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Chemotherapie bei Brustkrebs: Nebenwirkungen und Spätfolgen

Redaktion Mamma Mia!

Chemotherapie Nebenwirkungen Haarausfall
© iStock / Doucefleur
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Eine Chemotherapie bei Brustkrebs kann einige Nebenwirkungen und Spätfolgen verursachen. Eine Übersicht über die häufigsten unerwünschten Wirkungen von Zytostatika und was sich dagegen tun lässt.

Die Chemotherapie bei Brustkrebs nutzt Medikamente, die im gesamten Körper (systemisch) wirken. Zytostatika richten sich gezielt gegen Zellen, die sich schnell teilen und vermehren. Dazu gehören Krebszellen, aber auch gesunde Zellen des Körpers. Beispiele sind die Zellen der Haarwurzeln, Schleimhäute (zum Beispiel im Mund oder Magen-Darm-Trakt) oder des blutbildenden Systems im Knochenmark. Diese Zellen haben eine hohe Teilungsrate und die Chemotherapie greift auch sie an. Deswegen haben viele Frauen mit Brustkrebs bei einer Chemo mit verschiedenen Nebenwirkungen zu kämpfen. Auch Spätfolgen aufgrund der Medikamente sind möglich.

Zytostatika können verschiedene Nebenwirkungen an unterschiedlichen Organen und Geweben hervorrufen. Auch kann eine Chemo die Psyche belasten und die Lebensqualität schmälern. Wichtig ist: Es müssen nicht alle unerwünschten Wirkungen bei einer Frau auftreten und auch nicht in der gleichen Intensität. Die Nebenwirkungen hängen außerdem entscheidend von der Art der eingesetzten Zytostatika, ihrer Dosierung und der Anzahl der Behandlungszyklen ab. Die wichtigsten Nebenwirkungen im Überblick.

Übelkeit und Erbrechen durch Zytostatika

Übelkeit und Erbrechen können die Begleiter einer Chemotherapie sein. Manche Zytostatika rufen stärkere Übelkeit hervor als andere. Auch Appetitlosigkeit und Schluckbeschwerden können vorkommen. 

Gegen Übelkeit und Erbrechen gibt es Medikamente, sogenannte Antiemetika, die beides verhindern oder zumindest dämpfen. Sie wirken direkt auf das Brechzentrum im Gehirn. Meist erhalten Sie schon vor dem Beginn der Chemotherapie entsprechende Medikamente. Anschließend bekommen Sie Tabletten für zu Hause. Sie können die Arzneien je nach Bedarf einnehmen.

Haarausfall durch die Chemo

Der Haarverlust ist wohl die bekannteste Nebenwirkung der Chemotherapie, die fast alle Menschen mit dieser Behandlung verbinden. Durch den Haarausfall wird die Krebserkrankung oft erst für andere sichtbar. Die Chemotherapie greift die Haarwurzelzellen an und lässt die Haare ausfallen.

Es gibt Versuche, dem Haarausfall mit einer Kühlhaube (oder Kühlkappe und unter Druck auf die Kopfhaut) während der Chemotherapie entgegenzusteuern. Die Kälte soll die Durchblutung der Kopfhaut drosseln und dafür sorgen, dass weniger Zytostatika zu den Haarwurzeln gelangen. Dies soll den Haarverlust in Grenzen halten. Die Wirksamkeit von Kühlhauben ist jedoch noch nicht ausreichend belegt. Manche onkologischen Praxen bieten die Methode an.

Der Haarverlust lässt sich auch mit einer Perücke, Mützen, Schals oder Tüchern kaschieren. Auch ganz ohne eine Kopfbedeckung auszukommen, ist übrigens eine Möglichkeit. Nach dem Ende der Chemotherapie wachsen die Haare wieder nach, manchmal ein bisschen anders als zuvor.

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Hautausschlag und Mundschleimhautentzündungen

Hautzellen gehören zu den Zellen, die sich schnell teilen. Die menschliche Haut erneuert sich ungefähr alle 28 Tage. Auch Schleimhautzellen teilen sich rasch, etwa in der Mundschleimhaut. Bei Hautausschlägen können lokal angewendete Salben und Cremes helfen. Gegen Entzündungen im Mund gibt es zum Beispiel entzündungshemmende, betäubende oder desinfizierende Mundspülungen. Wichtig ist es, Infektionen zu vermeiden. Fragen Sie Ihr Behandlungsteam, welches Mittel sich für Sie eignet.

Nagelveränderungen

Nagelveränderungen kommen im Rahmen der Krebstherapie oft vor. Die Nägel können ihre Farbe durch Chemotherapeutika verändern. Cyclophosphamid lässt zum Beispiel die Nägel schwarz werden, Taxane dagegen verfärben sie orange. Zudem können die Nägel Furchen und Rillen bekommen. Dann werden sie brüchig und splittern leicht. Der Nagel kann sich außerdem vom Nagelbett ablösen, was schmerzhaft sein kann. Viele Nagelveränderungen bilden sich nach dem Ende der Krebsbehandlung wieder zurück.

Einige Tipps zum Nagelschutz:

  • Strapazieren Sie Ihre Nägel möglichst wenig mechanisch. Verzichten Sie auf übermäßige Maniküre, künstliche Nägel, Entfernen der Nagelhaut und drückendes Schuhwerk.
  • Schützen Sie Ihre Nägel vor Wasser. Tragen Sie zum Beispiel beim Geschirrspülen Baumwollhandschuhe und darüber Schutzhandschuhe auf Vinylbasis.
  • Wenden Sie keine Nagellackentferner und Reinigungsmittel an, die Aceton enthalten – sie greifen die Nägel an.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Nagelpflege. Schneiden Sie Ihre Nägel möglichst gerade und nicht zu kurz.

Chemotherapie und Durchfall

Die Chemotherapie attackiert auch die Schleimhautzellen im Magen-Darm-Trakt – Durchfall kann die Folge sein. Besonders wichtig ist es bei Durchfall, den Flüssigkeits- und Mineralienhaushalt wieder auszugleichen. Bei Durchfall verliert der Körper größere Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten – er trocknet aus (dehydriert).

Achten Sie deshalb auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und nehmen Sie genügend Mineralstoffe auf. Es gibt auch fertige Elektrolytlösungen aus der Apotheke. Besprechen Sie sich aber mit Ihrem Behandlungsteam und nehmen Sie nicht auf eigene Faust Medikamente ein, auch keine freiverkäuflichen. 

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„Chemobrain“ – wenn das Gedächtnis streikt

Viele Frauen mit Brustkrebs berichten im Rahmen einer Chemotherapie von Konzentrationsproblemen, Denk-, Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen. Experten und Expertinnen haben dafür einen eigenen Begriff kreiert: „Chemobrain“, also „Chemo-Gehirn“. Wahrscheinlich ist das Chemobrain aber nicht allein auf die Chemotherapie zurückzuführen, sondern es spielen auch noch andere Faktoren mit, zum Beispiel die Krebserkrankung selbst, andere Krebstherapien, Ängste.

Es gibt keine spezielle Behandlung für die kognitiven Beeinträchtigungen, aber manchen Frauen helfen Bewegung, Entspannungstechniken, Yoga, Meditation, Musik oder ein Achtsamkeitstraining. Die Gedächtnisprobleme können sich mit der Zeit auch von selbst wieder bessern.

Nervenschäden – Zytostatika greifen die Nerven an

Manche Zytostatika schädigen die Nerven, meist an den Händen und Füßen (sogenannte periphere Nerven). Nervenschmerzen, Missempfindungen (zum Beispiel Kribbeln, Ameisenlaufen) und Taubheitsgefühle können die Folgen sein. Ärzte und Ärztinnen nennen dies „Chemotherapie-induzierte Polyneuropathien“. Es gibt keine medikamentösen vorbeugenden Maßnahmen, mit denen sich Nervenschäden verhindern lassen. Hilfreich kann aber ein regelmäßiges Bewegungstraining sein, vor allem der Finger- und Zehenfunktionen. Entsprechende Probleme sollten Sie möglichst frühzeitig Ihrem Behandlungsteam mitteilen.

In kleineren Studien wurde getestet, ob eine Kältebehandlung der Hände und Füße (Kältehandschuhe und –socken) während der Chemotherapie hilfreich sein kann. Auch die Kompression der Hände mit OP-Handschuhen haben Forschende untersucht. Die Studiendaten lieferten einige ermutigende Hinweise, schreibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ). Man müsse jedoch erst die Ergebnisse aussagekräftiger Untersuchungen abwarten.

Manchmal müssen Ärztinnen und Ärzte die Dosis der Zytostatika reduzieren. Damit vermindert sich aber auch die Wirksamkeit der Chemotherapie. Es gilt daher, Vorteile und Nachteile gut abzuwägen.

Fatigue – immer müde und erschöpft durch die Chemotherapie

Fatigue ist eine extreme Müdigkeit und Erschöpfung, die viele Krebskranke während und nach einer Chemotherapie erleben. Typisch für die Fatigue ist, dass sie sich auch durch ausreichend Schlaf und Ruhepausen nicht bessert. Wichtig bei Fatigue ist regelmäßige Bewegung, etwa ein täglicher, flotter Spaziergang. Auch körperliche Aktivität in Form von Sport kann helfen. Daneben kann sich die Fatigue durch psychologische Unterstützung bessern.

Chemo-Nebenwirkung: Störungen des Blutbildes

Die Chemotherapie attackiert auch verschiedene Blutzellen, die zum Großteil im Knochenmark gebildet werden. Dazu gehören die roten Blutkörperchen (Erythrozyten), weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Störungen des Blutbildes sind keine Seltenheit bei einer Chemotherapie. Daher kontrollieren Ärztinnen und Ärzte auch das Blutbild regelmäßig. Es können verschiedene Blutzellen vermindert sein:

  • Leukozytopenie (Leukopenie): Hier ist die Anzahl der Leukozyten zu niedrig. Die Anfälligkeit für Infektionen ist erhöht, weil diese Blutzellen für die Immunabwehr wichtig sind. Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze haben dann leichteres Spiel. Sie können in den Körper eindringen und Infektionskrankheiten auslösen.
  • Blutarmut (Anämie): Mangelt es an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), kann eine Blutarmut entstehen. Typisch bei einer Anämie ist unter anderem eine blasse Haut.
  • Thrombozytopenie (Thrombopenie): Dabei ist die Anzahl der Blutplättchen (Thrombozyten) vermindert und die Blutgerinnung ist beeinträchtigt. Sie funktioniert nicht so, wie sie eigentlich sollte und Betroffene haben eine erhöhte Blutungsneigung. 

In diesen Fällen kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz, welche die Anzahl an Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten erhöhen.

Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit als Nebenwirkung

Zytostatika können die Eizellen (und Samenzellen) schädigen und die Fruchtbarkeit vermindern. Frauen mit Brustkrebs und einem Kinderwunsch sollten sich – wie auch Frauen mit frühem Brustkrebs –  zur Möglichkeit eines Biomarkertests (Multigentests) beraten lassen, um ihr persönliches Rückfallrisiko sowie den Nutzen einer Chemotherapie besser abschätzen zu können. Die Beratung zeigt, ob der Biomarkertest für Sie eine Möglichkeit ist.

Auch sollten sich Frauen vor dem Beginn der Chemotherapie zu fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen beraten lassen. Es gibt verschiedenen Möglichkeiten. Sie können sich zum Beispiel zuvor Eizellen entnehmen und diese einfrieren lassen. Die Kosten für Kryokonservierung und Lagerung von Eizellen, Samenzellen und auch Eierstockgewebe übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. So können Frauen auch nach einer Chemotherapie oft noch auf natürlichem Weg schwanger werden.

Zusammengefasst

  • Welche Nebenwirkungen auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt von der Art der eingesetzten Zytostatika, deren Dosierung und dem gewählten Behandlungsschema ab.
  • Wie Frauen diese Nebenwirkungen der Chemotherapie empfinden und auch wie sie damit umgehen, ist individuell verschieden.
  • In den letzten Jahren wurden zahlreiche Wirkstoffe entwickelt, die weniger Nebenwirkungen hervorrufen.
  • Die Medikamente, mit denen sich die Nebenwirkungen behandeln lassen, (Supportivmedikamente) haben sich verbessert.
  • Sprechen Sie offen mit Ihrem Behandlungsteam und teilen Sie auch geringere Begleiterscheinungen. Gemeinsam finden Sie die individuell verträglichste Chemotherapie heraus.

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