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Linderung der Beschwerden durch supportive Maß­­nahmen

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In der Krebsbehandlung werden zur Krankheitsbekämpfung oft schwere Geschütze aufgefahren: Mit mehr oder weniger harten Chemotherapien werden Krebszellen attackiert, die sich möglicherweise schon vor der operativen Entfernung des Tumors irgendwo im Körper angesiedelt haben. Diese systemische Behandlung nennt man „adjuvant“, also vorbeugend.

Übelkeit

Harte Medikamente können auch starke Nebenwirkungen haben. Von der Chemotherapie ist bekannt, dass sie in bis zu 80 Prozent der Fälle Übelkeit auslöst. Bei mehr als der Hälfte der Patienten geht die Übelkeit auch mit Erbrechen einher. Das berichtet die „pharmazeutische Zeitung online“ 37/2007 in dem umfassenden Artikel „Nebenwirkungen gezielt bekämpfen“.

Doch mit Übelkeit und Erbrechen wird der Patient nicht alleingelassen. So genannte supportive oder unterstützende Maßnahmen sollen Nebenwirkungen der Krebstherapie vorbeugen und lindern. Supportive Medizin ist aber nicht mit der so genannten „Alternativmedizin“ zu verwechseln. Für Alternativmedizin, die sich oft als Gegensatz zur Schulmedizin versteht, fehlt meist die wissenschaftliche Beweisführung. Sie wird deshalb auch selten von Ärzten verordnet oder von den Krankenkassen erstattet.
Supportive Medikamente werden in der Regel vom behandelnden Onkologen verschrieben, und zwar bevor es zu den unangenehmen Nebenwirkungen kommt. So wird nicht erst darauf gewartet, dass dem Patienten von der Chemotherapie schlecht wird. In onkologischen Praxen und Kliniken wird das Anti-Übelkeitsmedikament gleich mit auf den Heimweg gegeben.

Was gegen Übelkeit helfen kann:

  • Alles essen, worauf man Appetit hat. Alles weglassen, was einem zuwider ist.
  • Besser kalte oder lauwarme Speise zu sich nehmen.
  • Auf ganz Süßes, ganz Fettiges und ganz Scharfes verzichten.
  • „Sanfte“ Speisen wie Kartoffelbrei, Apfelmus und Quark zu sich nehmen.

Entzündungen im Mund

Zytostatika greifen besonders die Schleimhäute an. Das spüren viele Krebspatienten im Mundraum. „Nach den Chemotherapie-Infusionen hatte ich tagelang das Gefühl, als läge ein alter Flokati-Teppich in meinem Mund“, berichtet eine Brustkrebspatientin. Empfehlenswert ist eine gute Mundpflege – möglichst schon vor der Chemotherapie. Es ist gut, wenn die Zähne saniert und Zahnfleischentzündungen behandelt sind.

Regelmäßige Mundspülungen mit Salbeitee und Pinselungen mit Myrrhentinktur oder mit anderen vom Arzt empfohlenen Zubereitungen aus der Apotheke wirken desinfizierend und entzündungshemmend. Auch hilft es, wenn man Salbei-Bonbons lutscht – nicht zuletzt, um den ekligen Grundgeschmack aus dem Mund zu verbannen. Bei einem Pilzbefall sollte sich der Patient örtlich anzuwendende Anti-Pilz-Mittel verschreiben lassen. Bei größeren Problemen verordnen Ärzte auch spezielle Mundtherapeutika.

Probleme im Blutbild

Weil viele Chemotherapeutika auch die Bildung der Blutzellen im Knochenmark treffen, fallen bei nicht wenigen Patienten die weißen Blutkörperchen (Leukozyten) deutlich ab. Dies wird vom Onkologen genau beobachtet. Deshalb wird vor jeder Infusion der Anteil der weißen Blutkörperchen gemessen.

Liegt die Konzentration der Leukozyten unter 3.000, kann sich der Körper nicht so wirksam gegen Infektionen schützen. Als normal gelten 5.000 bis 10.000 Leukozyten in einem Mikroliter Blut. Chemo- und Strahlentherapie sollten pausieren, bis die Leukozyten im Blut des Patienten den Mindestwert wieder erreichen. Sobald die Leukozyten eine Konzentration von ungefähr 3.000 pro Mikroliter Blut haben, setzt der Arzt die Therapie fort.

Anhand bestimmter Entscheidungskriterien kann der Arzt die Gabe von speziellen Wachstumsfaktoren verordnen, die zur Gruppe der Zytokine gehören. Sie beschleunigen die Bildung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark.

Unter Umständen kann eine Chemotherapie auch Blutarmut hervorrufen. Das erkennt der Arzt am Blutbild. Blutarmut wird auch Anämie genannt und verursacht Müdigkeit und Schwäche. Die Ursachen müssen genau abgeklärt werden. Die Behandlung sollte sich auf den Auslöser wie etwa Eisen- oder Vitaminmangel konzentrieren. So kommt bei nachgewiesenem Eisenmangel die Einnahme von Eisenpräparaten infrage. Liegt ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure vor, so ist die entsprechende Gabe sinnvoll.

Fatigue

Unter Fatigue versteht man einen Komplex von Symptomen, die mit starker Müdigkeit und Erschöpfung beschrieben werden. Hinzu kommen Aktivitätsminderung, Verlust des Elans und körperliche Schwäche. Zusätzlich können psychische Veränderungen auftreten: Traurigkeit, Angst und Anspannung, verminderte Aufmerksamkeit und Konzentrationsschwächen, Interessenverlust und sozialer Rückzug. Vermutlich leiden mehr als 50 Prozent aller Krebspatienten unter dem Fatigue-Syndrom. Neben der Chemotherapie ist auch die Bestrahlung ein Faktor, der Fatigue auslösen kann.

Manche Symptome sind durch ausreichenden Schlaf, intensives Ausruhen, Spaziergänge oder Entspannungsübungen zu lindern. Aber das führt nicht immer zu einem besseren Gefühl in Körper und Psyche. Hier kann die supportive Medizin helfen.

Ob (in seltenen Fällen) eine Bluttransfusion (Konzentrat roter Blutkörperchen) nötig ist, machen die behandelnden Ärzte von den Befunden und Beschwerden des Patienten abhängig. Es können spezielle Wachstumsfaktoren verabreicht werden: Erythropoetin regt im Knochenmark die Bildung roter Blutkörperchen an. Der Arzt wird die Therapie so steuern, dass der Hämoglobinwert (Hämoglobin ist der rote Blutfarbstoff) 11 bis 12 g/L nicht überschreitet.

Verdauungsprobleme

Chemotherapien können sowohl Durchfälle auslösen als auch zu hartnäckiger Verstopfung führen. Weil die Zytostatika nicht nur die Krebszellen, sondern auch die sich schnell teilenden Zellen des Magen-Darm-Trakts schädigen, kann es zu Durchfällen kommen. Aber auch das Gegenteil wird berichtet. Viel Brustkrebspatienten klagen über anhaltende Verstopfung nach den Chemotherapie-Infusionen. Bei beiden Symptomen ist der Arzt gefragt und kann die entsprechenden Medikamente verschreiben. Auch in der Apotheke gibt es neben Beratung lindernde Mittel. Ernährungsempfehlungen können die medikamentöse Therapie unterstützen.

Was hilft bei Durchfällen?

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr – Mineralwasser, schwarzer Tee und klare Brühe.
  • häufiger Lebensmittel wie Weißmehlprodukte, Bananen, geriebene Äpfel, Apfelmus, Haferschleim, Reis, Nudeln, Kartoffeln in den Speiseplan einbauen.
  • Verdauungsfördernde Lebensmittel wie beispielsweise Vollkornprodukte, Nüsse, gebratene fettreiche Nahrung, eingelegte und rohe Speisen, Kaffee, Alkohol sowie starke Gewürze sollten reduziert oder vermieden werden.

Was hilft bei Verstopfung?

  • Eine ballaststoffreiche und motilitätsfördernde Kost.
  • Vollkornprodukte, Kleie, frisches Obst und Gemüse, Trockenpflaumen, Pflaumensaft bevorzugen.
  • Lebensmittel wie Käse und Weißmehlprodukte meiden.
  • Moderate körperliche Bewegung sowie ausreichend Flüssigkeit sind ebenfalls wichtig.

Generell gilt, dass sich Krebspatienten mit den beschriebenen Beschwerden auch an ihre Apotheker wenden können. Die kennen die Nebenwirkungen von Strahlen- und Chemotherapien und können beraten, informieren und empfehlen.


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