zurück zur Übersicht

Leber­metastasen

  • -
Print Friendly, PDF & Email

Lokale Therapieoptionen

Schreitet eine Brustkrebserkrankung fort, kann es sein, dass sich in der Leber Metastasen bilden. Diese können zum einen systemisch, zum anderen aber auch lokal behandelt werden. Dank intensiver Forschung konnten in den vergangenen Jahren neue Therapieoptionen entwickelt werden. Maßgeblich an der Entwicklung beteiligt ist das Leberzentrum an der Universitätsklinik in Frankfurt/M. Mamma Mia! sprach mit Prof. Dr. Thomas Vogl über lokale Therapiemöglichkeiten bei Lebermetastasen.

Mamma Mia!: Herr Prof. Vogl, wie machen sich Lebermetastasen bemerkbar?

Prof. Dr. Thomas Vogl: Bei vielen Patienten machen sich die Lebermetastasen bei Brustkrebs erst zu einem späten Zeitpunkt bemerkbar. Dann gehen lokale Beschwerden wie Druckgefühle, Gelbsucht und Schmerzen einher. Häufiger werden die Lebermetastasen im Rahmen von Ultraschalluntersuchungen, die als Kontrollen erfolgen, entdeckt und werden dann diagnostisch und therapeutisch weiter aufgearbeitet.

Mamma Mia!: Welche Diagnosemöglichkeiten gibt es?

Prof. Dr. Thomas Vogl: Als Diagnosemöglichkeiten steht heute einmal die Sonografie zur Verfügung. Genauer sind die Verfahren der Kernspintomografie (MRT) und der Computertomografie (CT). Werden Lebermetastasen entdeckt, wird überlegt, ob hier jeweils eine MR-, CT- oder ultraschallgesteuerte Biopsie zu erfolgen hat, um die Histologie zu prüfen und den Hormonstatus zu verifizieren. Das genaueste derzeitige Verfahren für eine genaue Abklärung ist die kontrastmittelverstärkte Kernspintomografie.

Mamma Mia!: Brustkrebspatientinnen werden bei Fortschreiten der Erkrankung meist systemisch mit einer Chemo- und/oder Antihormontherapie behandelt. Welche lokalen Therapieoptionen gibt es speziell bei Lebermetastasen?

Prof. Dr. Thomas Vogl: Als lokale Therapieoption speziell bei Lebermetastasen bietet die interventionelle Onkologie heute mehrere Möglichkeiten. Lebermetastasen können lokal behandelt werden durch eine lokalisierte Chemotherapie wie die transarterielle Chemotherapie (TACE) oder eine Chemoperfusion wie die transarterielle Chemoperfusion (TACP) kombiniert mit einer Embolisation. Bei der TACE wird eine hohe Dosis des Chemotherapeutikums über die Leberarterie gezielt an die Tumorzellen herangebracht, wobei die Kontaktzeit zwischen den Zytostatika und den Tumorzellen verlängert wird. Die Konzentration der Chemotherapeutika im Lebergewebe ist bis zu 100-fach höherer als bei einer systemischen Chemotherapie, das gesunde Lebergewebe wird geschont. Bei der TACP wird das Chemotherapeutikum mithilfe einer Pumpe direkt an den Tumorherd gebracht. Bei der Emoblisation werden die kleinen Blutgefäße, die den Tumor beziehungsweise die Metastasen versorgen, mithilfe kleiner Kunststoffartikel verschlossen. Zusätzlich kann im Einzelfall auch eine Embolisation mit radioaktiven Partikeln erfolgen wie bei der selektiven internen Radiotherapie Therapie (SIRT).
Im Falle von einzelnen Herden (kleiner als fünf Zentimeter, weniger als fünf Stück) können lokale ablative Verfahren eingesetzt werden, das heißt, dass das befallene Gewebe abgetragen wird. Es stehen verschiedene Verfahren wie die MR-gesteuerte laserinduzierte Thermotherapie (LITT), die Radiofrequenzablation (RFA) oder die Mikrowellenablation (MWA) zur Verfügung.

Zusammenfassend kann heute bei fortgeschrittenen Stadien eine Lebermetastasierung erfolgreich regional behandelt werden. Dies sollte in enger Absprache mit dem Tumorboard, dem behandelnden Gynäkologen wie auch dem Onkologen erfolgen. Gelingt eine Stabilisierung der Lebermetastasen, kann daraus eine signifikant deutlich verlängerte Überlebenszeit erzielt werden.

Mamma Mia!: Wie beurteilen Sie die derzeit üblichen, symptomorientierten Nachsorgerichtlinien bei Brustkrebspatientinnen? Wäre es in Anbetracht der lokalen Therapiemöglichkeiten nicht von Vorteil, wenn man Lebermetastasen in einem frühen Stadium entdecken würde – noch bevor sie Beschwerden verursachen? Wie würden Ihre Empfehlungen lauten?

Prof. Dr. Thomas Vogl: Bei Risikopatientinnen würde ich eine regelmäßige Oberbauchsonographie im Abstand von drei bis sechs Monaten empfehlen. Sollten beim Ultraschall Unklarheiten auftreten, wäre der frühe Einsatz der MRT sicherlich sinnvoll.


Vogl-Thomas-JProf. Dr. med. Thomas J. Vogl
Institut für Diagnostische und ­Interventionelle Radiologie
Universitätsklinikum Frankfurt/M.
Tel.: +49 (0)69 6301-7277
Fax: +49 (0)69 6301-7258
E-Mail

zurück zur Übersicht