Metastasierter Brustkrebs: Welche Therapie sich Patientinnen wirklich wünschen

Redaktion Mamma Mia!

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Die Behandlungsmöglichkeiten bei metastasiertem Brustkrebs werden immer besser – viele Patientinnen leben heute deutlich länger als noch vor einigen Jahren. Doch mit der längeren Lebenszeit wächst auch der Wunsch nach einer Versorgung, die nicht nur wirksam ist, sondern das Leben so lebenswert wie möglich macht. Eine aktuelle europäische Umfrage hat untersucht, welche Bedürfnisse, Erfahrungen und Wünsche Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs in Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich haben.

Die Befragung von 191 Frauen aus Deutschland, Italien und dem Vereinigten Königreich – vorgestellt von Eva Schumacher-Wulf und Renate Haidinger (Brustkrebs Deutschland e.V.) auf dem ESMO Breast Cancer Congress 2025 – zeigt, dass Patientinnen zunehmend eine aktive Rolle bei Therapieentscheidungen übernehmen möchten, und dass Faktoren wie Lebensqualität, Alltagstauglichkeit und Selbstbestimmung immer stärker in den Mittelpunkt rücken. 

Wer nahm an der Umfrage teil?

Zwischen Juli und Dezember 2024 nahmen insgesamt 191 Personen an der Studie teil, davon 98 Prozent Frauen. Die meisten waren zwischen 41 und 60 Jahre alt, und rund 83 Prozent hatten ihre Diagnose eines metastasierten Brustkrebses in den letzten fünf Jahren erhalten. Fast die Hälfte (46 Prozent) der Befragten gab an, an einem Hormonrezeptor-positiven und HER2-negativen Brustkrebs erkrankt zu sein. Mehr als die Hälfte der Patientinnen (57 Prozent) hatte Metastasen an nur einem Organ, bei etwa einem Viertel (26 Prozent) waren zwei Organe betroffen und bei 17 Prozent drei oder mehr. Am häufigsten traten Metastasen in Knochen, Leber, Lunge oder im Gehirn auf.

Was belastet die Patientinnen am meisten?

Die Umfrage zeigt, dass Nebenwirkungen für viele Betroffene eine große Herausforderung darstellen. Besonders häufig genannt wurden Müdigkeit (84 Prozent), Schmerzen (71 Prozent) und ein vermindertes sexuelles Verlangen (70 Prozent). Am stärksten beeinträchtigend waren laut Angaben der Patientinnen Müdigkeit (58 Prozent), Schmerzen (35 Prozent) sowie Durchfall oder Verstopfung (32 Prozent). Viele Betroffene empfinden die ständige Erschöpfung als das größte Hindernis im Alltag – sie wirkt sich auf Arbeit, Freizeit und soziale Beziehungen aus.

Lebensqualität im Fokus

Etwa ein Drittel (34 Prozent) der Befragten bewertete ihre Lebensqualität insgesamt als schlecht oder sehr schlecht. Besonders betroffen waren Patientinnen mit Lungen- oder Hirnmetastasen – hier gab rund die Hälfte an, sich stark eingeschränkt zu fühlen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass metastasierter Brustkrebs nicht nur körperlich, sondern auch emotional eine große Belastung darstellt.

Therapiepräferenzen: Wirksam, verträglich und möglichst alltagstauglich

Die Befragten wünschen sich vor allem wirksame Therapien mit möglichst wenigen Nebenwirkungen. 91 Prozent der Teilnehmerinnen gaben an, über zielgerichtete Therapien informiert zu sein. 60 Prozent glaubten, dass diese Behandlungen weniger Nebenwirkungen verursachen als eine Chemotherapie, und 64 Prozent sagten, sie möchten eine Chemotherapie so lange wie möglich vermeiden. 

Zudem empfinden viele Patientinnen zielgerichtete Therapien als einen wichtigen Fortschritt in der Krebsbehandlung. Sie verbinden damit die Hoffnung auf mehr Lebenszeit bei gleichzeitig besserer Lebensqualität.

Bevorzugte Behandlungsformen

Ein besonders klares Ergebnis zeigt sich bei der Frage nach der Art der Verabreichung: 90 Prozent der Patientinnen bevorzugten Tabletten oder Kapseln, also eine orale Therapieform, die bequem zu Hause eingenommen werden kann. An zweiter Stelle stand die subkutane Verabreichung (64 Prozent), also eine Injektion unter die Haut. Intravenöse oder intramuskuläre Behandlungen waren deutlich weniger beliebt. 

Die Gründe für diese Vorlieben sind nachvollziehbar: Viele Patientinnen schätzen die praktische Handhabung (75 Prozent), die Möglichkeit zur Anwendung zuhause (70 Prozent), die einfache Einnahme (63 Prozent) und den Verzicht auf Nadeln (42 Prozent). Orale Therapien vermitteln damit nicht nur Bequemlichkeit, sondern auch ein Stück Selbstbestimmung und Normalität im Alltag.

Erwartungen an neue Therapien

Wenn es um neue Behandlungsmöglichkeiten geht, stehen für die Patientinnen vor allem Wirksamkeit und Verträglichkeit im Vordergrund. Die wichtigsten Kriterien sind die Verlängerung der Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung (progressionsfreies Überleben, PFS) sowie die Verlängerung der Gesamtüberlebenszeit (OS). Fast ebenso wichtig ist eine gute Verträglichkeit, da viele Patientinnen den Erhalt ihrer Lebensqualität als gleichwertig mit der Wirksamkeit betrachten. 

Schlussfolgerung

Die Ergebnisse der Umfrage machen deutlich: Frauen mit metastasiertem Brustkrebs wünschen sich Therapien, die wirken – aber sie möchten dabei auch so gut wie möglich ihr gewohntes Leben weiterführen können. Der Wunsch nach oralen, gut verträglichen und alltagstauglichen Behandlungen zeigt, dass es bei modernen Krebstherapien längst nicht mehr nur um Lebensverlängerung geht, sondern auch um Lebensqualität und Selbstbestimmung. Die Ergebnisse machen auch deutlich, dass Nebenwirkungen einen unterschiedlichen Einfluss auf die Lebensqualität haben. Die, die am häufigsten auftreten, müssen nicht zwangsläufig am belastendsten sein. Diese Erkenntnisse geben Ärztinnen, Forschern und Gesundheitspolitikern wertvolle Hinweise darauf, wie wichtig es ist, Patientinnen in Therapieentscheidungen aktiv einzubeziehen und neue Behandlungsstrategien stärker an ihren Bedürfnissen auszurichten.

  1. Mamma Mia! Das Brustkrebsmagazin Ausgabe 01/2026, S. 10 f.
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