Hautpflege bei Krebs

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©istock / Ljupco

Hautprobleme aufgrund von Krebstherapien wie der Chemotherapie, zielgerichteten Therapie oder Immuntherapie kommen häufig vor.  Eine sanfte und schonende Hautpflege bei Krebs kann helfen, die gereizte Haut zu besänftigen.

Krebsbehandlungen wie eine Strahlentherapie, Chemotherapie oder Immuntherapie können der Haut zusetzen. Oft ist die Haut trocken, rissig, gereizt, gerötet, entzündet oder sie juckt. Manche entwickeln auch Symptome, die einer Akne ähnlich sind („Onko-Akne“). Auf der Haut entstehen dann Pickel, Pusteln und Rötungen, meist im Gesicht und am Oberkörper.

Die Hautprobleme sind oft auch für andere Menschen sichtbar – vor allem, wenn sie  im Gesicht auftreten. So können Hautirritationen auch zum kosmetischen, ästhetischen und seelischen Problem werden. Ein verändertes und unschönes Hautbild kann die Psyche, das Selbstwertgefühl und das Selbstbewusstsein leiden lassen.

Daher ist eine regelmäßige, sanfte und schonende Hautpflege bei Krebs und möglichen Hautreaktionen besonders wichtig. Aber: „Eine professionelle Hautpflege ist weit mehr als eine kosmetische Maßnahme. Sie hilft, die Nebenwirkungen der Therapie zu lindern und wirkt gleichsam positiv auf die Psyche der Patientinnen und Patienten“, erklärt Katharina Roos, stellvertretende Bereichsleiterin der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauengesundheit am Universitätsklinikum Mainz.

Warum reagiert die Haut auf Krebstherapien oft gereizt?

Einige Krebsmedikamente, zum Beispiel Zytostatika bei einer Chemotherapie, greifen Zellen an, die sich schnell teilen. Dazu zählen nicht nur Krebszellen, sondern auch die Zellen der Haut, Schleimhäute und Haare. Dies kann in Hautproblemen münden.

Zudem machen einige Krebsmedikamente wie Zytostatika oder zielgerichtete Medikamente  die Haut lichtempfindlicher – sie reagiert schneller mit einem Sonnenbrand. Daher sind ein guter Sonnenschutz, zum Beispiel durch passende Kleidung, sowie ein ausreichend hoher Lichtschutzfaktor (LSF) bei Sonnenschutzmitteln auch so wichtig.

Eine Antihormontherapie bei Brustkrebs geht auf mit trockener und juckender Haut sowie Hautausschlägen einher. Der Grund ist der Mangel an Östrogen. Dieses weibliche Geschlechtshormon spielt unter anderem für die Funktion der Hautbarriere und die Feuchtigkeit der Haut eine Rolle.

Einige zielgerichtet wirkende Medikamente (Engl. targeted therapy“) können Hautirritationen hervorrufen, zum Beispiel Wirkstoffe aus der Gruppe der EGFR-Hemmer (EGFR-Inhibitoren). Typisch ist ein akneähnlicher Hautausschlag. Andere Namen dafür sind „akneiformes Exanthem“ „Rash“ oder „Onko-Akne“

Die Strahlentherapie von außen über die Haut (perkutane Radiotherapie), zum Beispiel bei Brustkrebs, kann die Haut in Mitleidenschaft ziehen. Gut bekannt sind Hautrötungen wie bei einem Sonnenbrand sowie Reizungen oder Entzündungen.

Eine Immuntherapie mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren kann Nebenwirkungen an vielen Organen hervorrufen, auch an der Haut. Entzündungen, Juckreiz und Hautausschlag können vorkommen. Der Ausschlag kann sich in Form von Rötungen, Schuppungen, Knötchen und juckenden Pusteln zeigen.

Wichtig
  1. Besprechen Sie eventuelle Hautprobleme, die im Zusammenhang mit Krebstherapien stehen, immer sofort mit Ihrem Behandlungsteam. Es gibt Behandlungen und Maßnahme, die Abhilfe und Linderung verschaffen.
  2. Vorsicht geboten ist vor allem bei offenen Haustellen, Entzündungen und Anzeichen für eine Infektion – auch hier sollten Sie sofort Ihr Behandlungsteam informieren.

Wie sieht eine gute Haupflege bei Krebs aus?

Schenken Sie Ihrer Haut während und nach den Krebstherapien besondere Aufmerksamkeit. Einige Tipps zur onkologischen Hautpflege:

  • Verwenden Sie fürs Gesicht Pflegeprodukte, welche die Poren nicht verstopfen. Sie heißen auch nicht-komedogene Studieren Sie die Angaben auf dem Produkt – dort finden Sie diese Bezeichnung.
  • Wählen Sie Pflegeprodukte für empfindliche (sensible) Haut, die weder Konservierungs-, Duft- oder Farbstoffe noch Alkohol oder Parfüm enthalten.
  • Das Hautpflegeprodukt sollte möglichst pH-neutral sowie rückfettend beziehungsweise harnstoffhaltig sein, um die Feuchtigkeitsbalance der Haut zu erhalten.
  • Die Haut kann durch die Krebstherapien lichtempfindlicher werden. Verwenden Sie daher Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor von mindestens 50.

 

„Diese Produkte müssen nicht einmal besonders teuer sein“, weiß Roos, die zugleich onkologische Fachpflegerin, Breast-, Pelvic- und Palliativ Care Nurse ist.  „Auch die Hausmarke von bekannten Drogeriemärkten bietet eine Pflegelinie für empfindliche Haut.“

Welche Hautpflegeprodukte sollte ich vermeiden?

Es gibt einige Produkte, die Sie bei Hautproblemen nicht anwenden sollten. Einige Beispiele:

  • Peelings können die Haut reizen und zu kleinsten Verletzungen der Hautoberfläche führen. Bei bereits geschädigter Haut können Peelings Entzündungen begünstigen.
  • Auch auf Anti-Aging-Produkte, die gegen vorzeitige Hautalterung erhältlich sind, sollten Sie verzichten.
  • Weniger geeignet sind außerdem Cremes oder Seren mit Vitamin C oder Retinol. Sie trocknen die Haut aus, reizen sie zusätzlich und können die Lichtempfindlichkeit erhöhen.
  • Der Haarverlust ist ein Problem, mit dem viele Menschen während der Krebsbehandlungen zu kämpfen haben, allen voran bei einer Chemotherapie. Der Haarausfall kann aber nicht nur das Kopfhaar, sondern auch die Wimpern und Augenbrauen betreffen. Nicht anwenden sollten Sie spezielle Seren, welche die Wimpern stärken „Die Seren sind oft hormonhaltig und niemand kann garantieren, dass sie sich bei einem hormonabhängigen Brustkrebs nicht negativ auf die Erkrankung auswirken.“

Wie reinige und pflege ich mein Gesicht richtig?

Ihre Haut braucht nicht nur Produkte, die auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wichtig ist auch, dass Sie die Hautpflegeprodukte richtig anwenden. So können Sie Hautreizungen vorbeugen. Doch wie sieht die ideale Gesichtsreinigung aus? Roos gibt einige Tipps:

  • Wer Make-up benutzt hat, muss sich in jedem Fall vor dem Zubettgehen abschminken. Am besten eignen sich dafür ein Reinigungsöl und Vlieskompressen. Wattepads sollten Sie nicht fürs Abschminken verwenden, denn: Es können sich kleine Partikel oder Fasern lösen, die sich in den Hautporen absetzen und zu Entzündungen führen.
  • Für die normale Reinigungsroutine eignet sich ein milder Reinigungsschaum. Diesen tragen Sie auf die Gesichtshaut auf und waschen ihn dann wieder mit Wasser ab. Danach tupfen Sie das Gesicht vorsichtig trocken (nicht trocken rubbeln).
  • Anschließend können Sie ein Gesichts- oder Hamameliswasser auftragen und kurz einwirken lassen.
  • Zwei bis drei Tropfen Niacinamid-Serum helfen, die natürliche Hautschutzbarriere zu stärken und die Feuchtigkeitsbalance der Haut zu unterstützen. Das Serum ist auch in der Drogerie erhältlich.
  • Zum Abschluss tragen Sie eine feuchtigkeitsspendende Tages- oder Nachtcreme auf die Haut auf.
  • Morgens ist zusätzlich eine Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens ratsam.

Haut- und Gesichtspflege für zuhause – so geht’s!

Sie können Ihrer Haut auch zuhause etwas Gutes tun und Ihr Gesicht schonend pflegen. Hautprobleme lassen sich dadurch oft besser in den Griff bekommen. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die sich zur Gesichtspflege eignen.

Dampfbad

Ein Dampfbad kann Ihrer Haut gut tun – dafür gehen Sie so vor:

  1. Reinigen Sie Ihr Gesicht.
  2. Befüllen Sie einen Kochtopf mit kochendem Wasser – etwas fünf Zentimeter hoch
  3. Legen Sie ein kleines und ein mittleres Handtuch bereit
  4. Bedampfen Sie Ihr Gesicht sechs bis acht Minuten lang
  5. Tupfen Sie das Gesicht vorsichtig mit einem Handtuch ab
  6. Bei Bedarf tragen Sie Öl auf die feuchte Haut auf, zum Beispiel naturreines Mandel-, Jojoba- oder Arganöl)
  7. Dann bedampfen Sie Ihr Gesicht erneut für sechs bis acht Minuten
  8. Tauchen Sie das kleines Handtuch in handwarmes Wasser ein, wringen Sie es aus und legen Sie es für wenige Sekunden auf Ihr Gesicht
  9. Tragen Sie ein Niacinamid-Serum und anschließend eine feuchtigkeitsspendende Creme auf
  10. Wenden Sie das Dampfbad abends an – dies fördert die Regeneration der Haut in der Nacht und entspannt zusätzlich.
 

Gesichts-Maske

Auch eine Aloe Vera Maske kann Ihrer Haut gut tun – so geht’s:

  • 4 EL Magerquark
  • 3 EL Naturjoghurt
  • 1 TL Olivenöl
  • 1 EL Aloe Vera Gel

Vermischen Sie alle Zutaten gut und tragen Sie die Masse mit einem Maskenpinsel auf Ihre Haut auf. Lassen Sie die Mischung ungefähr 20 Minuten einwirken und entspannen Sie sich dabei. Dann wischen Sie die Reste der Maske vorsichtig mit einem Tuch ab.

Kamillenstempel bei Onko-Akne

Ein Kamillenstempel  ist eine zusätzliche Pflege bei einer Onko-Akne. Er regt die Durchblutung an, löst Verspannungen, wirkt entzündungshemmend, antibakteriell und kann die Wundheilung fördern.

Für den Kamillenstempel benötigen Sie:

  • Kamillenblüten
  • Leinsamen (speichern die Wärme länger)
  • Vlieskompressen (10 cm x 10 cm)
  • Topf
  • Küchensieb
  • Kordel


Durchführung:

  1. Legen Sie die Kamillenblüten mit dem Leinsamen auf eine Vlieskompresse.
  2. Fassen Sie die gegenüberliegenden Seiten der Kompresse, falten Sie sie zusammen und fixieren Sie sie mit einer Kordel.
  3. Füllen Sie einen Topf zur Hälfte mit Wasser und lassen es kochen.
  4. Legen Sie den Kamillenstempel in das Küchensieb und erhitzen Sie ihn mittels Wasserdampf für ungefähr 10 bis 15 Minuten. Achten Sie darauf, dass er nicht ins Wasser ragt und nass wird.
  5. Wenden Sie den Kamillenstempel direkt und zügig an, weil er schnell abkühlt.
  6. Führen Sie mit dem Stempel im Gesicht klopfende, kreisende oder tupfende Bewegungen durch. Die meisten empfinden dies als angenehm.

Wichtig: Alle Bewegungen führen Sie in Richtung Herz durch.

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.
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