Hormonersatztherapie in den Wechseljahren bei BRCA-Mutation – kein erhöhtes Brustkrebsrisiko

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Eine Hormonersatztherapie nach der Menopause bedeutet kein erhöhtes Risiko für Trägerinnen einer BRCA1- oder BRCA-2-Mutation, an Brustkrebs zu erkranken. Dies ergab eine aktuelle Studie. 

Eine Mutation im BRCA1- oder BRCA-2-Gen bedeutet ein erhöhtes Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Bislang war es nicht ganz klar, ob eine Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren für Frauen mit einer krankheitsauslösenden BRCA-Mutation in Frage kommt. Eine neue Studie aus Kanada brachte jetzt mehr Licht in diese Frage: Die HRT in den Wechseljahren bedeutet kein höheres Brustkrebsrisiko. Die Studienergebnisse der Forschungsgruppe um Prof. Joanne Kotsopoulos wurden auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) im Dezember 2025 vorgestellt. Sie ist Wissenschaftlerin am Women’s College Hospital Research and Innovation Institute und Professorin an der Dalla Lana School of Public Health der University of Toronto. 

Normalerweise lassen sich Wechseljahresbeschwerden mit Hilfe einer Hormonersatztherapie (HRT) lindern. Allerdings möchten viele Frauen keine künstlichen Hormone einnehmen, weil sie die HRT als zu unsicher empfinden. „Stattdessen ertragen Frauen die lästigen Symptome lieber“, weiß  Studienleiterin Kotsopoulos.  

Studienergebnisse kurzgefasst: 

  • Eine Hormonersatztherapie (HRT)  in den Wechseljahren bedeutet für BRCA-Trägerinnen kein erhöhtes Brustkrebsrisiko. 
  • In der Gruppe der HRT-Anwenderinnen gab es weniger Brustkrebsfälle als bei Frauen, die keine künstlichen Hormone anwendeten.  
  • Das Brustkrebsrisiko senken konnten vor allem Östrogene allein sowie konjugiertes Östrogen und Bazedoxifen. 
  • Bei einer BRCA-Mutation sollten sich Frauen individuell zum Management von Wechseljahresbeschwerden beraten lassen.  

Zurückhaltung bei Hormonen in den Wechseljahren

Bei einer BRCA-Mutation sind intensivierte Früherkennungsmaßnahmen, aber auch vorbeugende (prophylaktische) Operationen eine Möglichkeit, um das Risiko für den Ausbruch von Brust- und Eierstockkrebs zu senken. Ärztinnen und Ärzte entfernen im Rahmen dieser risikoreduzierenden OP beide Brüste sowie die Eierstöcke und Eileiter. In den Eierstöcken werden jedoch Östrogene produziert. Nach deren Entfernung werden Frauen deshalb frühzeitig und schlagartig in die Wechseljahre katapultiert. Diese Phase kann, wie bei allen Frauen, mit Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, depressiven Verstimmungen oder Schlafstörungen einhergehen.  

Die Zurückhaltung vieler Frauen bei der HRT beruht oft auf Fehlinformationen. Einige frühere Studien ließen vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen der HRT und einem erhöhten Brustkrebsrisiko gibt.  Allerdings wurden diese Untersuchungen mit Frauen aus der Allgemeinbevölkerung ohne eine BRCA-Mutation durchgeführt, sodass die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf diese spezielle Gruppe übertragbar sind.   

 „Wir können jungen Frauen aber nicht einfach eine einschneidende Operation wie die Eierstockentfernung empfehlen, ohne ihnen einen Weg zu zeigen, wie sie mit den kurz- und langfristigen Nebenwirkungen umgehen können. Eine dieser unerwünschten Wirkungen sind die chirurgisch ausgelösten Wechseljahre.“  

Künstliche Hormone führen zu weniger Brustkrebsfällen

Die Forschungsgruppe führte daher eine Beobachtungsstudie durch. Sie analysierte die Daten von Frauen, die sich in der Menopause (Zeit nach der letzten Menstruation) befanden, die meist durch eine Operation ausgelöst worden war. Zunächst wurde erfasst, ob diese Frauen eine HRT anwendeten oder nicht. Ausgeschlossen wurden Frauen mit einer früheren Krebserkrankung, nach einer beidseitigen Brustentfernung (Mastektomie) sowie Frauen, die sich nicht in den Wechseljahren befanden.  

Insgesamt stellten die Forschenden 676 Frauenpaare zusammen – jeweils eine Frau mit und eine ohne HRT. Bei der Hormonersatztherapie kamen verschiedene Formen zum Einsatz: Östrogen allein, Progesteron allein, Östrogen und Progesteron in Kombination, Tibolon oder konjugiertes Östrogen und Bazedoxifen. Ein Teil der Frauen hatte eine BRCA1-Mutation, die anderen ein krankhaft verändertes BRCA2-Gen. Auch das Geburtsjahr und das Alter beim Eintritt in die Menopause spielten bei der „Paarfindung“ eine Rolle. Die Teilnehmerinnen waren zwischen 22 und 76 Jahre alt (Durchschnittsalter 43,8 Jahre). Sie wurden im Schnitt über 5,6 Jahre ab dem Start der HRT-Anwendung beobachtet.  

Die wichtigsten Ergebnisse: 

  • In der Gruppe der HRT-Anwenderinnen gab es deutlich weniger Brustkrebsfälle: 87 Frauen gegenüber 128 Frauen in der Gruppe, die keine künstlichen Hormone einnahmen. 
  • Keine deutlichen Unterschiede gab es bei der Art der BRCA-Mutation. Es spielte also keine Rolle, ob ein verändertes BRCA1 oder BRCA2 vorlag. Dies sei ein Hinweis, der die Sicherheit der HRT für Trägerinnen einer BRCA-Mutation unterstreiche, schreibt das Forschungsteam. Die Form der angewendeten Hormone hatte in der Mehrzahl der Fälle keinen Einfluss auf das  Brustkrebsrisiko. Sie erhöhten die Erkrankungsgefahr nicht, senkten sie aber auch nicht – es gab jedoch zwei Ausnahmen.   
  • Zwei HRT-Arten waren mit einem niedrigeren Brustkrebsrisiko verbunden. So hatten Frauen, die nur Östrogene anwendeten, ein 63 Prozent niedrigeres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken als Frauen, die keine Hormone einnahmen. 43 Frauen wendeten in der Studie konjugiertes Östrogen und Bazedoxifen an – keine davon erkrankte an Brustkrebs. 

 

„Auch wenn es sich dabei um eine kleine Anzahl von Frauen handelt – dies ist ein interessantes Forschungsgebiet für die Zukunft“, sagt Kotsopoulos. „Womöglich könnten konjugiertes Östrogen und Bazedoxifen eingesetzt werden, um das Brustkrebsrisiko durch den Verzicht auf Progesteron zu vermindern. Vermutlich ist Progesteron die Komponente der HRT, die mit dem erhöhten Brustkrebsrisiko verknüpft ist. Es sind aber weitere Studien nötig, um diese Hypothese zu überprüfen“, so die Forscherin weiter.  

Einige Faktoren schränkten der Forschungsgruppe zufolge die Aussagekraft der Studienergebnisse ein. Dazu gehören die kleine Anzahl an Teilnehmerinnen in manchen Untergruppen (z.B. Frauen mit einer BRCA-Mutation) sowie die vergleichsweise kurze Beobachtungszeit von 5,6 Jahren. 

Individuelle Beratung zur HRT bei BRCA-Mutation ratsam

Ärztinnen und Ärzte sollten jede Frau mit einer BRCA-Mutation individuell zum Management ihrer Wechseljahresbeschwerden beraten, wenn sie nach einer Operation unter unangenehmen Symptomen leiden. „Um die Nebenwirkungen nach der Entfernung der Eierstöcke bei Frauen mit BRCA-Mutation sicher zu managen, brauchen wird zukünftig Daten aus gut designten Beobachtungsstudien. Diese sollten die Anwendung der HRT bei dieser besonderen Bevölkerungsgruppe gemäß ihrer Genetik abbilden“, sagt Kotsopoulos. 

  1. Kotsopoulos J. et al. Menopausal Hormone Therapy and the Risk of Breast Cancer in Women with a Pathogenic Variant in BRCA1 or BRCA2, SABCS 2025, #GS3-01, abgerufen am 19.1.2026
  2. San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS), Third general session features supportive interventions for surviors menopausal hormone analysis and more, abgerufen am 19.1.2026 
  3. ASCO, December 2025, Menopausal hormone therapy not associated with increased breast cancer risk, abgerufen am 19.1.2026
  4. Eurekalert, new releases, 1109221, abgerufen am 19.1.2026
  5. Breastcancer.org, News, SABCS 2025 highlights, abgerufen am 19.1.2026

Mit freundlicher Unterstützung von MSD Sharp & Dohme und AstraZeneca

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