Kiefernekrose

Redaktion Mamma Mia!

Eine Kiefernekrose kann sehr schmerzhaft sein
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Die Kiefernekrose ist eine gefürchtete Nebenwirkung von bestimmten Medikamenten, zum Beispiel von Bisphosphonaten. Dabei sterben Teile des Kieferknochens ab. Erfahren Sie, wie sich das Risiko für Nekrose des Kiefers reduzieren lässt, warum die Früherkennung wichtig ist und welche Behandlungen es gibt.

Bei einer Kiefernekrose sterben Teile des Kieferknochens ab, was sehr schmerzhaft sein kann. Sie kann im Zusammenhang mit bestimmten Medikamenten stehen, zum Beispiel Bisphosphonaten. Diese knochenschützenden Medikamente spielen unter anderem bei Krebserkrankungen eine Rolle. Es gibt jedoch einige Maßnahmen, um das Risiko für eine Kiefernekrose zu senken. Von Bedeutung sind auch vorbeugende Maßnahmen und die Früherkennung. 

Kurzüberblick
  • Was ist eine Kiefernekrose? Teile des Kieferknochens sterben ab; besonders bei Bisphosphonaten besteht ein Risiko; wirkt sich oft negativ auf die Lebensqualität aus;
  • Häufigkeit: Bei Menschen mit Krebs zwischen 3 und 15 Prozent;
  • Symptome: Kieferknochen liegt frei und heilt nicht; bemerkbar z.B. durch Schmerzen, Mundgeruch, Taubheits-, Spannungs- oder Schweregefühl im Kiefer
  • Ursachen und Risikofaktoren: Antiresorptiva wie Bisphosphonate oder der Antikörper Denosumab; erhöhte Risiken z.B. bei Parodontitis, außerdem Krebserkrankung selbst und Krebstherapien, Art und Darreichungsform des Bisphosphonats
  • Diagnose: Untersuchung der Mundhöhle, manchmal Röntgenbild; Symptome wie Mundgeruch und freiliegender Kieferknochen
  • Vorbeugung und Früherkennung: Zähne sanieren lassen, gute Mund- und Zahnhygiene, regelmäßige Zahnarztbesuche; Antibiotikaprophylaxe bei zahnärztlichen Eingriffen
  • Behandlung: meist Operation, abgestorbene Teile des Kieferknochens werden vorsichtig entfernt

Was ist eine Kiefernekrose?

Bei einer Kiefernekrose sterben Teile des Kieferknochens ab. Das Wort „Nekrose“ bedeutet „Absterben“ von Gewebe. Andere Namen sind Kieferknochennekrose oder Kieferosteonekrose. Es gibt einige Medikamente, die eine Kiefernekrose verursachen können. Vor allem Bisphosphonate stehen mit der Entwicklung dieser Kieferknochenerkrankung in Zusammenhang. Diese Medikamente werden seit vielen Jahren bei Knochenmetastasen (auch zur Vorbeugung dieser) eingesetzt. Auch bei anderen Erkrankungen wie dem Plasmozytom (multiples Myelom, eine Krebserkrankung des Knochenmarks) und einer fortgeschrittenen Osteoporose können sie helfen.

Bisphosphonate heften sich chemisch an den Knochen. Dadurch kann die Verweildauer dieser Medikamente im Körper mehrere Monate bis Jahre betragen. Das Nebenwirkungsprofil wird zwar als günstig beurteilt, doch Im Jahr 2003 erschienen die ersten Berichte von Kiefernekrosen (engl. osteonecrosis of the jaw = ONJ) während der Anwendung von Bisphosphonaten. 

Die Erkrankung kann die Lebensqualität der Betroffenen maßgeblich beeinträchtigen. Eine Kiefernekrose kann zum Beispiel die Kaufunktion stören oder Schmerzen, Sensibilitäts- und Schluckstörungen hervorrufen. Viele mögen nicht mehr in Gesellschaft essen. Daher sind Prophylaxe- und Präventionsmaßnahmen sowie eine frühzeitige Therapie besonders wichtig.

Wie häufig ist eine Kiefernekrose?

Bei Menschen mit einer Krebserkrankung liegt die Häufigkeit der Kiefernekrose zwischen 3 und 15 Prozent. Eine ähnliche, und vermutlich sogar noch größere Häufigkeit an Kiefernekrosen lässt sich unter der Therapie mit dem Wirkstoff Denosumab nachweisen. Denosumab ist ein monoklonaler Antikörper, der zur Gruppe der sogenannten „RANKL-Antikörper“ gehört. Er bindet spezifisch an das Eiweiß namens „RANKL“ und hemmt den Knochenabbau.

Bisphosphonate und Denosumab werden heute als „Antiresorptiva“ (AR) zusammengefasst. Das durch diese Arzneimittel ausgelöste Krankheitsbild am Kiefer heißt „Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose“, abgekürzt AR-ONJ.

Symptome bei einer Kiefernekrose

Das wichtigste Symptom bei einer Kiefernekrose ist ein freiliegender Kieferknochen, der keine Tendenz zur Heilung hat. Der abgestorbene Kieferknochen kann nach innen zum Mundraum oder nach außen frei liegen. Die Schleimhaut beziehungsweise die Haut über dem abgestorbenen Kieferknochen verheilt nicht, weshalb der Knochen sichtbar ist.

Eine Kiefernekrose kann es zusätzlich diese Symptome verursachen:

  • Schmerzen – oft sind die betroffenen Kieferareale trotz der Nekrose aber nicht schmerzhaft
  • Gefühlsstörungen der Unterlippe
  • Taubheits-, Spannungs- oder Schweregefühl im Kiefer
  • Mundgeruch
  • Entzündungen der Kieferhöhle
  • Abszesse
  • Lockerung von Zähnen
  • Allgemeines Unwohlsein
  • manchmal Brüche des Kieferknochens

Kiefernekrose: Ursachen und Risikofaktoren

Obwohl die Entstehung der Kiefernekrose noch nicht in allen Einzelheiten geklärt ist, sind Faktoren bekannt, die dieses Krankheitsbild begünstigen. Einige Beispiele:

  • Eintrittspforten für Keime in der Mundhöhle, zum Beispiel durch Infektionen des Zahnhalteapparates (Parodontitis), Schleimhautwunden am Kieferkamm (Prothesendruckstellen, scharfe Knochenkanten) und Kieferwunden nach Operationen (Zahnextraktion).
  • Daneben begünstigen die Krebserkrankung selbst, zum Beispiel Brustkrebs, sowie Therapien wie eine Chemo-, Hormon-, Kortison- oder Strahlentherapie eine Kiefernekrose.
  • Auch das angewendete Bisphosphonat spielt eine Rolle: Hochwirksame Medikamente aus dieser Gruppe, sogenannte Amino-Bisphosphonate, sind häufiger mit der Entwicklung einer Kiefernekrose verbunden.
  • Weitere Risikofaktoren sind die intravenöse Anwendung des Bisphosphonats im Gegensatz zur Tabletteneinnahme, eine hohe Dosierung sowie die Dauer der Therapie.

Diagnose einer Kiefernekrose

Das wichtigste Anzeichen für eine Kiefernekrose ist ein freiliegender Kieferknochen, der nicht verheilt. Für Zahnärztinnen und Zahnärzte ist die Untersuchung der Mundhöhle zur Diagnostik meist wichtiger als ein Röntgenbild. Auffällig ist zudem ein merkbarer Mundgeruch.

Das Röntgenbild kann für Zahnärztinnen und Zahnärzte wichtig werden, um nach einer Zahnentfernung den Abschluss der Heilung (die knöcherne Durchbauung) zu kontrollieren oder die Ausdehnung einer Nekrose zu bestimmen.

Kiefernekrose vorbeugen und frühzeitig erkennen

Das Betreuungskonzept umfasst verschiedene Bausteine. Wichtig sind vorbeugende (prophylaktische) Maßnahmen vor der Anwendung von Antiresorptiva. Auch die Früherkennung der Kiefernekrose während und nach einer Therapie sowie die möglichst frühzeitige Behandlung einer entstandenen Kiefernekrose sind von Bedeutung.

Prophylaxe vor der Behandlung mit Bisphosphonaten

Vor einer Behandlung mit Antiresorptiva sollten Sie Ihre Zahnarztpraxis aufsuchen. Zahnärztinnen und Zahnärzte können entzündliche Prozesse diagnostizieren und behandeln sowie defekte Zähne sanieren. Auch Sie selbst können etwa tun, um das Risiko für eine Kiefernekrose nachhaltig zu senken, indem Sie auf eine gute Mundhygiene achten. Pflegen Sie Mund, Zähne und Zahnfleisch noch aufmerksamer und gründlicher also vielleicht ohnehin schon. 

Wie umfangreich und intensiv die Sanierung der Zähne und die zahnärztliche Betreuung ausfallen, hängt von Ihrem individuellen Risikoprofil ab. Manche haben eine bessere Mund- und Zahngesundheit als andere. Wichtig sind immer ein enger Austausch und ein reibungsloser Informationsfluss zwischen Ärztinnen und Ärzten, die Antiresorptiva verordnen/verabreichen, und Ihrer persönlichen Zahnarztpraxis.

Tipp!

Hilfreich kann ein „Laufzettel“ der Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. sein, der im Internet zur Verfügung steht.

Früherkennung unter einer Bisphosphonat-Therapie

Wenn Sie Antiresorptiva erhalten, sollten Sie regelmäßig Ihren Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin besuchen. Bei Beschwerden wie Prothesendruckstellen oder einer Zahnlockerung ist ein zeitnaher Besuch in der Zahnarzt ratsam.

Wenn möglich versuchen Zahnärztinnen und Zahnärzte, Operationen zu vermeiden und führen Behandlungen des Zahnhalteapparates konservativ (ohne OP) durch. Wenn ein chirurgischer Eingriff nötig ist, sollten Sie diesen auf jeden Fall vornehmen lassen und nicht aufschieben.

Wichtig sind spezielle Sicherheitsvorkehrungen, die für alle Zahnärztinnen und Zahnärzte in einer Leitlinie festgehalten sind. So ist zum Beispiel eine vorherige Antibiotikaprophylaxe empfohlen, wenn ein Zahn gezogen (extrahiert) werden soll. Gegebenenfalls erhalten Sie eine Überweisung zu einer Fachperson aus der Oralchirurgie oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie.

Behandlung einer Kiefernekrose

Eine Kiefernekrose war früher schwierig zu behandeln und der Therapieverlauf war oft ungewiss. Heute liegen jedoch Daten vor, dass eine Operation auch bei kleinen Befunden der Kiefernekrose sicherer zum Erfolg führt als ein Therapieversuch, bei dem das Gewebe begrenzt abgetragen wird und sich eine offene Nachbehandlung anschließt. 

Im Rahmen der Operation wird der abgestorbene Kieferknochen schonend und vollständig entfernt. Sehr wichtig für den Heilungsverlauf ist eine sichere Wundnaht in mehreren Gewebeschichten. Meist wird dafür benachbartes Weichgewebe genutzt. 

Oft wird der Eingriff unter Vollnarkose vorgenommen. Außerdem erhalten Sie ein Antibiotikum über die Vene, um das Infektionsrisiko zu verringern. Wichtig ist auch eine spezielle Kost, um die mechanische Wundbelastung zu reduzieren. Aus diesen Gründen ist oft eine stationäre Behandlung in einer Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie notwendig.

Textvorlage: Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Direktor der Klinik für Mund-Kiefer- Gesichtschirurgie an den Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken (HSK), Burgstraße 2–4, 65183 Wiesbaden.

FAQs: Kiefernekrose

Eine Kiefernekrose fängt meist langsam und schleichend an. Viele Menschen bemerken anfangs nicht, dass Teile des Kieferknochens absterben. Manche verspüren Schmerzen im Kiefer, bekommen lockere Zähne oder eine Zahnfleischentzündung, die nicht wieder verheilt. Das Hauptsymptom ist ein freiliegender Kieferknochen, der nicht heilt. Auch eine nicht heilende Wunde nach dem Ziehen eines Zahns kann ein Hinweis auf eine Kiefernekrose sein.

Bleibt eine Kiefernekrose ohne Behandlung, können immer weitere Teile des Kieferknochens absterben. Sogar Brüche des Kieferknochens sind möglich. Daher sind prophylaktische und präventive Maßnahmen sowie die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung auch so wichtig.

Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie schnell die Kieferknochennekrose bei einem Menschen fortschreitet. Manche bringen Risikofaktoren mit, die das Fortschreiten begünstigen, zum Beispiel eine Entzündung des gesamten Zahnhalteapparates (Parodontitis). Bei einer fortgeschrittenen Kiefernekrose kann der Kieferknochen brechen.

Es sind einige Maßnahmen bekannt, die eine Kiefernekrose bis zu einem gewissen Maß verhindern können. Wichtig sind eine Sanierung Ihrer Zähne und das Stoppen von entzündlichen Prozessen. Achten Sie zudem auf eine gute Mundhygiene, die das Risiko für eine Kiefernekrose ebenfalls senkt. Putzen Sie mindestens zweimal pro Tag gründlich Ihre Zähne und verwenden Sie Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen. Auch Mundspülungen können zur Mundgesundheit beitragen. Und: Vergessen Sie die Pflege Ihres Zahnfleischs nicht.

Eine Kiefernekrose kann gefährlich werden, weil sie den Kiefernknochen zerstören, die Nahrungsaufnahme erschweren und die Lebensqualität entscheidend reduzieren kann. Sie ist eine ernstzunehmende Erkrankung, für die es jedoch vorbeugende Maßnahmen gibt. Eine Kiefernekrose sollten Sie auf jeden Fall schnellstmöglich behandeln lassen.

Wie sich eine Kieferosteonekrose anfühlt, ist individuell verschieden. Manche verspüren Schmerzen, ein Taubheits-, Spannungs- oder Schweregefühl im Kiefer, andere nicht. Das wichtigste Warnsignal ist ein freiliegender Kieferknochen, der nicht heilt.

  • S3-Leitlinie Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrosen (AR-ONJ), Stand: 12/2018, in Überarbeitung, https://register.awmf.org/assets/guidelines/007-091l_S3_Antiresorptiva-assoziierte-Kiefernekrosen-AR-ONJ_2018-12-abgelaufen.pdf (Abruf: 24.8.2026)
  • S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen, Stand: April 2026, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Supportivtherapie/Version_2/2026-02-27_Supportive_Therapie_Langversion_2.1_MCA_TL.pdf (Abruf: 24.8.2026)
  • National Institut of Dental and Craniofacial Research (NIDCR), https://www.nidcr.nih.gov/health-info/osteonecrosis-jaw (Abruf: 24.8.2026)
  • Cleveland Clinic, https://my.clevelandclinic.org/health/diseases/24156-osteonecrosis-of-the-jaw (Abruf: 24.8.2026)
  • Universitätsklinikum Heidelberg, https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/erkrankungen/kiefernekrose-201254/ (Abruf: 24.8.2026)
  • Mamma Mia Magazin – Oktober bis Dezember 2022

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.

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