Eine Krebsdiagose ist für die meisten Menschen ein Schock. Das bisherige Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen. Viele beschreiben, dass ihr privates und berufliches Leben Kopf steht und nichts mehr so ist wie vorher. Die Diagnose Krebs löst aber nicht nur Ängste und Sorgen aus, sondern wirft zusätzlich viele Fragen auf, zum Beispiel: Was bedeutet meine Krebserkrankung? Welche Therapien erwarten mich? Wie werde ich sie verkraften? Werde ich wieder ganz gesund? Wie sieht die Prognose aus? Wie sage ich es meiner Familie und Freunden? Was ist mit meinem Beruf? Diese und andere Fragen lassen sich manchmal nicht sofort beantworten, aber es gibt einige Strategien und Tipps, mit denen Sie besser durch die erste Zeit nach der Krebsdiagnose kommen.
Was ist in den ersten Tagen nach der Krebsdiagnose besonders wichtig?
Besonders wichtig nach der Diagnose ist es, dass Sie sich ausreichend über Ihre Krebserkrankung informieren und sich alles gut erklären lassen. Wenn Sie besser über Ihre Krebsart und die nötigen Krebstherapien Bescheid wissen, kann dies Ängste nehmen. Sie wissen dann besser, was in den nächsten Wochen und Monaten auf Sie zukommen könnte. Fragen Sie nach Broschüren oder Internetseiten, die unabhängige, qualitativ hochwertige und verlässliche Informationen bieten.
Abhängig davon, wer Ihnen die Diagnose übermittelt hat: Lassen Sie sich Adressen und Kontaktdaten von weiteren ärztlichen Ansprechpartnern und Kliniken geben, die auf Ihre Krebserkrankung spezialisiert sind, zum Beispiel auf Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Eierstockkrebs. Denn nach einer Krebsdiagnose können weitere Untersuchungen notwendig sein. Die dortige Krebsspezialistinnen und -spezialisten können auch die Krebstherapien durchführen.
In Deutschland gibt es zertifizierte Krebszentren, zum Beispiel gynäkologische Krebszentren oder Brustzentren. Die Website „Oncomap“ der Deutschen Krebsgesellschaft bietet eine Suche nach Tumorart, Wohnort und Land an. Eine weitere Möglichkeit sind onkologische Spitzenzentren, sogenannte Comprehensive Cancer Centers (CCC), die meist den Universitäten in größeren Städten angegliedert sind.
Atmen Sie nach der Krebsdiagnose erst einmal durch und nehmen Sie sich Zeit für sich, um Ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und Ängste, aber auch Wut oder Aggressionen sind nach einer Krebsdiagnose ganz normal. Versuchen Sie, Dinge zu tun, die Ihnen Freude machen und Energie geben.
Überlegen Sie, wem Sie Ihre Krebsdiagnose mitteilen möchten und wann Sie dies tun. Die meisten sprechen zunächst mit ihren engsten Familienangehörigen wie dem Partner oder der Partnerin, anderen Verwandten oder Freundinnen und Freunden. Gespräche mit vertrauten Menschen können Trost spenden, erleichternd wirken und Verständnis für Ihre Situation bewirken.
Kurz nach einer Krebsdiagnose müssen Sie vermutlich erst einmal ihren Alltag neu organisieren und andere Prioritäten setzen. Denn: Meist stehen viele Gespräche mit Ärztinnen und Ärzten an, in denen sich alles um Ihre Krebserkrankung dreht. Zudem folgen oft weitere Untersuchungen, um zum Beispiel das Stadium und die Aggressivität Ihrer Krebserkrankung noch näher zu bestimmen. Dies ist notwendig, weil die Wahl der Krebsbehandlungen davon abhängt. Es gilt also, sich auf die wichtigen Dinge und die Krebserkrankung zu konzentrieren und normale Alltagsangelegenheiten zu verschieben oder an andere Menschen zu delegieren. Auch wenn Alltagstätigkeiten für manche eine Ablenkung sein können – die meisten Betroffenen haben keinen großen „Kopf“ dafür.
Scheuen Sie sich nicht, Hilfe anzunehmen – Sie müssen nicht alles alleine bewältigen. Die meisten Menschen in Ihrem Umfeld möchten helfen und Sie in der nächsten Zeit und in schwierigen Phasen unterstützen. Für viele gilt das Sprichwort: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Auch eine Selbsthilfegruppe kann bei einer Krebserkrankung Unterstützung bieten.
Wenn Sie berufstätig sind: Bei einer Krebsdiagnose können Sie sich krankschreiben lassen. Dabei erfährt Ihr Arbeitgeber nicht die Diagnose und den Grund für die Krankschreibung, sondern nur, dass Sie arbeitsunfähig sind.
Wie bereite ich mich auf das nächste Arztgespräch vor?
Eine Krebsdiagnose bedeutet, dass viele Informationen auf Sie einstürmen. Die wenigsten Menschen sind selbst Medizinerin oder Mediziner und Sie verstehen vielleicht nicht alles gleich auf Anhieb. Außerdem gerät im Kopf oft vieles durcheinander und mache haben Mühe, sich Dinge zu merken.
Einige Tipps für die nächsten Gespräche mit Ihren Ärztinnen und Ärzten:
- Notieren Sie sich zu Hause Fragen, auf die Sie eine Antwort haben möchten. Schreiben Sie alles auf, was Sie bewegt und denken Sie daran, dass es keine „dummen“ Fragen gibt. Im Gespräch können Sie Ihre Notizen als Gedächtnisstütze nutzen und Sie vergessen nichts.
- Nehmen Sie eine vertraute Person zum Arztgespräch mit. Vier Ohren hören mehr als zwei und die Informationen gehen nicht verloren. Anschließend können Sie sich miteinander austauschen, was Sie gehört und verstanden haben.
- Manchmal verwenden Ärztinnen und Ärzte medizinische Fachbegriffe im Gespräch oder übermitteln die Informationen zu schnell. Fragen Sie immer nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben oder Zusammenhänge unklar sind. Die meisten erklären es gerne nochmal.
- Welchen Krebs habe ich genau?
- Welche weiteren Untersuchungen erwarten mich?
- Welche Behandlungen sind nötig, was bringen sie mir und wie lange dauern sie?
- Gibt es Alternativen dazu?
- Welche Nebenwirkungen können auftreten?
- Wie weit fortgeschritten ist der Krebs?
- Ist er heilbar und wenn nicht – wie stehen meine Überlebenschancen?
- Was kann ich selbst zur Genesung oder zu meinem Wohlempfinden beitragen?
- Wie schnell muss ich mich für oder gegen die vorgeschlagenen Behandlungen entscheiden?
Welche Unterlagen und Informationen sollte ich jetzt sammeln?
Nach einer Krebsdiagnose erhalten Sie viele Dokumente mit Laborergebnissen, Befunden und Berichten. Die Art, das Stadium und die Aggressivität Ihrer Krebserkrankung sind im pathologischen Befund festgehalten. Hier finden sich zudem weitere Informationen über besondere Eigenschaften der Krebszellen. Bei Brustkrebs und Gebärmutterkrebs ist zum Beispiel notiert, ob der Tumor hormonempfindlich ist, also unter dem Einfluss von Hormonen wächst. Dies spielt für die anschließende Therapie eine Rolle.
Einige Tipps, um Ihre Dokumente so zu ordnen, dass Sie jederzeit zugänglich sind und Sie Zugriff darauf haben:
- Lassen Sie sich alle wichtigen Dokumente aushändigen und sammeln Sie diese an einem Ort – dann müssen Sie nicht ständig suchen.
- Sie können die Dokumente analog aufbewahren, zum Beispiel in einer Mappe oder in einem Ordner. Suchen Sie einen Platz dafür, der gut und jederzeit zugänglich ist.
- Inzwischen gibt es auch die Möglichkeit, Dokumente elektronisch zu sammeln und zu hinterlegen, zum Beispiel in einer elektronische Patientenakte (ePA). Diese ePA können Sie auch selbst mit weiteren Informationen bestücken, auf die Ärztinnen und Ärzte Zugriff haben. Scans oder Fotos von Dokumenten können ebenfalls hilfreich sein.
Wer kann mich in dieser Zeit unterstützen?
Nach einer Krebsdiagnose gibt es viele Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten. Zunächst geben Ärztinnen und Ärzte, die die Diagnose gestellt haben, Auskunft. Sie sind die ersten Ansprechpartnerinnen und -partner für die weitere Planung, zum Beispiel zusätzlicher Untersuchungen oder der notwendigen Krebstherapie. Sie können Sie an weitere medizinische Fachpersonen oder an spezialisierte Zentren verweisen, die viel Erfahrung mit der Diagnostik und Therapie Ihrer Krebsart haben. Lassen Sie sich Anlaufstellen und Kontaktdaten nennen.
Bei medizinischen und sozialrechtlichen Fragen können Sie sich auch an Krebsberatungsstellen wenden, zum Beispiel:
- Infonetz Krebs der Deutschen Krebshilfe: Sie erhalten eine persönliche Beratung am Telefon oder per E-Mail.
- Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) – hier gibt es ein Krebstelefon oder die Kontaktmöglichkeit per E-Mail.
- Beratungsstellen der Landeskrebsgesellschaften – suchen Sie nach Ihrem Bundesland.
- Auch die Sozialverbände und die Sozialdienste der Kliniken können meist weiterhelfen.
- Sprechen Sie am besten auch mit Ihrer gesetzlichen Krankenkasse, privaten Krankenversicherung oder Beihilfe. Sie verfügen ebenfalls über viele Informationen, Adressen und bieten Unterstützung nach einer Krebsdiagnose an.
- Vielleicht nehmen Sie Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe auf? In Deutschland gibt es Selbsthilfeorganisationen für die meisten Krebsarten, bei denen Sie Rat und Hilfe finden. Dort treffen Sie auf Gleichbetroffene sowie Fachpersonen, die mit Ihrem Krankheitsbild vertraut sind. Eine Plattform für die Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe finden Sie zum Beispiel bei NAKOS.
- Ärztinnen und Ärzte, die die Diagnose gestellt haben
- Medizinische Fachpersonen in ambulanten Arztpraxen oder in der Klinik
- Psychoonkologie in Klinik
- Krebstelefon, Krebsberatungsstellen
- Krankenkasse / Krankenversicherung / Beihilfe
- Sozialdienste / Sozialverbände
- Selbsthilfegruppen
Muss ich jetzt sofort Entscheidungen treffen?
Krebsarten wie Brustkrebs oder Gebärmutterkrebs sind in der Regel kein akuter Notfall. Sie können sich meist Zeit für Überlegungen nehmen und müssen Ihre Entscheidung nicht überstürzen. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, wie viel Zeit dürfen Sie sich nehmen dürfen, und wann die Behandlung beginnen sollte.
Informieren Sie sich zunächst ausführlich, durchdenken Sie alle Möglichkeiten, sprechen Sie auch mit vertrauten Personen darüber und wägen Sie die Vor- und Nachteile einer Behandlung ab. Wenn Sie sich unsicher bezüglich des Behandlungsvorschlags sind: Scheuen Sie sich nicht, sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.
Auch Ärztinnen und Ärzte brauchen meist einige Zeit, um alle Untersuchungsbefunde zusammenzustellen und die Behandlung zu planen. So sind zum Beispiel in zertifizierten Krebszenten Fachpersonen verschiedener medizinischer Disziplinen in einem sogenannten Tumorboard zusammengeschlossen. In Tumorkonferenzen besprechen sie jeden Fall einzeln und überlegen die bestmögliche Therapie.
Wann ist psychoonkologische oder psychosoziale Hilfe sinnvoll?
Eine Krebsdiagnose betrifft nicht nur den Körper, sondern kann auch die Psyche in einen Ausnahmezustand versetzen. Viele erleben heftige Gefühle wie Ängste, Wut und Verzweiflung. Allerdings geht jeder Mensch anders mit einer solchen Diagnose um.
Manchen tut ein Gespräch mit Angehörigen, Freundinnen, Freunden oder anderen nahestehenden Personen gut. Anderen hilft der Austausch mit Menschen, die an der gleichen Erkrankung leiden und die schon Erfahrungen gesammelt haben, zum Beispiel in einer Selbsthilfegruppe. Andere wiederum ziehen sich erst einmal zurück. Sie versuchen, Ordnung in ihre Gefühle und Gedankenwelt zu bringen, und die Erkrankung zunächst mit sich selbst auszumachen. Wichtig dabei ist: Jeder Weg ist in Ordnung – ist gibt kein „richtig“ oder „falsch“.
Nach einer Krebsdiagnose kann auch professionelle Unterstützung in Form der Psychoonkologie ein wichtiges Angebot sein. Sie beschäftigt sich mit den seelischen Folgen einer Krebserkrankung und kann Ihnen helfen, ihre Krankheit besser zu bewältigen. Psychoonkologisch geschulte Fachpersonen arbeiten zum Beispiel in zertifizierten Krebszentren und onkologischen Spitzenzentren. Das Deutsche Krebsforschungszentrum bietet auf seiner Webseite zudem eine Suche nach ambulanten psychoonkologischen Angebote.
Die Kosten für die psychoonkologische Unterstützung trägt in der Regel die Krankenkasse, Krankenversicherung oder Beihilfe.
FAQs: Erste Schritte nach der Krebsdiagnose
Jeder Mensch handhabt es anders – die einen sprechen sofort mit der Familie und Freunden, die anderen müssen den ersten Schock erst einmal selbst verdauen und warten mit der Nachricht ab. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, sondern erlaubt ist, was Ihnen in diesem Moment am besten hilft.
Ja, Sie haben nach einer Krebsdiagnose ein Recht auf eine ärztliche Zweitmeinung. Die meisten Ärztinnen und Ärzte unterstützen Sie beim Einholen einer zweiten Meinung. Sie stellen alle Untersuchungsergebnisse, Befunde und Berichte zusammen und übermitteln sie an die zweite Fachperson.
Sie können bei Ihren Ärztinnen und Ärzten jederzeit zu einem späteren Zeitpunkt noch nachfragen. Rufen Sie zum Beispiel an, schreiben Sie eine E-Mail mit Ihren Fragen oder vereinbaren Sie einen weiteren Gesprächstermin. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Aufmerksamkeit, Denkfähigkeit und das Gedächtnis in stressigen Situationen wie einem Arztgespräch weniger gut funktionieren.
Wichtige Anlaufstellen sind die Beratungsstellen der Landeskrebsgesellschaften, die in jedem Bundesland in Deutschland angesiedelt sind. Wenden Sie sich entweder an die Dachorganisation – die Deutsche Krebsgesellschaft – oder suchen Sie im Internet nach einer Beratungsstelle in Ihrem Bundesland.
Es gibt nicht den einen oder richtigen Zeitpunkt, zu dem psychoonkologische Hilfe besonders wichtig ist. Vielmehr kann psychoonkologische Unterstützung in jeder Phase einer Krebserkrankung sinnvoll sein. Das gilt selbst, wenn die Krebsbehandlungen schon abgeschlossen sind. Manche kommen erst nach längerer Zeit dazu, sich mit Ihren Gefühlen zu beschäftigen und sie zu reflektieren.
Dann sollten Sie sich umgehend psychoonkologische Unterstützung suchen. Professionelle Fachpersonen helfen Ihnen dabei, mit Ihren Ängsten und Ihrer Krebserkrankung besser umzugehen.
- Krebsliga Schweiz, https://shop.krebsliga.ch/files/kls/webshop/PDFs/deutsch/informationsblatt-diagnose-krebs-014401902121.pdf (Abruf: 27.5.2026)
- Deutsche Krebshilfe, https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/diagnose-krebs-wie-geht-es-weiter/ (Abruf: 27.5.2026)
- Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/diagnose-krebs-erste-schritte und https://www.krebsinformationsdienst.de/fileadmin/pdf-dateien/broschueren/broschuere-krebs-ihr-weg.pdf?m=1656325207& (Abruf: 28.5.2026)
NP-DE-AOU-WCNT-260011 (06/26)
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