Hautpflege während der Strahlentherapie

Redaktion Mamma Mia!

Hautpflege während der Strahlentherapie
© iStock / Strelciuc Dumitru

Auf eine Strahlentherapie bei einer Krebserkrankung kann die Haut gereizt reagieren: Trockenheit, Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und Entzündungen sind möglich. Daher ist eine regelmäßige, aber sanfte Hautpflege während und nach der Bestrahlung besonders wichtig. Lesen Sie worauf es bei der Reinigung und Pflege der Haut sowie bei der Kleidung und beim Sonnenschutz ankommt.

Die Bestrahlung über die Haut (perkutane Strahlentherapie) kann bei verschiedenen Krebsarten helfen, unter anderem bei Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs. Die Strahlen schädigen Krebszellen, aber auch gesunde Zellen wie die Hautzellen, obwohl die heutigen Bestrahlungstechniken und Bestrahlungsgeräte viel gezielter und hautschonender sind als früher.

An der Haut können sich Nebenwirkungen wie Trockenheit, Juckreiz, Rötungen, Schwellungen und Entzündungen zeigen. Wie empfindlich die Haut auf die Strahlentherapie reagiert, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Strahlendosis, Dauer der Bestrahlung, bestrahlten Körperregion und Ihrem individuellen Hautzustand.

Um die Beschwerden zu lindern, die Widerstandskraft Ihrer Haut zu stärken und die Hautregeneration zu unterstützen, ist die richtige Hautpflege während und nach der Strahlentherapie besonders wichtig. Sie sollte schonend und sanft sein und die Haut nicht zusätzlich reizen.

Hautpflege bei Bestrahlung – kurzgefasst
  • Wichtig ist eine regelmäßige, sanfte und schonende Hautreinigung und – pflege – mit dem Behandlungsteam vor der ersten Bestrahlung besprechen.
  • Lauwarmes statt heißes Wasser fürs Duschen und Baden.
  • Hautpflegeprodukte ohne Duft- und Parfümstoffe.
  • Eher trocken statt nass rasieren, nicht epilieren.
  • Kleidung aus atmungsaktiven Naturmaterialien (z.B. Baumwolle, Seide) statt aus Kunstfasern; keine kratzenden Stoffe wie Wolle; lockere Kleidung, die nicht einschnürt.
  • Bestrahlte Hautbereiche nicht der direkten UV-Strahlung aussetzen, auf ausreichenden Sonnenschutz achten.

Warum schädigt die Strahlentherapie die Haut?

Bei einer Bestrahlung über die Haut kommen hochenergetische Strahlen zum Einsatz, die Schäden am Erbgut (DNA) der Krebszellen anrichten. Tumorzellen können solche Schäden weniger gut reparieren als gesunde Zellen und sterben ab.

Im bestrahlten Gebiet liegen aber auch gesunde Zellen der Haut, die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden – auch wenn die Bestrahlung heute sehr präzise und gewebeschonend möglich ist. Die Strahlen können den Prozess der Zellerneuerung an der Oberfläche der Haut stören. Normalerweise produziert die Haut ständig neue Zellen und regeneriert sich auf diese Weise. Der Verlust an Hautzellen kann jedoch irgendwann größer sein als die Neubildung. Ziel der Hautpflege ist es daher, den Zellverlust an der Hautoberfläche zu verringern.

Die Hautprobleme zeigen sich oft mit zunehmender Dauer der Bestrahlung, aber auch bei einer höheren Strahlendosis. Allerdings entwickelt nicht jeder Mensch gleich intensive Hautschäden. Bei den einen ist die Haut nur leicht gerötet, während sie bei anderen mit ausgeprägten Symptomen reagiert.

Welche Hautsymptome sind bei einer Bestrahlung möglich?

Durch eine Strahlentherapie kann die Haut empfindlicher werden und mit Reizungen, Rötungen und Entzündungen reagieren.  Gut bekannt bei einer Radiotherapie ist die sogenannte Strahlendermatitis (Radiodermatitis = RD), also eine durch Strahlung ausgelöste Hautentzündung. Optisch ähnelt die Strahlendermatitis einem Sonnenbrand.

Sie kann im Bestrahlungsbereich entstehen, also den gesamten Körper einschließlich der Kopfhaut betreffen.  Bei einer Bestrahlung von Brust-, Kopf und Hals-Tumoren, ausgeprägten Hautfalten oder einem hohen Körpergewicht bei einer Beckenbestrahlung kann sie verstärkt auftreten.

Typisch für die Strahlendermatitis ist, dass die Haut gerötet ist und jucken, brennen, schmerzen und sich warm anfühlen kann. Im weiteren Verlauf kann sie trocken werden und schuppen. Außerdem können sich Blasen, besonders in den Hautfalten, sowie Geschwüre bilden.

Vor der Bestrahlung – was sollte ich beachten?

Früher sprächen Ärztinnen und Ärzte oft eine Art „Waschverbot“ aus, welches jedoch das Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten störte und im gesellschaftlichen Miteinander zur starken Verunsicherung führte. Dies gilt heute nicht mehr. Studien zeigten, dass das Waschen der Haut mit oder ohne Seife nicht zu vermehrten Hautreizungen führt. Gleiches gilt für das Haarewaschen.

Auch für die häufige Empfehlung, vor der Bestrahlung keine Cremes, Puder oder Lotionen auf die zu bestrahlende Haut aufzutragen, gebe es wenig wissenschaftliche Beweise, schreibt die aktualisierte S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“ (2026). Daher sollten Ärztinnen und Ärzte diese Produkte erlauben.

Richtige Hautpflege und Kleidung während der Strahlentherapie

Wichtig ist: Besprechen Sie vor dem Beginn der Bestrahlung, also der ersten Strahlentherapiesitzung, mit Ihrem Behandlungsteam, worauf es bei der Hautpflege ankommt und was Sie beachten sollten. Fragen Sie auch, welche Pflegeprodukte für Sie in Frage kommen.

Es gilt, Ihre Haut während der Strahlentherapie möglichst stark, widerstandsfähig und gesund zu erhalten. Von Bedeutung ist deshalb eine sanfte, schonende und regelmäßige Hautpflege, die Ihrer Haut Feuchtigkeit verleiht, sie nicht zusätzlich reizt und die Hautbarriere stärkt.

Duschen und Baden

Sie können auch während einer Strahlentherapie wie gewohnt duschen und baden. Dabei gibt es jedoch einige Tipps zu beachten.

Kurzgefasst:
  • Keine oder nur milde Seifen verwenden
  • Lauwarmes statt heißes Wasser
  • Nicht zu lange duschen und baden
  • Haut vorsichtig trocken tupfen
  • Nicht in die Sauna
  • Der Haut Feuchtigkeit geben, milde Hautpflegeprodukte verwenden
  • Haut nicht im Übermaß pflegen

Verwenden Sie zum Waschen der Haut besser keine oder nur milde Seifen. Reinigen Sie Ihre Haut vorsichtig nur mit lauwarmem Wasser. Verzichten Sie auf zu heißes Duschen oder Baden, weil Hitze die Haut strapazieren kann.

Baden oder duschen Sie auch nicht zu lange und ausgiebig, weil die Haut sonst aufweicht, austrocknet und anfälliger für Infektionen mit Krankheitserregern wie Bakterien oder Pilze wird.

Tupfen Sie Ihre Haut nach dem Baden oder Duschen vorsichtig mit einem weichen Handtuch trocken. Rubbeln Sie Ihre Haut nicht ab, weil dies die Haut mechanisch reizt. Bearbeiten Sie Ihre Haut auch nicht mit einer Bürste oder anderen harten Utensilien.  Auch auf Saunabesuche verzichten Sie besser in der Zeit der Strahlentherapie.

Achten Sie darauf, dass Ihre Haut genügend Feuchtigkeit erhält und nicht austrocknet Es gibt Feuchtigkeitscremes und -lotionen, die Ihre Haut feucht und geschmeidig erhalten. Wählen Sie milde Hautpflegeprodukte ohne allergisierende Parfüm- und Duftstoffe, die die Hautbarriere nicht schwächen. Eine starke Hautbarriere ist wichtig, um sich gegen Krankheitserreger ausreichend zur Wehr setzen zu können. Auch harnstoffhaltige Cremes können eine Möglichkeit zur Pflege Ihrer Haut sein.

Vorsichtig verwenden auf bestrahlter Haut sollten Sie Deodorants, alkoholhaltige Pflegeprodukte, Parfüm und ätherische Öle. Und zuletzt: Pflegen Sie Ihre Haut nicht im Übermaß und verwenden Sie nicht zu viele (verschiedene) Produkte. Die Faustregel „Viel hilft viel“ kann bei einer Strahlentherapie eher kontraproduktiv sein.

Sonne und Sonnenschutz

Während und nach einer Bestrahlung kann die Haut empfindlicher auf UV-Strahlung reagieren. Vermeiden Sie daher, dass der bestrahlte Hautbereich direkt mit der Sonne in Kontakt kommt. Halten Sie sich besser im Schatten auf (z.B. Bäume, Sonnenschirm). Das gilt besonders zur Mittagszeit, wenn die UV-Strahlung besonders intensiv ist.

Achten Sie außerdem auf einen ausreichenden Sonnenschutz. Verwenden Sie Cremes, Gele oder Lotionen mit einem hohen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30. Für helle und empfindliche Haut empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz den LSF 50. Auch Kleider, Kopfbedeckungen wie Hüte oder Mützen sowie ein Sonnenschirm bieten einen guten UV-Schutz.

Rasieren und Epilieren

Eine Nassrasur kann die Haut reizen oder durch die scharfen Klingen verletzen. Beim Epilieren werden die Haare samt Wurzel ausgerissen, was die Haut stark reizt und beansprucht. Verzichten Sie am besten während der Bestrahlung auf das Nassrasieren oder Epilieren in der bestrahlten Körperregion. Elektrische Rasierer können eine Alternative sein. In allen Fällen gilt: Ihr Behandlungsteam vorher fragen!

Richtige Kleidung

  • Wählen Sie Kleidung aus atmungsaktiven, natürlichen und weichen Materialien, zum Beispiel aus Baumwolle, Leinen oder Seide. Auch Ihre Unterwäsche sollte am besten aus Naturmaterialien bestehen.
  • Verzichten Sie auf kratzende, raue Stoffe wie Wolle oder Schurwolle, die die Haut mechanisch reizen können.
  • Bei Kleidern aus manchen Kunststoffen kann die Feuchtigkeit nicht entweichen, wenn Sie schwitzen. Sie staut sich dann und kann die Haut reizen.
  • Achten Sie darauf, dass die Kleidung nicht zu eng an der Haut anliegt, sondern locker sitzt und angenehm zu tragen ist. Engsitzende BHs, BH-Träger, die in die Haut einschneiden, oder scheuernde Nähte vermeiden Sie am besten.
Zusammengefasst:

Die Haut wird durch eine Strahlentherapie gereizt. Daher sollte die Hautpflege während und nach der Strahlentherapie reizarm, sanft und regelmäßig sein. außerdem sollte sie individuell auf die Bedürfnisse und Probleme Ihrer Haut abgestimmt sein. Wichtig sind milde Reinigungsmaßnahmen, eine gute Feuchtigkeitspflege sowie der Schutz vor mechanischen Einflüssen (z.B. Reibung), Sonne und hautreizenden Produkte.

NP-DE-AOU-WCNT-260016 (09/2026)

Mit freundlicher
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