Mamma Mia › Gebärmutterkrebs › Abstrich, Urin, Vaginalsekret – Gebärmutterkrebs zukünftig schonender diagnostizieren?
Gebärmutterkrebs wird in vielen Fällen erst erkannt, wenn er sich durch Symptome bemerkbar macht. Das wichtigste Warnsignal sind ungewöhnliche Blutungen, besonders nach der Menopause, dem Zeitpunkt der letzten Regelblutung. Wenn das Endometriumkarzinom früh diagnostiziert und behandelt wird, ist die Prognose in der Regel gut. Laut Robert Koch-Institut (RKI) werden fast sieben von zehn Endometriumkarzinomen in einem frühen Stadium festgestellt, in dem der Tumor noch auf den Gebärmutterkörper begrenzt ist.
Schonendere Diagnose von Endometriumkarzinomen
Normalerweise werden zur Diagnose von Gebärmutterkrebs verschiedene Untersuchungen durchgeführt, zum Beispiel ein transvaginaler Ultraschall (TVUS), eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) und zur endgültigen Sicherheit eine Gewebeentnahme (Biopsie). Das entnommene Gewebe wird anschließend im pathologischen Labor unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht. Die Biopsie selbst und die Wartezeit auf das Ergebnis können jedoch körperlich und seelisch belastend sein. Daher suchen Forschende nach neuen und nicht-invasiven Methoden, um ein Endometriumkarzinom einfacher, aber ebenso zuverlässig wie mit herkömmlichen Verfahren zu diagnostizieren.
- Gebärmutterkrebs könnte sich zukünftig durch nicht-invasive Methoden schonender diagnostizieren lassen. Dazu gehören zum Beispiel ein Abstrich oder Körperflüssigkeiten wie der Urin oder das Vaginalsekret. Eine Gewebeentnahme (Biopsie) wäre dann nicht mehr nötig.
- Solche Tests müssten jedoch eine hohe Sensitivität und Spezifität haben. Sie sollten zuverlässig krank als krank (Sensitivität) und gesund als gesund (Spezifität) erkennen. Im ersten Fall liegt eine Gebärmutterkrebserkrankung vor, im zweiten Fall nicht.
- Tests auf Gebärmutterkrebs könnten zum Beispiel bei ungewöhnlichen Blutungen während oder nach der Menopause zum Einsatz kommen.
Test auf Gebärmutterkrebs anhand eines Abstrichs
Ein Beispiel für einen solchen Test ist ein spezieller molekularer Test, der schon auf dem Markt ist. Die gesetzlichen Krankenkassen bezahlen ihn jedoch nicht. Ob die privaten Krankenversicherungen die Kosten übernehmen, hängt unter anderem von Ihrem Vertrag ab. Fragen Sie am besten vorher nach.
Der Test weist bestimmte Marker nach, die sogenannten DNA-Methylierungsmarker. Dabei sind an das Erbgut (die DNA) besondere chemische Schnipsel (Methylgruppen) angeheftet. Diese chemischen Anhängsel blockieren das Gen, sodass es nicht mehr abgelesen werden kann. Solche epigenetischen Veränderungen des Erbguts können im Lauf des Lebens auftreten, zum Beispiel durch Umwelteinflüsse oder den Lebensstil. Bei diesem molekularen Test werden epigenetische Veränderungen in zwei spezifischen Genregionen namens ZSCAN12 und GYPC untersucht. Beide stehen mit der Entwicklung von Gebärmutterkrebs und Gebärmutterhalskrebs in Zusammenhang.
Der Test lässt sich anhand eines Abstrichs (ähnlich wie beim Pap-Abstrich/Pap-Test) aus der Scheide und vom Gebärmutterhals durchführen. Er stellt eine Möglichkeit für Frauen dar, ungewöhnlichen Blutungen während oder nach der Menopause abklären zu lassen.
Es gibt mehrere Untersuchungen zur Sensitivität und Spezifität dieses Tests. Beide Kennwerte geben Aufschluss darüber, wie zuverlässig ein diagnostischer Test Erkrankte und Gesunde unterscheiden kann.
- Die Sensitivität liefert Aussagen über die Fähigkeit des Tests, eine kranke Person als krank zu erkennen – in diesem Fall eine tatsächliche Gebärmutterkrebserkrankung aufzuspüren.
- Die Spezifität besagt dagegen, wie gut der Test eine gesunde Person als gesund erkennt – also Frauen ohne Gebärmutterkrebs ausfindig machen kann.
- Laut dem Hersteller liegt die Sensitivität des molekularen Tests bei 91 Prozent, die Spezifität bei 97 Prozent.
Urin und Vaginalsekret zur Gebärmutterkrebsdiagnose
Ob sich Gebärmutterkrebs auch anhand von Urin- und Vaginalproben diagnostizieren lässt, untersuchte eine Forschungsgruppe um Helena O´Flynn von der University of Manchester in Großbritannien in einer Studie. Die Analyse von Körperflüssigkeiten könnte – ähnlich wie der Abstrich – die invasive Gewebeentnahme überflüssig machen.
Ein Grund für die Durchführung dieses Forschungsprojekts war laut den Initiatoren die Feststellung, dass bei 90 bis 95 Prozent der Frauen invasive Tests vermeidbar wären, da bei ihnen kein Endometriumkarzinom vorliegt. Die Ergebnisse der diagnostischen Genauigkeitsstudie wurden im Fachblatt Nature Communications veröffentlicht.
An der Studie nahmen 216 Frauen teil. Bei 103 Frauen war bereits ein Endometriumkarzinom bekannt oder es bestand der starke Verdacht darauf. 113 Frauen litten unter noch ungeklärten Blutungen nach der Menopause. Im Schnitt waren die Frauen 61 Jahre alt.
Im Rahmen einer zytologischen Untersuchung analysierten die Forschenden in einem kombinierten Test die Zellen aus dem Urin und der Vaginalflüssigkeit unter dem Mikroskop. Die Untersuchenden selbst wussten nicht, welche Proben von Frauen mit bereits diagnostiziertem Gebärmutterkrebs und welche von jenen mit den ungeklärten Blutungen stammten.
Endometriumkarzionome können Krebszellen über den Gebärmutterhals in den unteren Genitaltrakt abgeben. Die Annahme der Forschungsgruppe war daher, dass dies eine potenzielle Quelle für eine Flüssigbiopsie (Liquid Biopsy) sein könnte und sich damit ein Endometriumkarzinome unter Umständen auch anhand von Proben aus dem unteren Urogenitaltrakt diagnostizieren lassen.
Allgemeine Ergebnisse:
- Bei Frauen mit Gebärmutterkrebs wurden häufiger Blutspuren im Urin gefunden als in der Gruppe der Frauen mit ungeklärten Blutungen.
- Im Urin und in den Proben aus der Vagina von erkrankten und gesunden Frauen waren verschiedenste Arten von Zellen nachweisbar, zum Beispiel gutartige Urothelzellen und Plattenepithelzellen, die den Harntrakt auskleiden, aber auch Entzündungszellen.
- Gebärmutterkrebszellen zeigten sich in Form von Clustern (eng zusammenhängende Zellen) und verfügten über große, untypische Zellkerne.
98 von 103 Frauen mit der Diagnose beziehungsweise dem deutlichen Verdacht auf Gebärmutterkrebs unterzogen sich einer Entfernung der Gebärmutter, einer sogenannten Hysterektomie. Bei 84 jener 113 Frauen mit ungeklärten Blutungen wurde eine Gewebeentnahme vorgenommen. Sieben Frauen aus dieser Gruppe erhielten anschließend die Diagnose Gebärmutterkrebs, bei drei Frauen wurden atypische Zellveränderungen als Krebsvorstufen feststellt. Bei der Mehrzahl der Frauen mit auffälligen Blutungen war die Biopsie negativ – es lag also kein Endometriumkarzinom vor.
Bewertet wurden die Sensitivität und Spezifität des kombinierten Tests. Die Sensitivität lag bei 91,7 Prozent, die Spezifität bei 88,8 Prozent.
Die Ergebnisse im Einzelnen:
- Von den 103 bekannten oder stark verdächtigen Gebärmutterkrebsfällen identifizierte die zytologische Untersuchung 91 Fälle von Gebärmutterkrebs, zwei Fälle von Krebs in den Eileitern und einen Fall von Gebärmutterhalskrebs.
- In der Gruppe der Frauen mit den unerklärlichen Blutungen nach der Menopause ließen sich mit Hilfe der Zelluntersuchung vier Fälle von Endometriumkarzinomen und drei Fälle von anderen Krebsarten aufspüren: Gebärmutterhals-, Eierstock- und Blasenkrebs. Die ungewöhnlichen Blutungen hatten oft andere Gründe, meist eine rückgebildete und dünne Vaginalschleimhaut (vaginale Atrophie) oder gutartige Polypen. In einigen Fällen ließ sich keine Ursache ausfindig machen.
„Wir konnten zeigen, dass Gebärmutterkrebs anhand des Urins und der Vaginalflüssigkeit diagnostizierbar ist“, schreibt das Forschungsteam. Solche und andere Tests könnte also in Zukunft eine Rolle in der Diagnostik von Endometriumkarzinomen spielen.
Nein, bei Gebärmutterkrebs hat sich der Tumor im Gebärmutterkörper entwickelt (der Schleimhaut im Inneren = Endometrium), während Gebärmutterhalskrebs nur den unteren Teil der Gebärmutter betrifft. Allerdings kann sich Gebärmutterkrebs auch auf den Gebärmutterhals ausbreiten, wenn er nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt wird.
Bei einem Pap-Test werden durch einen Abstrich nur Zellen vom Muttermund und Gebärmutterhals entnommen. Dieses Zellmaterial wird unter dem Mikroskop untersucht. Das Gewebe stammt nicht aus der Höhle der Gebärmutter, wo Gebärmutterkörperkrebs entsteht. Der Pap-Test kommt daher in der Diagnostik von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) zum Einsatz. Ein auffälliger Pap-Test bedeutet, dass veränderte Zellen gefunden wurden. Je nach Ergebnis werden weitere Kontrollen beziehungsweise weitere Untersuchungen zur Abklärung empfohlen.
Daran wird noch geforscht. Wichtig ist, dass ein Urintest genauso zuverlässige Ergebnisse liefert wie herkömmliche und etablierte Methoden, die heute in der Diagnostik von Gebärmutterkrebs zum Einsatz kommen. Ein Test muss ein Endometriumkarzinom also sicher nachweisen oder eben ausschließen können. Bis es soweit ist müssen jedoch zunächst aussagekräftige Studien durchgeführt werden, damit Ärztinnen und Ärzte solche Tests irgendwann in ihrem klinischen Alltag anwenden können.
Es gibt nicht die eine und wichtigste Methode beim Verdacht auf Gebärmutterkrebs, sondern Ärztinnen und Ärzte nutzen eine Kombination mehrerer Verfahren. Dazu gehören zum Beispiel die körperliche, gynäkologische Untersuchung, aber auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder eine Gebärmutterspiegelung. Endgültige Gewissheit kann bislang nur eine Gewebeprobe (Biopsie) bringen. Die Analyse der Zellen unter dem Mikroskop zeigt, ob Krebszellen vorhanden sind oder nicht.
Ja, Blutungen nach den Wechseljahren sind ein Warnsignal, bei dem Sie zeitnah Ihre gynäkologische Praxis aufsuchen und die Symptome abklären lassen sollten. Ungewöhnliche Blutungen können verschiedene Ursachen haben – es muss nicht zwangsläufig Gebärmutterkrebs dahinterstecken.
- European Oncology Lab, https://www.europeanoncologylab.com/ (Abruf: 13.8.2026)
- O’Flynn, H., Ryan, N.A.J., Narine, N. et al. Diagnostic accuracy of cytology for the detection of endometrial cancer in urine and vaginal samples. Nat Commun 12, 952 (2021). https://doi.org/10.1038/s41467-021-21257-6 (Abruf: 13.8.2026)
NP-DE-AOU-WCNT-260015 (09/2026)
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