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Der triple-negative ­Brustkrebs

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Behandlungsoptionen bei der fortgeschrittenen Erkrankung

Der triple-negative, also dreifach-negative Tumor hat weder HER2-, noch Östrogen- oder Progesteronrezeptoren. Das bedeutet, dass es wenig Angriffspunkte gibt, um ihn zu behandeln. Während er lange Zeit als schlecht therapierbar galt, gibt es nun erste Ansätze, die Hoffnung machen. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke, stellvertretende Klinikdirektorin der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum der Charité-Universitätsmedizin Berlin über die verschiedenen Therapieoptionen.

Mamma Mia!: Frau Prof. Kolberg-Liedtke, wie häufig ist der triple-negative Brustkrebs? Gibt es Patientengruppen, in denen er besonders häufig vorkommt?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Das triple-negative Mammakarzinom betrifft etwa 10 bis 15 Prozent aller Patientinnen, bei denen Brustkrebs diagnostiziert wird. Dies ist aber lediglich ein Durchschnittswert – in der Tat gibt es beispielsweise eine deutliche Altersabhängigkeit. Dies bedeutet, dass insbesondere jüngere Patientinnen eher an einem triple-negativen Brustkrebs erkranken, bei älteren Patientinnen ist diese Brustkrebsform verhältnismäßig selten. Darüber hinaus besteht ein enger Zusammenhang zwischen dem triple-negativen Brustkrebs und Mutationen des BRCA1-Gens. Patientinnen mit Mutationen des BRCA1-Gens erkranken sehr häufig an einem triple-negativen Brustkrebs.

Mamma Mia!: Wenn die Krankheit einer Frau mit einem triple-negativen Tumor fortschreitet – wie gehen Sie dann bezüglich der Therapiewahl vor?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Gerade in der metastasierten Situation sind neue Substanzen besonders wichtig. Viele Patientinnen mit Metastasen sind bereits mit den gängigen Chemotherapien vortherapiert worden und weisen entsprechende Resistenzen auf. Vielversprechend beim metastasierten triple-negativen Brustkrebs sind Medikamente, welche in die Wechselwirkung zwischen dem Immunsystem und den Tumorzellen eingreifen. Ihren Wirkmechanismus kann man sich so vorstellen, dass sie den Tumor gegenüber dem Immunsystem bloßlegen, so dass das Immunsystem die Tumorzellen erfolgreich abtöten kann. Auf diese Medikamente, die auch als „Checkpoint-Inhibitoren“ bezeichnet werden und zu denen beispielsweise Hemmer der Eiweiße PD1 und/oder PD-L1 gehören, werden derzeit große Hoffnungen gesetzt. Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) im Herbst 2018 wurden beispielsweise positive Daten der Impassion130-Studie vorgestellt. Hierbei handelt es sich um eine Phase-III-Studie. Bei insgesamt 902 Patienten mit einem metastasierten triple-negativen Brustkrebs wurde in der ersten Therapielinie die Gabe von nab-Paclitaxel alleine (451 Patientinnen) mit der Gabe von nab-Paclitaxel in Kombination mit Atezolizumab (451 Patientinnen), einem so genannten Checkpoint-Inhibitor, miteinander verglichen. In der präsentierten ersten Zwischenauswertung des Gesamtüberlebens der Studienpatientinnen ergab sich bei den PDL-1-positiven Patientinnen eine signifikante Verlängerung des mittleren Gesamtüberlebens um beachtenswerte zehn Monate. Somit ist die Impassion130-Studie die erste Phase-III-Studie, die eine relevante Wirksamkeit der Immuntherapie bei einer speziellen Untergruppe von triple-negativen Brustkrebspatientinnen in der metastasierten Situation zeigen konnte. Diese Therapie wird nach ihrer Zulassung sicherlich einen neuen Standard für diese Patientengruppe darstellen.

Mamma Mia!: Heißt das, dass vom Zeitpunkt der Zulassung an alle Patientinnen auf eine PDL-1-Expression getestet werden sollten und wenn ja, wann ist hierfür der beste Zeitpunkt?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Ja, aufgrund des guten Ansprechens dieser Tumorart auf den Checkpoint-Inhibitor sollten wir dann alle Frauen mit einem triple-negativen, metastasierten Brustkrebs testen und zwar möglichst mit Auftreten der ersten Metastasen. Sollten weitere Studien zeigen, dass Checkpoint-Inhibitoren auch bei der frühen triple-negativen Brustkrebserkrankung Vorteile für die Patientinnen bringen, könnte sich der Zeitpunkt der Testung auch nach vorne verlagern.

Mamma Mia!: Sollten Frauen mit triple-negativem Brustkrebs nicht auch auf eine Genmutation getestet werden?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Ja, das ist richtig, die Empfehlung lautet, dass allen Frauen mit einem triple-negativen Tumor und einem Alter bis zu 50 bis 60 Jahren die Testung angeboten werden sollte. Mit der Zulassung so genannter PARP-Inhibitoren gibt es für Frauen mit einer BRCA1/2-Mutation eine zielgerichtete, sehr wirksame Therapieoption. Je älter die Patientin mit triple-negativem Brustkrebs ist, desto zurückhaltender sollte eine Testung empfohlen werden. Auch ist die Größe der Familie zur Beurteilung des familiären Risikos hier nicht unerheblich: Erkrankt eine Frau als einzige innerhalb einer großen Familie an Brustkrebs, so ist die Wahrscheinlichkeit einer Mutation geringer als bei einer Frau, die in einer kleinen Familie an Brustkrebs erkrankt.

Mamma Mia!: Gibt es weitere zielgerichtete Substanzen, die bei diesem Tumortyp interessant sein könnten?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Beim Kongress der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie (ASCO) im Juni 2018 wurden Daten einer Studie mit dem Wirkstoff „Ipatasertib“ vorgestellt. Das ist eine Substanz aus der neuen Gruppe der AKT-Inhibitoren. Veränderungen des AKT-Signalweges findet man in vielen Tumoren und insbesondere beim triple-negativen Brustkrebs. In der so genannten LOTUS-Studie wurde eine Therapie mit Paclitaxel alleine versus Paclitaxel mit Ipatasertib verglichen. Eingeschlossen wurden Patientinnen mit metastasiertem, nicht-vorbehandeltem Mammakarzinom (so genannte „erste Therapielinie“). In dieser Phase-II-Studie zeigte sich eine mittlere Überlebenszeit von 23,1 Monaten im Vergleich zu 18,4 Monaten. Wenn die verschiedenen Bestandteile des PIK3CA/AKT1/PTEN-Signalwegs im Tumorgewebe bestimmt wurden, zeigte sich ein besonderes Ansprechen bei den Tumoren, die Veränderungen im Signalweg aufwiesen. Weitere Studien zur Bestätigung dieser frühen Daten sind erforderlich.

Mamma Mia!: Laufen zurzeit Studien zum triple-negativen Brustkrebs?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Ja, insbesondere zum Einsatz der oben genannten Checkpoint-Inhibitoren aber auch der PARP-Hemmer laufen weitere Studien. Daher ist es wichtig, dass Patientinnen mit triple-negativem Brustkrebs ihre(n) behandelnde(n) Arzt/Ärztin ansprechen, ob an diesem oder einem anderen Zentrum in der Nähe entsprechende Studien angeboten werden.

Mamma Mia!: Etwa sechs Prozent der triple-negativen Tumoren verfügen über Androgen-Rezeptoren. Androgenhemmer stehen aus der Prostatakrebsbehandlung bereits zur Verfügung. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass die Patientinnen mit Androgen-Rezeptoren von diesen Medikamenten profitieren könnten. Was ist Ihre Meinung? Wären Androgenhemmer aufgrund des günstigen Nebenwirkungsprofils bei Vorhandensein von Androgen-Rezeptoren vielleicht eine Therapieoption?

Prof. Dr. Cornelia Kolberg-Liedtke: Die Daten zu den so genannten Anti-Androgenen sind sehr vielversprechend – nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass hier schon Medikamente auf dem Markt sind, auch wenn diese bislang nicht zur Brustkrebsbehandlung zugelassen sind. Einerseits gibt es in Bezug auf antiandrogene Therapien noch viele offene Fragen: Wir wissen beispielsweise nicht, ab welcher Androgen-Rezeptor-Dichte pro Tumorzelle ein Einsatz sinnvoll ist. Andererseits gibt es sicherlich Patientinnen mit fortgeschrittener Erkrankungen und sehr Chemotherapie-resistenter Erkrankung, in der diese Therapie in Erwägung gezogen werden kann. Grundsätzlich sollte aber versucht werden, dies im Rahmen von Studien zu tun. a es

Kontakt

Prof. Dr. med. Cornelia Kolberg-Liedtke
Stellvertretende Klinikdirektorin
Gynäkologie mit Brustzentrum
Charité-Universitätsmedizin Berlin
– Campus Charité Mitte –
Charitéplatz 1
10117 Berlin
E-Mail: cornelia.liedtke@charite.de

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