Antioxidantien während der Krebstherapie

Redaktion Mamma Mia!

Auswahl von frischem Obst und Gemüse
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Antioxidantien aus Lebensmitteln wie Obst und Gemüse können Zellen vor aggressiven freien Radikalen schützen. Bei Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln ist jedoch Vorsicht geboten, besonders während einer Krebstherapie – sie können vielleicht mehr schaden als nutzen.

Viele Menschen mit einer Krebserkrankung wie Brustkrebs, Gebärmutterkrebs oder Hautkrebs wünschen sich, selbst etwas zu ihrer Gesundheit und zu ihrem Wohlbefinden beizutragen. Dafür liefert die Ernährung einen einfachen und oft ersten Ansatzpunkt. 

Bei einer Krebserkrankung ist allgemein eine gesunde, abwechslungsreiche und vollwertige Ernährung empfohlen. Viele Lebensmittel enthalten Antioxidantien, denen einige positive Wirkungen auf die Gesundheit zugeschrieben werden. Sie gelten als gute „Zellschützer“, sollen das Immunsystem stärken und vor manchen Krankheiten schützen.

Manche nehmen Antioxidantien aber nicht nur über ihre tägliche Ernährung, sondern zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel (Supplemente) oder angereicherte Lebensmittel zu sich. Expertinnen und Experten warnen jedoch davor, Nahrungsergänzungsmittel, die Antioxidantien enthalten, ohne vorherige Rücksprache mit dem Behandlungsteam während einer Krebstherapie einzunehmen. Der Grund: Sie könnten die Wirkung der Krebsbehandlung beeinflussen.

Antioxidantien kurzgefasst:
  • Antioxidantien besitzen schützende und gesundheits¬fördernde Wirkungen, wenn Sie diese in natürlicher Form zu sich nehmen – zum Beispiel in Form von Obst und Gemüse.
  • Dass Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln vor Krankheiten wie Krebs schützen können, ist wissenschaftlich nicht durch Studien belegt.
  • Manche Antioxidantien können bei Krebs sogar unerwünschte Wirkungen entfalten und die Wirksamkeit der Behandlungen beeinflussen, zum Beispiel einer Chemo- oder Strahlentherapie.
  • Antioxidantien wie Betacarotin als Nahrungsergänzungsmittel schützen nicht vor Krebs, sondern können sogar die gegenteilige Wirkung haben, zum Beispiel das Lungenkrebsrisiko steigern.

Was sind Antioxidantien?

Antioxidantien können die Zellen schützen, indem sie aggressive „freie Radikale“ abfangen. Das sind Sauerstoffverbindungen, die chemisch instabil und deshalb sehr reaktionsfreudig sind. Man spricht auch von Sauerstoffradikalen. Sie werden im Körper im Rahmen von Stoffwechselprozessen gebildet. Auch durch äußere Einflüsse wie Zigarettenrauch, Alkohol, eine ungesunde Ernährungsweise, Umweltgifte oder UV-Strahlung der Sonne können freie Radikale entstehen.

Die Gruppe der Antioxidantien umfasst verschiedene Stoffe, unter anderem:

  • Vitamine, z.B. Vitamin C, Vitamin E, Vitamin A oder Beta-Carotin (die Vorstufe von Vitamin A)
  • Mineralien wie Zink und Selen
  • Sekundäre Pflanzenstoffe wie Carotinoide, Flavonoide oder Saponine

 

Antioxidantien wirken jedoch meist nicht einzeln, sondern entfalten Ihre Effekte erst im Zusammenspiel mit anderen Antioxidantien. So sind zum Beispiel Vitamin C und Vitamin E sowie die Mineralstoffe Zink und Selen ein Bestandteil eines antioxidativen Netzwerks.

Schon gewusst?
  • Einem freien Radikal fehlt ein negativ geladenes Teilchen, ein sogenanntes Elektron.
  • Um das zu bekommen, greift es das nächst beste Molekül an, zum Beispiel in einer Zellmembran, und entreißt ihm das fehlende Elektron.
  • Weil dem angegriffenen Molekül jetzt ebenfalls ein Elektron fehlt, wird es selbst zu einem freien Radikal – und es entwendet vom nächsten Molekül ein Elektron.
  • Es kommt zu einer Kettenreaktion und die Zelle erlebt „oxidativen Stress“.

Oxidativer Stress kann Krankheiten begünstigen

Oxidativer Stress stört die Funktion von verschiedenen „Akteuren“ im Stoffwechsel des Körpers. Er kann die Funktionsfähigkeit von Molekülen, Eiweißen und Enzymen, Zellmembranen und Bindungsstellen (Rezeptoren) der Zelloberflächen, aber auch das Erbgut (DNA) beeinflussen. 

Oxidativer Stress gilt daher als Mitverursacher von vielen Beschwerden und Krankheiten. Zu ihnen gehören zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gelenkentzündungen (Arthritis) oder die Hautalterung. Auch bei der Krebsentstehung spielen freie Radikale vermutlich eine Rolle. Eine gesunde Ernährungsweise, die reich an Antioxidantien ist und freie Radikale unschädlich macht, kann daher grundsätzlich der Entstehung von Krebs entgegenwirken.

Antioxidantien während einer Krebstherapie

Wichtig ist: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Vitaminen und Mineralien in natürlicher Form, zum Beispiel aus frischem Obst und Gemüse, kann während einer Krebserkrankung und Krebsbehandlung hilfreich sein.

Allerdings greifen manche Betroffene zu Vitaminen und Mineralstoffen in Form von Nahrungsergänzungsmitteln (Supplementen). Ziel ist es, gesunde Zellen zu schützen, zum Beispiel vor den Einflüssen einer Chemotherapie. Bei dieser Krebsbehandlung kommen Zytostatika (Zellgifte) zum Einsatz, die alle Zellen angreifen, die sich schnell teilen. Dazu gehören nicht nur Krebszellen, sondern auch gesunde Zellen, beispielsweise der Haare oder Schleimhäute. Auch die Strahlentherapie kann gesundes Gewebe schädigen. 

Es gibt bisher keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Antioxidantien die Nebenwirkungen einer Krebstherapie vermindern können. Vielmehr könnten die Radikalfänger nicht nur gesunde Zellen, sondern auch Krebszellen vor Schäden schützen. Somit könnten sie die Wirkung der Krebstherapie abschwächen, warnt die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). 

„Antioxidantien wirken Oxidationsvorgängen entgegen und können somit offensichtlich auch Schäden an Krebszellen abwenden, die man mit einer Bestrahlung und/oder Chemotherapie gerade erreichen möchte“, erklärt Prof. Stephanie E. Combs von der DEGRO. Daher sollten Sie Nahrungsergänzungsmittel, die Vitamine und Mineralstoffe in hoher Konzentration enthalten, während einer Bestrahlung und/oder Chemotherapie möglichst nicht einnehmen. 

Einige Studien zu Antioxidantien und den Effekten bei Krebs:

Die Einnahme von Vitamin C könne die Wirksamkeit einer Strahlentherapie herabsetzen, berichtet das Portal „Nationale Dekade gegen Krebs“ unter Bezug auf verschiedene Studien. Das Gleiche gelte für Vitamin A und Beta-Carotin und alle anderen Antioxidantien, wenn Sie diese während einer Chemo- oder Strahlentherapie einnehmen – und zwar schon in üblichen Dosierungen in Nahrungsergänzungsmitteln.

Eine andere Studie ergab, dass die Vitamine A, C und E die Neubildung von Blutgefäßen anregen, die Tumoren mit Nährstoffen versorgen. Dadurch wachsen sie sogar schneller.

Die Ergebnisse der „MARIE-Studie“, an der Frauen mit Brustkrebs nach der Menopause teilgenommen hatten, sprechen ebenfalls für unerwünschte Effekte von Antioxidantien. Forschende hatten analysiert, ob es Zusammenhänge zwischen der Einnahme von Antioxidantien und anderen Nahrungsergänzungsmitteln während der Brustkrebstherapien und dem Verlauf beziehungsweise der Prognose der Erkrankung gibt. Ergebnis: Die Sterblichkeit war um das 1,6-Fache erhöht, wenn Frauen während der Bestrahlung oder Chemotherapie gleichzeitig Antioxidantien anwendeten. Das Risiko für einen Brustkrebs-Rückfall war sogar um das 1,8-Fache erhöht.

Antioxidantien zur Krebsvorbeugung?

Auch bei der Krebsprävention ist offenbar bei manchen Antioxidantien Vorsicht geboten, wie das Portal Nationale Dekade gegen Krebs schreibt. So habe eine Cochrane-Analyse ergeben, dass die Einnahme von Vitamin A, E und Betacarotin zur Krebsvorbeugung das Leben in Beobachtungsstudien sogar eher verkürzte.

Eine weitere Studie zeigte folgenden Zusammenhang: Wer rauchte und zur Prävention von Lungenkrebs Betacarotin zu sich nahm, hatte sogar ein höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken als die Kontrollgruppe, die kein Betacarotin eingenommen hatte. Das Erkrankungsrisiko der Tabakkonsumierenden stieg um 18 Prozent.

Mit Behandlungsteam über Ernährung sprechen

Um Risiken während einer Krebsbehandlung zu vermeiden, sollten Sie mit Ihrem Behandlungsteam über die Ernährung und vor allem über die Anwendung von Nahrungsergänzungsmitteln sprechen. Durch Therapienebenwirkungen wie Erbrechen oder Schleimhautentzündungen könne eine Unterversorgung mit bestimmten Nährstoffen entstehen, so Combs. Ein solcher Mangel lasse sich aber gezielt diagnostizieren und mit geeigneten Präparaten beheben.

Für Menschen mit einer Krebserkrankung ist – wie für gesunde Menschen auch – eine abwechslungsreiche, ausgewogene und vollwertige Ernährung empfohlen, die Obst und Gemüse, Eier, Milchprodukte, (wenig) Fleisch und Fisch beinhaltet und natürliche Antioxidantien enthält. Von der Einnahme hochkonzentrierter Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln rät die DEGRO ab.

FAQs: Antioxidantien bei Krebs

Normalerweise besitzen Antioxidantien aus natürlichen Quellen wie Obst und Gemüse schützende Wirkungen auf die Zellen und bieten Schutz vor manchen Krankheiten. Die Frage, ob Antioxidantien Krebs begünstigen können, ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich geklärt. Einige Studien lassen vermuten, dass Antioxidantien in Form von Nahrungsergänzungsmitteln eher ungünstige Effekte entfalten. Sie könnten zum Beispiel Krebszellen vor dem Angriff der Krebstherapien schützen und so ihre Wirkung herabsetzen. Auch das Risiko für manche Krebsarten könnte höher ausfallen.

Über eine vielfältige, gesunde und ausgewogenen Ernährung ist die Aufnahme von zu vielen Antioxidantien kaum möglich. Wer aber über Nahrungsergänzungsmittel zu große Mengen an einzelnen Antioxidantien aufnimmt, kann seinem Körper womöglich schaden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb Vorschläge für Höchstmengen für bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln erarbeitet.

Wenn Sie zu viele Antioxidantien zu sich nehmen, zum Beispiel über Nahrungsergänzungsmittel, können Stoffwechselprozesse negativ beeinflusst werden. So kann der natürliche Zellschutz womöglich aus dem Takt geraten. Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel oder mit Vitaminen angereicherte Lebensmittel daher nur in Absprache mit Ihrem Behandlungsteam ein.

Es gibt keine Empfehlung von Ernährungsbehörden, wie viele Antioxidantien Sie insgesamt pro Tag aufnehmen sollten. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt aber Referenzwerte zur Menge von Vitaminen und Mineralstoffen, die es pro Tag sein sollte. Das antioxidative Potenzial von Lebensmitteln wird oft mit dem sogenannten ORAC-Wert angegeben. Das Kürzel ORAC steht für engl. “Oxygen Radical Absorbance Capacity“. Gemeint ist damit die Fähigkeit, freie Radikale (Sauerstoffradikale) abzufangen. Beim ORAC-Wert handelt es sich um einen reinen Laborwert, der sich nicht auf Menschen übertragen lässt.

  • Nationale Dekade gegen Krebs, https://www.dekade-gegen-krebs.de/de/krebsforschung/aktuelles-aus-der-forschung/_documents/nahrungsergaenzungsmittel-bei-krebs.html (Abruf: 18.8.2026)
  • Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen, https://www.krebsgesellschaftnrw.de/komplementarmethoden/bedenkliche-massnahmen/analyse-freier-radikale/ (Abruf: 18.8.2026)
  • Verbraucherzentrale, https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/lebensmittel/nahrungsergaenzungsmittel/antioxidantien-helfer-gegen-freie-radikale-10575 (Abruf: 18.8.2026)
  • Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), https://www.degro.org/antioxidantien-koennen-die-wirksamkeit-der-brustkrebstherapie-vermindern/ (Abruf: 18.8.2026)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ), https://www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/detail/recherche-des-monats-antioxidantien-und-malignes-melanom
  • Scinexx, https://www.scinexx.de/news/medizin/antioxidantien-foerdern-durchblutung-von-tumoren/ (Abruf: 18.8.2026)
Kommentare • 10
  1. Ich hatte bzw habe ein Bronchialkarzinom dass bestrahlt
    wurde. Ich esse sehr gerne zu jedem
    Frühstück Ingwermarmelade. Ist
    dies schädlich für mich? (Antioxiden-
    tien)

  2. Meine Heilpraktikerin hat mir letztens erklärt, dass man bei Krebs kein B12 einnehmen soll, da es das Krebsrisiko/Tumorwachstum erhöhen kann!
    Ich selbst habe kein Krebs und bekommen öfter B12-Infusionen, da diese wirklich hilfreich sind für die Unterstützung der Heilung vieler Krankheiten. Bei Krebs sollte man da aber wohl vorsichtig sein. Vitalpilze helfen/unterstützen dagegen wohl recht gut.
    Am besten du fragst deine Heilpraktikerin diesbezüglich noch einmal.
    Ich drücke dir die Daumen!!

  3. Hallo,
    ich habe bzw. hatte Brustkrebs und jetzt Knochenmetastasen. Z.Zt. nehme ich Capecitabin Accord 500.
    Nun habe ich Vitamin B12 Depot-Infusion für 3 Monte bekommen. Meine Blutwerte wurden aber noch nicht untersucht. Ich bin völlig verunsichert, ob mir Vitamin B12 nun schadet, bzw. die Chemo nicht mehr wirkt.
    Wie ist das mit den Antioxidantien?
    Im Beipackzettel steht keine Warnung vor Vitamin B12.
    Vielen Dank
    Karin Berger

    1. Liebe Rita, vielen Dank für Ihre Frage. Bestimmte Zitrusfrüchte können den Stoffwechsel von Arzneimitteln beeinflussen. Dabei handelt es sich aber vor allem um die Grapefruit. Denn bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe in Grapefruits hemmen ein Enzym, das für die Verstoffwechselung vieler Arzneimittel verantwortlich ist. Ist eine solche Wechselwirkung für ein Krebsmedikament bekannt, raten Experten dazu, auf Grapefruits und auch auf deren Saft unter der Krebstherapie zu verzichten. Zudem sollten Patientinnen und Patienten auf Pomelos, Limetten und eine bestimmte, häufig in Marmelade verwendete
      Orangenart (Sevilla-Orange oder auch Bitterorange) verzichten, wenn für ihr Krebsmedikament eine Wechselwirkung mit Grapefruit bekannt ist. Normale Orangen und Orangensaft hemmen den Ab- und Umbau von Arzneistoffen hingegen offenbar kaum und klinische Auswirkungen auf Krebstherapien sind nicht bekannt. Auch für Zitronen wurden bisher keine Auswirkungen auf Krebsmedikamente berichtet.

      Herzliche Grüße

  4. Hallo,
    Darf man während einer Chemotherapie selber aufgezogene Sprossen weiterhin essen?
    Ich meine damit speziell Brokkoli-, Grünkohl und Alfalfa.
    Bin jetzt etwas irritiert..
    Evtl. kann mir hier jemand weiterhelfen.
    Dankeschön 👍

    1. Liebe Frau Frank,
      unsere Expertin hat wie folgt darauf geantwortet – und noch einige weitere Tipps für Sie:
      Ja selbst verständlich!!
      Generell gilt:
      Trinken Sie möglichst wenig Alkohol.
      Reduzieren Sie bei Übergewicht ihren Körperfettanteil, wobei dies langsam und nachhaltig passieren sollte.
      Schränken Sie den Verzehr von rotem Fleisch und Wurstwaren auf wenige Portionen pro Woche ein.
      1-2 Portionen Lebensmittel auf Sojabasis sind erlaubt und möglicherweise sogar günstig.
      Erhöhen Sie die Zufuhr von Gemüse, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten.
      Eine gute Möglichkeit, sich zu ernähren, bietet die Mediterrane Ernährung (pflanzenbasiert, ballaststoffreich, fleischarm, gute Fette).
      Kommen Sie in Bewegung.

      Herzliche Grüße
      Christiane Dettmer

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