wie Antihormontherapien fallen die Haare – wenn überhaupt – nur teilweise aus. Das Haar wird also dünner.
Wenn Sie mit einem Haarverlust rechnen müssen, empfehlen Friseurinnen, Friseure und Zweithaarexpertinnen und -experten eine Beratung über verschiedene Möglichkeiten von Kopfbedeckungen, solange Ihre bisherige Frisur noch intakt ist. Fachleute können Sie gezielt zu Ihrem Typ beraten.
Welche Perücke passt zu mir?
Wenn Sie sich für eine Perücke entscheiden, klären Sie im nächsten Schritt, wie wichtig es Ihnen ist, Ihren Typ nicht zu verändern. Die gewählte Lösung muss für die kommenden Monate tragfähig sein und Sie müssen sich mit ihr wohlfühlen.
Vielleicht möchten Sie aber auch etwas Neues ausprobieren? Auch dafür gibt es Lösungen. Sie können zum Beispiel verschiedene “Fun-Perücken” ausprobieren. Je nach Lust und Laune können Sie Ihren Typ verändern und sich auch in einer schlimmen Zeit öfters neu erfinden.
Möchte sie sich dagegen so wenig wie möglich optisch verändern, können Sie gezielt eine Perücke suchen, die Ihrer bisherigen Frisur möglichst ähnlich ist.
Perücken gibt es in vielen Farben, mit oder ohne Strähnchen sowie als Echthaar- oder Kunsthaarperücke. Haarersatz aus Kunsthaar hatte einst den Ruf, einem „Fiffy“ zu ähneln – einer Perücke also, die auf den ersten Blick als solche zu erkennen ist. Doch das ist lange her. Heute unterscheiden sie sich kaum von Echthaarperücken.
Perücken bestehen aus hochwertigen Materialien, mit denen Sie im Alltag nahezu alles unternehmen können, zum Beispiel:
- schwimmen – solange ihr Kopf über Wasser ist,
- Sport treiben,
- im Sommer Cabrio fahren oder
- im Winter Skilaufen.
Kunsthaarperücken sind wesentlich pflegeleichter und formbeständiger als Echthaarperücken. Diese müssen Sie – wie eigenes Haar – täglich frisieren. Außerdem haben sie mehr Gewicht. Der große Vorteil der Echthaarperücke ist jedoch die optische Natürlichkeit. Die Haare bewegen sich zum Beispiel genauso wie natürliches Haar. Außerdem lassen sich Echthaarperücken individuell stylen oder sogar färben.
Für das Tragegefühl und die Optik ist letztlich die hochwertige Verarbeitung einer Perücke wesentlich. Der Haarersatz muss luftdurchlässig und atmungsaktiv sein – und sollte dabei nicht mehr wiegen als ein Briefkuvert.
Eine Perücke ist am Oberkopf speziell geknüpft: Durch das Trägermaterial – ein weiches, dünnes, strapazierfähiges Baumwollfilament – kann leicht die Kopfhaut durchschimmern. Das wirkt sehr natürlich.
Im Stirnbereich sollte ein Monofilament für den guten Sitz integriert sein. Außerdem sorgt ein dünnes Band – der sogenannte Filmansatz – für einen sicheren Halt. Das Band saugt sich fest an den Kopf an.
Auch der seitliche Teil der Perücke ist besonders gearbeitet. Es gibt spezielle Felder, sogenannte Tampeln, die auf Seide genäht sind. Sie sorgen dafür, dass die Perücke an den Schläfen optimal passt. Zudem gibt es ein verstellbares Band, mit dem Sie die Größe der Perücke jederzeit einstellen und anpassen können.
Ein Echthaarband ist ein Baumwollband mit Echthaar. Es bietet die Möglichkeit, Echthaar mit Mütze, Tuch oder Turban zu kombinieren. Das Band wird um den Kopf gelegt und mit einem Klettverschluss am Hinterkopf geschlossen. Die obere Kopfhaut bleibt frei, so dass sich dort keine Wärme stauen kann.
Woher stammt das Haar für Echthaar-Perücken?
In Deutschland werden in der Regel europäisches Echthaar und „indisches Tempelhaar“ verarbeitet. Europäisches Echthaar stammt meist von Haarspenden, beispielsweise von Frauen, die von einer Langhaar- auf eine Kurzhaarfrisur umsteigen und die abgeschnittenen Haare spenden. Es gibt aber auch Ankaufstellen für Haare.
Indisches Tempelhaar kommt aus Hindu-Tempeln in Indien. Hindu-Pilger lassen sich in den Tempeln die Haare abschneiden und opfern diese. Im Gegenzug dafür erhoffen sie sich von ihrem Gott die Erfüllung eines Wunsches. Die Tempel-Hüter verkaufen das Haar – eine wichtige Einnahmequelle für die Tempel.
Wo und wie finde ich die richtige Perücke?
Eine gute Anlaufstelle für das Suchen und Finden einer passenden Perücke ist ein Zweithaarstudio. In den meisten Städten gibt es Geschäfte, die auf Haarersatz und Perücken spezialisiert sind. Dort arbeiten Fachleute, die mit dem Problem des Haarverlustes – auch durch eine Chemotherapie – gut vertraut sind. Sie bringen viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl mit. Dort sind Sie in guten Händen und können sich ausführlich beraten lassen.
Zweithaarstudios haben meist viele Perücken verschiedener Hersteller zur Auswahl, die Sie vor Ort anprobieren können. Diesen Test sollten Sie am besten durchführen, wenn Sie noch Haare haben. Sie bekommen eine Art Strumpf über Ihre natürlichen Haare gezogen, damit die Perücke trotz Ihres noch vorhandenen Kopfhaars sitzt und sich die Passform und das Aussehen beurteilen lassen. Fachleute haben meist einen guten Blick dafür, was Ihnen besonders gut steht – und was nicht.
Manche bevorzugen das Internet für die Perückensuche, weil dort mehr Anonymität herrscht. Es gibt viele Anbieter für Perücken aller Art – von Kunsthaar bis Echthaar. Sie können sich verschiedene Modelle bestellen und zu Hause in Ruhe anprobieren. Manchen Menschen kommt das mehr entgegen. Allerdings fehlt dann die direkte professionelle Beratung vor Ort.
Vorsichtig sein sollten Sie bei Anbietern von sehr billigen Perücken, zum Beispiel von Echthaarperücken. Die Qualität und die Lebensdauer dieses Haarersatzes können unzureichend sein. Manchmal ist die Perücke schon nach einer kurzen Tragezeit und wenigen Wäschen „verschlissen“.
Einige allgemeine Tipps zur Perückensuche:
- Je nach Ihrem natürlichem Haar: Es gibt eine Vielzahl an Perücken, die Ihrem jetzigen Haar vielleicht sehr nahe kommen und Ihren Typ nicht verändern. Manche möchten aussehen wie zuvor und anderen Menschen in ihrem Umfeld die optische Veränderung nicht erklären müssen.
- Lassen Sie sich nicht gleich entmutigen, wenn die erste Perücke nicht so aussieht, wie Sie sich dies wünschen oder vorstellen.
- Probieren Sie mehrere Modelle aus – mit kurzen oder langen Haaren, verschiedenen Haarfarben, mit oder ohne Strähnchen, aus Kunsthaar oder Echthaar.
- Lassen Sie sich die Unterschiede, Macharten sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile der Perücken erklären. Vor allem der Haaransatz spielt eine Rolle, weil man daran die Perücke oft schnell erkennen kann. Es gibt aber Perücken, zum Beispiel mit Filmansatz, die dies gut kaschieren können.
- Testen Sie auch Perücken, die Ihnen vielleicht nicht auf den ersten Blick gefallen, weil sie Sie optisch verändern. Eine Typveränderung kann manchmal auch passend sein. Allerdings müssen Sie für die Reaktionen aus Ihrem Umfeld gewappnet sein.
- Wenn Sie ursprüngliches lockiges Haar haben, kann zum Beispiel eine Perücke mit glatten Haaren durchaus eine Alternative sein. Manche Kunsthaarperücken mit lockigem Haar sehen wenig natürlich aus. Je nach Modell sieht man manchmal schnell, dass es sich um eine Perücke handelt.
- Wenn Sie fündig geworden sind: Lassen Sie sich ausführlich erklären, wie Sie Ihre Perücke richtig pflegen (z.B. richtig waschen, trocken, stylen). Es gibt spezielle Pflegeprodukte wie Beispiel Shampoo, Conditioner oder Kämme für Perücken. Dann sieht sie auch nach einigen Monaten noch schön und gepflegt aus.
- Manche entscheiden sich auch für mehrere verschiedene Perücken, die sie jeden Tag anders aussehen lassen – ja nach Tagesform, Lust und Laune. Auch das ist eine Möglichkeit, um die Zeit der Haarlosigkeit während der Chemotherapie besser zu überstehen. Es kann allerdings ein bisschen Mut kosten, heute blond und morgen rothaarig zu sein.
Wie pflege ich meine Perücke?
Es gibt einige Tipps, mit denen Sie Ihre Perücke gut pflegen und so langfristig schön erhalten:
- Verwenden Sie einen Perückenkopf für Ihre Perücke. Nachts oder wenn Sie die Perücke nicht benötigen ist dies ein guter Aufbewahrungsort.
- Meist genügt es, Ihre Perücke ein– bis zweimal pro Woche mit einigen Tropfen Pflegeshampoo in ein lauwarmes Wasserbad zu legen und anschließend vorsichtig auszuwaschen.
- Schwenken Sie Ihre Perücke aber nicht im Wasser, weil sie dabei die Haare verknoten könnten.
- Kämmen Sie Ihre Perücke nicht im nassen Zustand , sondern tupfen Sie sie nur vorsichtig mit einem Handtuch ab.
- Erst wenn die Perücke vollständig getrocknet ist, können Sie das Haar mit einem speziellen Kamm kämmen. Dieser ist im Fachhandel erhältlich.
- Ausführliche Pflegehinweise erhalten Sie vom Fachpersonal beim Kauf Ihrer Perücke.
Welche Kosten entstehen für eine Perücke?
Perücken sind bei einem therapiebedingten Haarausfall über die gesetzliche Krankenkasse oder private Krankenversicherung abrechenbar. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt muss Ihnen dafür ein Rezept ausstellen. Ob sie die gesamten Kosten der Perücke übernimmt oder sich nur an den Kosten beteiligt, hängt von Ihrer Krankenkasse, Ihrem Vertrag und auch von den Kosten der Perücke ab.
Erkunden Sie sich daher vorher bei Ihrer Krankenkasse oder Krankenversicherung, welchen Betrag sie übernimmt.
Perücken kosten – je nach Material und Ausführung – unterschiedlich viel Geld. Die Perücke bei Chemo zahlt die Krankenkasse, zumindest teilweise. Sie beteiligt sich mit einem Zuschuss an den Kosten. Die Voraussetzung ist, dass eine Ärztin oder ein Arzt (Hausarzt, Onkologin) die Perücke verschreibt. Die Abrechnung mit den Krankenkassen übernimmt in der Regel das Zweithaarstudio direkt. Dort geben Sie Ihr Rezept ab. Sie müssen also meist nichts weiter tun. Bei Frauen zahlen die Kassen die Perücke in der Regel ganz oder teilweise, bei Männern dagegen nur in Ausnahmefällen. Lichtes Haar oder eine Glatze gelten bei Männern als gesellschaftlich akzeptiert. Bei besonders jungen Menschen zahlen die Kassen manchmal einen höheren Anteil aufgrund des jungen Alters.
Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie viel eine Perücke für Krebskranke Menschen kostet. Wie hoch die Kosten ausfallen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine wesentliche Rolle spielt es, ob die Perücke aus Kunsthaar oder Echthaar gefertigt ist. Echthaarperücken sind in der Regel deutlich teurer, sehen aber meist sehr natürlich aus. Auch die Art, wie die Perücke geknüpft ist, oder wie lang die Haare sind, ist für die Kosten wichtig. Die Kosten für Perücken aus Echthaar liegen in der Regel bei 1.000 Euro und mehr. Kunsthaarperücken kosten dagegen oft nur einige Hundert Euro.
Eine Perücke zu tragen, ist für viele Menschen anfangs zumindest gewöhnungsbedürftig. Die Perücke fühlt sich anders an als das eigene Haar. Manche empfinden die Perücke auch zunächst als „Fremdkörper“ und haben Angst, dass es unter dem Haarersatz zu warm wird, sich Schweiß ansammelt oder die Kopfhaut juckt. Wenn die Perücke gut sitzt, geschieht dies jedoch nicht. Viele gewöhnen sich mit der Zeit gewöhnen an ihren neuen Haarersatz und fühlen sich gut beschützt und wohl während der Chemotherapie. Auch kalte Temperaturen kann die Perücke abhalten und viele sehen sehr chic mit ihr aus.
Damit eine Perücke nicht rutscht, besitzt sie einige besondere Vorrichtungen. Ein Beispiel sind verstellbare Bänder, mit denen Sie die Perücke fester ziehen können, damit sie straff auf dem Kopf sitzt. Im Stirnbereich der Perücke ist ein Monofilament für den guten Sitz angebracht. Für zusätzlichen Halt sorgt ein Filmansatz. Das ist ein Band, das sich fest an den Kopf ansaugt. Lassen Sie sich unbedingt im Zweithaarstudio beraten, welche Perücke zu Ihnen passt und welche Größe es sein sollte. Ihr Kopfumfang wird dort gemessen und anhand dieser Größe suchen Fachleute die passende Perücke.
Nach dem Ende der Chemotherapie und wenn die Medikamente abgebaut sind, wachsen die Haare wieder nach. Wie lange dies dauert, kann aber individuell verschieden sein. Meist sind die Haare ungefähr drei Monate später wieder so dicht nachgewachsen, dass sie auf die Perücke verzichten können. Die Haare sind dann sehr kurz, aber ein Schnitt beim Friseur oder der Friseurin kann sie in Form bringen. Manche tragen ihre Perücke aber auch länger und warten, bis die Haare subjektiv wieder lang genug sind.
Mit Perücke sollten Sie eigentlich nicht duschen. Es sollte kein Wasser von oben auf die Perücke geraten. Wenn Sie dafür sorgen, dass kein Wasser an die Perücke herankommt (z.B. mit einer dichten Haube), können Sie jedoch damit duschen. Besonders angenehm ist das Duscherlebnis dann aber vielleicht nicht. Nehmen Sie die Perücke daher besser vor dem Duschen ab. Inzwischen gibt es spezielle Perücken, die sich für den Kontakt und Aktivitäten mit Wasser eignen. Sie werden mit Klebstoffen befestigt, damit sie auch im Wasser sicher sitzen.
Mit Perücke schlafen sollten Sie nicht, weil die Haare beschädigt werden könnten. Sie können zum Beispiel abbrechen oder sich verknoten. Auf jeden Fall leiden die Qualität der Perücke und auch ihre Lebensdauer. Sie sieht meist schon nach wenigen Wochen nicht mehr schön aus. Das gilt sowohl für Perücken aus Kunsthaar wie aus Echthaar. Nehmen Sie die Perücke vor dem Zubettgehen ab und hängen Sie sie am besten auf einen Perückenkopf. Er hält die Perücke in Form und pflegt sie. Außerdem ist das Schlafen mit einer Perücke nicht sonderlich angenehm.
Eine Perücke sollte am besten nicht mit Schwimmbadwasser in Kontakt kommen. Es enthält Chlor, das die Perücke strapazieren kann. Außerdem kann die Perücke vom Kopf rutschen, wenn sie nicht mit speziellen Klebstoffen befestigt ist. Auch das kann unangenehm werden. Wenn Sie dennoch mit Perücke schwimmen möchten, sollten Sie eine Badekappe tragen, die den Kopf fest umschließt und das Eindringen von Wasser verhindert.
Mit Ihrer Perücke in die Sauna zu gehen, ist in der Regel keine so gute Idee. Denn Hitze kann die Haare schädigen und die Perücke verformen. Das gilt besonders für Kunsthaar. Wenn Sie direkt neben dem Saunaofen Platz nehmen, wirkt besonders große Hitze ein. Wenn Sie sich ohne Perücke in der Sauna unwohl fühlen, kann vielleicht dieser Tipp helfen: Kopf und Perücke mit einem kühlen und feuchten Handtuch umwickeln und nicht zu lange in der Sauna bleiben.
Sie können mit Ihrer Perücke Sport treiben, zum Beispiel Radfahren, Joggen oder Nordic Walking. Achten Sie darauf, dass Ihre Perücke gut sitzt – dann hält sich auch dem Wind stand. Sie können auch eine Mütze oder Kappe über der Perücke tragen. Auch ein Schweißband oder Stirnband ist eine Möglichkeit, um den Schweiß aufzusaugen und den Bereich zwischen Kopfhaut und Perücke zu schützen. Beim Schwimmen mit Perücke ist jedoch Vorsicht geboten.
Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.

