Szintigraphie - was ist das?

Ingrid Müller

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Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Untersuchung mit radioaktiven Substanzen zur Diagnostik verschiedener Erkrankungen. Auch bei Krebs kommt sie als Knochen- oder Skelettszintigraphie zum Einsatz. Lesen Sie, wie die Methode funktioniert, abläuft und wie lange sie dauert. Außerdem: die wichtigsten Vor- und Nachteile sowie mögliche Nebenwirkungen.

Die Szintigraphie ist ein bildgebendes, nuklearmedizinisches Verfahren, das mit schwach radioaktiven Substanzen arbeitet. Sie kommt in der Diagnostik verschiedener Erkrankungen zum Einsatz, zum Beispiel der Schilddrüse, Nieren, Lunge und Lymphe, aber auch bei Krebs. Als Knochen- oder Skelettszintigraphie kann sie bei Krebserkrankungen Veränderungen des Knochenstoffwechsels und Knochenmetastasen aufdecken, die auf einem Szintigramm sichtbar sind. Krebsabsiedelungen in weiter entfernten Organen können sich bilden, wenn eine Krebserkrankung wie Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs schon weiter fortgeschritten ist.

In der Diagnostik von Krebs und dessen Ausbreitung im Körper spielen neben der Szintigraphie noch andere bildgebende Verfahren eine Rolle, zum Beispiel die Mammographie (bei Brustkrebs), Ultraschall (Sonographie), Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT).

Kurz erklärt:
  • Die Szintigraphie ist eine nuklearmedizinische Methode, die mit schwach radioaktiven Substanzen (Radiopharmaka) funktioniert, zum Beispiel Technetium (Tc-99-m).
  • Radiopharmaka reichern sich im Gewebe an und zeigen die Funktion von Organen sowie Stoffwechselprozesse.
  • Die Szintigraphie kommt zum Beispiel bei Erkrankungen der Schilddrüse, Nieren oder Lunge zum Einsatz, aber auch bei Krebs. Als Skelettszintigraphie kann sie Metastasen in den Knochen aufdecken.
  • Die Untersuchung ist mit einer geringen Strahlenbelastung verbunden.

Was ist eine Szintigrafie?

Die Szintigraphie ist eine Methode aus der Nuklearmedizin, bei der schwach radioaktive Substanzen verwendet werden, sogenannte Radiopharmaka (engl. „Tracer“). Diese geben im Körperinneren schwach radioaktive Strahlung ab, die von einer besonderen Kamera registriert wird. Die Untersuchung ist mit einer Strahlenbelastung verbunden.

Die Szintigraphie kann die Funktion von Organen darstellen, aber auch Stoffwechselprozesse abbilden. Sie kann Vorgänge und Bereiche im Körper sichtbar machen, in denen der Stoffwechsel besonders aktiv ist. So benötigen zum Beispiel Zellen, die sich schnell teilen, viel Energie für ihr Wachstum und ihre Vermehrung. Dazu gehören auch Krebszellen, die einen beschleunigten Stoffwechsel haben und die radioaktive Substanz schneller und stärker anreichern. Daher lassen sich Metastasen in den Knochen durch eine Skelettszintigraphie meist gut erkennen.

Wie funktioniert die Szintigraphie?

Bei einer Szintigraphie wird eine schwach radioaktive Substanz verabreicht, ein Radiopharmakon. Dabei handelt es sich nicht um ein Kontrastmittel, wie es zum Beispiel bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) oft zum Einsatz kommt und die MRT-Bilder aussagekräftiger machen soll.  

Es gibt verschiedene Radiopharmaka. Welches gewählt wird, hängt vom zu untersuchenden Organ oder Gewebe ab. Bei einer Untersuchung der Schilddrüse oder einer Knochenszintigraphie wird meist Technetium (Tc-99-m) als radioaktive Substanz verwendet. Sie kann sich im Schilddrüsengewebe beziehungsweise in erkrankten Knochen anreichern. Auf einem Skelettszintigramm sind veränderten Knochenregionen als dunkle Flecken erkennbar.

Das Radiopharmakon wird vor der Untersuchung in der Regel in die Vene injiziert (intravenös). Es dauert jedoch einige Zeit (manchmal mehrere Stunden), bis sich der Tracer mit dem Blutstrom im Körper verteilt hat. Die radioaktive Substanz reichert sich in Organen und Gewebe an, in denen der Stoffwechsel besonders aktiv ist. Dazu zählen auch Krebszellen, welche die radioaktive Substanz meist stärker speichern und anreichern als gesundes Gewebe.

Eine spezielle Gammakamera nimmt anschließend Bilder auf, bei einer Krebserkrankung zum Beispiel von Skelett und Knochen. Aus der im Körperinneren abgegebenen radioaktiven Strahlung errechnet ein Computer ein sogenanntes Szintigramm, das Ärztinnen und Ärzte auf einem Monitor sehen und auswerten können.

Vom Stadium und der Ausbreitung einer Krebserkrankung hängt wiederum maßgeblich die Krebsbehandlung ab. Die Behandlung lässt sich also dank der Ergebnisse aus der Szintigraphie weiter planen. Auch der Verlauf einer Erkrankung lässt sich kontrollieren – Ärztinnen und Ärzte können sehen, ob eine Person auf die Behandlung gut anspricht und sie ausreichend wirkt.

Nach der Szintigraphie scheidet der Körper die radioaktive Substanz binnen kurzer Zeit wieder aus, in der Regel über die Nieren und den Harn.

Schon gewusst?
  • Die Nuklearmedizin macht man sich auch als Therapie zunutze, zum Beispiel bei der Behandlung von fortgeschrittenem Prostatakrebs oder Schilddrüsentumoren. Auch Knochenmetastasen lassen sich so behandeln und Schmerzen lindern.
  • Das Radiopharmakon wird dabei gezielt zu den Krebszellen transportiert, in diese eingeschleust und gibt dann dort seine Strahlung ab – die Krebszellen sterben ab.

Welcher Arzt führt die Szintigraphie durch?

Bei einer Szintigraphie kommen radioaktive Substanzen zum Einsatz. Daher dürfen nur Fachärztinnen und Fachärzte aus der Nuklearmedizin diese Untersuchung durchführen. Unterstützung erhalten sie von Medizinischen Technologen für Radiologie (MTR). Alle besitzen eine spezielle Ausbildung für den Umgang mit Radiopharmaka. Eine Szintigraphie können Sie ambulant in einer Klinik oder in einer Facharztpraxis für Nuklearmedizin durchführen lassen. Nach der Untersuchung können Sie wieder nach Hause gehen. Ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus ist meist nicht nötig.

Wie läuft die Szintigraphie ab und wie lange dauert sie?

Zunächst erhalten Sie ausführliche Informationen zu dieser Untersuchung. Sie erfahren, wie die Szintigraphie abläuft, welche Risiken bestehen und welche Nebenwirkungen möglich sind. Sie können auch selbst Fragen stellen, wenn Ihnen etwas unklar ist.

Was es vor der Szintigraphie zu beachten gilt und wie Sie sich vorbereiten können:

  • Zur Untersuchung müssen Sie in der Regel nicht nüchtern erscheinen (dies hängt aber vom zu untersuchenden Organ ab). Sie können also meist normal essen und trinken. Fragen Sie aber vorher bei Ihrem nuklearmedizinischen Team nach.
  • Sie müssen vorher alle metallischen Gegenstände ablegen. Dazu zählen zum Beispiel Schmuck wie Ringe, Ketten oder Piercings, Uhren, Gürtelschließen, Geldmünzen, Schlüssel oder Ihr Smartphone. Sie könnten die Bildqualität beeinträchtigen.
  • Zahnprothesen, Implantate oder Herzschrittmacher sprechen nicht gegen eine Szintigraphie und sind kein Ausschlusskriterium (Kontraindikation). Informieren Sie jedoch das Untersuchungsteam vorab darüber.

 

Der Ablauf der Szintigraphie lässt sich ungefähr so beschreiben:

  • Vor der Untersuchung verabreicht das Fachpersonal aus der Nuklearmedizin Ihnen eine radioaktive Substanz, in der Regel über die Vene (intravenös). Danach müssen Sie einige Zeit warten (meist zwei bis drei Stunden), bis sich das Radiopharmakon mit dem Blutstrom im Körper verteilt hat. In dieser Zeit können Sie zum Beispiel einen Spaziergang machen oder essen gehen. Wichtig ist es, nach der Injektion viel zu trinken und häufiger zur Toilette zu gehen, damit sich das Radiopharmakon nicht in der Harnblase anreichern kann und die Strahlenbelastung möglichst niedrig ausfällt.
  • Während der Szintigraphie liegen Sie auf dem Rücken auf einer Liege. Sie sollten möglichst ruhig und entspannt liegen.
  • Über der Liege ist eine Aufnahmevorrichtung mit einer Gammakamera angebracht, die langsam über Ihren Körper fährt und Aufnahmen anfertigt. Sie registriert die Strahlung, welche die radioaktive Substanz im Körperinneren abgibt. Das Radiopharmakon reichert sich in stoffwechselaktiven Bereichen stärker an als in gesundem Gewebe.
  • Daraus errechnet der Computer ein diagnostisches Bild, ein sogenanntes Szintigramm.
  • Die Dauer der Szintigraphie kann verschieden sein, je nach zu untersuchendem Organ oder Gewebe. Meist dauert die Aufnahmezeit zwischen 30 und 60 Minuten, abhängig von der Fragestellung. Dazu kommt die Zeit, bis sich das Radiopharmakon im Körper verteilt hat.

 

Nach der Szintigraphie sollten Sie einige Dinge beachten, rät der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.:

  • Trinken Sie nach der Szintigraphie ausreichend, damit die Blase häufiger entleert und das radioaktive Mittel schneller ausgeschieden wird.
  • Radioaktive Substanzen zerfallen im Körper rasch und werden wieder ausgeschieden. Dennoch sollten Sie vorsichtshalber bis zu zwei Stunden nach dem Ende der Szintigraphie keinen engen körperlichen Kontakt zu Schwangeren, Stillenden und kleinen Kindern haben. Gegenüber anderen Personen sind dagegen keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen nötig.
  • Sie können nach der Szintigraphie normal essen und trinken, sich frei bewegen, Auto fahren (nicht, wenn Sie ein Beruhigungsmittel erhalten haben) oder Arbeiten.

Wann wird die Szintigraphie angewendet und was wird festgestellt?

Die Szintigraphie kommt in der Diagnostik von Funktionsstörungen verschiedener Organe sowie bei Krebserkrankungen zum Einsatz. Einige ausgewählte Beispiele:

  • Skelett- oder Knochenszintigraphie – Veränderungen des Knochenstoffwechsels zur Diagnostik von Knochenmetastasen, zum Beispiel bei Brustkrebs, Prostatakrebs oder Lungenkrebs.
  • Tumoren, Überfunktion oder Unterfunktion der Schilddrüse
  • Durchblutung des Herzens
  • Nierenfunktion
  • Lungenfunktion, z.B. Durchblutung und Belüftung

Welche Vorteile, Nachteile und Risiken besitzt die Szintigraphie?

Ein Vorteil der Szintigraphie ist, dass sie Stoffwechselprozesse sichtbar machen kann und Erkenntnisse liefert, die durch eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie nicht möglich wären. So lassen sich zum Beispiel Metastasen in den Knochen mit höherer Wahrscheinlichkeit aufdecken und dann auch bestmöglich behandeln. Die Untersuchung ist auch für Menschen mit Platzangst geeignet, weil sie im Unterschied zu MRT oder CT nicht in einer engen Röhre stattfindet.

Ein Nachteil der Szintigraphie ist die Strahlenbelastung. Wie hoch sie ist, hängt vom eingesetzten Radiopharmakon und von der untersuchten Körperregion ab.  Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum ist diese jedoch kaum höher als bei einer normalen Röntgenaufnahme und geringer als bei einer Computertomographie. Ihre Schwächen hat die Szintigraphie bei der anatomischen Darstellung von Organen oder Gewebe.

Andere Verfahren mit Radiopharmaka

Eine Alternative zur Szintigraphie könnte die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) sein. Als PET-CT lässt sie sich mit der Computertomographie kombinieren. Sie funktioniert ebenfalls mit radioaktiven Substanzen, die sich in Bereichen mit erhöhter Stoffwechselaktivität anreichern. Die PET liefert dreidimensionale Bilder (Szintigraphie nur zweidimensional) und kann Metastasen bei einer Krebserkrankung noch genauer aufspüren. Allerdings ist die PET vergleichsweise aufwändig, teuer und nicht in allen Kliniken und Facharztpraxen verfügbar. 

Eine weitere Untersuchungsmethode, die mit Radiopharmaka arbeitet, ist SPECT. Die Abkürzung steht für Englisch „Single Photon Emission Computed Tomography“. Der deutsche Begriff ist Einzelphotonen-Tomographie. Sie funktioniert mit rotierenden Kameras und liefert dreidimensionale Schnittbilder. SPECT lässt sich mit der Computertomographie kombinieren (SPECT/CT). Auch hier lassen sich besonders stoffwechselaktive Bereiche des Körpers sichtbar machen.

Welche Nebenwirkungen und Spätfolgen sind bei einer Szintigraphie möglich?

Die Szintigraphie verursacht nur selten Nebenwirkungen, die meist im Zusammenhang mit der Injektion und der jeweiligen radioaktiven Substanz stehen. Mögliche Symptome sind Schmerzen an der Einstichstelle, ein Hitzegefühl, Hautreaktionen wie Juckreiz oder Rötungen, ein metallischer Geschmack oder leichte Übelkeit.

Ein erhöhtes Risiko für Spätfolgen durch die Szintigraphie ließ sich bisher nicht nachweisen. Die Menge an eingesetzten Radiopharmaka ist gering. Im Körper zerfallen die Substanzen schnell und der Organismus scheidet sie wieder aus, meist über den Urin.

Wer übernimmt die Kosten für die Szintigraphie?

Die gesetzlichen Krankenkassen und privaten Krankenversicherung tragen in der Regel die Kosten für die Szintigraphie, wenn Ärztinnen und Ärzte die medizinische Notwendigkeit (Indikation) feststellen. Besprechen Sie dies mit Ihrem Untersuchungsteam und fragen Sie eventuell auch bei Ihrer Krankenkasse oder Krankenversicherung bezüglich der Kostenübernahme nach. Das gilt besonders, wenn eine PET oder SPECT zum Einsatz kommen soll. Diese Untersuchungen sind kein Standard und werden nicht in allen Fällen bezahlt.

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Die Informationen auf dieser Seite können eine professionelle Beratung durch ausgebildete und anerkannte Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen. Auch dienen sie nicht dazu, eigenständig eine Diagnose zu stellen oder eine Therapie einzuleiten.