Nach Brustkrebs in der Familie: Verlustangst & Rückzug bei Teenagern

Ihr Lieben, meine Brustkrebsdiagnose fiel mitten in die Coronazeit. Natürlich mussten wir wegen der Chemotherapie vorsichtig sein und hatten wenig Kontakt. Jetzt ist es aber so, dass es mir wieder recht gut geht, meine Tochter sich aber weiterhin einigelt. Sie ist mittlerweile 15 Jahre alt und ich habe das Gefühl, dass sie Probleme hat, mich „loszulassen“. Sie ist am liebsten zu Hause, geht kaum raus, will immer bei mir sein. Habt Ihr Ideen, was wir da machen können? Sie soll ihr Leben doch genießen! - Eure Anouk

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  • Hallo Anouk, meine Brustkrebsdiagnose war 2009 und mein jüngster Sohn 12 Jahre. Ich muss leider gestehen, dass ich mich anfangs nur bemüht habe, ihn zu schonen und die Diagnose harmlos klingen zu lassen. Er hat aber meine Verzweiflung und Angst sehr wohl gespürt. Massive Schlafstörungen, Weinen und große Anhänglichkeit folgten. Nun mein Rat: Im ehrlichen Gespräch schonungslose Offenheit und das Versprechen, jede Änderung sofort mitzuteilen. Zudem sind wir das Worst-Case-Szenario durchgegangen und haben festgestellt, dass auch bei meinem Tod viele liebe Menschen, Verwandte und Freunde ihn liebhaben und sich um ihn kümmern würden. Das hat bei uns eindeutig geholfen! – Birgit

  • Liebe Anouk, meine Tochter ist jetzt elf Jahre alt und hat meine Erkrankung Zeit ihres Lebens miterlebt. Auch sie hat eine extrem starke Bindung zu mir und große Verlustängste. Hinzu kommen sehr starke Gefühlsschwankungen. Ich habe viele Jahre vergebens Hilfe gesucht und bin dann vor zwei Jahren endlich an der Uniklinik in der Kinder- und Jugend-Psychosomatik gelandet. Dort wurde eine Posttraumatische Belastung diagnostiziert und seit einem Jahr hat sie nun eine wundervolle Psychologin an ihrer Seite. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, hätte ich ihr viel früher und viel hartnäckiger psychologische Begleitung gesucht. In einigen größeren Städten gibt es mittlerweile psychoonkologische Zentren für Kinder von krebskranken Eltern. Da findet Deine Tochter vielleicht Gesprächspartner, vielleicht sogar Gleichaltrige, die ihre Sorgen teilen? – Babett

  • Zu meiner Krebszeit waren meine Mädels zehn und 14. Beide bekamen durch meine vielen Nebenwirkungen Panik- und Angststörungen. Ich weiß nicht, was ich noch hätte tun können: Wir waren auch bei einer Psychoonkologin und führten dort viele Gespräche. Ich denke, dass es ihnen gutgetan hat, auch dass ich sie zur Sportgruppe und zur Krebshilfe mitnahm. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass die Mädchen (jetzt 22 und 26) heute beide in psychischer Betreuung sind, weil elf Jahre Spuren hinterlassen haben. Wir können sie begleiten und zeigen, dass wir unser Bestes geben, aber leider kann keiner sagen wie es ausgeht.- Sonja

  • Vielleicht ist es eine Idee, einmal im Jugendamt nachzufragen. Dort gibt es oft gute Angebote und Hilfen. Denn das Jugendamt ist ja nicht nur dazu da, Kinder aus Familien zu holen, sondern in erster Linie dafür, Hilfen und Tipps zur Erziehung zu geben. diekitty

Quelle: Mamma Mia! Das Brustkrebsmagazin 01/2023

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