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Körper­bild und Körper­gefühl des Mannes

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Für viele Männer, die an Brustkrebs erkranken, ist der Einschnitt eine starke Verletzung des Körpergefühls. Die meisten fühlen sich vor der Erkrankung wohl und stark in ihrem Körper. In einem Zeitungsartikel aus der Freien Presse (Mittelsachsen) wird ein Patient zitiert: „Ich war in meinem gesamten Berufsleben vielleicht einen Monat krank. Arztbesuche oder gar Krankenhaus waren für mich Fremdwörter.“ Ein anderes Zitat eines männlichen Brustkrebspatienten geht in die gleiche Richtung: „Hoffentlich kommt mein Elan wieder. Ich fühle mich wie ein Auto, das nur noch auf zwei Zylindern läuft.“

Die Behandlung mit Antihormonen verursacht oft die gleichen Nebenwirkungen wie die Wechseljahre bei der Frau: Schweißausbrüche, Gefühlsschwankungen, Nachlassen der sexuellen Lust. Nehmen Männer auch noch GnRH-Analoga, die den Testosteronspiegel im Blut künstlich absenken, dann hat das erhebliche Auswirkungen auf Libido und Potenz. Wie zentral dieses Gefühl ist, und wie sehr Männer an der Wiederherstellung ihres gesunden und leistungsfähigen Körpers interessiert sind, zeigen die Erfahrungsberichte aus dem Netzwerk Männer mit Brustkrebs. Die Krankheit hinterlässt beim Mann sichtbare Spuren und Spuren, die sich in Kopf und Bauch manifestieren. Peter Jurmeister, der nach einem Rezidiv (örtlicher Rückfall) auch bestrahlt wurde, fasst seine Situation zusammen: „Was jetzt noch bleibt, ist eine lange Operationsnarbe, eine fehlende rechte Brustwarze, eine „kahle“ rechte Brusthälfte… und die Angst vor Rezidiven und Metastasen.“

Selbsthilfe, Beratung, Unterstützung

Peter Jurmeister hat sich intensiv mit allen wissenschaftlichen, klinischen, sozialen und emotionalen Fragen des Brustkrebses bei Männern befasst. 2010 hat er zusammen mit zwölf weiteren Männern unter dem Dach der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ ein Netzwerk für betroffene Männer gegründet. Brustkrebs bei Männern ist äußerst selten. Dass Männer sich über ihre Krankheit zu einer Gruppe zusammenschließen, ist noch seltener. Im August 2014 wurde dann das Netzwerk in einen rechtlich selbständigen eingetragenen, gemein-nützigen Verein überführt. Dieser Verein „Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V.“, der von 19 Mitgliedern der ehemaligen informellen Gruppe gegründet wurde, hat inzwischen mehr als 60 Mitglieder. Geblieben ist die Einbindung unter dem Dach der Frauenselbsthilfe nach Krebs, denn hier findet das Netzwerk eine breite Unterstützung wenn es um allgemeine Problemstellungen bei der Erkrankung oder um gesundheitspolitische oder organisatorische Fragen geht.

Auf der Homepage des Netzwerkes www.brustkrebs-beim-mann.de können sich betroffene Männer informieren, wie sie Kontakt zum Netzwerk aufnehmen können und was der Verein bietet, um betroffenen Männern Hilfestellung bei der Bewältigung der Erkrankung zu geben. Die Ansprechpartner des Netzwerkes, die auf der Homepage veröffentlicht sind, haben inzwischen weit mehr als 200 Männern Hilfestellung geben können, denn das Unterstützungsangebot ist unabhängig von einer Mitgliedschaft im Verein.

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