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Kinderwunsch mit BRCA-Mutation

Redaktion Mamma Mia! im Auftrag von AstraZeneca und MSD Sharp & Dohme

Kinderwunsch mit BRCA-Mutation
© iStock / NataliaDeriabina
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Erblich bedingter Brustkrebs, zum Beispiel aufgrund einer BRCA-Mutation, wird oft bei jüngeren Frauen festgestellt. Viele betroffene Frauen haben ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen und wünschen sich Kinder. Lesen Sie, welche Möglichkeiten es bei einem Kinderwunsch gibt.

Eine BRCA-Mutation wird oft schon in jungen Jahren festgestellt – entweder bei gesunden Ratsuchenden oder bei bereits an Brustkrebs erkrankten Frauen – und damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Familienplanung oft noch nicht abgeschlossen ist. Welche Möglichkeiten gesunde Ratsuchende oder an Brustkrebs erkrankte Frauen haben, trotz einer BRCA-Mutation schwanger und schließlich Mutter zu werden, erfahren Sie hier.

Wird die Fruchtbarkeit beeinflusst?

Ob sich eine BRCA-Mutation direkt auf die Fruchtbarkeit auswirkt, ist noch nicht genau erforscht. Studien deuten aber darauf hin, dass die Eizellreserve bei einer BRCA-Mutation – unabhängig davon, ob eine Krebserkrankung vorliegt – vorzeitig erschöpft sein könnte. Unter diesen Umständen wird eine Schwangerschaft erschwert. An den Zusammenhängen zwischen BRCA-Mutation und Fruchtbarkeit wird aber weiter geforscht, zum Beispiel in der sogenannten BRCA-F-Studie. Diese untersucht, ob sich die Fruchtbarkeit durch ein Lebensstil-Interventionsprogramm positiv beeinflussen lässt.

Nach einer Brustkrebserkrankung scheint eine Schwangerschaft auch bei Trägerinnen einer BRCA-Mutation nicht unmöglich zu sein, wie weltweite Studie mit mehr als 4.700 Betroffenen zeigt.

Ergebnisse der Studie kurz zusammengefasst:

    • 1 von 5 Frauen wurde innerhalb von 10 Jahren nach der Brustkrebsdiagnose schwanger. Im Schnitt vergingen 3,5 Jahre, bis die Schwangerschaft eintrat.
    • Eine Schwangerschaft war nicht mit erhöhten Komplikationen verbunden; weder für den Fötus noch hinsichtlich der Prognose der Krebserkrankung der Mutter.

Verminderte Fruchtbarkeit

Bei Frauen mit einer BRCA-Mutation kann die vorbeugende (prophylaktische) chirurgische Entfernung der Eierstöcke und Eileiter das Risiko für Eierstockkrebs entscheidend senken. Eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ist damit jedoch ausgeschlossen. Entscheiden Sie sich für diesen Eingriff, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt den richtigen Zeitpunkt besprechen, auch wenn bei Ihnen ein Kinderwunsch vorliegt.

Eine Schwangerschaft ist oft während oder nach einer Brustkrebserkrankung möglich. Allerdings können bestimmte Krebstherapien wie eine Chemotherapie die Fruchtbarkeit einschränken und so die Möglichkeit einer Schwangerschaft beeinflussen. Da Chemotherapeutika Zellen angreifen, die sich schnell teilen, töten sie nicht nur Krebszellen ab, sondern greifen auch Keimzellen, also die Eizellen, an. Wie stark dieser Effekt ist, hängt von der Art und der Dosis des eingesetzten Chemotherapeutikums ab – manche sind stärker fertilitätsschädigend als andere.

Auch das Alter nimmt Einfluss auf die Fruchtbarkeit: Je älter eine Frau bei einer Chemotherapie ist, desto höher ist das Risiko, dass sie aufgrund der Medikamente unfruchtbar wird. Mit zunehmendem Alter stehen bei jeder Frau immer weniger Eizellen zur Verfügung und eine Chemotherapie verringert diese Zahl zusätzlich. Auch eine Strahlentherapie, die die Eierstöcke erfasst, kann die Fruchtbarkeit einschränken. Inzwischen ist es jedoch möglich, die Fruchtbarkeit trotzdem zu erhalten.

Eine wichtige Anlaufstelle bei einer Krebserkrankung und Kinderwunsch ist das FertiPROTEKT Netzwerk e.V. Die Organisation berät Personen vor und nach einer Chemo- und Strahlentherapie über individuell geeignete Behandlungsmöglichkeiten zum Erhalt der Fruchtbarkeit.

Möglichkeiten zum Fruchtbarkeitserhalt

Vorab einige Tipps bei Kinderwunsch:

  • Sagen Sie Ihrem Behandlungsteam vor dem Beginn der Krebstherapie, dass Sie einen Kinderwunsch hegen. Dann kann die Behandlung dementsprechend geplant werden.
  • Lassen Sie sich beraten, welche fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen in Ihrem Fall möglich sind. Ärztinnen und Ärzte können diese Maßnahmen in den Behandlungsplan mit einbeziehen und schon vorab einleiten.

Um die Fruchtbarkeit zu erhalten und eine spätere Schwangerschaft zu ermöglichen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Eierstöcke schützen

Während einer Chemotherapie können die Eierstöcke mit bestimmten Medikamenten „ruhiggestellt“ werden. Eizellen brauchen Hormone, damit sie heranreifen können. Fehlen diese, verharren die Eizellen in einem unreifen Stadium, was sie weniger anfällig für Zytostatika machen soll. Ein solcher Hormonmangel wird künstlich durch Medikamente ausgelöst und ist auch in Kombination mit der Entnahme von Eizellen oder Eierstockgewebe und anschließender Kryokonservierung möglich.

Eierstöcke stimulieren – Eizellen gewinnen

Durch eine kurze hormonelle Behandlung lässt sich die Eizellreifung in den Eierstöcken anregen. Diese hormonelle Stimulation ist immer vor der Entnahme von Eizellen nötig. Anschließend werden die Eizellen mit einer feinen Nadel gewonnen. Nach der Chemotherapie ist dann eine künstliche Befruchtung (In-vitro-Fertilisation, IVF) möglich.

Kryokonservierung

Vor dem Beginn der Krebsbehandlung werden Eizellen entnommen und in flüssigem Stickstoff tiefgefroren. So lassen sie sich über längere Zeit aufbewahren. Zu einem späteren Zeitpunkt können Ärztinnen und Ärzte eine künstliche Befruchtung im Labor durchführen. Auch Eierstockgewebe lässt sich entnehmen und einfrieren. Es wird später wieder zurück verpflanzt.

Social Freezing

Der englische Begriff „Social Freezing“ bedeutet, dass sich Frauen vorsorglich und ohne medizinischen Grund unbefruchtete Eizellen entnehmen und einfrieren lassen. So können sie bei einem Kinderwunsch zu einem späteren Zeitpunkt schwanger werden. Die Krankenkassen tragen aber die Kosten für das Social Freezing nicht.

Fruchtbarkeitserhalt: Was bezahlt die Krankenkasse bei Frauen?
    • Beratung durch einen Spezialisten oder eine Spezialistin aus dem Fachgebiet der Fruchtbarkeitsmedizin
    • Laboruntersuchungen auf Infektionen – innerhalb von drei Monaten vor der Zellentnahme
    • Hormonelle Stimulationsbehandlung – ab 18 Jahren
    • Bestimmung der Hormonspiegel
    • Ultraschalluntersuchungen
    • Entnahme von Eizellen oder Eierstockgewebe
    • Einfrieren (Kryokonservierung) inklusive Lagerung der Eizellen oder von Eierstockgewebe

Präimplantationsdiagnostik

Bei der Präimplantationsdiagnostik (PID) wird ein Embryo nach einer künstlichen Befruchtung zunächst genetisch untersucht, bevor er in die Gebärmutter übertragen wird. Ärztinnen und Ärzte können dadurch herausfinden, ob der Embryo zum Beispiel eine BRCA-Mutation vererbt bekommen hat. In Deutschland ist die PID nach dem Präimplantationsgesetz nur in sehr engen Grenzen erlaubt:

  • Wenn ein hohes Risiko für eine schwerwiegende oder nicht heilbare Erbkrankheit oder
  • eine kindliche Schädigung zu erwarten ist.

 

In anderen Ländern, etwa in Großbritannien oder Belgien, wurde die PID zur Untersuchung eines Embryos auf eine krankmachende BRCA-Mutation dagegen schon häufiger durchgeführt. Übertragen wurden nur gesunde Embryos ohne „Brustkrebs-Gen“.

Eine PID ist nur in speziell zugelassenen Kinderwunschzentren möglich. Wichtig sind Fachleute aus der Humangenetik und vor allem die Ethikkommission, bei der ein Antrag zu stellen ist. Das Gremium entscheidet im Einzelfall. Die Kosten dafür tragen die Krankenkassen nicht.

  1. Klinikum rechts der Isar Technische Universität München. LIBRE Studie, abgerufen am 06.06.24
  2. Lambertini M et al., JAMA 2024;331(1):49-59
  3. Deutsche Krebshilfe & Deutsche Krebsgesellschaft. Kinderwunsch und Krebs, abgerufen am 06.06.24
  4. FertiPROTEKT, 06.06.24
  5. Deutsches Krebsforschungszentrum in der Helmholtz-Gemeinschaft. Kinderwunsch: Was nach Krebs möglich ist, abgerufen am 06.06.24
  6. Asklepios Klinik Uckermark. Erhalt der Eierstockfunktion bei Chemo- und Strahlentherapie, abgerufen am 06.06.24
  7. Gemeinsamer Bundesausschuss. Krykonservierung von Eierstockgewebe wird Kassenleistung, abgerufen am 06.06.24
  8. BRCA-Netzwerk e. V. Familienplanung und Risikomutation, abgerufen am 06.06.24
  9. Friedrich Ebert Stiftung. Präimplantationsdiagnostik – ein Ländervergleich, abgerufen am 06.06.24

DE-71756/2024

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