Strahlendermatitis (Radiodermatitis)

Redaktion Mamma Mia!

Strahlendermatitis
© iStock / Valerii Apetroaiei

Eine Strahlendermatitis kann durch die Bestrahlung im Rahmen einer Krebserkrankung entstehen. Die Haut reagiert gereizt auf die hochenergetische Strahlung, zum Beispiel mit Rötungen, Schwellungen, Trockenheit oder Juckreiz. Einer Radiodermatitis vorbeugen können Sie teilweise durch eine schonende und regelmäßige Hautpflege. Die Behandlung der Radiodermatitis hängt vom Schweregrad ab. Es gibt zum Beispiel feuchtigkeitsspende und harnstoffhaltige Pflegeprodukte.

Kurzüberblick
  • Was ist eine Strahlendermatitis? Eine Entzündung der Haut, die durch ionisierende Strahlung ausgelöst wird; das Krankheitsbild heißt auch Radiodermatitis und kommt oft im Rahmen der Strahlentherapie bei Krebs vor;
  • Symptome: verschiedene Schweregrade, z.B. Rötungen, Schwellungen, Überwärmung, Trockenheit, Schuppung, Juckreiz, aber auch stärkere Gewebeschäden sind möglich
  • Ursache: Die Strahlung greift auch die gesunden Hautzellen an, das Gleichgewicht zwischen Erneuerung und Absterben der Zellen gerät aus der Balance – es gehen mehr Zellen verloren als neue gebildet werden; die Hautbarriere wird geschwächt, Feuchtigkeit geht verloren; die Haut wird trocken, dünn und empfindlicher.
  • Risikofaktoren: z.B. höhere Strahlendosis, längere Bestrahlungsdauer, Hautfalten, Adipositas, Kopf-Hals-Tumoren
  • Vorbeugen: Sanfte und regelmäßige Hautpflege; Haut nicht mechanisch reizen, hilfreich können Calendula-Creme oder bei bestimmten Risikofaktoren Glukokortikoide („Kortison“) sein.
  • Behandlung: Hängt vom Schweregrad ab, mit dem Behandlungsteam besprechen; bei leichten Entzündungen z.B. Kühlen der Haut durch Umschläge, bei Juckreiz nicht kratzen, sondern sanft drücken, Kortison; bei schwerer Radiodermatitis: professionelle Wundversorgung.

Eine Strahlendermatitis (Radiodermatitis) kann sich im Zuge einer Strahlentherapie entwickeln, die bei vielen Krebserkrankungen wie Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs eingesetzt wird. Ziel der Bestrahlung ist es, eventuell nach einer Operation noch verbliebene Krebszellen abzutöten. Auch wenn die Bestrahlungstechniken heute sehr gezielt und die Bestrahlungsgeräte modern sind: Es lässt sich nicht ganz vermeiden, dass die Strahlung auch Hautzellen schädigt, besonders jene Zellen der oberen Hautschicht.

Die Haut kann auf die Strahlen wie bei einem Sonnenbrand reagieren: Sie ist gerötet, geschwollen und fühlt sich übermäßig warm an. Außerdem kann sie trocken sein, jucken, brennen oder schmerzen. Wenn sich die Haut aufgrund der Strahlung entzündet, ist sie meist empfindlicher und anfälliger für Infektionen oder Verletzungen. Eine sanfte und regelmäßige Hautpflege ist daher während und nach einer Strahlentherapie besonders wichtig.

Was ist eine Strahlendermatitis?

Eine Strahlendermatitis ist eine Entzündung der Haut, die im Zusammenhang mit einer Strahlentherapie steht. Meist kommt die Bestrahlung im Rahmen einer Krebserkrankung zum Einsatz. Dabei setzen Radiologinnen und Radiologen hochenergetische, ionisierende Strahlen ein, die sich gegen Krebszellen richten, aber auch gesunde Zellen schädigen können, die sich schnell teilen. Dazu gehören auch Hautzellen.

Es gibt verschiedene Varianten der Strahlentherapie. Eine Methode ist die Bestrahlung von außen über die Haut. Diese Behandlung heißt auch perkutane Strahlentherapie. Trotz präziser Bestrahlungstechniken und moderner Geräte ist die Radiodermatitis keine Seltenheit. Bis zu 95 Prozent aller Personen, die wegen einer Krebserkrankung bestrahlt werden, entwickeln Schätzungen zufolge eine Radiodermatitis. Meist ist die Entzündung der Haut aber nur leicht ausgeprägt und das Hautbild ähnelt einem Sonnenbrand. In der Regel treten die Symptome der Radiodermatitis nur vorübergehend auf. Allerdings sind auch schwerere Gewebeschäden möglich.

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden eine akute und chronische Strahlendermatitis. Die akute Hautentzündung entwickelt sich während der Bestrahlung oder kurz nach dem Ende der Behandlung. Betroffen ist vor allem der bestrahlte Hautbereich. Meist bessern sich die Hautprobleme mit der Zeit wieder. Die chronische Radiodermatitis kann dagegen noch Monate oder Jahre nach dem Ende der Strahlentherapie vorhanden sein. Die Haut bleibt gereizt, entzündet und anfälliger für Verletzungen und Infektionen.

Welche Symptome verursacht die Radiodermatitis?

Die Strahlendermatitis ruft an der Haut Symptome einer Entzündung hervor. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Blasen
  • Brennen, Schmerzen
  • Geschwüre (Strahlenulcus)
  • Gewebeuntergang (Nekrose) – Haarausfall an der bestrahlten Stelle und die Schweiß- und Talgdrüsen verlieren ihre Funktion
  • Juckreiz
  • Nässen
  • Rötung (Erythem)
  • Schwellungen
  • Trockenheit, Schuppung
  • Überwärmung der Haut
  • Wunden

 

Je nach Hautbild und Symptomen lässt sich die Radiodermatitis in verschiedene Schweregrade von 1 bis 4 einteilen. Bei Grad 1 sind die Hautveränderungen nur mild ausgeprägt, während Grad 4 schwere Hautschäden bedeutet. Allerdings muss die Intensität der Beschwerden nicht direkt mit dem Schweregrad zusammenhängen, sondern auch leichte Hautveränderungen können einen erheblichen Leidensdruck verursachen.

Wie entsteht eine Strahlendermatitis?

Die Ursache der Strahlendermatitis ist hochenergetische, ionisierende Strahlung. Sie wird auf eventuell noch vorhandene Krebszellen gelenkt, schädigt aber auch gesundes Gewebe wie die Zellen der Haut oder Schleimhäute. Besonders betroffen sind die Zellen der Hautoberfläche.

Die Haut bildet zwar ständig neue Zellen, aber dieser Prozess von Neubildung und Absterben von Hautzellen kann aus der Balance geraten. Schließlich gehen mehr Zellen verloren als neue gebildet werden. Dadurch wird die Haut – besonders die Hautoberfläche   dünner, empfindlicher und anfälliger für Verletzungen und Infektionen. Es kommt zu den typischen Symptomen einer gereizten und entzündeten Haut.

Welche Risikofaktoren begünstigen die Radiodermatitis?

Ärztinnen und Ärzte kennen einige Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit für eine Strahlendermatitis erhöhen. Dazu zählen vor allem:

  • höhere Strahlendosis
  • längere Bestrahlungsdauer
  • vorgeschädigte Haut, nicht abgeheilte Wunden
  • Hautfalten (z.B. Achseln, unter der Brust, Analkanal, Vulva): Dort trifft eine höhere Strahlendosis auf die Hautoberfläche. Faltet sich die Haut dagegen nicht, baut sich die Strahlendosis erst unterhalb der Haut auf. Außerdem ist die Haut in den Falten meist mechanisch stärker belastet, feucht und warm – dies begünstig die Hautreaktion.
  • Adipositas (Fettleibigkeit)
  • Kopf-Hals-Tumore: Hier liegt das Bestrahlungsziel direkt unter der Haut.

Wie kann ich einer Strahlendermatitis vorbeugen?

Um einer Strahlendermatitis vorzubeugen, können Sie zunächst selbst etwas für Ihre Haut tun. Das A und O ist eine regelmäßige, sanfte und schonende Hautpflege, die Ihre Haut nicht zusätzlich reizt. Duschen oder baden Sie zum Beispiel nur mit lauwarmem Wasser, verzichten Sie auf die Sauna und verwenden Sie nur milde Pflege- und Reinigungsprodukte ohne Parfüm- und Duftstoffe. Besonders wichtig ist, dass die bestrahlten Hautbereiche nicht in direkten Kontakt mit der Sonne kommen. Achten Sie dennoch auf einen guten Sonnenschutz.

Die S3-Leitlinie „Supportivmedizin bei onkologischen Patientinnen und Patienten“ nennt noch einige weitere Maßnahmen, mit denen Sie einer Strahlendermatitis eventuell vorbeugen können:

  • Cremes mit Calendula (Ringelblume) pflegen die Haut und bieten Schutz vor dem Austrockenen. Zu beachten ist, dass die Garten-Ringelblume ein Auslöser einer Kontaktallergie sein kann.
  • Glukokortikoide („Kortison“) zum Auftragen auf die Haut: Kortison ist für Personen eine Möglichkeit, die ein Risiko für eine ausgeprägte Radiodermatitis (Grad 2/3) haben. Solche Risikofaktoren sind zum Beispiel eine erhöhte Strahlendosis, Hautfalten, Adipositas und Rauchen.
  • Photobiomodulationstherapie (Low-Level-Laser-Therapie): Dabei wird Licht aus dem roten oder infrarotnahen Spektrum an der Haut angewendet. Die Behandlung soll unter anderem die Zellenergie steigern, Regenerationsprozesse beschleunigen und Entzündungen dämpfen.
  • Spezielle Film- und Folienverbände, die eine Barriereschicht bilden (bei Brustkrebs): Die Verbände sollten die bestrahlten Hautbereiche schützen, die Feuchtigkeit der Haut erhalten und bakterielle (Super-)Infektionen vermeiden. Es gibt zum Beispiel selbsthaftende Folienverbände auf Polyurethan- oder Silikonbasis.

 

Nicht geeignet zur Prophylaxe einer Radiodermatitis sind laut der Leitlinie unter anderem Puder, Hyaluronsäure-Cremes, Aloe vera oder Silbersulfadiazin-Creme.

Behandlungen bei einer Radiodermatitis

Trotz aller Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen kann sich die Haut im bestrahlten Bereich entzünden. Eine Strahlendermatitis lässt sich an Symptomen wie Trockenheit, Juckreiz, Rötungen, Schwellungen, Überwärmung oder späterem Nässen erkennen.

Wenn Sie unter einer Radiodermatitis leiden, sollten Sie unbedingt den Rat Ihres Behandlungsteams einholen. Ärztinnen und Ärzte können feststellen, wie ausgeprägt Ihre Hautprobleme sind und beratschlagen, welche Therapien für Sie in Frage kommen.

Wichtig ist. dass Sie Ihre Haut aber nicht einfach selbst mit Cremes oder Salben behandeln oder mit Hausmitteln experimentieren. Sie bringen oft nicht viel und können Hautreizungen manchmal sogar noch verschlimmern. So ergab zum Beispiel eine Studie, dass die Behandlung mit einem Aloe Vera-Gel die trockene Schuppung und Schmerzen der Haut verstärkte.

Welche Therapie in Frage kommt, hängt davon ab, wie intensiv die Radiodermatitis ist.  Hilfreich bei einer mäßig ausgeprägten, akuten Strahlendermatitis können sein:

  • Kühlen der Haut, zum Beispiel mit kalten, feuchten Umschlägen oder Kühlpacks (maximal zehn Minuten). Aber Achtung: Platzieren Sie Eis aus der Gefriertruhe niemals direkt auf Ihre Haut, weil sonst Erfrierungen drohen – immer in ein Handtuch wickeln und dann auf die Haut geben.
  • Haut sanft pflegen und mit Feuchtigkeit versorgen – dies kann Spannungsgefühlen und Hauttrockenheit entgegenwirken.
  • Glukokortikoide („Kortison) zum Auftragen auf die Haut, um Juckreiz und Rötungen zu vermindern.
  • Bei Juckreiz: Kratzen Sie nicht an Ihrer Haut, sondern drücken, reiben oder klopfen Sie Ihre Haut vorsichtig.

 

Bei einer chronischen Strahlendermatitis ist eine professionelle Wundversorgung notwendig. Dazu gehören zum Beispiel lokale antiseptische Maßnahmen und Wundauflagen. Fachpersonen für die Wundversorgung begutachten und behandeln die Hautveränderung – je nach Schweregrad.

FAQs: Strahlendermatitis

Die Dauer der Strahlendermatitis kann individuell verschieden sein. Bei einer akuten Radiodermatitis klingen die Symptome meist einige Wochen nach dem Ende der Bestrahlung wieder ab und die Haut erholt sich. Bei einer chronischen Strahlendermatitis bleiben die Hautveränderungen dagegen über Monate und manchmal sogar Jahre bestehen.

Eine Radiodermatitis sieht aus wie ein Sonnenbrand: Die Haut ist gerötet, geschwollen, fühlt sich überwärmt an und brennt oder schmerzt. Weitere Anzeichen der Strahlendermatitis: Die Haut kann trocken sein, jucken und schuppen. Bei einer schweren Radiodermatitis sind größere Gewebeschäden vorhanden – es können sich Blasen, nässende Wunden oder Geschwüre bilden.

Viele stellen sich die Frage, was bei verbrannter Haut nach einer Bestrahlung hilft. Wichtig ist eine sanfte Hautpflege, welche die Haut nicht weiter strapaziert und reizt. Beispiele: Verwenden Sie Reinigungs- und Pflegeprodukte ohne Parfüm- und Duftstoffe sowie feuchtigkeitsspendende Pflegemittel, um die Hautbarriere zu stabilisieren. Vermeiden Sie mechanische Einflüsse wie Rubbeln oder kratzige Kleidung und direkte Sonne.

Nach einer Strahlentherapie sollten Sie die ohnehin schon gereizte Haut nicht weiter belasten. Verzichten Sie zum Beispiel auf Sonnenbäder, Saunabesuche sowie heiße Duschen oder Vollbäder. Geben Sie Ihrer Haut Zeit zur Erholung und achten Sie auf eine gute Hautpflege. Es gibt zum Beispiel feuchtigkeitsspendende Cremes, die der Haut gut tun und die Trockenheit und Juckreiz lindern können. 

Achten Sie auf eine milde und schonende Pflege Ihrer Haut. Lassen Sie sich von Ihrem Behandlungsteam in der Radiologie zur Hautpflege beraten. Vermeiden Sie außerdem mechanische Einflüsse. Rubbeln Sie Ihre Haut zum Beispiel nach dem Duschen nicht trocken, sondern tupfen Sie nur vorsichtig.

  1. S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“, Stand: Juni 2026, https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Supportivtherapie/Version_2/2026-02-27_Supportive_Therapie_Langversion_2.1.pdf (Abruf: 24.9.2026)
  2. Deutsche Krebshilfe, https://www.krebshilfe.de/informieren/therapie/strahlentherapie-radiotherapie-radiatio/ (Abruf: 24.9.2026)
  3. Deutsches Krebsforschungszentrum (DFKZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/nebenwirkungen-bei-krebs/hautprobleme#c7732 (Abruf: 25.9.2026)
  4. Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e.V. (DEGRO), https://idw-online.de/de/news848928 (Abruf: 25.9.2026)
  5. Irenäus A. Adamietz: Hautpflege bei Bestrahlung, Heilberufe, 7/8 2022, https://www.springerpflege.de/strahlendermatitis/hautpflege-bei-bestrahlung/23227466 (Abruf: 25.9.2026)
  6. Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V., https://www.krebsgesellschaftnrw.de/komplementarmethoden/verbrennung-von-haut-oder-schleimhaut/ (Abruf: 25.9.2026)
  7. Layer JP, Layer K, Glasmacher AR, et al. Pharmazeutische Behandlung der akuten Radiodermatitis in der deutschsprachigen strahlentherapeutischen Gemeinschaft. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft. 2024; 22: 198–209. https://doi.org/10.1111/ddg.15279_g

Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.

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