Du kannst mehr tun, als du denkst! So stärkst du deine Selbstwirksamkeit

Susanne Seydel

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Es war der Nachmittag vor meiner geplanten Brust-Operation. Alles war vorbereitet, der OP-Termin stand. Und dann habe ich abgesagt. Weil mein Bauchgefühl mir sagte: Das ist nicht der richtige Weg. Es war der Nachmittag vor meiner geplanten Brust-Operation. Alles war vorbereitet, der OP-Termin stand. Und dann habe ich abgesagt. Weil mein Bauchgefühl mir sagte: Das ist nicht der richtige Weg. Bei mir waren zwei Tumoren entdeckt worden, die brusterhaltend operiert werden sollten. Mein Wunsch, die ganze Brust entfernen zu lassen, wurde nicht ernst genommen. An diesem Tag wurde mit plötzlich klar: ich muss auf mich hören. Ich muss mir eine weitere Meinung einholen. Und tatsächlich: Bei der darauffolgenden Brustentfernung wurde noch ein dritter, tiefsitzender Tumor gefunden. Das war für mich ein Wendepunkt. Der Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich bin nicht hilflos. Ich kann mitentscheiden. Auch wenn so vieles gerade von außen bestimmt wird – es gibt Dinge, die ich selbst in der Hand habe.

Was ist Selbstwirksamkeit – und warum ist sie so wichtig?

Selbstwirksamkeit ist die Überzeugung, schwierige Situationen aus eigener Kraft bewältigen zu können. Sie bedeutet: Ich spüre, dass mein Handeln etwas bewirkt. Das ist das Gegengift zu dem furchtbaren Ohnmachtsgefühl von „Ich kann sowieso nichts tun“. Und es verändert alles – deine Lebensqualität, deinen mgang mit Belastungen, deine innere Kraft.

Was kannst du wirklich beeinflussen?

Um selbstwirksam zu handeln, musst du dir klar darüber werden, was überhaupt in deiner eigenen Macht liegt. Die Krebsdiagnose kannst du nicht ungeschehen machen.

Aber du kannst entscheiden, wie du damit umgehst. Ich habe entschieden, mich umfassend zu informieren und Entscheidungen aktiv mitzutreffen. Mich von einer Psychoonkologin unterstützen zu lassen und viel über Persönlichkeitsentwicklung und Resilienz zu lernen. In die Natur zu gehen, weil es mir immer o guttut. Und, ganz wichtig, mich bewusst auf die positiven Dinge zu fokussieren. Natürlich gab es auch Phasen, in denen ich fertig und überfordert war und mir nur die Decke über den Kopf ziehen wollte. Aber zum Glück fand ich da meist schnell wieder heraus. Ich brauchte das Gefühl: Ich habe einen Gestaltungsspielraum. Ich kann Einfluss nehmen auf die Situation.

Auch harte Entscheidungen gehören dazu

Selbstwirksamkeit bedeutet manchmal auch, Nein zu sagen. Ich habe in meiner Familie klare Grenzen gesetzt – dort, wo ich mich vorher jahrelang aufgeopfert hatte. Das war sehr schwierig für mich, aber mehr als nötig. Beim Wiedereinstieg in den Job hatte ich mir fest vorgenommen, gut auf mich aufzupassen. Hat nicht geklappt. Nach einem dreiviertel Jahr war ich fast im Burnout. Da habe ich entschieden: Ich mache das nicht mehr mit. Ich habe gekündigt und mich komplett neu orientiert. Und habe daraus gelernt: Selbstwirksamkeit heißt nicht, alles richtig zu machen. Sondern auch zu erkennen „So geht es nicht weiter“ und neu zu wählen.

Schau auf das, was du schon geschafft hast

Manchmal vergessen wir, wie viel wir schon selbstwirksam bewältigt haben. Nimm dir Zeit zurückzuschauen: Was habe ich alles schon gemeistert? Was hat mir dabei geholfen?

Du hast mehr in der Hand, als du denkst. Ein Nein zu jemandem, der zu viel will. Die Zweitmeinung, die du einholst. Die Entscheidung, dir Hilfe zu suchen. Eine kurze Entspannungsübung. Jeder kleine Schritt zählt. Selbstwirksamkeit ist wie ein Muskel – je öfter du ihn trainierst, desto stärker wird er. Fang klein an. Und merk, wie gut das tut!

Deine Susanne. Ich denk‘ an Dich

Susanne Seydel, systemische Coachin & Resilienztrainerin und 2020 selbst an Brustkrebs erkrankt, begleitet Frauen in (beruflicher) Neuorientierung auf ihrem Weg zu mehr Klarheit, Selbstvertrauen und Balance – in 1:1-Coachings, Gruppenprogrammen und Workshops.

Kontakt

E-Mail: info@susanne-seydel.de

Innere Stärke lernen? Schau in meinem Blog

unter www.susanne-seydel.de

  1. Mamma Mia! Das Brustkrebsmagazin Ausgabe 02/2026, S. 75
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